„Die sollen woanders so tun, als ob sie arbeiten“: Musk zeigt Misstrauen seinen Mitarbeiter:innen gegenüber

„Die sollen woanders so tun, als ob sie arbeiten“: Musk zeigt, was er von seinen Mitarbeiter:innen hält
Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild POOL/dpa

Die neue Arbeitswelt ist vernetzt und jede:r kann an dem Ort arbeiten, wo es am besten passt? Bei manchen Unternehmen vielleicht, aber nicht bei Tesla. Musk droht Mitarbeiter:innen, die im Homeoffice arbeiten, indirekt mit dem Rauswurf.

Viele Unternehmen haben ihren Mitarbeiter:innen in den letzten gut zwei Jahren erlaubt, auch von Zuhause aus zu arbeiten – und möchten diese Regelung auch weiterhin beibehalten. Nicht so Tesla. Der CEO des US-Auto-Konzerns, Elon Musk, verschickte vergangene Woche anscheinend E-Mails, aus denen implizit hervorgeht, dass sich Mitarbeiter:innen, die im Homeoffice arbeiten möchten, gleich einen neuen Job suchen können.

Zunächst erhielten die Beschäftigten des US-Elektroautobauers eine E-Mail von Musk, in der er bekundete, dass jede:r bei Tesla mindestens 40 Stunden pro Woche im Büro verbringen müsse. Dieses Büro sei dort, wo sich die „tatsächlichen Kollegen“ eines Mitarbeiters befinden, also kein „abgelegenes Pseudobüro“. Weiter heißt es: „wenn Sie nicht auftauchen, gehen wir davon aus, dass Sie gekündigt haben“. Einen Screenshot der Mail veröffentlichte ein Twitter-User. Dem Spiegel zufolge bestätigten zwei Tesla-Mitarbeiter:innen die Echtheit der E-Mail; auf Bitten um eine Stellungnahme reagierte Tesla bisher nicht.

Führungskräfte müssen mindestens 40 Stunden im Büro arbeiten

Eine zweite E-Mail, die offenbar von Musk stammt, wendete sich an die Führungskräfte bei Tesla. An sie formulierte er seine Bedingungen noch schärfer. Jede:r müsse mindestens 40 Stunden („und ich meine mindestens“) in der Woche im Hauptbüro arbeiten oder „Tesla verlassen“. Das sei „weniger, als wir von Fabrikarbeitern verlangen“. Auch diese Nachricht verbreitete ein User als Screenshot bei Twitter. Unter dem Tweet wurde Musk gefragt, was er denn von Menschen halte, die Präsenzpflicht für ein veraltetes Konzept hielten. Er antwortete: „Die sollen woanders so tun, als ob sie arbeiten.“

Vor einigen Tagen sorgte Musk für Schlagzeilen, als er gegenüber der Financial Times China als Positivbeispiel für Arbeitsmoral hervorgehoben hatte. „In China gibt es einfach eine Menge sehr talentierter, hart arbeitender Menschen, die fest an die Produktion glauben“, erklärte der Tesla-Chef am 10. Mai auf einer Konferenz in London. „Sie schuften nicht nur um Mitternacht, sondern auch um 3 Uhr morgens, sie verlassen nicht einmal die Fabrik.“ Mit amerikanischen Arbeiter:innen ging Musk dagegen hart ins Gericht: „In Amerika versuchen die Leute zu vermeiden, überhaupt zur Arbeit zu gehen.“

Volker Quaschning: „Elon Musk erklärt, welches Vertrauen er in sein Personal setzt: Keines.“

Bei Twitter entfachten Diskussionen über die Maßnahmen, die Musk ankündigte. Volker Quaschning, Professor für das Fachgebiet “Regenerative Energiesysteme” an der Hochschule für Technik und Wirtschaft HTW Berlin, schrieb dazu: „Elon Musk erklärt, welches Vertrauen er in sein Personal setzt: Keines. Als attraktiver Arbeitgeber dürfte so Tesla immer weniger infrage kommen. Soziale und auch ökologische Aspekte bei der Autoproduktion sind offenbar Nebensache.“

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