Plastik im Trinkwasser: Woher kommt es? Wie meidest du es?

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Mikroplastik ist wortwörtlich in aller Munde und wird inzwischen immer häufiger auch in Trinkwasser nachgewiesen. Wie kommt es dazu – und kann man was dagegen tun?

Polyethylenterephthalat im Kaffee, und nach dem Sport eine Flasche Wasser mit Polypropylen? Klingt wenig appetitlich, ist aber leider Realität. Immer mehr Studien belegen, dass Kunststoffe wie PET und PP in Form von Mikroplastik nicht nur im Meer, sondern auch in unserem Trinkwasser landen – sowohl in Leitungswasser als auch in Wasser aus Getränkekartons, Glas- und Plastikflaschen. Um welche Mengen es sich dabei handelt, wie es dazu kommt und was Wasseraufbereiter sowie jede:r einzelne von uns dagegen tun können erfahrt ihr in diesem Beitrag.

Wie kommt Mikroplastik ins Trinkwasser?

Mikroplastik löst sich etwa beim Wäschewaschen oder beim Abrieb von Autoreifen, steckt häufig in Kosmetik und landet schließlich in unseren Gewässern. Glücklicherweise stammen jedoch laut Umweltbundesamt nur etwa 30 Prozent unseres Trinkwassers aus Seen, Talsperren, Flüssen oder gefiltertem Oberflächenwasser – die restlichen 70 Prozent sind Grund- und Quellwasser. Dieses ist umso reiner, je tiefer es zuvor durch die verschiedenen Boden- und Gesteinsschichten gesickert ist, denn diese funktionieren wie ein natürlicher Wasserfilter, der auch Mikroplastik effektiv zurückhalten kann.

Während gröberes, poröses Gestein schlechter in Sachen Filterfunktion abschneidet, sind Sand und Sandstein eine ideale Barriere, um auch kleinste Teilchen aus dem Wasser zu entfernen. Findet sich in diesem Wasser später dennoch Mikroplastik, dann stammt dieses möglicherweise aus den Rohren, Leitungen und Armaturen, mit denen das Wasser in Kontakt kommt, bevor es bei uns aus dem Hahn fließt – oder von den Plastikflaschen oder Kartons, in die es abgefüllt wurde.

Mikroplastik im Trinkwasser: wen juckt’s?

Obwohl einige Studien inzwischen Mikroplastik sowohl in Leitungswasser als auch in abgefülltem Wasser nachgewiesen haben, läuten bislang kaum die Alarmglocken. 2018 etwa veröffentlichte das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt Münsterland-Emscher-Lippe (CVUA-MEL) Studienergebnisse von 38 Mineralwässern aus Mehrweg- und Einwegflaschen, Glasflaschen und Getränkekartons, denen zufolge in allen Proben „kleines“ (0,05 – 0,5 mm) und „sehr kleines“ (0,001 – 0,05 mm) Mikroplastik gefunden wurde. Auch Ergebnisse der Non-Profit-Organisation Orb Media bestätigen die Kontamination: 93 Prozent der Wasserproben aus aller Welt – darunter auch von Gerolsteiner, Evian und anderen bei uns erhältlichen Marken – enthielten Plastikrückstände. Und 2019 wertete die Weltgesundheitsorganisation WHO insgesamt 50 Studien aus, bei denen Mikroplastik mitunter auch in Leitungswasser gefunden wurde.

Im Jahr 2019 veröffentlichte die Weltgesundheitsorganisation WHO erstmals eine Analyse zur Gesundheitsgefahr von Mikroplastik in Trinkwasser.

Ausreichend Wasser trinken ist ein einfacheres Schönheitsmittel als Kollagen-Drinks.
Mikroplastik gelangt über Wasser in unseren Körper. Bis zu 10 Prozent davon ist so klein, dass es in das Lymphsystem oder Blut gelangen kann. (Foto: CC0/pixabay/Engin_Akyurt)

Bislang gebe es keine Studien, die klar belegen, ob das Plastik wieder von unserem Körper ausgeschieden wird, ohne Schaden anzurichten, so WHO. Dies ist laut Orb Media bei circa 90 Prozent des konsumierten Mikroplastiks der Fall. Doch die übrigen 10 Prozent sind so winzig (0,11 Millimeter und kleiner), dass sie theoretisch in unser Lymphsystem und in unser Blut gelangen können. Bei Meerestieren wurden im Zusammenhang mit der Aufnahme von Mikroplastik bereits gesundheitliche Beeinträchtigungen festgestellt. Da jedoch entsprechende Gesundheitsstudien beim Menschen fehlen, finden sich nach wie vor in der deutschen Trinkwasserverordnung keine Grenzwerte für Mikroplastik.

Allerdings wird auf EU-Ebene derzeit an entsprechenden Richtwerten gearbeitet: Bis Anfang 2022 soll die EU-Kommission eine Liste von Stoffen und Verbindungen in Trinkwasser erarbeiten, die potenziell gesundheitsbedenklich und daher zu überwachen sind. Dazu gehört auch Mikroplastik, dessen Vorkommen im Trinkwasser dann voraussichtlich ab 2023 strenger überwacht werden muss. Ungeachtet dessen führt die Trinkwasserverordnung aber dazu, dass Leitungswasser zu dem am besten kontrollierten Lebensmittel in Deutschland gehört.

Kann man Mikroplastik aus Trinkwasser herausfiltern?

Die Natur macht uns mit ihrer natürlichen Filterung bereits vor, dass es möglich ist, auch kleinste Partikel aus dem Wasser zu entfernen. Allerdings schöpft in der Natur niemand das herausgefilterte Plastik ab, weshalb abzuwarten bleibt, ob dadurch nicht langfristig die Reinigungsfähigkeit der Böden und Gesteinsschichten beeinträchtigt wird. Auch in Wasseraufbereitungsanlagen können Plastikpartikel mithilfe feinster Filter oder Membranen aus dem Wasser entfernt werden. Dies könnte erleichtert werden, indem man zunächst andere Substanzen in das Wasser einrührt, an denen das Plastik haften bleibt. Die so entstehenden Verbindungen schöpft man anschließend ab.

Um Mikroplastik im Wasser zu binden, hat die gemeinnützige „Wasser 3.0 GmbH“ etwa ein auf Quarzsand basierendes Hybridkieselgel entwickelt, das die winzigen Teilchen zu größeren Klumpen zusammenfügt, die sich dann an der Wasseroberfläche sammeln. Wer ganz sicher gehen will, kann zuhause selbst zusätzliche Filter installieren, die mit Aktivkohle, Umkehrosmose oder Ionen-Austausch auch kleinste Partikel entfernen können. Doch Vorsicht: diese Filter können schnell verkeimen, filtern teils wichtige Mineralstoffe aus dem Wasser und können sehr teuer sein.

Leitungswasser enthält weniger Mikroplastik als Wasser aus Flaschen oder Kartons

Wer Leitungswasser statt abgefülltes Wasser in Flaschen oder Kartons trinkt leistet einen wichtigen Beitrag dazu, dass insgesamt weniger Plastikmüll anfällt. Ein positiver Nebeneffekt: Gleichzeitig könnte es sein, dass du so auch die eigene Mikroplastik-Aufnahme verringerst. Laut der Orb Media Studie etwa enthält abgefülltes Wasser pro Liter durchschnittlich 10 Plastikteilchen, die etwa den Durchschnitt eines menschlichen Haares haben – das sind doppelt so viele wie im Leitungswasser. Bei abgefülltem Wasser fanden die Forscher des CVUA-MEL die höchsten Mikroplastik-Konzentrationen in Mehrweg-PET-Flaschen, was darauf hinweisen könnte, dass das Material mit der Zeit poröser wird und dadurch Partikel an das Wasser abgibt. Allerdings ist die Studie nicht unumstritten.

Das kannst du tun, damit weniger Mikroplastik ins Wasser gelangt

Wie immer gilt hier der der Grundsatz: weniger ist mehr. Je weniger Plastik du kaufst und je penibler du auf dessen einwandfreie Entsorgung achtest, desto weniger landet letztlich in unserer Umwelt und damit auch in unserem Trinkwasser. Achte beim Kauf von Kosmetik darauf, dass diese kein Mikroplastik enthält, bevorzuge Kleidungsstücke aus Naturfasern und – ganz wichtig – trinke Leitungswasser! Für Waschmaschinen gibt es außerdem spezielle Filter, Wäsche-Bälle und Wäschebeutel, mit deren Hilfe du das sich beim Waschen lösende Mikroplastik auffangen und im Müll entsorgen kannst bevor es ins Abwasser gerät.

Utopia meint: Nur die Symptome zu bekämpfen hilft nicht gegen die Ursache des Problems: Es liegt auch in unserer Verantwortung, Plastik, synthetische Fasern und vor allem Mikroplastik so weit wie möglich aus unserem Alltag zu entfernen. Und das ist leichter als du vielleicht denkst! Tipps hierfür findest du in unseren Beiträgen „Mikroplastik: wo es sich versteckt, wie du es meiden kannst“, „12 Tipps, was du gegen Mikroplastik tun kannst“ und „11 Produkte mit Mikroplastik – und gute Alternativen“.

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