Grüner-Strom-Label: das strengste deutsche Ökostrom-Siegel

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Siegel: © Grüner Strom Label e.V.

Das Grüner-Strom-Label ist das älteste und zugleich eines der strengsten Ökostrom-Siegel in Deutschland. Um die begehrte Auszeichnung zu erhalten, reicht es nicht, den Ökostrom vollständig aus erneuerbaren Energien zu produzieren– der Anbieter muss zugleich nachweislich in Energiewende-Projekte investieren.

Es war 1998 das erste Ökostromlabel in Deutschland: Beim Grüner-Strom-Label müssen Ökostromanbieter nicht nur auf fossile Energiequellen verzichten: Sie dürfen auch keine Beteiligungen an Atomkraftwerken und (seit 01.01.2015 auch nicht an) Kohlekraftwerken besitzen, wenn sie das Siegel erhalten wollen. Wichtig auch: Pro verkaufte Kilowattstunde Strom investiert ein Stromanbieter mit Grüner-Strom-Label einen spezifischen Betrag in neue Anlagen wie Wind- oder Solarkraftwerke.

Die ausdrückliche Investition in Energiewende-Projekte gehört zu den Kernkriterien des Grüner-Strom-Labels. Bisher konnten auf diese Weise mehr als 1.400 Energiewende-Projekte realisiert und co-finanziert werden. Das Zeichen ist daher auch ein mögliches Zugangskriterium für die Utopia-Bestenliste Ökostromanbieter und den Utopia Stromvergleich-Preisrechner.

Wer steht hinter dem Grüner-Strom-Label für Ökostrom?

Das Siegel definiert in einem öffentlich einsehbaren, detaillierten Kriterienkatalog genaue Vorgaben, die einzuhalten sind und auch Beträge, die in die Energiewende fließen müssen. Ob die Stromanbieter alle Kriterien einhalten, wird durch den Grüner Strom Label e.V. alle zwei Jahre geprüft und von einem weiteren unabhängigen Zertifizierungsspezialisten validiert.

  • Vergeben in: Deutschland
  • Vergeben von: Grüner Strom Label e. V.
  • Kategorie: Ökostrom
  • Produkte: Ökostrom-Tarife
  • Verbreitung: mittel bis hoch (rund 70 Anbieter)
  • Utopia-Bewertung: sehr empfehlenswert

Im Untertitel des Labels nennt sich dieses Siegel „das Ökostromlabel der Umweltverbände“, und das zu Recht: Hinter dem Ökostrom-Label Grüner Strom stehen sechs Umwelt- und Naturschutzverbände, nämlich der Naturschutzbund Deutschland (NABU), der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Eurosolar, der Deutsche Naturschutzring (DNR), die Verbraucher-Initiative und die Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges/Ärzte in sozialer Verantwortung (IPPNW).

Grüner Strom: die Kriterien im Überblick

Die Vorgaben für das Label Grüner Strom sind deutlich strenger als bei allen anderen Ökostrom-Siegeln. Der Gedanke dahinter: Will ein Stromanbieter authentisch Ökostrom-Tarife anbieten, muss er auch darüber hinaus mit Verantwortung für Klima und Natur auftreten. Deshalb muss er die genaue Herkunft des Ökostroms belegen und darf neue Anlagen nur mit Rücksicht auf Mensch und Natur bauen.

Grüner Strom Label
Grüner Strom Label (© Grüner Strom Label e.V.)

Das Ökostrom-Label Grüner Strom bescheinigt:

  • Der Strom kommt zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien.
  • Die Herkunft jeder Kilowattstunde Ökostrom ist nachweisbar – bis zum einzelnen Kraftwerk.
  • Der Stromanbieter besitzt keine Anteile an Atomkraftwerken und Anbieter dürfen keine Anteile an Kohlekraftwerken besitzen, sofern die Anteile nach dem 1.1.2015 erworben wurden.
  • Das Grüner-Strom-Label garantiert pro zertifizierter Kilowattstunde Ökostrom feste Förderbeträge, die in Erneuerbare-Energien-Anlagen wie Wind- oder Solarkraftwerke investiert werden. Vorgesehen sind zwischen 0,1 und 0,5 Cent pro Kilowattstunde, die in neue Anlagen fließen, gestaffelt nach Strommengen (Beispiele: bis 10.000 kWh: 0,5 Cent/kWh; ab 3.000.000 kWh: 0,1 Cent/kWh).
  • Neue Anlagen müssen immer naturverträglich gebaut werden. Solarparks dürfen beispielsweise nicht auf einem landwirtschaftlichen Acker gebaut werden. Bei Windrädern gibt es für zusätzliche Naturschutzmaßnahmen höhere Förderbeträge.

Bei Ökostrom für Privathaushalte (bis 10.000 kWh/Jahr) investiert ein Stromanbieter mit dem Grüner-Strom-Label mindestens 0,5 Cent pro Kilowattstunde in Erneuerbare-Energien-Anlagen. Bei größeren Unternehmen sind es zwischen 0,1 und 0,4 Cent pro Kilowattstunde. Dieses Geld kann der Anbieter für Energiewende-Projekte verwenden, wie den Bau und Ausbau neuer Anlagen, neue Speicher-Technologien, eine effizientere Energieversorgung und Maßnahmen zum Schutz von Natur- und Artenvielfalt. Zum Beispiel kann ein Stromanbieter große Batterie-Speicher anschaffen, um die Stromschwankungen von Wind- und Sonnenenergie auszugleichen.

Um den Verbraucher:innen eine möglichst hohe Transparenz zu schaffen, müssen die Stromanbieter genaue Informationen über die geförderten Anlagen veröffentlichen:

  • Wie viel Leistung erbringt die Anlage?
  • Wo steht sie und seit wann ist sie in Betrieb?
  • Wie viel Geld wird jedes Jahr in weitere Neuanlagen investiert?

Die Kriterien des Labels sind öffentlich zugänglich, Förderprojekte veröffentlicht der Verein auf einer Map. Alternativ existiert für Grüner-Strom-Labelnehmer, die ihre Investitionsverpflichtung nicht selbst erfüllen wollen oder können, ein zentraler Förderfonds. Über diesen können mit denselben Kriterien wie bei eigenen Investitionen Erneuerbare-Energien-Anlagen und andere Energiewende-Projekte gefördert werden. Die Verwendung der Gelder des Grüner Strom-Fonds wird regelmäßig unabhängig überprüft, die geförderten Projekte in einer Liste genannt.

Alle Anbieter müssen sich zudem zu einer nachhaltigen Unternehmenspolitik verpflichten. Dazu gehört, dass sie besonders faire Vertragsbedingungen für Kund:innen haben und sie auch über Stromspar-Tipps bzw. Energiespar-Tipps informieren.

Stromvergleich Ökostrom: der Ökostrom-Vergleich von Utopia

Besonderheiten des Grüner-Strom-Labels

Der Stromanbieter muss einen Liefervertrag mit den Betreibern der Erneuerbaren-Energien-Kraftwerke abschließen. Herkunftsnachweise bzw. Zertifikate genügen nicht. Stattdessen müssen die Herkunftsnachweise für den Ökostrom und der eingekaufte Strom selbst aus denselben Kraftwerken kommen. Mit dieser Kopplung, die in Deutschland übrigens ein Alleinstellungsmerkmal des Siegels ist, will Grüner Strom verhindern, dass ein Stromanbieter nur die äquivalente Menge an Herkunftsnachweisen einkauft und seinen Atom- und Kohle-Strom damit umdeklariert.

Man darf durchaus hinterfragen, ob diese an sich untadelige Regelung tatsächlich global mit einem ökologischen Mehrwert verbunden ist. Schließlich wird nicht mehr grüner Strom produziert, nur weil sich die Strommenge einem bestimmten Kraftwerk zuordnen lässt. Auch erzeugt die Kopplung die Illusion, als Kund:in würde man seinen Strom tatsächlich von diesem oder jenem Öko-Kraftwerk beziehen. Das ist aber nie so, denn es existieren keine getrennten Stromverteilungsnetze für grauen und grünen Strom.

Aber: Diese Regelung und die Kennzeichnung der Stromherkunft schafft eine Transparenz, die beim den Konsument:innen das Bewusstsein dafür stärkt, dass auch die Stromherkunft eine Eigenschaft von Strom ist und daher bei der nachhaltigen Kaufentscheidung also eine Rolle spielen sollte – und tatsächlich beeinflusst, wohin Gelder fließen. Auch bleiben auf diese Weise Anbieter außen vor, die das Grünwaschen von Graustrom praktizieren. Insofern ist diese Besonderheit zu begrüßen.

Grüner-Strom-Label in Gold?

Früher vergab der Grüner Strom Label e.V. sein Siegel noch in den Kategorien „Silber“ und „Gold“. Inzwischen gibt es aber nur noch das Grüner-Strom-Label, das auf dem ehemaligen Gold-Standard basiert. Alle anderen sind nicht mehr gültig. Bewerben Anbieter ihren Strom also mit „Gold“-Hinweis, ist das entweder veraltet oder Marketing.

Grüner Strom: Kontrollen

Lässt ein Energieversorger seinen Ökostrom-Tarif zertifizieren, muss er für jede verkaufte Kilowattstunde Nachweise sammeln. Nach zwei Jahren prüft der Grüner Strom Label e.V., ob der Stromanbieter alle Kriterien erfüllt hat.

Die Gutachten werden zum von einem unabhängigen Institut (GUTcert) validiert. Fällt das Gutachten positiv aus, wird das Siegel für zwei weitere Jahre verlängert. Dann findet die nächste Prüfung statt.

In den Jahren dazwischen muss der Energieversorger regelmäßig über die Förderung erneuerbarer Energien berichten. Bei einem negativen Gutachten oder fehlenden Berichten drohen Sanktionen bis hin zum Entzug des Ökostrom-Labels.

Kritik am Grüner Strom Label (GSL)

Das Ökostrom-Siegel Grüner Strom ist laut UBA seit 1998 das erste Ökostromlabel in Deutschland. Es genießt bei Umweltverbänden und dem Umweltministerium einen hohen Stellenwert und wird gemeinhin selten kritisiert.

Utopia kritisiert am Grüner-Strom-Label, dass es übermässig den Eindruck erweckt, als wären Anbieter, die einen Tarif mit Grüner-Strom-Label anbieten, frei von Atomstrom.

  • Wahr ist, dass Unternehmen, die selbst Atomkraftwerke betreiben beziehungsweise an einem solchen direkt beteiligt sind, das Label nicht erhalten.
  • Wahr ist aber auch, dass das Grüner Strom Label vor allem ein Produkt-Siegel ist, das nur das so gelabelte Ökostromprodukt als Atomstrom-frei kennzeichnet.
  • Der Anbieter des Stromproduktes kann sehr wohl konventionelle Tarife anbieten und dabei auch Atomstrom einkaufen und verkaufen.

Allgemeine Kritik an solchen Labeln: Es sind ihrer zu viele und ihre Kriterien sind für Laien meist schwer verständlich.

Alternativen zum Ökostrom-Siegel Grüner Strom

Im Vergleich schlägt sich das Grüner Strom Label sehr gut. Die Verbraucherzentrale Niedersachsen bewertete 2016 insgesamt 12 Ökostrom-Labels; nur zwei wurden als „sehr empfehlenswert“ (Grüner Strom) bzw. „empfehlenswert“ (ok power) bezeichnet. Der Europäische Verbraucherverband (BEUC) befand 2017, dass das Grüner-Strom-Label als einziges der in der Untersuchung betrachteten europäischen Ökostromlabel alle fünf untersuchten Kriterien zur vollsten Zufriedenheit erfülle, in Österreich war das „Österreichische Umweltzeichen“ hier vergleichbar.

Insofern ist das Grüner-Strom-Label in Deutschland derzeit führend.

Angesichts der scheinbaren Fülle alternativer Ökostrom-Siegel sei aber das Ökostrom-Label ok power erwähnt, das wir (u.a. auch: das Umweltbundesamt, die Verbraucherzentrale) als einziges anderes Label ebenfalls empfehlen, erst recht als ok-power-plus.

Verfügbarkeit: mittel bis hoch

Wegen der hohen Anforderungen wird das Siegel Grüner Strom nicht ganz so oft vergeben wie andere Ökostrom-Siegel, eben das macht es ja empfehlenswert.

Dennoch sind nach eigenen Angaben rund 70 Strom-Tarife mit dem Label zertifiziert worden – Kund:innen haben also sehr wohl eine große Auswahl an Tarifen mit diesem derzeit glaubwürdigsten Ökostrom-Siegel. Auf www.vergleich-dich-gruen.de sind ausschliesslich Tarife mit diesem Label zu finden.

2019 wurden nach Vereinsangaben über 1,3 Terawattstunden Ökostrom mit dem Gütesiegel Grüner Strom zertifiziert. Das entspreche dem Strombedarf von mehr als 410.000 Vier-Personen-Haushalten.

Stromanbieter mit Grüner Strom finden

Beispiele für Öko-Stromtarife aus den Utopia-Empfehlungen, die dieses Siegel tragen (Stand 12/2020):

Mit diesen Anbietern machst du nichts falsch.

Im Stromvergleich von Utopia findest du für deine Postleitzahl einen Preisvergleich von ausschließlich besser gesiegelten Ökostromtarifen. Achte bei den Ergebnissen einfach auf das Zeichen Grüner Strom:

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Utopia-Fazit: Grüner-Strom-Label

Das Grüner-Strom-Label zählt mit seinen hohen Standards zu den besten Ökostrom-Siegeln. Nur nachhaltige und ökologisch bewusste Energieversorger erhalten das Zertifikat für ihren Tarif. Die Fördersumme pro Kilowattstunde fließt nicht nur in den Ausbau erneuerbarer Energien, sondern kann auch zur Energieeffizienz und für neue Technologien verwendet werden. So bauen Stromanbieter zum Beispiel Tankstellen für Elektroautos oder Batterie-Speicheranlagen. Seit neuestem werden unter bestimmten Voraussetzungen auch Natur- und Artenschutzprojekte wie etwa Blühwiesen gefördert. Insgesamt geht Grüner Strom über die normalen Anforderungen von Ökostrom weit hinaus und ist daher aus unserer Sicht ein sehr empfehlenswertes Label. Aber: Es schliesst nicht aus, dass der Anbieter eines Grüner-Strom-Label-zertifizierten Produktes in anderen Tarifen auch Atomstrom verkauft.

Wichtige Beiträge zu dem Thema auf Utopia.de:

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