Hormonyoga: Übungen, Wirkung und Ziele der Yoga-Art

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Hormonyoga ist ein Yoga-Stil, der ganz gezielt den Hormonhaushalt in Balance bringen soll. Dazu werden bestimmte Yoga-Techniken wie Atemübungen mit Körperhaltungen kombiniert.

Bei Hormonyoga handelt es sich um einen relativ neuen Yoga-Stil: 1992 wurde das Hormon-Yoga von der Yoga-Lehrerin Dinah Rodrigues entwickelt. Die gebürtige Brasilianerin hat Philosophie und Psychologie studiert und unterrichtet seit mehreren Jahrzehnten Yoga – zunächst Hatha Yoga und später zunehmend ihren eigenen Yoga-Stil Hormonyoga.

Hormonyoga bedient sich mehrerer Elemente klassischen Yogas – allen voran Atemübungen, den Asanas (Körperhaltungen) und den Bandhas (Energiepunkte). Viele der Übungen stammen aus dem Kundalini-Yoga und dem Tao-Yoga.

Hormonyoga: So funktioniert der Yoga-Stil

Hormonyoga ist speziell darauf ausgelegt, Frauen in den Wechseljahren zu helfen
Hormonyoga ist speziell darauf ausgelegt, Frauen in den Wechseljahren zu helfen (Foto: CC0 / Pixabay / janeb13)

Hormonyoga wurde speziell dafür entwickelt, Frauen möglichst beschwerdefrei durch die Wechseljahre zu helfen. In dieser Zeit stellt sich der Hormonhaushalt der Frau entscheidend um, was häufig mit unangenehmen Begleiterscheinungen wie Hitzewallungen, Schlafstörungen oder Haarausfall einhergeht. Hormonyoga soll Frauen in dieser herausfordernden Zeit helfen: Die Yoga-Praxis ist darauf ausgelegt, unter anderem die Produktion der weiblichen Hormone Östrogen und Progesteron zu fördern und im Gegenzug die Ausschüttung des Stresshormons Cortisol zu reduzieren. Auf diese Weise soll die Hormonumstellung in den Wechseljahren erleichtert werden.

Die Wirkungsweise von Hormonyoga basiert darauf, die Lebensenergie im Körper zu lenken – im Yoga auch „Prana“ genannt. Die Übungen sind darauf ausgelegt, die Prana-Fluss anzuregen und in bestimmte Körperregionen zu lenken – vor allem zu den Hormondrüsen wie der Schilddrüse, der Hypophyse, den Eierstöcken und den Nebennieren. Dazu nutzen die Schüler im Hormon-Yoga neben Visualisierungen und Asanas auch Pranayama, die Atemübungen im Yoga. Diese Techniken sollen das Prana schnell aktivieren und die Hormondrüsen stimulieren.

Außerdem bedient sich das Hormonyoga auch einer tibetischen Form der Energie-Lenkung. Damit die freigesetzte Energie im Körper nicht verloren geht, werden zusätzlich Bandhas aktiviert. Dabei handelt es sich um bestimmte Regionen im Körper, die als Art „Energie-Tore“ gesehen werden. Was genau dahinter steckt, erfährst du im nächsten Abschnitt.

Neben den aktivierenden Aspekten der Hormonyoga-Praxis sind aber auch entspannende Techniken wie liegende Meditationen wichtiger Bestandteil vom Hormon-Yoga. Diese Übungen sollen dabei helfen, Stress entgegenzuwirken und vorzubeugen.

Hormonyoga: Übungen einer typischen Yoga-Stunde

Der Drehsitz gehört zu den Körperübungen im Hormonyoga.
Der Drehsitz gehört zu den Körperübungen im Hormonyoga. (Foto: CC0 / Pixabay / evita-ochel)

Eine typische Hormonyoga-Stunde besteht für gewöhnlich aus drei Teilen:

  1. Aufwärmen: Dynamische und energetische Dehn- und Aufwärmübungen sollen Gelenke, Brust, Beine, Rücken und Schultern lockern. Sie sollen den Körper auf die folgenden Übungen vorbereiten, um Verletzungen vorzubeugen.
  2. Hormon-Yoga-Übungsreihe: Die Abfolge der einzelnen Übungen ist im Hormonyoga genau festgelegt und dauert etwa 30 Minuten. Viele der Körperhaltungen wie der herabschauende Hund, der Drehsitz, der Schulterstand oder die Taube sind aus dem Hatha Yoga bekannt und sollen die Hormondrüsen manuell stimulieren. Diese Asanas werden dynamisch und zügig ausgeführt und mit Atemübungen kombiniert.
  3. Meditation: In einer geführten Meditation oder der im Yoga typischen Endentspannung (Savasana) soll der Körper zur Ruhe kommen und alle Muskeln entspannen.

Schon in der Aufwärmphase, vor allem aber in der eigentlichen Übungsreihe, setzt Hormonyoga auf folgende vier Haupt-Techniken:

  1. Bhastrika: Diese kraftvolle Atemübung wird auch Feueratem genannt und soll das Prana im Körper aktivieren und das innere Feuer entfachen. Dabei wölbst du einatmend den Bauch zügig nach vorne und ziehst diesen ausatmend wider zusammen. Diese Pranayama-Technik wird in jeder Körperhaltung mehrfach wiederholt und soll die inneren Organe und Eierstöcke massieren.
  2. Ujjayi: Bei dieser Atemtechnik atmest du durch die teils verschlossene Stimmritze ein und aus, wodurch ein hörbares Rauschen entsteht. Diese Übung soll den Geist beruhigen und die Schilddrüse massieren. Auch im Ashtanga-Yoga ist diese Pranayama-Technik fester Bestandteil der Praxis.
  3. Bandhas: Laut der Prana-Philosophie gibt es bestimmte Regionen im Körper, durch die Energie verloren gehen kann. Dies soll mit Hilfe von Bandhas verhindert werden – sogenannte Energieverschlüsse, die durch subtile Muskelkontraktion aktiviert werden. Das im Yoga wichtigste Bandha ist das Mula Bundha, das du durch Zusammenziehen des Damms aktivieren kannst.
  4. Tibetische Energielenkung: Hierbei hältst du den Atem an und lenkst deine Konzentration auf die Nasenspitze, während die Zungenspitze den oberen Gaumen berührt. Dabei visualisierst du, wie Energie vom unteren Ende der Wirbelsäule aufsteigt und zu bestimmten Drüsen fließt. Dann atmest du langsam aus.

Ziel und Wirkung von Hormonyoga

Vor allem in den Wechseljahren, aber auch bei anderen hormonell bedingten Beschwerden soll Hormonyoga helfen.
Vor allem in den Wechseljahren, aber auch bei anderen hormonell bedingten Beschwerden soll Hormonyoga helfen. (Foto: CC0 / Pixabay / silviarita)

Entwickelt wurde Hormon-Yoga speziell dafür, Frauen präventiv auf die Wechseljahre vorzubereiten und so Beschwerden dieser Zeit vorzubeugen. Auch während den Wechseljahren soll regelmäßiges Hormonyoga dabei helfen, hormonell bedingte Beschwerden zu lindern.

Hormonyoga soll aber auch jüngeren Frauen helfen können, die aufgrund hormoneller Imbalancen unter starken Menstruationsbeschwerden, Zyklusstörungen und PMS leiden. Selbst bei unerfülltem Kinderwunsch soll Hormonyoga unterstützend helfen können.

Täglich praktiziert soll Hormonyoga das Hormonsystem reaktivieren und stärken und die Vitalität steigern. Außerdem soll die Yoga-Praxis auch den Stoffwechsel, das Immunsystem und den Kreislauf stärken.

Aber auch auf mentaler Ebene soll Hormon-Yoga helfen: Es soll das generelle Wohlbefinden stärken und Stress abbauen und vorbeugen. Dies soll sich wiederum positiv auf den Hormonhaushalt auswirken, da dieser sensibel auf Stress reagiert.

Wissenschaftlich geprüft:

  • Laut netdoktor gibt es bisher keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass Hormonyoga den Hormonhaushalt gezielt verändern kann.
  • Allerdings gibt es wissenschaftliche Studien, die den Einfluss von anderen Yoga-Stilen auf das Hormonsystem untersucht haben: So deutet eine randomisierte Doppelblind-Studie von 2015 darauf hin, dass regelmäßiges Yoga die Ausschüttung von Stresshormonen reduzieren und das Immunsystem stärken kann.
  • Eine weitere Studie von 2013 deckt diese Ergebnisse: In dieser stellten die Forscher fest, dass sich Yoga positiv auf die Cortisol-Werte im Körper auswirken und somit Stress vorbeugen kann.
  • Deshalb ist es durchaus plausibel, dass auch Hormonyoga positiv auf den Hormonhaushalt wirken kann. Inwiefern diese Yoga-Praxis dabei effektiver als andere Yoga-Stile ist, müssen weitere Untersuchungen herausfinden.

Wie bei anderen Yoga-Stilen auch solltest du beim Hormonyoga aber etwas Geduld mitbringen. Manche Frauen berichteten davon, dass sie sich nach der ersten Stunde schon besser fühlten. Allgemein dauert es aber einige Wochen bis Monate, bis die Yoga-Übungen spürbar wirken.

Hormonyoga: Für wen ist es geeignet?

Hormonyoga ist ausschließlich für Frauen konzipiert worden.
Hormonyoga ist ausschließlich für Frauen konzipiert worden. (Foto: CC0 / Pixabay / janeb13)

Anders als klassischere Yoga-Stile wie Hatha Yoga, Ashtanga Yoga, Yin Yoga oder Jivamukti Yoga ist Hormonyoga ausschließlich für Frauen ausgelegt und sollte nicht von Männern praktiziert werden. Junge Frauen ohne hormonelle Beschwerden sollen ebenfalls kein Hormonyoga praktizieren.

Empfohlen ist Hormonyoga für folgende Zielgruppen:

  • Frauen in den Wechseljahren
  • Junge Frauen mit hormonell bedingten Beschwerden wie PMS
  • Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch
  • Frauen, die sehr häufig unter Stress leiden

Während der Menstruation selbst solltest du Hormonyoga nicht oder nur sanft ausführen.

Darüber hinaus ist Hormonyoga laut netdoktor bei folgenden Erkrankungen und Beschwerden nur unter bestimmten Bedingungen beziehungsweise gar nicht empfohlen:

  • Schwangerschaft
  • Brustkrebserkrankung
  • größere Myome
  • Endometriose
  • nach einer Herzoperation, Totaloperation oder kosmetischen Brust-OP
  • Herzprobleme
  • schwere Osteoporose mit Frakturrisiko
  • Bandscheibenvorfall
  • Innenohrentzündung
  • Bauchschmerzen nicht geklärter Herkunft
  • Blinddarmprobleme
  • Schilddrüsenüberfunktion
  • Bluthochdruck

Wir empfehlen dir, in jedem Fall vorher ausführlich mit deinem behandelnden Arzt und der Yoga-Lehrerin zu sprechen. Apropos Yoga-Lehrerin: Generell ist es empfohlen, den Yoga-Stil mit einer erfahrenen Hormonyoga-Lehrerin zu erlernen anstatt in Eigenregie zu Hause auszuprobieren.

Wie und wie viel Hormonyoga eine Frau praktizieren soll, hängt von ihrem Gesundheitszustand und ihrer Erfahrung mit Yoga ab. Für Yoga-Anfänger sind vor allem die fortgeschrittenen Atemtechniken nicht geeignet.

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