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Gegen die Wegwerfgesellschaft: Das hilft

Wegwerfgesellschaft
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Wir leben in einer Wegwerfgesellschaft: Dinge landen oft vorzeitig oder unnötig im Müll, obwohl wir damit Ressourcen verschwenden und so die Umwelt schädigen. Was du selbst dagegen unternehmen kannst, erfährst du hier.

Morgens bemerken wir an der erst kürzlich gekauften Jeans ein Loch und packen sie gleich ein für den Altkleider-Container. Mittags erzählt uns die Kollegin von ihrem neuen Smartphone und schon shoppen auch wir online nach den neuesten Elektronik-Deals. Abends bestellen wir Essen per Lieferdienst und freuen uns, dass wir die Plastikbehälter einfach entsorgen können und uns das Abwaschen sparen. So oder ähnlich sieht ein typischer Tag in der Wegwerfgesellschaft aus.

Die Wegwerfgesellschaft kennzeichnet sich durch ein (über-)schnelles Entsorgen von materiellen Dingen. Wir nutzen sie oft nur relativ kurz und ersetzen sie dann (unnötigerweise) durch neue. Der Begriff beschreibt kritisch eine Gesellschaft, die von Überfluss und Konsumismus geprägt ist – einer Lebenshaltung also, die darauf ausgerichtet ist, das Bedürfnis nach Konsum und neuen Konsumgütern möglichst schnell zu befriedigen. Möglich wird das durch eine endlose Konsum-Wegwerf-Schleife: Wir konsumieren etwas, werfen es weg, obwohl es noch neuwertig oder gebrauchsfähig ist, kaufen es neu, konsumieren es, werfen es weg, kaufen es neu.

Wegwerfgesellschaft: Zwischen Verschwendung und Umweltverschmutzung

Plastikbecher werden oft zuhauf in der Umwelt zurückgelassen.
Plastikbecher werden oft zuhauf in der Umwelt zurückgelassen. (Foto: CC0 / Pixabay / meineresterampe)

Besonders Einwegprodukte stehen exemplarisch für die Wegwerfmentalität und den Konsumismus heutiger, spezifisch westlicher, Gesellschaften. Bei Einwegprodukten handelt es sich um einen kurzlebigen, wegwerfbaren und günstigen Ersatz für Gebrauchsgegenstände, die eigentlich auf Langlebigkeit und Mehrwegbenutzung ausgelegt sind. Für das Picknick im Park greifen viele also beispielsweise auf Getränkedosen und Einweggrills zurück, weil sie billige und bequeme Alternativen sind. Sie lassen sich im Anschluss einfach entsorgen, ohne dass ein großer finanzieller Verlust entsteht.

Dem Konsumbedürfnis der Wegwerfgesellschaft kann die Wirtschaft und Industrie nur nachkommen, indem sie die Massenproduktion am Laufen hält. Natürliche Ressourcen wie Wasser, Energie und andere Rohstoffe muss sie dafür verschwenderisch einsetzen. Diese Ressourcenverschwendung geht unweigerlich mit Unweltverschmutzung einher.

Die Probleme der Wegwerfgesellschaft werden vor allem in der Textilindustrie ersichtlich. Allein, um ein Paar Lederstiefel herzustellen, sind laut Independent zwischen 14.500 und 25.000 Liter Wasser vonnöten. In der höheren Schätzung ist die Wasserverschmutzung miteinberechnet, die von Gerbereien verursacht wird. So gelangen unter anderem in Bangladesch, einem Zentrum der weltweiten Lederproduktion, Gerbmittel nach ihrer Verwendung meist ungefiltert in die Umwelt. Es handelt sich dabei teilweise um hochgiftige und in Europa verbotene Chemikalien.

Hinter einem Smartphone verbergen sich 13.00 Liter Wasser, bei einem T-Shirt knapp 4.000. Die zum T-Shirt verarbeitete Baumwolle wird bis zu dreißigmal pro Saison mit Pestiziden besprüht, die Grund und Gewässer verseuchen. Eine massive Menge an Ressourcen wird dabei für sehr wenig Gegenwert aufgebracht, wenn man bedenkt, dass jede:r Deutsche 40 Prozent seiner oder ihrer Kleidung selten oder gar nicht trägt. Darüber hinaus werfen wir um Schnitt alljährlich 4,7 Kilogramm Kleidung weg – nur um sie durch 60 neue Kleidungsstücke pro Jahr zu ersetzen.

Ursprung und Mechanismen der Wegwerfgesellschaft

Einwegrasierer sind praktisch und günstig, landen aber schnell im Müll.
Einwegrasierer sind praktisch und günstig, landen aber schnell im Müll. (Foto: CC0 / Pixabay / stevepb)

Die Wegwerfgesellschaft hat ihren Ursprung in der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert, als die Massenproduktion ins Rollen kam. Gegenstände konnten günstiger produziert und verkauft werden, wenn sie aus minderwertigeren Materialien und in Serie hergestellt wurden. Die geringere Lebensdauer von ehemals langlebigen Produkten wie Kugelschreibern oder der nur einmalige Nutzen neuer Hygieneprodukte wie Papiertaschentücher oder Einwegrasierer sorgte für wirtschaftliche Stabilität und Wohlstand. Schließlich mussten Konsument:innen diese Dinge nun schneller nachkaufen – und konnten dies aufgrund des günstigeren Preises auch. Dieser auf Massenkonsum ausgerichtete Lebensstil schwappte zwischen den 1950er und 1970er Jahren von den USA nach Deutschland hinüber.

Heute ist die Wegwerfgesellschaft in den Ländern des Globalen Nordens fest etabliert. Billig- und Massenproduktion haben sich durchgesetzt und mithilfe von geplanter Obsoleszenz lässt sich das Wachstum antreiben. Dieser frühzeitige Verschleiß äußert sich beispielsweise darin, dass der technologische Fortschritt ständig neue Standards hervorbringt, während Updates oder Ersatzteile für Geräte und Software älterer Generationen eingestellt werden.

Die Fast-Fashion-Industrie setzt Obsoleszenz nicht nur mithilfe minderwertiger Materialien um, sondern auch, indem sie einen neuen Trend nach dem anderen kreiert und bewirbt. Auch hochwertige Produkte sollen uns nur für kurze Zeit dienen, denn sie werden oft so designed, dass sie nicht reparierfähig sind. Bekanntes Beispiel sind Smartphone-Akkus, die so verbaut sind, dass Laien sie nicht austauschen können. Manchmal ist eine Reparatur durch Professionelle zwar möglich – doch zu unverhältnismäßigen Kosten, sodass viele lieber gleich in ein neues Gerät investieren.

Gegen die Wegwerfgesellschaft: Das kannst du tun

Es gibt alternative Wirtschaftskonzepte und Konsumverhalten, die der Wegwerfgesellschaft etwas entgegensetzen. Sie zeichnen sich durch eine Besinnung auf Sparsamkeit, materielle Freiheit, Achtsamkeit, Wertschätzung und die Erkenntnis aus, dass Gegenstände oft einen viel höheren Preis haben, als auf dem Preisschild ausgewiesen.

  • Im Frugalismus geht es um finanzielle Sparsamkeit. Weniger Geld ausgeben bedeutet auch, weniger zu kaufen und daher weniger wegwerfen zu müssen.
  • Der Minimalismus zielt darauf, glücklicher und freier mit weniger materiellem Besitz zu werden.
  • Durch Achtsamkeit kannst du deinen Konsum und Umgang mit Gütern bewusster gestalten.
  • Dank Second-Hand und Upcycling gibt es Möglichkeiten, ausgediente Dinge nicht wegwerfen zu müssen, sondern ihnen ein zweites Leben zu geben.

All diese Ansätze können dir dabei helfen, weniger wegzuwerfen und zu verschwenden.

Frugalismus: Geld sparen und weniger verschwenden

Frugalist:innen wollen sich arbeitsfreie Lebenszeit durch Sparen "erkaufen".
Frugalist:innen wollen sich arbeitsfreie Lebenszeit durch Sparen „erkaufen“. (Foto: CC0 / Pixabay / MabelAmber)

Frugalismus steht für einen sparsamen Lebensstil, der in eine baldige finanzielle Unabhängigkeit führen soll. Frugalist:innen geben wenig aus, um Geld zu sparen und sich dann, wenn sie finanziell abgesichert sind, den Dingen im Leben zu widmen, die sie zufrieden machen. Diese Dinge müssen laut frugalisten.de nicht unbedingt materieller Natur sein. Es geht eher um gute soziale Beziehungen, eine erfüllende Tätigkeit, Lachen, Gesundheit, Sport und lebenslanges Lernen.

Wenn du dein Leben frugalistisch gestaltest, konsumierst du weniger, weil du nur die Dinge kaufst, die du wirklich brauchst. Außerdem wird dir mehr daran gelegen sein, Gebrauchsgegenstände gut zu pflegen und zu reparieren, damit du sie lange nutzen kannst. Die Schnelllebigkeit der Wegwerfgesellschaft hat im Frugalismus keinen Platz.

Minimalismus: Auf das Wichtigste reduzieren

Im Minimalismus schaffst du Platz für die wesentlichen Dinge.
Im Minimalismus schaffst du Platz für die wesentlichen Dinge. (Foto: CC0 / Pixabay / Pexels)

Im Minimalismus geht es nicht darum, möglichst wenig zu besitzen, sondern um bewussten Verzicht. So kann Raum für die wesentlichen Dinge entstehen. Viele Minimalist:innen haben sich für einen solchen Verzicht entschieden, weil sie unter materieller Belastung litten – dem Gefühl, durch überflüssigen materiellen Besitz unfrei zu sein oder von ihm eingeengt zu werden.

Anders als in der Wegwerfgesellschaft ist das, was Minimalist:innen besitzen, sorgfältig ausgewählt. Sie behalten nur Dinge, die sie wirklich brauchen oder die sie glücklich machen. Alles andere sortieren sie konsequent aus. Dabei handelt es sich keineswegs nur um das Sammelsurium aus kaputten Kugelschreibern und anderem Krimskrams in vollgestopften Schubladen. Auch von hochwertigem Besitz trennen sich Minimalist:innen, wenn dieser sie nicht wirklich zufriedenstellt. Die aussortierten Dinge sind also meist noch gebrauchsfähig und werden nicht weggeworfen, sondern an Freund:innen und Familie verteilt, verschenkt, oder auf Flohmärkten verkauft.

Achtsamkeit: Bewusster Umgang mit Konsum und Gütern

Wenn du achtsamer mit Dingen umgehst, halten sie länger.
Wenn du achtsamer mit Dingen umgehst, halten sie länger. (Foto: CC0 / Pixabay / Alexas_Fotos)

Die konsumorientierte Wegwerfgesellschaft lebt davon, dass wir unseren Kaufimpulsen schnell nachgeben. Tagtäglich gibt die Werbung uns neue Trends vor und möchte uns von der Notwendigkeit neuester Technologien überzeugen. So kann es schwierig werden, das Bedürfnis nach Konsum nicht sofort zu befriedigen. Etwas mehr Achtsamkeit kann deshalb nicht schaden. Sie hilft dir, deinen Konsum und das vorzeitige Wegwerfen besser zu hinterfragen.

Achtsamkeit bedeutet, sich des Hier und Jetzt bewusst zu sein und dabei auf die eigenen inneren Regungen zu horchen. Achtsam zu sein hilft sowohl beim Umgang mit Kaufimpulsen als auch beim Umgang mit dem, was du schon besitzt.

Wenn dich ein Kaufimpuls überkommt, kannst du dich fragen, ob dem Impuls nachzugeben wirklich das ist, was du in diesem Moment möchtest oder brauchst. Vielleicht sind es auch lediglich äußerliche Umstände und Reize sind, die dich zum Konsum verleiten wollen. Achtsamkeit kann in solchen Situationen helfen, besonnen mit dem Kaufimpuls umzugehen. Wenn du dir deiner inneren Gefühlslage bewusst bist, erkennst du womöglich besser, dass Konsum nicht unbedingt notwendig ist, obwohl die Werbung dies suggeriert. Mit achtsamem Konsum vermeidest du Impulskäufe, die du nachher eventuell bereust und wegwirfst, weil du sie eigentlich nicht brauchst.

Achtsamkeit lässt sich auch auf den Umgang mit materiellen Dingen in der Wegwerfgesellschaft anwenden. Rufe dir ins Bewusstsein, was alles in all den Gegenständen steckt, die du um dich hast: Ressourcen wie Wasser, das immer knapper wird, und die Lebenszeit und Arbeitskraft von Menschen. Ein solches Bewusstsein hilft dir, achtsamer zu sein, wenn du Dinge benutzt, und sie pfleglicher zu behandeln. Dadurch erhöht sich die Langlebigkeit.

Second Hand: Verlängere die Lebenszeit von aussortierten Gegenständen

Auf Flohmärkten finden Gebrauchsgegenstände neue Besitzer:innen.
Auf Flohmärkten finden Gebrauchsgegenstände neue Besitzer:innen. (Foto: CC0 / Pixabay / stux)

Möchtest du minimalistischer leben und daher nicht gebrauchte Gegenstände aussortieren, solltest du sie nicht wegwerfen. Sind sie noch in gutem Zustand und gebrauchsfähig, kannst du sie als Second-Hand-Ware anbieten. Gib Kleidung auf Kleidertauschpartys an Freund:innen weiter, spende Dinge oder verkaufe Bücher und Möbel auf Flohmärkten oder online.

Es gibt etliche Plattformen, auf denen du Second-Hand-Waren anbieten oder kaufen kannst:

Wenn du spenden möchtest, findest du hier Ratgeber:

Es mag verlockend sein, aussortierte Dinge einfach wegzuwerfen. Doch mit dem kleinen Aufwand, den das Verkaufen oder Spenden erfordert, verlängerst du die Lebenszeit von Dingen. Gleichzeitig ermöglichst du es anderen, auf den Neukauf zu verzichten und setzt ein Zeichen gegen die Wegwerfgesellschaft.

Upcycling: „Müll“ aufwerten statt wegwerfen

Upcycling macht aus "Müll" Neues.
Upcycling macht aus „Müll“ Neues. (Foto: CC0 / Pixabay / islandborn)

Sind Dinge so verschlissen, dass du sie nicht mehr weitergeben kannst, kannst du sie laut der „5-R“-Regeln trotzdem noch vor dem Müll bewahren. Die „5-R“-Regeln, um Abfall und Verschwendung in der Wegwerfgesellschaft zu vermeiden, lauten:

  • refuse (ablehnen)
  • reduce (reduzieren)
  • reuse (wiederverwenden)
  • recycle (wiederverwerten)
  • rot (kompostieren)

Wenn du bestimmte Gegenstände nicht mehr für ihren eigentlichen Zweck nutzen kannst, kannst du sie trotzdem noch für etwas anderes wiederverwenden (Reuse-Regel). Das geht dank Upcycling.

Upcycling zielt darauf ab, scheinbar nutzlose Dinge oder gar „Müll“ in neuwertige Produkte umzuwandeln. So soll die Notwendigkeit verringert werden, Dinge und Materialien neu zu produzieren. Anders als beim einfachen Recycling wird beim Upcycling das Material tatsächlich aufgewertet.

Aus „Müll“ lassen sich besonders kreative Projekte umsetzen:

Fazit: Die Wegwerfgesellschaft ist nicht alternativlos

Die Wegwerfgesellschaft ist nicht alternativlos.
Die Wegwerfgesellschaft ist nicht alternativlos. (Foto: CC0 / Pixabay / RitaE)

Der Wegwerfgesellschaft liegt eine Mentalität und Wirtschaftsform zugrunde, die fatale Konsequenzen für Mensch und Natur hat: massive Ressourcenverschwendung, Ausbeutung und Gefährdung von Arbeitskräften in Billiglohnländern, Umweltverschmutzung. Sich dem Massenkonsum und dem Wegwerf-Drang zu widersetzen, ist für viele trotzdem nicht leicht. Das Konsumverhalten ist auch immer kulturell geprägt und eingebettet in das soziale Gefüge. Durch eine bestimmte Konsumweise wollen wir Zugehörigkeit erfahren und Identität ausdrücken. Doch dies sollte nicht zu Lasten der Umwelt und anderer Menschen geschehen.

Mithilfe von mehr Achtsamkeit, Wertschätzung und ein wenig Aufwand kannst du viel dazu beitragen, dass sich weniger Müll anhäuft, der weggeworfen werden muss. So kannst du dich ein Stück weit aus dem Konsum-Hamsterrad der Wegwerfgesellschaft befreien und gleichzeitig einen Beitrag zum Umweltschutz leisten.

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