Ökostrom-Label: die wichtigsten Siegel im Vergleich

Foto: © by-studio - Fotolia.com

Ökostrom-Label sollen die Einhaltung wichtiger Kriterien garantieren und einen Vergleich ermöglichen. Allerdings gibt es mehrere Ökostrom-Siegel – die teils auch unterschiedliche Schwerpunkte setzen. Utopia.de sagt, auf welche Ökostrom-Label du dich verlassen kannst, und nennt die Haken.

Ökostrom ist nicht gleich Ökostrom: Verschiedene Label sollen die Angebote und transparenter und dem Kunden so einen Vergleich erlauben, doch ihre Vielzahl stiftet eher Verwirrung. Hier sind die relevanten.

Das Ökostrom-Label „Grüner Strom“

Ökostrom-Label: Grüner Strom

Hinter dem Trägerverein des Labels Grüner Strom stehen beispielsweise die Umweltverbände Euro-Solar, BUND und NaBu. Man wirbt mit „mehr als 70 Energieversorgern“, die ein solchermaßen geprüftes Produkt anbieten.

Das älteste deutsche Grünstrom-Label Grüner Strom achtet auf „100 Prozent echten Ökostrom aus erneuerbaren Quellen“. Wichtig sind daneben garantierte Investitionen eines Erlös-Teiles in neue Grünstrom-Anlagen oder Kraft-Wärme-Kopplung. Dafür müssen – je nach Stromverbrauch des Kunden – zwischen 0,2 und 1,0 Cent pro Kilowattstunde eingesetzt werden. Eine Förderung von Wasserkraft wird nur anerkannt, wenn sich die Gewässerökologie deutlich verbessert, etwa durch Schutzeinrichtungen für Fische.

Früher gab es das Grüner-Strom-Label noch in Wertungen wie „Silber“ und „Gold“, seit 2015 gibt es nur noch das Grüner-Strom-Label. Oder eben nicht – etwa für Betreiber, die noch Atom- und neuen Kohlekraftwerke betreiben.

Das Ökostrom-Label „ok power“

Ökostrom-Label: ok power

Mit dem Label ok power hat der Verein „EnergieVision“ sind seit 2016 100 geprüfte Grünstrom-Produkte für etwa 1,7 Mio Haushalte zertifiziert. Damit verfügt das ok-power-Label, hinter dem ein Forschungs-Institut aus Hamburg steht und an das Öko-Institut beteiligt ist, ebenfalls über große Reichweite und Bedeutung.

Neben der 100-prozentigen Versorgung mit Ökostrom müssen die geprüften Energieversorger dito einen Umsatzanteil von 0,2 bis 0,5 Cent/kWh abzweigen: entweder für Neuanlagen oder „die Integration von erneuerbarer Energie oder Energieeffizienz“.

Kein Label erhalten Anbieter, die entweder direkt oder als Konzerntochter an Atom- oder Braunkohlekraftwerken beteiligt sind. Auch der Neubau von Steinkohle-Meilern ist ein No-Go. Zudem darf es keine Mindest-Abnahmemenge und keine Vorkasse geben.

TÜV Süd: Standards EE01 und EE02

Ökostrom-Label: TÜV Süd EE01 (auch: EE02)

Gleich zwei verschiedene Grünstrom-Zertifizierungen bietet der TÜV Süd mit Sitz in München an, wo man sich übrigens als Konkurrent des TÜV Nord begreift.

Beiden gemeinsam ist die 100-Prozent-Abdeckung – das Label EE 02 verlangt jedoch, dass dieser Ökostrom auch zeitgleich zum Verbrauch des Kunden bereitgestellt wird. Vereinnahmte Preisaufschläge müssen mindestens zu 75 Prozent „der Förderung des Klimaschutzes“ zukommen. Dazu zählen neben dem Zubau von Ökostrom-Anlagen aber auch Förderprogramme für Wärmepumpen sowie „Forschungsprojekte in Zukunftsenergien“.

Neue EE-Anlagen dürfen beim TÜV Süd auch schon mal 15 Jahre alt sein. Ein ökologischer Zusatznutzen wird nicht gefordert. Laut TÜV Süd wurden beide Label zusammen mehr als 50 Mal in Deutschland vergeben.

Anbieter-Label „Energiewendeunternehmen (EWU)“

Energiewendeunternehmen (EWU) (TÜV Süd)

Das Label „Energiewendeunternehmen (EWU)“ zeichnet nicht Grünstrom-Produkte aus, sondern „Unternehmen, die bereits jetzt den Erfordernissen der Energiewende in besonderem Maß gerecht werden“.

Zu den Kriterien für Energiewendeunternehmen zählt, dass alle angebotenen Grünstrom-Tarife ein Qualitätslabel tragen müssen. Zudem muss u. a. der Energie-Anteil aus erneuerbaren Quellen im Unternehmens-Mix um ein Drittel höher ausfallen als der nationale Durchschnitt – und Atomstrom ist tabu.

Sofern man selbst Strom produziert, muss der grüne Anteil mindestens 80 Prozent betragen. Beteiligungen an Kohle- und Atomenergie dürfen nicht ausgebaut werden. Das Unternehmen muss außerdem mindestens 75 Prozent Ökostrom für den eigenen Bedarf nutzen.

„Geprüfter Ökostrom“: TÜV Nord

TÜV Nord: Geprüfter Ökostrom

Auch hier ist die 100-Prozent-Vollversorgung mit Grünstrom erste Bedingung. Daneben muss mindestens ein Drittel des Produktvolumens aus EE-Anlagen stammen, die nicht älter als sechs Jahre sind. Alternativ kann der Stromanbieter 0,1 bis 0,25 Cent/kWh in den Zubau solcher Anlagen stecken.

TÜV Nord achtet darauf, dass etwa die Menge des Ökostroms nicht künstlich aufgebläht wird: Bei Pumpspeicher-Kraftwerken zählt als Energieträger nur der natürliche Wasserzufluss – nicht die (mit Strom) zur Speicherung und Wiederverwertung hochgepumpte Menge.

Allerdings zählt(e) der TÜV Nord auch Energie aus Kraft-Wärme-Kopplung, wie sie etwa in Erdgas-Blockheizkraftwerken entsteht, zu den „Erneuerbaren“ – eine sicher umstrittene Deutung.

Das internationale Ökostrom-Label „EKOenergie“

Ökostrom-Siegel EKOenergie

Das Zertifikat bescheinigt Energieversorgern, dass der Ökostrom aus naturverträglichen Anlagen stammt. Alle Kraftwerke müssen ausgesuchten Nachhaltigkeitskriterien folgen: Anlagen dürfen nicht in Naturschutzgebieten, Natura-2000-Gebieten, Vogelschutzgebieten oder UNESCO-Welterbestätten befinden und die Natur darf nur „geringfügig verändert“ werden.

Das Ökostrom-Siegel bescheinigt, dass 0,0001 €/kWh (0,10 €/MWh) – bei Bezug von Wasserkraft zusätzlich 0,0001 €/kWh – in einen Umweltfonds investiert werden und es eine verlässliche Stromrückverfolgung sowie Informationen über die Herkunft und Produktionsweise des Stroms gibt (RECS/EECS erlaubt). Derzeit gibt es nur 5 Stromanbieter in Deutschland, die mit dem EKOenergie-Siegel zertifiziert wurden.

  • Utopia-Bewertung: bedingt empfehlenswert
  • Details zum Ökostrom-Label: EKOenergie
  • Anbieter mit einem Tarif mit EKOenergie-Label in der Utopia-Bestenliste Ökostrom: für Endkunden derzeit keiner

Ökostrom-Label und kritische Besitzverhältnisse

Bis vor einem Jahr bürgten Ökostrom-Label ausschließlich für die Qualität des umweltfreundlichen Stromtarifs. Diese Vorgehensweise ist inzwischen umstritten. Denn ein Ökostrom-Angebot schließt ja nicht aus, dass der jeweilige Energieversorger außerdem noch massig fossil und atomar erzeugten Graustrom anbietet.

Beispiel: „NaturEnergiePlus“ wird für sein Grünstrom-Angebot von den Kollegen von Öko-Test mit „sehr gut“ bewertet. Alleiniger Gesellschafter des Anbieters ist aber der Atomkonzern EnBW – und in dessen Energiemix kommen Kohle und Atom mit 65,5 Prozent auf fast zwei Drittel Anteil. Puristen ist das ein Graus. Die Bestenliste Ökostromanbieter berücksichtigt daher auch Besitzverhältnisse.

Warum gute Anbieter auf Ökostrom-Label verzichten

Namhafte und nachweislich „reine“ Anbieter tragen bestimmte Ökostrom-Labels nicht, sind aber dennoch empfehlenswert. Das hat verschiedene Gründe.

Einige Labels betrachten ausschließlich den Strom – aber nicht die Mühen des Unternehmens, sich an der Entwicklung einer deutschen Ökoenergie-Infrastruktur zu beteiligen. Deutschlands größter konzernunabhängiger Grünstrom-Anbieter LichtBlick boykottierte 2015 erstmals das Prüfverfahren für die EcoTopTen des renommierten Freiburger Öko-Institutes. Greenpeace Energie verzichtete lange auf ein Siegel. EWS Schönau nimmt nach eigenen Angaben aus Kostengründen nur das preiswerte TÜV-Nord-Siegel und belegt dann individuell, dass es ein astreiner Anbieter ist.

In der Utopia-Bestenliste Die besten Ökostrom-Anbieter versuchen wir, dem gerecht zu werden – und richten uns nicht allein nach Siegeln, sondern auch nach Empfehlungen des Ökoinstituts EcoTopTen, nach Empfehlungen und Test des Verbrauchermagazins Ökotest, nach Empfehlungen von Naturschutz-NGOs. Wir vermerken positive Nachhaltigkeitsarbeit im Text, kritisieren aber zugleich fehlende Siegel, weil diese aus unserer Sicht wichtig wären, dem Konsumenten die Entscheidung zu erleichtern.

Ökostrom-Label = im Vergleich gut?

Machen Ökostrom-Label die Tarife vergleichbar und transparent? Die Antwort lautet leider: Ja, aber.

Ja: Siegel wie Grüner Strom und ok power sind zweifellos aussagekräftig und garantieren, dass bestimmte Kriterien eingehalten werden. Aber es geht eben noch besser, wie einige Ökostrom-Anbieter vormachen, und zugleich zeigt sich, das das Fehlen solcher Siegel auch nicht unbedingt bedeutet, dass der Ökostrom schlecht ist. Eine wirklich zufriedenstellende Orientierung bieten Ökostrom-Labels derzeit eher nicht.

Weiterlesen auf Utopia.de:

Externe Hilfen:

Gefällt dir dieser Beitrag?

Vielen Dank für deine Stimme!

Schlagwörter:

(2) Kommentare

  1. Hey, danke für die Auflistung.
    Könnt ihr vlt auch was zu EkoEnergie sagen? Muss mich grad zwischen TÜV Nord und EkoEnergie entscheiden und bin mir noch nciht ganz schlüssig..

    Beste Grüße und Dank für eure Arbeit!!

  2. Alles versiegelt :))) , aber in Wahrheit geht es auch anders: “ https://aae.at/
    Platz 1 im GREENPEACE Stromcheck,
    ausgezeichnet mit dem GREENBRAND,
    von Global 2000 und WWF empfohlen
    und von tausenden Anwendern, Firmenkunden und Privatanwendern, bereits begeistert verwendet.
    Hier ist jeder “ klima:aktiv mobil „

** Links zu Bezugsquellen sind teilweise Affiliate-Links: Wenn ihr hier kauft, unterstützt ihr aktiv Utopia.de, denn wir erhalten dann einen kleinen Teil vom Verkaufserlös.