Dieses Kaufhaus erlaubt Containern – und gibt Tipps, wie es richtig geht

Foto: © wirfuerdieerde

Containern ist verboten: Wer in Deutschland Lebensmittel aus Supermarkt-Mülltonnen holt, macht sich strafbar. Ein Bremer Kaufhaus wehrt sich gegen das Gesetz – und stellt seine Müllcontainer Bedürftigen und Lebensmittelrettern zur Verfügung.

Normalerweise müssen Lebensmittelretter möglichst heimlich vorgehen, wenn sie weggeworfenes Essen aus Supermarkt-Containern einsammeln. Würde man sie erwischen, müssten sie mit einer Anzeige wegen Diebstahl und einer Geldstrafe rechnen.

Beim Kaufhaus „Lestra“ in Bremen können sie sich jedoch unbehelligt aus den Mülltonnen bedienen. Das Kaufhaus erlaubt das sogenannte Containern – und unterstützt es sogar. „Grüßt freundlich, nehmt was ihr braucht, hinterlasst den Ort sauber“, schreibt das Kaufhaus in einem Facebook-Post.

Container-Regeln für die Lebensmittelretter

Lestra hat mit dem Post außerdem ein Foto von einem hauseigenen Müllcontainer veröffentlicht, an dem ein Schild mit „Container-Regeln“ hängt. Die Regeln sollen den Lebensmittelrettern dabei helfen, zu erkennen, welche Nahrungsmittel sie problemlos verwerten können – und welche sie lieber in der Tonne lassen sollten.

So schreibt Lestra beispielsweise, dass Milchprodukte auch nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums oft noch essbar seien. Das gelte auch für Obst und Gemüse mit braunen Stellen. Bei Schimmel oder unangenehmen Geruch hingegen solle man den Fund lieber im Container lassen. Auch bei Konserven und Trockenwaren sollten sich die Lebensmittelretter auf ihren Geruchssinn verlassen. Davon, Fleisch und Fisch mitzunehmen, rät Lestra grundsätzlich ab.

Geldstrafen für Containern

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Containern ist verboten. (Foto: CC0 Public Domain / Pixabay)

Mit den Regeln erhofft sich Lestra, das Containern sicherer zur machen. Außerdem geht es dem Kaufhaus darum, „sowohl den Bedürftigen als auch den Lebensmittelrettern die Angst zu nehmen, von uns ‚erwischt‘ zu werden. Unsere Mitarbeiter schicken niemanden weg.“

Lestra geht damit einen anderen Weg als die meisten anderen Supermärkte. Immer wieder werden Lebensmittelretter angezeigt, wenn sie sich aus den Containern bedienen. Vergangenes Jahr beispielsweise wurde ein Rentner zu einer Geldstrafe von 300 Euro auf Bewährung verurteilt, weil er Kaffee aus einer Supermarkt-Mülltonne geholt hatte.

Zwei Studentinnen aus München erging es ähnlich – ihre Strafe fürs Containern: acht Stunden Sozialarbeit und 225 Euro Geldstrafe auf Bewährung. In beiden Fällen lautete der Vorwurf: „besonders schwerer Diebstahl“.

Lebensmittelverschwendung ist ein großes Problem in Deutschland

Ein Justizsenator aus Hamburg versuchte kürzlich, das Containern zu legalisieren. Anfang Juni scheiterte er jedoch mit seinem Antrag. Lebensmittel aus Supermarkt-Containern zu holen, bleibt weiterhin illegal.

Utopia meint: Lebensmittelverschwendung ist ein großes Problem in unserer Gesellschaft. Fast ein Drittel aller produzierten Lebensmittel landen hierzulande im Müll. Eigentlich sollte es im Sinne aller sein, wenn ausrangierte Lebensmittel noch verwertet werden. Stattdessen werden diejenigen, die die Lebensmittel aus dem Müll holen, bestraft.

Lestra aus Bremen zeigt jedoch, dass es auch anders geht. Hoffentlich nehmen sich andere Unternehmen an der Bremer Initiative ein Vorbild – allen voran die großen Supermärkte und Discounter.

Lebensmittelverschwendung ist aber nicht nur ein Problem der Supermärkte, auch die privaten Haushalte werfen zu viel weg. Was du selber tun kannst: 10 Tipps gegen Essen im Müll 

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(1) Kommentar

  1. Einfach klasse!
    Mal sehen, ob andere das wirklich nachmachen oder nicht lieber doch bei ihren Praktiken bleiben, auch noch Samstag abends selbst Angematschtes etc nur verbilligt zu verkaufen, um die Reste dann lieber vergilbt, verschimmelt, vertrocknet montags zu entsorgen.

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