Öko-Test Vollkornspaghetti: Von „sehr gut“ bis indiskutabel

Foto: © Öko-Test

Vollkornspaghetti sind oft mit Schimmelpilzgiften belastet – das zeigen die Ergebnisse der Spaghetti im Test des Verbrauchermagazins Öko-Test. 20 Packungen Vollkornspaghetti haben die Experten getestet, immerhin acht sind empfehlenswert.

Vollkornspaghetti gelten als gesund und sind inzwischen auch in Bio-Qualität bei Supermärkten und Discountern erhältlich. Im Gegensatz zu normalen Spaghetti sind die Vollkornspaghetti besonders reich an Ballaststoffen: Eine Portion (125 Gramm) enthält etwa zehn Gramm Ballaststoffe und liefert somit ein Drittel der empfohlenen Tagesmenge an Ballaststoffen.

Außerdem enthalten Vollkornspaghetti viermal mehr Mineralien als normale Pasta. Vor allem Eisen, Magnesium, Zink und B-Vitamine stecken in der Vollkornpasta. Denn während normale Spaghetti nur aus dem Mehlkörper des Getreidekorns bestehen, werden in Vollkornspaghetti auch Teile der äußeren Kornschichten verarbeitet. Dort befinden sich die meisten Nährstoffe. Allerdings ist Vollkorn auch anfälliger für Schimmelpilzgifte. Öko-Test hat daher geprüft, mit welche Mengen an giftigen Schimmelpilzen Vollkornspaghetti belastet sind.
Öko-Test Vollkornspaghetti – Alle Testergebnisse als PDF**

Vollkornspaghetti im Test: Bio-Produkte sind Testsieger

Öko-Test hat die Spaghetti im Labor auf Pestizide, Schimmelpilzgifte, Schwermetalle und Mineralölbestandteile hin untersuchen lassen. Sensorik-Experten haben außerdem Geschmack, Geruch und Mundgefühl der Pasta bewertet. Das Ergebnis:

  • Acht Vollkornspaghetti sind „sehr gut“, sie alle haben Bio-Qualität. Sie bestehen aus Hartweizenvollkornmehl, Vollkorn-Hartweizengrieß oder Dinkel-Vollkornmehl. Konventionelle Vollkornspaghetti sind „gut“ oder schlechter.
  • Unter den acht Testsiegern befinden sich günstige Discounter-Produkte, wie etwa die Bio-Spaghetti von Lidl. Aber auch Marken-Produkte wie die Dinkel-Vollkornspaghetti von Naturata mit Demeter-Siegel.
  • Mineralölrückstände befinden sich in den acht Testsiegern nicht oder nur in geringen Spuren.

„Über Geschmack lässt sich streiten“, schreibt Öko-Test und empfiehlt Vollkorn-Muffeln, mit weniger herben Vollkornspaghetti zu beginnen oder sie mit herkömmlicher Pasta zu mischen. Nur leicht herb sind beispielsweise die Vollkornspaghetti von Netto.

Schimmelpilzgifte in Spaghetti: Auch Bio-Produkte betroffen

Lecker zubereiteter Spinat passt bestens zu Vollkorn-Spaghetti.(Foto: Pascal Thiele / Utopia.de)
Vollkornspaghetti sind oft mit Schimmelpilzgiften belastet.

Von den getesteten Vollkornspaghetti ist nur ein einziges Produkt vollständig frei von nachweisbaren Schimmelpilzgiften. Bei neun weiteren Spaghetti sind die giftigen Schimmelpilze nur in so geringen Spuren enthalten, dass Öko-Test trotzdem noch ein „sehr gut“ oder „gut“ vergeben konnte. Davon sind die meisten Bio-Produkte. Doch in einigen Bio-Produkten sowie in konventionellen Spaghetti gibt es größere Mengen des Gifts:

  • Deutliche Mengen der Schimmelpilzgifte hat Öko-Test in insgesamt elf Produkten gefunden, fünfmal sogar „stark erhöhte“ Mengen. Sie haben mit „befriedigend“ oder schlechter abgeschnitten.
  • Besonders hohe Mengen hat das Labor zum Beispiel bei den Vollkorn-Spaghetti von Alnatura und der Bio-Pasta eines Discounters nachgewiesen. Beide sind „mangelhaft“, denn der Gehalt liegt über der tolerierbaren Menge von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA).

Bei den Schimmelpilzgiften handelt es sich um Stoffe aus der Gruppe der T2- und HT2-Toxine. Sie können „Blutzellen und das Immunsystem schädigen“, erklärt Öko-Test. Problematisch ist zudem, dass die Gifte auch meist Kochen überstehen. Laut dem Verbrauchermagazin seien die mit Schimmelpilzgiften belasteten Spaghetti zwar „nicht akut gefährlich“. Allerdings sollten Verbraucher besser zu den Testsiegern greifen.

Marken-Vollkornspaghetti bei Öko-Test

Wer sich den Ruf großer Marken verlässt, zahlt offenbar viel Geld, ohne immer ein besseres Produkt zu bekommen. Denn bei Öko-Test haben große Marken fast durchweg schlecht abgeschnitten:

  • Die Vollkornspaghetti von Barilla enthalten erhöhte Mengen an Schimmelpilzgiften, sodass Öko-Test sie mit „befriedigend“ bewertet hat. Wenigstens sind sie frei von Mineralölrückständen.
  • Die Spaghetti der italienischen Pasta-Marke „Buitoni Integrale Spaghettini“ sind durchgefallen: „Ungenügend“ vergab Öko-Test wegen zwei besonders bedenklichen Pestiziden und einem stark erhöhten Schimmelpilz-Gehalt. Die beiden Insektenspritzgifte Cypermethrin und Pirimiphos-methy hatte das Labor nachgewiesen. Sie liegen zwar unter dem Grenzwerte, sind aber schädlich für Bienen.

Öko-Test Vollkornspaghetti – Alle Testergebnisse als PDF**

Alle Ergebnisse und Details findest du in Ausgabe 03/2020 von Öko-Test sowie online auf www.ökotest.de.

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(3) Kommentare

  1. Wie schafft man es so viele Gifte in ein so einfaches Produkt wie Nudeln einzubauen ?
    [obwohl: https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/pro-ovo-lebensmittelskandal-eier-1.4807560 ]
    Wir sind dabei uns gegenseitig zu vergiften.

    Ich finde es gut, dass Öko-Test genau hinschaut. Allerdings finde ich es ein Unding, dass nicht mal die Marken die Auffälligkeiten zeigen, klar benannt werden!
    Dafür soll man sich dann wieder das PDF für 2,50 € runterladen!

    Kapitalismus nervt: die einen panschen günstige, bedenkliche Stoffe zusammen, die anderen manchen Geld mit der Angst.
    [und warum kann nicht mal utopia alle kritischen Marken benennen? Oder ist das hier nur Werbung für Öko-Test?]

    Und was macht eigentlich der Staat? Sollte er nicht kontrollieren, das Lebensmittel komplett bedenken frei sind?
    Chemische Lebensmittelanalysen sollte der Staat von jedem gängigen Produkt veröffentlichen, so dass jeder selbst entscheiden kann, wie sehr er oder sie sich selbst vergiften will.

  2. Die Stiftung Warentest ist unabhängig und soweit ich weiß gibt es dort auch keine Werbung. Das heißt die Finanzierung geschieht unter anderem durch den Verkauf des Heft Stiftung Warentest oder durch den Verkauf der PDF. Wenn Utopia nun daher gehen würde und die kritischen Marken benennt, wer würde dann noch test kaufen? Und wenn niemand Test kauft, gibt es bald auch keine Tests mehr.

  3. In diesem Fall ist der Test von Öko-Test und nicht von Stiftung Warentest.

    Genau das ist das Problem. Es geht immer nur um Geld.
    Würde die Hersteller nicht auf super günstige, aber mitunter giftige, Zutaten zurückgreifen, um ihren eigenen Gewinn zu maximieren, dann müßte Öko-Test gar nicht erst auf Giftstoffe testen, wodurch sich dann auch deren Geschäftsmodell erledigt hätte. Und Utopia müßte hier nicht einen von Ökotest bezahlten Artikel einstellen.

    Jeder macht das Falsche, ist aber egal, weil jeder verdient Geld damit.
    Damit ist alles zu rechtfertigen.