Schluss mit Kükentöten: Diese Initiativen wollen die Brüder der Legehennen retten

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Millionen von Küken werden in Deutschland jedes Jahr getötet, weil sie sich weder zum Eierlegen noch als Masthähnchen eignen: Sie sind die „Brüder“ der Legehennen. Projekte wie „Bruderhahn“, „Zweinutzungshuhn“ und die Geschlechtsbestimmung im Ei würden das Kükentöten gerne beenden – und arbeiten an Lösungen.

Dass männliche Küken keine Eier legen können, ist klar. Dass sich die Brüder der Legehennen auch nicht zur Mast eignen, liegt an den modernen Hochleistungsrassen: Hühner wurden im Verlauf der vergangenen Jahrzehnte gezielt so gezüchtet, dass sie nur entweder möglichst viele Eier legen oder möglichst viel Fleisch ansetzen – aber nicht beides. Eine Hühnerrasse für Eier, eine Hühnerrasse für Fleisch.

Ein Hahn also, der weder Eier legen, noch schnell viel Fleisch liefern kann ist – in der Logik der Agrarindustrie – relativ nutzlos und es damit nicht wert, durchgefüttert zu werden. Die Folge ist das massenhafte Töten frisch geschlüpfter männlicher Küken. Dabei kommt in Deutschland in der Regel ein zweistufiges CO2-Verfahren zum Einsatz, bei dem die Tiere mit dem Gas zunächst betäubt und dann getötet werden. Nach Angaben des Zentralverbands der deutschen Geflügelwirtschaft werden männliche Eintagsküken in Deutschland nicht geschreddert. Dem Verband zufolge werden rund 40 Millionen männliche Küken jährlich getötet.

Kükenschreddern: männliche Küken werden getötet
Millionen männlicher Küken werden jedes Jahr getötet – Projekte wie „Bruderhahn“ und „Zweinutzungshuhn“ arbeiten an Lösungen. (Foto: CC0 Public Domain / Pixabay – Philipp Kleindienst )

Trotz einiger Versuche in den Bundesländern, die systematische Kükentötung zu verbieten, entschied das Bundesverwaltungsgericht im Juni 2019, dass das Kükentöten übergangsweise erlaubt bleibt – zumindest, bis alternative Verfahren (Geschlechtsbestimmung, s. unten) wirtschaftlich umsetzbar sind.

Wenn du wissen willst, wo es heute schon Eier ohne Kükentöten gibt, lies hier weiter: Großer Supermarkt-Check: Hier gibt’s Eier ohne Kükenschreddern

Bruderhahn, Zweinutzunghuhn, Geschlechtsbestimmung: Ideen gegen die Kükentötung

Mehrere Initiativen in Deutschland versuchen, Lösungen für das Problem zu finden, die meisten davon im Bio-Bereich. Einige wie zum Beispiel „Bruderhahn“ verzichten selbst auf die grausame Praxis, ziehen die Hähne mit auf und wollen so zeigen, dass Legehennenzucht ohne Kükentötung möglich ist. Andere versuchen, Hühnerrassen zu finden, die sowohl Eier als auch Fleisch liefern können („Zweinutzungshuhn“).

Mehr lesen: Bio-Siegel: Was haben die Tiere davon?

Beide Ansätze sind wichtig: Die männlichen Küken mit aufzuziehen rettet sie vor dem sofortigen Tod. Es löst jedoch nicht das Problem der Wirtschaftlichkeit: Die Aufzucht der „Bruderhähne“ kostet Geld, das Fleisch bringt aber nicht viel ein. Ein längerfristig gedachter Lösungsansatz ist es daher, Hühnerrassen einzusetzen oder neu zu züchten, die sowohl Eier legen als auch Fleisch ansetzen können – ein „Zweinutzungshuhn“. Da beides nicht in den Mengen möglich ist, welche die Turborassen derzeit produzieren, wäre das – idealistisch gedacht – gleichzeitig die Abkehr von den extremen körperlichen Leistungen der modernen Hühnerrassen und der industriellen Tierhaltung.

Idee 1: Aufzucht der Hahnenküken

Hier findest du eine Auswahl an Initiativen und Projekten, welche die „Bruderhähne“ der Legehennen mit aufziehen. Einige davon vermarkten neben den Eiern auch das Fleisch der Hähne, bei anderen wird es zu Tierfutter verarbeitet.

Die Bruderhahn Initiative Deutschland (Bio)

Die Bruderhahn Initiative Deutschland will in erster Linie gegen das akute Problem der Kükentötung vorgehen: Die beteiligten Bio-Höfe und Zuchtbetriebe ziehen die „Bruderhähne“ der Legehennen mit auf.

Um die Kosten hierfür zu decken, wird für jedes Ei aus der Bruderhahn-Initiative ein Zuschlag von 4 Cent verlangt. Dieses Geld wird für die Aufzucht sowie die Vermarktung der Bruderhähne eingesetzt. Die Bruderhähne werden nach den strengen Bio-Richtlinien von Demeter oder Bioland aufgezogen.

Das Ziel ist eine „authentische und unabhängige ökologische Landwirtschaft mit ethischen Zuchtzielen. Das Huhn von morgen soll in der Balance zwischen Leistung und Tierwohl leben.“ Die Bruderhahn-Initiative beteiligt sich an der Suche einer Hühnerrasse, die sich für die Eierproduktion und die Mast eignet.

Beteiligt an der Bruderhahn Initiative sind rund 30 landwirtschaftliche Betriebe plus verarbeitende Betriebe und Großhändler. Eine Liste mit Geschäften, bei denen es Produkte aus der Bruderhahn Initiative gibt, findest du hier.

haehnlein (Bio)

Auch die Initiative haehnlein zieht die Brudertiere der Legehennen mit auf. Diese Hähne „wachsen unter guten Haltungsbedingungen zu stattlichen Hähnen heran“.

Nach dem Schlüpfen werden hier Hähne und Hennen zunächst zusammen aufgezogen. Ein Teil der Hähne wird nach 4 bis 5 Monaten regional geschlachtet. (Zum Vergleich: Konventionell gehaltene Masthähnchen werden bereits nach etwas über einem Monat geschlachtet.) Die übrigen „Bruderhähne“ bleiben als Leithähne in der Hühnerherde.

Da das Fleisch allein die Kosten für die Aufzucht nicht deckt, kosten die Haehnlein-Eier ein paar Cent mehr als andere Bio-Eier. Damit finanzieren Kund*innen die Aufzucht der „Brüderhähne“ mit. Das Fleisch der „hahnlein“ wird tiefgekühlt im Einzelhandel angeboten.

Hinter „haehnlein“ steht die Erzeugerzusammenschluss Fürstenhof, eine Gemeinschaft aus 19 landwirtschaftlichen Betrieben in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern.

Haehnlein-Eier gibt es bundesweit in Denn’s-Märkten, in einigen Alnatura-Märkten in Hamburg, Bremen, Hannover und NRW sowie in vielen Edeka-, Rewe-, tegut-, Hit- und Real-Filialen. Auch haehnlein-Fleisch gibt es bundesweit in Denn’s-Filialen.

Bruderhahn, Zweinutzungshuhn, Geschlechtsbestimmung: gegen Kükentöten
So idyllisch leben wohl die wenigsten Hähne – viele der „Bruderhahn“-Initiativen arbeiten aber nach Bio-Standards. (Foto: CC0 Public DOmain / Pixabay – NickyPe )

Spitz & Bube (Freilandhaltung, Bodenhaltung, Bio)

Das Projekt „Spitz & Bube“ der Supermarktkette Rewe startete im Gegensatz zu den anderen Initiativen in der konventionellen Tierhaltung. Hier werden entgegen der gängigen Praxis bereits Seit Ende 2017 die Schnäbel der Tiere nicht gekürzt. Zum anderen werden die männlichen Küken mit aufgezogen. Die Legehennen und ihre „Bruderhähne“ bekommen gentechnikfreies Futter und Strohballen als „Beschäftigungsmaterial“. Die männlichen Tiere werden „doppelt so lange wie konventionelle Masthähnchen“ aufgezogen. Inzwischen gibt es in einigen Rewe-Filialen auch Bio-Eier unter der Marke „Spitz & Bube“.

Die Freiland- und Bodenhaltungs-Eier der Initiative bekommt man inzwischen in Rewe- und Penny-Märkten in ganz Deutschland.

Junggockel-Projekt „Stolzer Gockel“ (Bio-Fleisch)

Der Demeter-zertifizierte Geflügelhof Schubert in Franken zieht seit 2009 „so viele Gockel wie nur möglich“ mit auf. Die Hahnenküken wachsen die ersten acht Wochen gemeinsam mit den Legehennen auf und werden danach in einem eigenen Stall mit Wintergarten und Grünauslauf gehalten. Erst nach vier bis fünf Monaten werden sie geschlachtet und „als traditioneller Gockel küchenfertig an bewusste Verbraucher verkauft.“

Eierteigwaren und Demeter-Gockel-Produkte gibt es bundesweit in vielen Dorf-, Hof- und Bioläden, im eigenen Hofladen und im Onlineshop zu kaufen.

Die Bio-Junggockel bieten wir nicht nur als frisches oder (haushaltsgerecht portioniert) tiefgekühltes Geflügel an, sondern auch zubereitet als delikate Gerichte im Glas. Diese Gerichte aus eigener Herstellung haben wir „Stolzer Gockel“getauft

(Gockel-Fond, Bolognese, Suppe, Frikassee, Leberwurst…)

Bicklhof – Bio-Eier mit doppeltem Lebenswert

Der Bicklhof bei München hält Legehennen nach Demeter-Richtlinien und vermarktet die Eier regional. Seine Demeter-Hühner bezieht der Hof vom Geflügelhof Schubert (s. oben), mit einem Teil des Gewinns aus den verkauften Eiern unterstützt der Bicklhof dessen Aufzucht der „Bruderhähne“.

Die Eier gibt es in und um München in Bioläden, z. B. in einigen Basic-Filialen, bei VollCorner Bio, bei Schmatz Naturkost oder in der Tagwerk Ökokiste.

Bruderküken-Initiative (Bio)

Die Bio-Supermarktkette Alnatura hat im Oktober 2016 die Bruderküken-Initiative gestartet. Die Eier der Eigenmarken Alnatura und Alnatura Origin stammen bundesweit ausschließlich von Bio-Legehennen, deren männliche Küken nicht getötet, sondern aufgezogen werden.

In den Alnatura-Märkten gibt es auch einige Produkte mit dem Fleisch der aufgezogenen „Bruderhähne“: ein Babygläschen („Alnatura Hühnchenfleischzubereitung“), ein Fertiggericht („Hühner-Nudel-Topf“) und eine Geflügel-Bratwurst.

Weitere Projekte

  • Der SuperBioMarkt mit Filialen in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen setzt sich ebenfalls für die Aufzucht männlicher Küken ein – mit der Initiative-Bruder-Ei.
  • Die Biomarktkette Basic bietet Bio-Eier der eigenen „Bruderherz“-Initiative an.
  • Unter der Marke „Bio Rosenthaler Hahnenglück“ vermarktet das Bio-Gut Rosenthal Bioland-zertifizierte Eier, für die „Bruderhähne“ mit aufgezogen werden. Die Eier gibt es vielen Bioläden sowie in einigen Edeka-Filialen in Nordrhein-Westfahlen.
  • Auch die oberbayerische Bio-Initiative Hermannsdorfer Landwerkstätten (s.u.) zieht Legehennen und und Hähne auf und vermarktet sowohl Eier als auch Fleisch. Dabei experimentiert der Hof mit alten Zweinutzungsrassen. Hermannsdorfer-Produkte gibt es bundesweit in vielen Bioläden und -Supermärkten.

Mehr lesen: Großer Supermarkt-Check: Hier gibt’s Eier ohne Kükenschreddern

Idee 2: das Zweinutzungshuhn

In der kleinbäuerlichen Landwirtschaft oder zur Selbstversorgung kamen vor den spezialisierten Züchtungen der Agrarindustrie selbstverständlich Rassen zum Einsatz, die Eier und Fleisch lieferten. Verglichen mit den heutigen Turbo-Legehennen und -Masthähnchen sind diese Zweinutzungshühner jedoch nicht mehr wirtschaftlich.

Heute gibt es wieder verschiedene Versuche „Zweinutzungshühner“ einzusetzen, also Hühnerrassen, die sowohl Eier legen als auch Fleisch ansetzen. Hier hätten Landwirt*innen theoretisch von männlichen und weiblichen Tieren einen Nutzen und die Kükentötung wäre überflüssig.

Zweinutzungshuhn oder Bruderhahn: Küken der Zukunft?
Das Zweinutzungshuhn das Zukunft – wie wird es aussehen? (Foto: CC0 Public Domain / Unsplash – Karim MANJRA)

Sogenannte Zweinutzungshühner legen zwar weniger Eier als Hochleistungsrassen und setzen weniger Fleisch an, speziell im Bio-Bereich und für kleine bis mittlere Betrieben könnten sie dennoch interessant sein.

Mit dem Ziel, ein Zweinutzungshuhn zu entwickeln, dessen Haltung für Landwirt*innen rentabel ist, wird in der Forschung derzeit sowohl mit alten Rassen experimentiert als auch eine neue Züchtung angestrebt.

In Österreich konnten sich Brütereien, Tierschutzverbände, Einzelhandel und Landwirt*innen bereits darauf einigen, dass die Kükentötung im Bio-Bereich abgeschafft wird und die Brudertiere der Legehennen mit aufgezogen werden. Dafür wird unter anderem die Hühnerrasse „Sandy“ eingesetzt, die zwar auf Legeleistung gezüchtet ist, aber etwas weniger Eier legt als Hochleistungsrassen und deren männliche Tiere mit vertretbarem Aufwand gemästet werden können.

In Deutschland  werden Zweinutzungshühner – sowohl alte Rassen als auch Kreuzungen und neue Züchtungen – bisher nur im kleinen Stil auf einigen Bio-Höfen eingesetzt.

Initiative Zweinutzungshuhn:

Die Initiative „Das Zweinutzungshuhn“ setzt sich für die ökologische Haltung der Hühnerrasse Les Bleues als Zweinutzungshuhn ein. „Ein Ziel der Les Bleues Zweinutzungshuhnhaltung ist die Fortführung einer regionalen, qualitätsbezogenen Aufzucht unter tierfreundlichen Bedingungen.“

Die Initiative führt eine Liste mit Höfen und Händler*innen, welche Les Bleues-Hühner (nach Öko-Richtlinien) halten oder ihre Produkte verkaufen.

Herrmannsdorfer Landwerkstätten

Hier wird die alte Hühnerrasse Les Bleues sowie eine Kreuzung aus Les Bleues und der ebenfalls alten Rasse Sulmtaler eingesetzt. Die Tierhaltung ist streng ökologisch, die Tiere werden in mobilen Ställen gehalten und mit eigenem Bio-Futter versorgt. Die Hähne leben etwa vier bis fünf Monate, bevor sie „achtungsvoll“ geschlachtet werden – als „Sonntagsbraten und kein Verarbeitungsfleisch“. Die Legehennen sind zugleich auch Elterntiere: Herrmannsorfer zieht seine Küken selbst nach.

Hermannsdorfer-Produkte gibt es bundesweit in vielen Bioläden und -Supermärkten sowie im eigenen Hofladen.

ei Care

Die Initiative ei care umfasst vier Naturland-zertifizierte Höfe in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern, die „Les Bleues“-Hühner halten und dabei Legehennen und Hähne aufziehen. Die Produkte bekommt man in vielen Bioläden in der Region Berlin und Brandenburg.

Initiative „Huhn und Hahn“

Dieses Projekt ist eine Mischform aus Zweinutzungshuhn- und Bruderhahn-Initiative: Aus einem Pilotprojekt einer konventionellen Erzeugergemeinschaft in Baden-Württemberg entstanden, ermöglicht die Initiative Huhn und Hahn es heute Landwirt*innen in Baden-Württemberg, die männlichen Küken in der Legehennenhaltung mit aufzuziehen.

Die Höfe halten die Hühnerrasse „Sandy“, die auch in der österreichischen Bio-Haltung eingesetzt wird, und zwar teils in Freiland- und teils in Bio-Haltung.

Eier der Initiative gibt es unter anderem unter der regionalen Eigenmarke „Unsere Heimat“ bei Edeka in Baden-Württemberg, bei Rewe und bei Kaufland in Baden-Württemberg und Bayern. Das Hähnchenfleisch wird teils in Hähnchenmaultaschen der Marke „Bürger“ verarbeitet. 

Zweinutzungshuhn und Bruderhahn: Alternativen zur Kükentötung
Zweinutzungshühner wie dieses Küken sind die große Hoffnung einiger Öko-Initiativen. (Foto: © Ökologische Tierzucht gGmbH)

Ökologische Tierzucht gGmbH

Die Ökologische Tierzucht gGmbH (ÖTZ) ist ein gemeinsames Projekt der Bioverbände Bioland und Demeter „für eine eigenständige, ökologische Tierzucht“. Langfristiges Ziel ist die Zucht von Tieren, die speziell für ökologisch wirtschaftende Betriebe geeignet sind.

Bislang betreibt die ÖTZ nach eigenen Angaben als Schwerpunkt die Züchtung von Legehennen und Zweinutzungshühnern. Ziel ist es, „ein Huhn zu züchten, das sich für beides eignet: zum Eierlegen und zur Mast und das gut mit den Bedingungen eines Öko-Betriebs zurechtkommt, etwa mit regionalem Biofutter.“ Derzeit arbeitet das ÖTZ und die Partnerbetriebe mit mehreren Rassen und Kreuzungen als Zweinutzungshühner.

Eier der Legehennen aus dem ÖTZ-Projekt gibt es bundesweit in einer Reihe von Bioläden und Ökokisten.

Idee 3: Geschlechtsbestimmung im Ei

Eine mögliche Lösung für das Küken-Problem, die insbesondere auf die großindustrielle Landwirtschaft zugeschnitten ist, könnte die Vorab-Geschlechtsbestimmung im Ei („In-Ovo-Geschlechtsbestimmung“) werden. So würden männliche Küken gar nicht erst ausgebrütet werden – stattdessen werden sie zu Tierfutter verarbeitet.

Das Bundesministeriums für Landwirtschaft und Ernährung (BMEL) fördert die „Entwicklung praxistauglicher Verfahren zur Geschlechtsbestimmung im Brutei“ und ist der Überzeugung: „Sobald den Brütereien das praxistaugliche Verfahren für die Geschlechtsbestimmung zur Verfügung steht, derzeit geplant für Ende 2021, gibt es für das Töten der männlichen Küken keine gesetzliche Rechtfertigung mehr.“

Für die In-Ovo-Geschlechtsbestimmung gibt es zwei unterschiedliche Verfahren:

Mittels Spektroskopie kann man bei der ersten Methode schon etwa vier Tage nach der Befruchtung feststellen, welches Geschlecht das Hühner-Embryo hat. Dazu wird ein spezieller Lichtstrahl in das Innere des Eis geschickt. Das Geschlecht wird durch eine Analyse des reflektierten Lichts bestimmt.

Bei der zweiten Methode, dem endokrinologischen Verfahren, werden die Eier etwa neun Tage lang bebrütet. Dann wird durch ein winziges Loch etwas Flüssigkeit („Allantoisflüssigkeit“) aus dem Ei entnommen, ohne das Innere des Eis zu berühren. Aus dieser Probe wird das Geschlecht mittels unterschiedlicher biotechnologischen Nachweisverfahren innerhalb kurzer Zeit bestimmt. An der Weiterentwicklung dieser Verfahren beteiligen sich etwa die Rewe Group mit dem „Seleggt“-Projekt und Aldi mit dem Biotech-Unternehmen Planton.

Eier: Geschlechtsbestimmung im Ei statt Bruderhahn oder Zweinutzungshuhn?
Geschlechtsbestimmung im Ei statt Bruderhahn oder Zweinutzungshuhn – ist das die Lösung? (Foto: CC0 Public Domain / Unsplash – Emiel Maters)
  • Die Rewe Group verkauft bereits bundesweit in vielen Rewe- und Penny-MärktenRespeggt„-Freiland-Eier – Eier, bei denen per „Seleggt“-Verfahren die männlichen aussortiert wurden. Bis Mitte 2020 sollen die Produkte in allen Penny- und Rewe-Filialen in Deutschland erhältlich sein.
  • Aldi will ab Ende 2020 Eier anbieten, bei deren Produktion eine neue endokrinologische Methode zum Einsatz kommt. 

Kritiker*innen halten die Vorab-Geschlechtsbestimmung als langfristige Lösung für untauglich, da sie am wirklichen Problem – der wenig tier- und umweltfreundlichen industriellen Massentierhaltung – vorbeigeht und zu einer weiteren Spezialisierung und Industrialisierung führen könnte.

Inga Günther, Geschäftsführerin der Ökologischen Tierzucht gGmbH (s. oben), sieht in der Geschlechtsbestimmung im Ei eine „Verschlechterung der Zustände“. Das Kükentöten werde nur vorverlegt. „Wir halten diese Methoden für ethisch nicht verantwortlich – weder für das Tier noch für die Gesellschaft.“ Die kommerziell angewandte In-Ovo-Geschlechtsbestimmung zementiere die „ohnehin extreme Abhängigkeit der Landwirtschaft von Konzernstrukturen und verschlechtert und verschleiert die grundsätzlichen Probleme der Tierhaltung heute.“ Echte Lösungen seien die Bruderhahnaufzucht sowie Zweinutzungshühner.

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(8) Kommentare

  1. Die grausamen Bilder aus Legebatterien sind vielen Menschen bekannt, aber auch die so genannten alternativen Haltungsformen sind nicht das Gelbe vom Ei. Ob nun Boden- Freiland- oder Biohaltung: Der Tod im Schlachthof bleibt auch hier keinem Huhn erspart.

  2. das ändert gar nichts am system der tierausbeutung und an dem mordgeschaeft. das ist ausschliesslich „greenwashing“ der „augeklaerten“ konsumenten von tierleid, fuer die, die „nur ganz wenig fleisch essen und dann auch nur vom biohof“.
    eine „utopie“ stelle ich mir doch anders vor, wenn menschen das benutzen und verwerten von tieren endgueltig einstellen und ihnen gleiche recht zusprechen. so ist das nur wieder ein weiterer mörderischer bullshit.

  3. „eine „utopie“ stelle ich mir doch anders vor…“
    Daran wird Dich niemand hindern. Die Relevanz ist jedoch ein anderes Thema.
    „… ihnen gleiche recht zusprechen“
    Dann mach Dir aber auch mal Gedanken über z. B. gleiche Pflichten. Danach können wir darüber reden, was hier, um bei Deiner Formulierung zu bleiben, „bullshit“ ist bzw. wer hier „bullshit“ schreibt.

  4. Wer redet denn hier von Utopie?
    Es handelt sich um ein ganz reales Best-Practice-Beispiel.
    Und Vorsicht, Bullshit ist für Veganer Nogo…da wird nicht mal gedüngt mit sowas. 😉

  5. Danke für den Kommentar!
    Ja, die wirtschaftliche „Nutzung“ von Tieren ist in Wirklichkeit eine „Nutzung“ der Konsumenten um den Profit der Landwirte zu steigern. Sie werden dazu gebracht, das Fleischessen zu lieben. Mit Gewürzen werden sie über ihre Geschmacksnerven geil auf das Hähnchenfleisch gemacht. Ich spreche aus Erfahrung, denn im Kindesalter hatte ich selber noch die Vorstellung vom Paradies als einen Ort, in dem gebratene Hähnchen durch die Luft fliegen – echt!
    Nun bin ich Vegetarier und esse zunehmend vegan.
    Alles Liebe, Garuda ???

  6. Vor dem Durchsehen des ganzen Artikels, kann man immer wieder, auch hier, sagen:

    Be VEGAN!

    Allein schon der Satz „Andere versuchen, Hühnerrassen zu finden, die sowohl Eier als auch Fleisch liefern können.“

    verursacht bei mir Übelkeit. „LIEFERN“
    KEIN TIER hat uns was „zu liefern“. Wir sind nicht Gott, aber führen uns so auf.

    Eier sind unbefruchtet das Resultat der Menstruation der Hühner, sozusagen.
    Daher kann man desöfteren Blut im Eidotter finden.

    Na dann………. 🙁