Maca und Maca-Pulver: hoher Nährwert und wertvolle Inhaltsstoffe

Maca
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Maca gilt als die pflanzliche Geheimwaffe aus den Anden Perus. Im Hochgebirge wächst seit der Zeit der Inka eine Kresseart, die eine runde Wurzelknolle bildet. Und genau diese soll wahre Wunder wirken.

Extrem nahrhaft soll die Knolle sein, voller Vitamine und Mineralstoffe, reich an Proteinen und getrocknet sehr lange haltbar. Allein dafür hätte sich die Maca-Wurzel schon den Titel Superfood verdienen können. Doch sie kann angeblich noch mehr: Die Widerstandskraft der Kresseart wird gleichsam auf den Esser übertragen. Maca-Pulver wirkt vitalisierend, stärkt das Immunsystem, hilft gegen Depressionen und chronische Müdigkeit. Außerdem soll die Wunderknolle das „Viagra der Natur“ sein, ein pflanzliches Aphrodisiakum, das Potenz und Fruchtbarkeit bei Männern und die Libido bei Frauen steigert. Soweit die Werbeversprechungen der Hersteller von Maca-Pulver, -Kapseln und anderen Produkten.

Aber stimmt das alles wirklich? Und wie sieht es mit der Ökobilanz der Anden-Kresse aus? Utopia hat sich auf die Spuren der alten Inka und ihrer „Wunderwurzel“ gemacht.

Herkunft und Botanik

Die Maca-Pflanze (Lepidium meyenii) ist eine Kresseart aus der Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae). Sie wächst auch noch in über 4000 Metern Höhe bei unwirtlichen Bedingungen. Dabei ist die Pflanze sehr anspruchslos, was Boden, Düngung und Bewässerung angeht. Die einjährige krautige Pflanze bildet gefiederte, circa 20 cm lange Blätter und eine weiße bis rote, manchmal auch schwarze, Wurzelknolle. Die Blätter schmecken wie die heimische Gartenkresse und werden gerne als Salat gegessen.

In Europa wird aber fast ausschließlich Maca-Pulver aus der gemahlenen Wurzel angeboten. Die Wurzel erinnert ein wenig an Rettich und schmeckt frisch auch ähnlich. Durch das Trocknen oder Kochen verlieren sich allerdings die Senföle, die Wurzel schmeckt dann nussig-süß. Die Maca-Pflanze kommt wild in den Anden vor, wird aber schon seit über 2000 Jahren als Nutzpflanze angebaut. Bei den Inka und im heutigen Peru ist sie ein Grundnahrungsmittel wie bei uns Kartoffeln. Trotzdem wird die Maca auch in den Herkunftsregionen durchaus als Heilpflanze und zur Fruchtbarkeitssteigerung eingesetzt.

Maca-Wurzel
Die Maca-Wurzel. (Foto: (c) Gust4vo~commonswiki)

Rezepte und andere Verwendung der Maca-Wurzel

In Peru ist die Maca eine ganz normale Nutzpflanze, im Hochgebirge der Anden sogar ein Hauptbestandteil der Nahrung. Kein Wunder, auf 4000 Meter wächst sonst kaum etwas. Die Wurzelknolle wird geerntet, gewaschen und getrocknet, um länger haltbar zu sein. Die frischen oder getrockneten Knollen kochen die Peruaner seit Jahrhunderten mit Salzwasser entweder zu Suppe und Gemüse. Oder sie mahlen die trockenen Wurzeln zu Maca-Pulver. Dieses Pulver schmeckt süßlich und wird daher als süßer Brei, als eine Art Pudding, als Heißgetränk oder fermentiert als „Maca-Bier“ konsumiert.

Die Heilwirkung und Fruchtbarkeitssteigerung durch Maca ist ein nur angenehmer, wenn auch gewollter Nebeneffekt dieser Ernährung. Rezepte zum Nachkochen gibt es hierzulande leider nur sehr wenige – aber lass dich einfach von den Peruanern inspirieren und mische das Pulver in heiße Milch oder nutze es anstelle von herkömmlichem Mehl zum Backen.

Übrigens werden die Maca-Wurzeln in den Anden auch an die Nutztiere verfüttert, die von den nährstoffreichen Knollen profitieren. In Europa ist Maca vor allem als Pulver oder in Kapseln bekannt. Die Wurzel gilt hier weniger als Nahrungsmittel denn als Aphrodisiakum und pflanzliches Potenzmittel.

Wo kann ich Maca-Pulver, -Kapseln oder -Wurzeln kaufen?

Da die Anden-Kresse in Europa, den USA und China als Gemüse ziemlich unbekannt ist, kannst du sie kaum irgendwo als frische Pflanze kaufen. Vielleicht findest du frische Knollen bei Bio-Bauern, im Bio-Laden oder im Reformhaus, sehr wahrscheinlich ist das aber (noch) nicht. Stattdessen werden Maca-Pulver und Kapseln als Heilmittel gegen Depressionen, Hormonstörungen oder chronische Müdigkeit angeboten.

Hauptsächlich aber wird Maca als natürliches Potenzmittel für Männer vermarktet, das gleichzeitig Libido und Fruchtbarkeit steigern soll. Die letzten beiden übrigens auch bei Frauen – Potenzmittel für Männer verkaufen sich nur einfach besser. Entsprechend findest du Maca-Produkte in Apotheken, Drogeriemärkten, Reformhäusern oder Onlineshops. Achte beim Einkauf aber immer auf Bio-Qualität, bei Kapseln auch auf den Anteil des Pulvers. Nicht alle Werbeversprechungen der Hersteller stimmen mit den tatsächlichen Inhaltsstoffen überein. Wir haben ein paar mögliche Bezugsquellen für dich zusammen getragen:

Die Inhaltsstoffe: Wie gesund ist Maca?

Nicht umsonst wird die Wurzelknolle seit 2000 Jahren als Nahrungsmittel hochgeschätzt. Die Inhaltsstoffe der Maca weisen sie als wahres Kraftpaket mit ungewöhnlich hohem Anteil an Proteinen und Mineralstoffen aus. Eine getrocknete Wurzel enthält etwa 65 Prozent Kohlehydrate, rund 15 Prozent Proteine, 9 Prozent Ballaststoffe, 2,5 Prozent Fette und immerhin 4 Prozent Mineralstoffe. Obwohl die Wurzel ein Gemüse ist, gleichen ihre Zusammensetzung und ihr Nährwert aufgrund des hohen Kohlehydratanteils eher dem von Getreide wie Weizen oder Mais.

Bei den Proteinen punktet die Kresseart mit vielen essenziellen Aminosäuren, die Fette enthalten reichlich ungesättigte Fettsäuren. Damit nicht genug enthalten die Wurzeln auch noch sehr viel Eisen, Kupfer, Zink und Kalium. Wichtig ist das unter anderem für Veganer, die auf der Suche nach einer pflanzlichen Eisen-Quelle sind. Hier gehört die Knolle nämlich zu den Spitzenreitern. 100 Gramm Maca enthalten rund 15 mg Eisen, das deckt den Tagesbedarf einer erwachsenen Frau. Man kann also ruhigen Gewissens sagen: Maca ist definitiv gesund.

Welche medizinische Wirkung hat Maca?

Als Nahrungsmittel überzeugt die Knolle aus Peru auf der ganzen Linie. Aber wie sieht es mit der medizinischen Wirkung aus? Schließlich soll die Wunderknolle Fruchtbarkeit, Libido und Potenz steigern, gegen chronische Müdigkeit und Gedächtnisverlust wirken und bei Depressionen und Angststörungen helfen. Das zumindest sagt der peruanische Forscher Gustavo Gonzales in zwei Studien aus den Jahren 2012 und 2014. Auch andere Forscher haben sich mit der Wirkung von Maca bei sexuellen Funktionsstörungen auseinandergesetzt.

In einer Übersichtsstudie aus dem Jahr 2010 kamen die Forscher zum Schluss, dass eine Wirkung durchaus möglich ist, aber näher erforscht werden sollte. Obwohl sich Potenzmittel für Männer besser verkaufen, wird auch an der Wirkung auf die Libido von Frauen geforscht. Vielleicht, weil es hier noch kein zugelassenes Medikament gibt. Die Ergebnisse auf diesem Sektor sind ebenfalls vielversprechend (Studie).

Maca-Pulver
Maca-Pulver gilt in den Anden und auch in China als Potenzmittel. (Foto: © Maša Sinreih in Valentina Vivod)

Maca als Aphrodisiakum – funktioniert das wirklich?

Die Liste der möglichen Wirkungen von Maca klingt beeindruckend, Nebenwirkungen gibt es kaum oder gar nicht. Und die wissenschaftlichen Ergebnisse scheinen die Behauptungen auf den Packungen von Maca-Pulver und anderen Produkten zu bestätigen. Ja, scheinen. Denn wirklich bewiesen ist in Wahrheit noch gar nichts. Es gibt zwar zahlreiche Studien zu möglichen Effekten, doch diese haben alle mehr oder weniger große Haken. So stammen die meisten Ergebnisse aus Peru, wo ein wirtschaftliches Interesse am Export der angeblichen Wunderknolle vorhanden ist.

Zudem handelt es sich meist um Tierversuche oder um reine Beobachtungsstudien mit sehr kleinen Stichproben von 8 bis 60 Personen. Keine Untersuchung fand unter Bedingungen statt, die äußere Einflüsse ausschließen oder kausale Zusammenhänge zweifelsfrei nachweisen. So könnte sich die Wirkung gegen Müdigkeit, Depressionen oder die gesteigerte Libido auch einfach aufgrund der besseren Nährstoffversorgung eingestellt haben.

Alles in allem liefern diese Studien maximal Hinweise auf eine mögliche Wirkung der Maca als Aphrodisiakum und zur Steigerung der Fruchtbarkeit. Dennoch ist noch weitere Forschung erforderlich, um irgendwelche gesicherten Aussagen treffen zu können. Maca-Pulver als „Viagra der Natur“ zu bezeichnen, ist daher bislang schlicht ein leeres Werbeversprechen.

In Sachen Nachhaltigkeit kein Musterschüler

Die Nachfrage nach Maca-Pulver oder auch Wurzeln ist in den letzten Jahren stetig gestiegen. In Europa und Amerika wird das Superfood immer beliebter. Davon profitierten zumindest teilweise die peruanischen Hochland-Bauern, denen der Anbau ein sicheres Einkommen brachte. Da die Pflanze sehr zäh ist, ist der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln oder Dünger überflüssig. Ein „Nachhaltigkeits-Minus“ gab es beim Anbau nur für den Export von Nahrungsmitteln, die eigentlich für die heimische Bevölkerung gebraucht würden.

Doch dann kamen die Chinesen. In China sind Potenzmittel aller Art unglaublich beliebt, vom Tigerhoden über das Nashorn-Horn bis hin zur Ginseng-Wurzel. Da Ginseng aber kaum noch wild wächst und der Anbau aufwendig ist, hat der chinesische Markt nun auf Maca umgeschwenkt. Chinesische Unternehmen kaufen seit 2014 aggressiv alles auf, egal ob nachhaltig und bio oder nicht. Um die weltweite Nachfrage zu befriedigen, wird nun eben doch gedüngt und in das sensible Ökosystem der Berge eingegriffen. Selbst, wenn dem nicht so wäre: Peru ist nicht gerade um die Ecke. Allein der Transport aus den Anden bis nach Deutschland sorgt für einen recht großen ökologischen Fußabdruck.

Das Utopia-Fazit

Listet man Plus und Minus der Maca-Wurzel auf, so ergibt das folgendes Bild: Auf der Plus-Seite stehen der hohe Nährwert und die wertvollen Inhaltsstoffe. Beim Minus finden sich eine fragwürdige Wirkung, die Ausbeutungsgefahr der Bauern Perus sowie ein langer Transportweg. Eventuell auch, dass in Deutschland keine frische Maca zu bekommen ist, da Peru die Ausfuhr unverarbeiteter Wurzeln verbietet. Insgesamt also keine Empfehlung für die peruanische Maca.

Mit einer einfachen Maßnahme fallen jedoch fast alle negativen Aspekte weg: die Maca im eigenen Garten anbauen. Maca-Samen gibt es in Onlineshops zu kaufen, die Pflanze ist winterhart und benötigt außer einem sonnigen Platz nicht viel. Oder du greifst gleich zu heimischen Knollen und Wurzeln, wie zum Beispiel Möhren, Rote Beete, Kohlrüben oder Radieschen. Die enthalten zwar nicht ganz so viele Mineralstoffe, sind aber regional und saisonal frisch verfügbar. Soll heißen, du kannst einfach mehr vom frischen Wurzelgemüse essen, um auf die entsprechenden Werte zu kommen. Nachhaltiger und abwechslungsreicher ist das allemal, über gesünder ließe sich streiten.

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