Kork, Pilz, Ananas: Daraus besteht veganes Leder

Veganes Leder Bleed
Fotos: © bleed, © Vegemoda - ananas annam

Lederimitate aus Kunststoff kommen für viele nicht in Frage. Müssen sie auch nicht – denn mittlerweile gibt es veganes Leder, das auf natürlichen Fasern basiert. In Optik und Widerstandsfähigkeit stehen die verschiedenen Materialien echtem Leder in nichts nach.

Nicht nur aus Veganer-Sicht ist es ratsam auf Leder – zumindest chemisch gegerbtes – zu verzichten. Die Ledergerbung und -verarbeitung ist aufwändig und es werden gefährliche Chemikalien dafür eingesetzt. Das Leder wird oft in Billiglohnländern bearbeitet, deren geringe Umweltschutz-Standards dazu führen, dass die giftigen Stoffe Arbeiter krank machen und die Natur verschmutzen.

Auch veganes Leder aus Kunststoff stellt keine gute Alternative dar: Oft ist die Herstellung dieser Produkte genauso fragwürdig, weil sie irgendwo am anderen Ende der Welt unter hohem Energieaufwand und dem Einsatz giftiger Stoffe produziert werden. Und: Kunststoff basiert in der Regel auf Erdöl.

Was also tun, um nicht auf ein so trendiges, langlebiges Material verzichten zu müssen? Designer und Entwickler waren fleißig in den vergangenen Jahren und haben unterschiedliche Wege gefunden, Leder durch natürliche Materialien zu ersetzen, die weder Mensch, noch Natur oder Tiere leiden lassen.

Piñatex: veganes Leder aus Ananas-Blättern

Über das von der spanischen Designerin Carmen Hijosa entwickelte Naturleder Piñatex berichteten wir bereits. Das vegane Leder wird aus den Fasern der Ananas-Blätter hergestellt, die bei der Ernte für gewöhnlich im Abfall landen.

Piñatex ist ähnlich stabil wie Leder, dafür günstiger und nachhaltiger. Das Startup Ananas Anam um Designerin Hijosa bezieht die Blätter von philippinischen Ananas-Bauern. Hergestellt wird das Material in einer Textilfabrik in Barcelona. Bei der Produktion bleibt Biomasse übrig, die zu Dünger oder Biogas weiterverarbeitet werden kann.

Für die Ananas-Bauern entsteht durch die Verarbeitung der Blätter eine zusätzliche Einnahmequelle. Da der Grundstoff für das Lederimitat nicht extra angebaut werden muss ist es außerdem ressourcenschonend: Es müssen keine zusätzlichen Flächen, Düngemittel, Pestizide und kein zusätzliches Wasser verbraucht werden.

Veganes Leder aus Ananasfaser von Piñatex.
Schuhe, Tasche und Rucksack aus dem Material Piñatex. (Foto: Ananas Anam)

Ananas Anam bietet seine Produkte Firmen und Privatkunden in verschiedenen Ausführungen an. Diese produzieren daraus Taschen, Schuhe und Kleidung. Die Hersteller Puma und Camper haben bereits Musterschuhe aus dem Material hergestellt. Auch das vegane Label Noani (weiter unten) verwendet das Material.

Noani: Eukalyptusfaser statt Leder

Beim Startup Noani kann man vegane Gürtel kaufen – das vegane Leder aus dem sie bestehen, basiert auf den Fasern von Eukalyptus-Blättern. Die Idee kam Gründer Fabian Stadler, als er vor ein paar Jahren mehr über die katastrophalen Produktionsbedingungen von Leder erfuhr.

Die verwendeten Eukalyptusfasern werden in nachhaltiger Forstwirtschaft angebaut – ohne Genmanipulation und den Einsatz von Pestiziden. Dabei eignet sich die Faser perfekt als Material, denn sie „hat ein unübertroffenes Festigkeitsprofil bei gleichzeitig geringem Einsatz von Wasser und Energie“, schreibt Noani.

Bei der Gewinnung des Materials spielen für Stadler auch soziale Aspekte und Transparenz eine Rolle. Alle Schritte der Produktion – von der Faser bis zum Gürtel – sind nachverfolgbar. Zudem folgt das Unternehmen den Kernnormen der Internationalen Arbeiterorganisation (ILO), deren Standards beispielsweise einen Mindestlohn vorschreiben.

Die veganen Gürtel von Noani bestehen nicht komplett aus Eukalyptus-Leder, sondern zu einem Teil aus Polyester. Aus Nachhaltigkeits-Sicht kein optimales Material. Noani verwendet allerdings ausschließlich recyceltes Polyester. Dieses verbraucht deutlich weniger Energie und Wasser als normales. Zudem reduziert die Weiterverwertung Kunststoff-Müll.

Veganes Leder aus Eukalyptusfaser von Noani
Die Gürtel von Noani aus Eukalyptusfaser und recyceltem Polyester. (Foto: © Noani)

Seine Produktpalette will der Jungunternehmer nach und nach erweitern. Als nächstes bringt er Taschen auf den Markt. Neben Eukalyptusfasern kommt hier das bereits vorgestellte Piñatex zum Einsatz.

Die Gürtel werden in einer kleinen Manufaktur in Deutschland produziert, die veganen Taschen in Portugal. Gründer Fabian Stadler reiste selbst mehrmals auf die iberische Halbinsel um sich von den Qualitätsstandards vor Ort überzeugen zu können. Kaufen kann man die veganen Gürtel im Onlineshop von Noani. Die Taschen-Kollektion lässt derzeit noch auf sich warten, soll aber auch bald online zu bekommen sein.

Leder aus Pilzfasern

Das Startup MycoWorks aus San Francisco kennt eine weitere umweltfreundliche Alternative: veganes Leder, das hauptsächlich aus Pilzen besteht.

Gewonnen wird die Leder-Alternative aus Myzelen, den dichten Wurzelfasern von Pilzen, die unter der Erde wachsen. Diese Fasern werden mit unterschiedlichen Abfallprodukten wie beispielsweise Maisschalen versetzt. Nach wenigen Tagen sind sie von den daraus wachsenden Pilzen überzogen, die Masse kann dann in Form gepresst, getrocknet und gegerbt werden.

Das Ergebnis sieht nicht nur aus wie Leder, es fühlt sich laut Hersteller auch so an. Es soll zudem wasserabweisend, reißfest und atmungsaktiv sein. Kürzlich hat das Unternehmen bereits den ersten Geldbeutel aus Pilzleder vorgestellt.

veganes Leder aus natürlichem Material von MycoWorks aus Pilzen
Der Prototyp eines Geldbeutels von MycoWorks aus organischen Abfällen und Pilzen. (Foto: © MycoWorks)

Weil das Material auf pflanzlichen Stoffen basiert und zudem biologische Abfallprodukte verwendet werden, ist es sowohl tier- als auch umweltfreundlich. MycoWorks arbeitet momentan daran, die Lebensdauer des veganen Pilz-Leders zu verlängern.

Erste Produkte sollen Anfang 2017 auf den Markt kommen, MycoWorks kündigte außerdem eine geplante Zusammenarbeit mit zwei bekannten Schuhherstellern an. Wir sind gespannt!

Kork – robuste Leder-Alternative

Veganes Leder im Kork-Look? Sieht das überhaupt gut aus? Tut es! In Portugal wird das Kork längst zu Geldbeuteln, Schuhen, Taschen, Hüten und sogar Schirmen verarbeitet. Das deutsche Fair Fashion Label bleed macht seit 2015 Klamotten in Leder-Optik.

Kork ist ein beinahe perfekter Naturstoff: Er ist ebenso strapazierfähig wie echtes Leder, wiegt dafür kaum etwas, ist wasserabweisend, atmungsaktiv, zugleich hält er Wärme und schützt gegen Kälte.

Die Montando Black Edition des Labels beweist: Auch optisch hat Kork einiges zu bieten. Die Kollektion beinhaltet eine schwarze Korkjacke – angelehnt an das lederne Vorbild – und ein T-Shirt mit Kork-Brusttasche. Passend dazu Gürtel und Portemonnaie.

Lederjacke, T-Shirt, Gürtel, Portemonnaie: Si sieht die neue Kork-Kollektion von bleed aus
Die „Leder“-Kollektion aus Kork von bleed. (Foto: © bleed)

Die Gewinnung von Kork ist im Gegensatz zu herkömmlichem Leder relativ nachhaltig. Er wird aus der Rinde der Korkeiche gewonnen und ist damit ein natürlicher nachwachsender Rohstoff, für den kein Baum gefällt werden muss.

Da Flaschenkorken mittlerweile oft durch solche aus Kunststoff ersetzt werden, hat die Verwendung von Kork in diesem Fall auch eine soziale Komponente. Bleed schreibt dazu, der Kork gebe „den portugiesischen Bauern der Montado Region wieder eine neue Perspektive zum Erhalt ihrer bedrohten Korkbiotope“.

Zu kaufen gibt es die Kork-Leder Klamotten im Online Shop von bleed, in dem man weitere, vegane Fair Fashion findet. Unbedingt reinschauen!

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(2) Kommentare

  1. Wir sind aktuell dran, auch im B2B-Bereich (Werbemittel) Echtleder-Alternativen zu etablieren. Zusätzlich zu den bereits erwähnten Materialien gibt es auch das neue Apfel-Leder aus Südtirol, welches aus Reststoffen (Schalen, Stengel, Fasern) der Apfelproduktion gewonnen wird. Mehr Details haben wir hier zusammen gefasst:
    http://www.proline.jetzt/aktuelles/blog/detail/intelligentes-apfel-recycling-fuer-mein-marketing.html

    Das tolle an den neuen Produkten ist, dass Sie nicht nur vergleichbar sind, sondern echte Produktvorteile mit sich bringen. So ist Kork beispielweise viel feuchtigkeitsunempfindlicher – weitere Vorteile haben wir hier aufgeführt: http://www.proline.jetzt/aktuelles/blog/detail/Kork.html

    Es gibt somit viele Argumente für veganes Leder – warum nicht mal ausprobieren?

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