Plastik: die unvermeidliche Gefahr im Alltag?

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Plastik: die unvermeidliche Gefahr im Alltag? ()

Stabil, leicht, hygienisch: Gegenstände aus Plastik sind praktische Begleiter im Alltag. Aber Kunststoffe gefährden die Umwelt und die Gesundheit. Der Konsument wird gegen diese Gefahren nur unzureichend geschützt. Utopia erklärt, welche Substanzen wirklich bedrohlich sind, worauf Sie achten sollten und wie Sie am besten mit Plastik umgehen.

Weltweit werden pro Jahr etwa 20 Millionen Tonnen Kunststoff produziert. Plastik ist leicht, bruchsicher und damit auch bestens für Spielzeug geeignet. Dass biologisch nicht abbaubare Kunststoffe zum Umweltproblem werden, ist Ihnen vielleicht bekannt. 6 Millionen Tonnen Plastik gelangen jährlich in die Weltmeere und bilden zum Teil Müllteppiche so groß wie Mitteleuropa. Doch auch für den menschlichen Körper stellt Plastik eine Gefahr dar. Gesundheitsschädliche Chemikalien können aus dem Kunststoff austreten und durch Hautkontakt, Einatmen oder den Mund aufgenommen werden.

Bisphenol A: wirkt im Körper wie ein Hormon

Ob in Lebensmittelverpackungen, Konservendosen oder DVDs – Bisphenol A (BPA) ist die am häufigsten produzierte Industriechemikalie weltweit und wird im Kunststoff sowohl als Weich- als auch Hartmacher eingesetzt. Sie ist hitzebeständig, durchsichtig und chemikalienbeständig. Doch beim Erhitzen (z.B. bei Mikrowellengeschirr) oder längerem Hautkontakt kann BPA aus dem Plastik entweichen und in die Lebensmittel bzw. den Körper gelangen, wo es ähnlich wie das Hormon Östrogen wirkt. Mögliche Folgen können sexuelle Störungen, aber auch Diabetes oder Herzkrankheiten sein. Das Institut für Risikobewertung stuft BPA allerdings als wenig gefährlich ein, sofern bestimmte Grenzwerte eingehalten werden. Andererseits haben Tierversuche gezeigt, dass BPA die Entwicklung von Geschlechtsorganen und dem Gehirn negativ beeinflussen kann. Nicht grundlos ist BPA wohl deshalb innerhalb der EU z.B. in Babyflaschen verboten. Vor allem bei Neugeborenen, Kindern und älteren Menschen soll die Substanz Krankheiten auslösen. Doch trotz zahlreicher alarmierender Studien ist BPA weiterhin zugelassen.

Bisphenol A in Plastik

Tipps zum Umgang mit Bisphenol A

Meiden Sie herkömmliche Trinkflaschen aus Plastik. BPA-freie Trinkflaschen finden Sie in unserer Bestenliste.
Achten Sie beim Kauf von Schnullern auf den Aufdruck „BPA free“.
Vermeiden Sie den Kunststoff Polycarbonat. Ist er zu alt und brüchig, kann er besonders viel BPA freisetzen. Polycarbonatprodukte erkennen Sie an dem „Recyclingcode 07“ oder dem Kürzel „PC“ auf dem Produkt.
Erhitzen Sie Fertiggerichte niemals in der gekauften Packung.

Phthalate: elastische Weichmacher, denen wir täglich ausgesetzt sind

Um Kunststoffe wie PVC besonders biegsam zu machen, werden ihnen bis zu 40 Prozent Weichmacher, z.B. Phthalate, beigemischt. Diese gehen keine chemische Bindung mit dem Plastik ein und lösen sich deshalb sehr leicht wieder heraus. Auch über Ausdunstung gelangen Phthalate in die Umwelt und in unsere Körper. Spuren von ihnen lassen sich in fast jedem menschlichen Körper nachweisen. Auch Phthalaten werden krebserregende, hormonähnliche und fortpflanzungsgefährdende Eigenschaften nachgesagt, wobei auch hier das gesamte Gefahrenpotential noch nicht hinreichend bekannt ist. Ein bereits von der EU als gefährliche Chemikalie deklarierter Stoff ist DEHP. Dieser wurde europaweit bereits in Kosmetik als auch Spielzeug für Kinder unter drei Jahren verboten. Eine aktuelle Studie des Umweltbundesamts bestätigt die reproduktionsschädigende Wirkung, besagt aber auch, dass die Aufnahmemenge beim Großteil der Verbraucher gering ist, so dass kein Gesundheitsrisiko besteht. Nichtsdestotrotz kommen immer neue Weichmacher in Kunststoffen zum Einsatz. Dies sind Industriechemikalien, die teilweise unerforscht sind und für die es keine gesetzlichen Richtwerte gibt, die aber dennoch den Hormonhaushalt beeinflussen können. 90 Prozent aller Weichmacher werden übrigens für PVC eingesetzt, woraus unter anderem Lebensmittelverpackungen und Frischhaltefolie bestehen.

Produkte mit Phthalaten

Tipps zum Umgang mit Phthalaten

Vermeiden Sie Gegenstände aus PVC, zum Beispiel Plastikgeschirr, Folien, Tischdecken, Duschvorhänge usw. Achten Sie bei Baby-Produkten wie Schnullern, Bällen oder Wickeltischauflagen auf die Hinweise PVC-frei“ oder „Phthalat-frei“ und kaufen Sie besser kein Spielzeug aus Asien.
Tragen Sie Gummistiefel und Regenbekleidung nicht auf bloßer Haut.
Weichmacher finden sich auch im Hausstaub. Regelmäßiges Saugen, Wischen, Lüften hilft, dass sich Weichmacher nicht in Innenräumen ansammeln.
Verzichten Sie bei Lebensmitteln auf eine Abdeckung mit Folie. Lässt es sich nicht umgehen, nutzen Sie Folie aus Polyethylen, die auf Weichmacher verzichtet.

PAKs: der Erdölbestandteil im Kinderspielzeug

Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAKs) sind ebenfalls gefährliche Weichmacher, die Lungen- und Hautkrebs fördern, das Erbgut verändern und entwicklungsschädigend sein können. PAKs sind Bestandteil von Erdöl und Kohle und entstehen bei jeder Verbrennung auf natürliche Weise. Sie lassen sich in Abgasen finden, sind in Tabakrauch und gegrilltem Fleisch vorhanden, werden aber auch für viele Kunststoffe und Gummi als billige Weichmacher eingesetzt. Man findet sie an Handgriffen von Werkzeugen, Ummantelungen, Kabeln, Wasserbällen, Gummistiefeln oder Badelatschen.

Produkte mit mit PAKs

Tipps zum Umgang mit PAKs

Verzichten Sie bei Spielzeugen auf Billigprodukte.
Beachten Sie das GS-Siegel (Geprüfte Sicherheit). Die Produkte wurden auf PAKs getestet und tragen das Siegel nur, wenn die zugelassenen Grenzwerte nicht überschritten wurden.
Vermeiden Sie Kunststoffprodukte, die stark nach Gummi oder Öl riechen. Dies könnte ein Hinweis auf eine hohe PAK-Belastung sein.

Was Sie noch tun können, um die Belastung durch Plastik zu verringern

Die Liste gefährlicher Chemikalien, die in Kunststoffprodukten vorhanden ist, lässt sich lange fortführen. Problematisch ist auch, dass viele Inhaltsstoffe von den Herstellern nicht deklariert werden. Zudem kommen laufend neue Stoffe auf den Markt. Welche Langzeitfolgen sie verursachen, ist bisher noch nicht oder nicht ausreichend erforscht.
Wir sind täglich von Weichmachern umgeben. Sie befinden sich in unserer Nahrung, im Trinkwasser, der Luft, verschiedenen Gegenständen, Körperpflegemitteln, Parfum etc. und man kann den Kontakt mit ihnen nicht verhindern.
Machen Sie sich deshalb nicht verrückt. Versuchen Sie aber, Plastik im Alltag zu vermeiden, wo es geht. Reduzieren Sie Ihren Plastikkonsum, recyceln Sie und achten Sie vor allem bei Produkten für Kinder darauf, dass keine Weichmacher enthalten sind.

Galerie: Verpackung vermeiden im Supermarkt

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