Die Brennnessel, eine echte Nährstoffbombe und Bakterienbremse

Brennnessel
Foto: © IngridHS - Fotolia.com

Brennnesseln werden meist als lästiges Unkraut angesehen: Sie hinterlassen bei Kontakt juckende Pusteln auf der Haut und sind besonders lästig, wenn man mit kurzen Hosen durch die Natur streift. Dennoch ist die Brennnessel eine sehr nützliche Pflanze, die gerne in Küche, Naturheilkunde und im Garten eingesetzt wird.

Die Brennnessel ist ein echter Kosmopolit, denn sie kommt überall auf der Erde vor. Sie zeigt auf jedem Kontinent an, wo der Boden besonders stickstoffreich ist. Deshalb zählt man sie zu den Zeiger-Pflanzen, an denen man Rückschlüsse auf die Bodenverhältnisse schließen kann.

Die Gattung der Brennnessel umfasst etwa 45 verschiedene Arten und sie wird weltweit vielseitig genutzt. Es ist zum Beispiel möglich, aus ihren Fasern, wie aus Flachs, auch eine Art „Leinen“ zu gewinnen. Bei uns beginnt die Brennnessel-Saison etwa im April.

Die Wirkung von Brennnessel: Bakterienhemmer und Nährstoffbombe

Die Brennnessel enthält in ihren Blättern einen Wirkstoff, der Bakterien in ihrem Wachstum hemmt. Früher gab man daher in frisch gemolkene Milch eine Handvoll Brennnesselblätter, um sie länger haltbar zu machen. Auch manche Lebensmittel wie Frischfleisch oder Fisch wurden früher in die Blätter von Brennnesseln eingewickelt aufbewahrt, um ihre Haltbarkeit zu verlängern.

Das Gartenunkraut enthält mehr Vitamin C als Zitrusfrüchte und ist zudem reich an Mineralien wie Eisen, Kalium und Magnesium und sekundären Pflanzenstoffen wie den Flavonoiden. Die Flavonoide sorgen zusammen mit dem Kalium für die entwässernde Wirkung der Brennnesselblätter. Überraschenderweise sind Brennnesseln auch eiweißreich, sodass die Blätter durchaus Mehrwert haben und es sich lohnt, sie in der Küche auszuprobieren.

100 g frische Brennnesselblätter enthalten ähnlich viel Eiweiß wie die gleiche Menge frische Hülsenfrüchte, nämlich bis zu 8 g. Auch die Brennnesselsamen sind essbar und werden geröstet geknabbert.

Brennnesseltee entwässert

Brennnesselsamen
Wusstest du, dass Brennnesselsamen essbar ist? (Foto: © TheUjulala / Pixabay)

Brennnesseltee wirkt entwässernd und hilft bei konstanter Anwendung, neuen Wassereinlagerungen vorzubeugen. Angeblich soll Brennnesseltee auch blutreinigend oder entschlackend wirken und bei Detox-Kuren helfen. Allerdings konnten wir keinen wissenschaftlichen Nachweis für die Sinnhaftigkeit solcher Entgiftungs- und Entschlackungskuren finden.

In der Apotheke oder im Reformhaus kannst du die Blätter der Brennnessel in getrockneter Form kaufen. Auch im Bioladen gibt es Brennnesseltee oder fertige Teemischungen, die Brennnesseln enthalten. Da die Brennnessel aber fast überall wächst, kannst du sie auch selber ernten und über Kopf hängend zu Hause trocknen. Je stärker der Tee, desto intensiver die Wirkung.

Reiner Brennnesseltee hat allerdings keinen guten Ruf, weil ein Aufguss aus trockenen Blättern ein eher „muffiges“ Aroma hat. Dies kannst du verhindern, indem du frische Blätter aufbrühst oder getrocknete Brennnesselblätter mit etwas Zitronenschalenabrieb abrundest. So schmeckt der Brennnesseltee sogar fast spritzig.

Superfood Brennnesselsamen?

Von der Brennnessel kann theoretisch jeder Teil verzehrt werden, und so wundert es nicht, dass die Naturheilkunde seit Generationen auch die Brennnesselsamen empfiehlt. Angeblich sollen sie auf Männer und Frauen gleichermaßen aphrodisierend wirken. Nicht nur deshalb werden die Samen heute als Superfood angepriesen: Auch ihr hoher Eiweißgehalt bei geringem Fettanteil machen Brennnesselsamen attraktiv.

Als knuspriges Topping verfeinern sie Smoothies, Joghurt und Müsli. Ihre angeblich kräftigende, stärkende und „entgiftende“ Wirkung ist zwar nicht wissenschaftlich bewiesen, lecker sind die gerösteten Samen aber auf jeden Fall.

Du kannst die Samen der (weiblichen) Brennnessel-Pflanzen bis zum ersten Frost ernten, indem du die Samenstände abschneidest und die Samen davon mit den Fingern abstreifst. Wenn du dein Sammelgut über Nacht liegen lässt, werden die Pflanzenteile etwas welk und können dich nicht mehr stechen. Die Brennnesselsamen lässt du in der Sonne trocknen oder röstest sie im Backofen bei mittlerer Hitze in 15 Minuten zu einem nussigen Snack oder Topping.

Mit Brennnesseln gegen Gicht?

Brennnessel
Brennnesseln werden seit Jahrhunderten als Heilpflanzen genutzt. (Foto: © Public Domain)

Ein hartnäckiger Volksglaube besagt, dass Brennnesseln gegen Gicht und Rheuma helfen sollen. Wissenschaftlich belegt ist, dass die Pflanze Wirkstoffe enthält, die entzündungshemmend und antibakteriell wirken, was bei Rheuma oder Gicht hilfreich ist.

Dazu reicht es allerdings nicht, mit kurzen Hosen durch die Brennnesseln zu laufen. Wer die wirksamen Bestandteile der Brennnessel nutzen will, muss hochkonzentrierte Extrakte in Tablettenform einnehmen. Deren Wirkung auf entzündliche Gelenkerkrankungen ist jedoch noch nicht wissenschaftlich belegt. Aber manchmal macht ja bekanntlich allein der Glaube gesund …

Brennnessel-Shampoo gegen Haarausfall?

In der Naturkosmetik wird Brennnessel-Shampoo als Mittel gegen Haarausfall empfohlen. Auch selbst gemachtes Haarwasser aus Brennnesseltee soll helfen, das Haarwachstum anzuregen. Zur Wirksamkeit liegen allerdings keine aussagekräftigen, unabhängigen Studien vor, jedoch regen bestimmte Inhaltsstoffe der Brennnessel die Durchblutung an. Ist die Kopfhaut gut durchblutet, können die Haarwurzeln auch optimal mit Nährstoffen versorgt und damit das Haarwachstum unterstützt werden. Wunder sollte man allerdings nicht erwarten.

Brennnesseljauche: nützlich im Garten

Sie stinkt furchtbar, aber hilft wirklich: Brennnesseljauche ist ein bewährtes Mittel im Garten, um Pflanzen zu düngen und Pflanzenschädlinge wie Blattläuse zu vertreiben. Wegen des sehr intensiven Geruchs bitte nicht auf dem Balkon ansetzen, sondern nur im (Schreber-)Garten, weit entfernt von Nachbars Fenstern.

Für die Jauche bringst du die Brennnesseln mit Wasser zum Gären; sobald der Gärprozess fertig ist, kannst du die Jauche als Dünge- oder Spritzmittel nutzen. Wichtig: Erst durch die Gärung werden alle in den Pflanzen vorhandenen Wirkstoffe freigesetzt. Die Jauche ist fertig, sobald die Flüssigkeit nicht mehr stinkt und keinen Schaum mehr bildet. Das kann im Hochsommer schnell gehen, sich bei Frühlingstemperaturen oder einem schattigen Standort aber über mehr als eine Woche hinziehen.

Lies dazu auch: Brennnesseljauche selber machen: Anleitung für den Dünger und Pflanzenschutz

Brennnessel kannst du essen und in der Küche auf vielfältige Art nutzen.
Brennnessel kannst du essen und in der Küche auf vielfältige Art nutzen. (Foto: © Hans / Pixabay)

Traditionell nutzt man Brennnesseljauche für stark zehrende Gemüsepflanzen wie zum Beispiel Tomaten als Flüssigdünger. Sie kann verdünnt oder unverdünnt statt oder mit dem Gießwasser verwendet werden. Wenn du Brennnesseljauche als Spritzmittel gegen Schädlinge wie Blattläuse einsetzen möchtest, solltest du sie nur bei bedecktem Himmel oder abends anwenden, da sonst die Blätter verbrennen können.

Brennnessel essen?!

Wenn du Brennnessel essen möchtest, solltest du die jungen Blätter im Frühjahr oder die oberen Blatttriebe im Sommer ernten. Achte wie immer darauf, die Blätter fern von Straßen zu sammeln, um an unbelastetes Blattgemüse zu kommen.

Brennnesselblätter kannst du wie Spinat zubereiten, aber auch Salate damit verfeinern oder Smoothies aufpeppen. Brennnesseln sind auch eine außergewöhnliche Verfeinerung in Saucen, Kartoffelpüree, Hartkäse und Milchprodukten, deiner Experimentierfreude sind keine Grenzen gesetzt.

Wenn du Brennnessel in der Küche verwenden möchtest, kannst du verhindern, dass sie dich „sticht“, indem du die Blätter mit einem Nudelholz rollst oder in einem Gefrierbeutel kräftig drückst. Dann kannst du die Blätter mit bloßen Fingern weiterverarbeiten.

Rezept: Brennnesselsuppe

Die Brennnesselsuppe ist ein preisgünstiges Rezept, was sich nicht nur nach dem Unkrautrupfen im Garten als leckeres Sommergericht anbietet.

Du brauchst dazu:

  • 2 große Schüsseln voll Brennnesselblätter
  • 1 Zwiebel
  • 1-2 Kartoffeln
  • 1 Knoblauchzehe
  • 1 Becher Sahne
  • 300 ml Gemüsebrühe
  • Pfeffer, Salz, Muskatnuss

Die Kartoffel(n) schälen und in kleine Würfel schneiden. Zwiebel würfeln und in etwas Öl zusammen mit der klein gehackten Knoblauchzehe andünsten. Sind die Zwiebeln glasig geworden, die Brennnesselblätter dazugeben und zusammenfallen lassen. Mit Gemüsebrühe ablöschen und die Kartoffelwürfel hinzufügen, bis sie weich gekocht sind. Nun die Suppe pürieren, die Sahne dazu geben und mit den Gewürzen abschmecken. Mit Gänseblümchen dekoriert servieren.

Ausgebackene Brennnesselblätter als Vorspeise

Eine leckere Vorspeise oder knuspriger Snack zum Aperitif sind in Bierteig ausgebackene Brennnesselblätter. Es geht ganz schnell, du brauchst dazu nur:

  • etwa 200 g große Brennnesselblätter
  • 100 g Mehl
  • 1 Ei
  • Bier, Pfeffer, Salz
  • Fritteuse oder Bratöl zum Frittieren

Die Blätter fest abbrausen, sodass sie nicht mehr stechen können. Auf Küchenhandtüchern zum Trocknen auslegen. Währenddessen die Fritteuse aufheizen oder das Bratöl in einem Topf erhitzen. Aus Mehl, Ei, etwas Bier, Pfeffer und Salz einen Teig zubereiten, der etwas zähflüssiger als Pfannkuchenteig ist. Die abgetrockneten Blätter einzeln in den Teig tauchen (dabei am Stiel anfassen) und vorsichtig ins heiße Fett gleiten lassen. Knusprig goldbraun ausbacken, auf etwas Küchenkrepp abtropfen lassen und frisch servieren.

Hier stellen wir dir vier weitere leckere Rezeptideeen vor: Brennnessel-Rezepte: So schmeckt die Pflanze am besten 

Weiterlesen auf Utopia.de:

English version available: Stinging Nettle Benefits: How to Use Stinging Nettles as Medicine, in the Garden, and in the Kitchen

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