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Vegan, Paleo, Rohkost: Diese Ernährungsformen sind in aller Munde

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Paleo, Vegan, Rohkost-Ernährung, Frutarier – die aktuellen Trends bei alternativen Ernährungsformen reichen von alltäglich bis absurd. Die einen halten den Verzicht auf tierische Produkte für den richtigen Weg, die anderen glauben, dass nur eine steinzeitliche Ernährung wirklich gesund ist, die Dritten wollen nur essen, was von selbst vom Baum fällt. Ein Überblick.

Wenn es um unsere Ernährung geht, werden viele von uns ganz plötzlich zu Experten: Jeder hat seine eigene gut begründete Philosophie und vertritt diese mitunter vehement, besonders sichtbar etwa in sozialen Netzwerken. Wir haben uns die trendigsten Ernährungsweisen angesehen und stellen sie vor – ein bisschen augenzwinkernd, denn humorlose Diskussionen dazu gibt es schon genug.

Vegetarismus:
fleischfreie Ernährungsformen

Vegetarier verzichten auf Fleisch und Fisch, nehmen aber meist andere tierische Erzeugnisse wie Milch und Eier zu sich. Eine Studie der Uni Jena stellte 2007 fest: Hinter der Entscheidung für alternative Ernährungsformen wie vegetarisch essen stehen überwiegend moralische Gründe. Laut VEBU isst inzwischen fast jeder zehnte Deutsche vegetarisch, so dass man mit der Aussage „Ich bin Vegetarier“ eigentlich kaum noch jemanden schockieren kann.

Die Unterteilung in „Ovo-Vegetarisch“ (Eier, aber keine Milchprodukte) und „Lacto-Vegetarisch“ (Milchprodukte, aber keine Eier) entspringt eher dem Wunsch nach klaren Schubladen, als dass hier tatsächlich bedeutende Strömungen erkennbar wären. Vegetarismus ist akzeptiert, auch medizinisch: Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung befand: „Entscheiden Eltern oder Kinder sich für eine ausgewogene und abwechslungsreiche ovo-lacto-vegetarische Ernährung – ohne Fleisch und Fisch, aber mit Eiern und Milchprodukten – so kann diese als Dauerkost empfohlen werden.“

  • Konfliktpotenzial: Mittel bis hoch. Leidenschaftliche Fleischfans und Veganer fühlen sich gleichermaßen von Vegetariern provoziert – wenn auch aus völlig gegensätzlichen Gründen. Umgekehrt wollen Vegetarier weder blutige Steaks auf dem Grill noch wollen sie ihren Grillkäse aufgeben.
  • Richtige Ernährungsform für: Tierfreunde, Klimaschützer, Gesundheitsapostel, Pragmatiker, Harmoniebedürftige, leicht Alternative

Lies mehr über: Vegetarisch leben

Veganismus:
die tierfreie Ernährungsform

Probierenswert: Vegan Taste Week
Probierenswert: Vegan Taste Week (Foto © Albert Schweitzer Stiftung)

Veganer verzichten – überwiegend aus moralischen, aber auch aus gesundheitlichen Gründen (Studie) – auf jegliche Produkte tierischer Herkunft. Sie suchen Alternativen, etwa pflanzliche Proteine aus Hülsenfürchten statt Eier und Milch.

Der Veganismus geht aber über die Ernährung hinaus. Die meisten Veganer ernähren sich nicht nur vegan, sie leben vegan: Sie verzichten in allen Lebensbereichen auf die Nutzung tierischer Substanzen wie z.B. Seide, Wolle, Leder, Honig oder mit Hilfe tierischer Produkte gewonnene Zusatzstoffe.

„Vegan“ gilt seit einigen Jahren als der Lifestyle-Trend schlechthin. Derzeit soll rund 1,1 Prozent der deutschen Bevölkerung vegan leben. Weil der Markt trotz allem noch relativ klein ist, investieren Veganer zwangsläufig viel Zeit in ihre Lebensweise – und ecken umso häufiger an. Lies dazu auch: 7 Sprüche, die Vegetarier und Veganer nicht mehr hören können.

  • Konfliktpotenzial: Hoch. Fleischesser und „bloße“ Vegetarier werfen Veganern regelmäßig vor, Fanatiker zu sein („Vegan-Nazis“). Umgekehrt werfen Veganer den anderen vor, „Leichenfresser“ zu sein. Siehe auch: Vegan: Verzicht oder nicht?
  • Richtige Ernährungsform für: Tierschützer, Aktivisten, Individualisten, Besserwisser, Prediger, stark Alternative

Lies mehr über: Vegan leben

Flexitarismus:
ab und zu mal verzichten

…verdient eigentlich gar keine eigene Bezeichnung, weil diese Ernährungsweise ziemlich unspektakulär ist: Sogenannte Flexitarier essen im Idealfall einfach nur etwas weniger Fleisch und Fisch als die Durchschnitts-Bevölkerung. Wobei „weniger“ relativ ist – und auch mal nur „gefühlt weniger“ sein kann.

Die Flexitarier stellen damit sicherlich die am weitesten verbreitete Ernährungsminderheit dar. Über diese alternative Lebensform könnte man aber wirklich mal nachdenken: Ein, zwei oder drei Tage pro Woche mal vegetarisch oder vegan zu leben oder Rohkost zu bevorzugen darf als sehr gesund gelten – und wäre für jeden Menschen machbar. Lies dazu auch: Mein Jahr als Flexiganer.

  • Konfliktpotenzial: Gering. Geben sich vegan unter Veganern, vegetarisch unter Vegetariern – und essen heimlich dann doch ein Schnitzel.
  • Richtige Ernährungsform für: Gourmets, Fleisch- und Fischliebhaber, Trotzköpfe, Faule, Mitläufer, Konfliktscheue

Paleo:
Ernährung wie zur Steinzeit

Paleo: Ernährungsformen wie in der Steinzeit
Paleo: Ernährungsformen wie in der Steinzeit (Foto: "Steak" von Oliver Hallmann unter CC-BY-2.0 (flickr))

…wird auch Steinzeit- oder Urzeiternährung genannt und ist eine alternative Ernährungsform, die nur solche Lebensmittel zulässt, die auch unsere Vorfahren im Paläolithikum (angeblich) schon verzehrt haben. Die Theorie: Unser Körper kann nur diese Lebensmittel richtig verarbeiten, weil wir tief in uns drin eigentlich noch Steinzeitmenschen sind.

Erlaubt sind vor allem Fleisch, Fisch, Eier, Gemüse, Obst, Samen, Nüsse und einige Fette. Ausgeschlossen sind Getreide, Hülsenfrüchte, Zucker, Milchprodukte, Zusatzstoffe und stark verarbeitete Fette. Obwohl der Verzicht auf verarbeitete Nahrungsmittel sinnvoll ist, ist die Fleischlastigkeit dieser Ernährungsform im heutigen Kontext nicht nachhaltig. Richtig absurd wird es, wenn die Speisen vornehmlich aus industrieller Massentierhaltung stammen.

  • Konfliktpotenzial: Mittel. Der hohe Fleischkonsum verträgt sich nicht mit den Vorstellungen von Veganern und Vegetariern, während sich deren Ernährung nicht gut mit der Paleo-Philosophie verträgt.
  • Richtige Ernährungsform für: Gesundheitsbewusste, Fleischliebhaber, Allergiker, Experimentierfreudige, Eigenbrötler, Leichtgläubige

Paleo-vegan:
Essen wie der Steinzeit-Veganer

Je nach Paleo-Schule ist Milch eigentlich kein Lebensmittel, das bei dieser Ernährungsform erlaubt wäre – denn es basiert ja bereits auf einer Nutztierwirtschaft. Dadurch ergeben sich Anknüpfungspunkte zum Veganismus – man könnte dann von paleo-vegan sprechen. Keine Tiere, kein Getreide – da bleiben nur Gemüse und Nüsse.

  • Konfliktpotenzial: Hoch. Die sehr selektiven Bedürfnisse eines Paleo-Veganers zu befriedigen ist eben schwierig.
  • Richtige Ernährungsform für: niemanden, denn es ist ungeheuer schwer, sich sinnvoll und zugleich paleo-vegan zu ernähren, weil Veganer Fleisch und Eier meiden und Hülsenfrüchte und Getreide bevorzugen – Paleos aber genau das Gegenteil tun.

Clean Eating:
die Ernährungsform ohne Industriewaren

Clean Eating („sauberes Essen“) ist eine Bewegung, die vordergründig vor allem auf gesundheitliche Effekte abzielt, mit der man gut auch unbeliebte Zusatzstoffe/E-Nummern meiden kann, die aber auch sehr gut in Sachen Nachhaltigkeit abschneidet.

Die wichtigste Regel lautet: Du sollst nur natürliche Lebensmittel verzehren. Clean Eater versuchen, auf verarbeitete Lebensmittel (Konservierungsmittel, Zusatzstoffe) komplett zu verzichten. Außerdem soll man bei dieser Ernährungsweise 5 bis 6 kleine Mahlzeiten pro Tag essen, viel Wasser trinken, weitgehend auf Zucker und Weißmehl verzichten und viel frisches Obst und Gemüse essen. Tierische Produkte sind erlaubt, solange sie nicht verarbeitet sind, wobei man schon bei Milch bedenken muß, dass diese ja stark verarbeitet ist.

Ernährungsform Clean Eating: ganz ohne Industrie
Ernährungsform Clean Eating: ganz ohne Industrie (Foto: © Unsplash)

Diese Ernährungsform ist vernünftig, einleuchtend und eigentlich ziemlich „normal“. Absurd ist nur, wie erfolgreich die kanadische „Erfinderin“ (und viele Nachahmer) ihre Tipps in Büchern, Blogs und so weiter vermarkten.

Clean Eating darf als sehr nachhaltige Ernährungsform gelten. Denn viele Umweltsünden wie zum Beispiel Palmöl begehen wir nur deswegen, weil die vielen Convenience-Produkte, die wir in Supermärkten kaufen, ohne sie gar nicht herstellbar wären. Der Verzicht auf hochverarbeitete Lebensmittel führt außerdem oft automatisch auch zum Verzicht auf stark verpackte Lebensmittel. Allerdings gibt es hier durchaus auch Probleme, so ist eben die beliebte Avocado ebenso eine kleine Umweltsünde wie Obst und Gemüse, das man ohne Rücksicht auf den Saisonkalender verzehrt.

  • Konfliktpotenzial: Gering. Eigentlich müsste jeder mit etwas gesundem Menschenverstand einsehen, dass diese Ernährungsform ebenso gesund wie nachhaltig ist. Alle anderen können in zahllosen Blogs Hilfe, Tipps, Rezepte und teure „Ernährungspläne“ finden.
  • Richtige Ernährungsform für Vernünftige, Gesundheitsbewusste, Hobbyköche, Pragmatiker, Unselbstständige

Lies auch: Ernährungstrend Clean Eating: Was steckt dahinter?

Rohkost:
die Ernährungform ohne Kochen

Rohköstler glauben, dass das Erhitzen von Lebensmitteln wichtige Vitamine und Nährstoffe zerstört. Sie essen daher nur Rohes bzw. auf maximal 42 Grad Erhitztes. Dazu gehören beispielsweise viel rohes Obst und Gemüse, Nüsse, Samen und Kräuter.

Rohkost gilt als zweifelsfrei gesunde Ernährungsform – ist es aber nicht. Denn wer sich nur roh ernährt, ernährt sich zwangsläufig einseitig und setzt sich der Gefahr von Mangelerscheinungen aus: Manche Vitamine kann der Körper besser aufnehmen, wenn sie erhitzt werden. Ohne jeden Zweifel gesund ist aber zum Beispiel, die Hälfte seiner Nahrung in Form von Rohkost zu sich zu nehmen.

Viele, aber längst nicht alle Rohköstler ernähren sich vegan. verständlich, denn das Steak oder auch Fisch roh zu essen ist wahrlich nicht jedermanns Sache. Dennoch gibt es auch in der Raw-Food-Bewegung solche, die eben genau das zelebrieren.

  • Konfliktpotenzial: Eher gering. Die Anhänger der Rohkost-Ernährung scheinen weniger missionarischen Eifer zu besitzen als die manch anderer Ernährungsformen, umgekehrt fragt nie einer einen Rohköstler „Was kannst du denn dann noch essen?“.
  • Richtige Ernährungsform für: Gesundheitsfanatiker, Gemüseliebhaber, Selbstversorger, Urban-Gärtner, Esoteriker

Rohkost: ist sie nun gesund oder ungesund?

Fruganismus:
essen, ohne die Pflanze zu schädigen

Es gibt viele Ernährungsformen: Frutarier essen, was vom Baum fällt
Es gibt viele Ernährungsformen: Frutarier essen, was vom Baum fällt (Foto: "Apple orchard" von Porsche Brosseau unter CC-BY-2.0 (flickr))

So genannte Frutarier oder Fruganer gehen noch einen Schritt weiter als Veganer: Für ihre Lebensmittel sollen nicht nur keine Tiere, sondern auch keine Pflanzen zu Schaden kommen. Daher essen Frutarier nur Lebensmittel, deren Ernte die Pflanze nicht beschädigt: etwa Obst, Nüsse und Samen, viele essen auch Getreide und bestimmte Gemüse.

Knollen oder Wurzeln, etwa Kartoffeln oder Zwiebeln, sind tabu. Manche Frutarier versuchen sogar, nur Obst, das von selbst vom Baum gefallen ist, zu verzehren. Der Fruganismus gehört zu den eher absurden Ernährungsideen, denn er birgt die Gefahr der Unterversorgung mit Nährstoffen.

  • Konfliktpotenzial: Gering. Die Zahl der echten Frutarier ist sehr überschaubar.
  • Richtige Ernährungsform für: Pflanzenliebhaber, Moralisten, Aussteiger, Minimalisten, Disziplinierte

Slow Food:
genießen mit Verantwortung

Slow Food ist eine internationale Non-Profit-Organisation, aber auch eine Philosophie des Essens. Lebensmittel sollen „gut“ sein (im Sinne von lecker, gesund, frisch), „sauber hergestellt, ohne […] Schaden an Mensch, Natur oder Tier zu verursachen“ und alle Beteiligten sollen fair behandelt werden. Slow Food-Aktivisten setzen sich dafür ein, eine verantwortungsvolle Landwirtschaft und traditionelles Lebensmittel-Handwerk zu fördern – und ernähren sich dementsprechend: möglichst bio, regional und fair, aber nicht dogmatisch. Diese Ernährungsweise zielt nicht unbedingt auf Gesundheits-, sondern vor allem auf Nachhaltigkeitsaspekte ab.

  • Konfliktpotenzial: Gering bis Mittel. Slow Food-Aktivisten blicken gern auf „Hauptsache Billig“-Konsumenten herab – und müssen sich den Vorwurf anhören, sich Luxus-Problemen hinzugeben.
  • Richtige Ernährungsform für: Genießer, Pragmatiker, Nachhaltigkeitsaktivisten, Lokalpatrioten, Gutverdienende, Faule

Welche Ernährungsformen sind die besten?

Da stellt sich die Frage, welche Ernährungsformen nun eigentlich die „besten“ sind. Wir halten das aber für die falsche Frage – und die „Konfliktpotentiale“ im Beitrag wollen wir bitte auch mit einem Augenzwinkern verstanden wissen.

Die richtige Frage wäre doch wohl vielmehr: Ist unsere „normale“ Ernährungform, die heute oft aus hochverarbeiteten, aufwendig verpackten Fertigprodukten und vielen tierischen Bestandteilen aus der Massentierhaltung besteht, wirklich gesund? Die Antwort darauf lautet: Nein, und die oben aufgeführten alternativen Ernährungsformen versuchen durchweg, davon auf jeweils eigene Weise wegzukommen.

Klug und gesund ist in unseren Augen daher eine Mischung der Ernährungsformen: Mehr Rohkost und mehr möglichst natürliche Lebensmittel, weniger hochverarbeitete Supermarkt-Lebensmittel und weniger tierische Produkte.

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(18) Kommentare

  1. Bei Paleo habe ich ja immer etwas Zweifel, dass die Menschen früher tatsächlich so gute Jäger waren, dass sie sich eine derartig fleischlastige Ernährung erlauben konnten. Zudem, wenn ich mit einem Speer hinter einem Mammut her bin, dann treibe ich ja quasi auch einiges an Sport. Wenn ich allerdings nun nur zu Rewe gehe und mir dort mein Hähnchen (schlechte Wahl bei Paleo) aus der Kühltheke hole sieht das ganze ja doch schon etwas anders aus. Zumal die Qualität (Zusätze, Rückstände etc.) vom Fleisch damals ja auch noch etwas anders aussah.
    Da sich der Mensch bei der Ernährung ja gerne als wildes Tier sieht mit seinen großen Reißzähnen und den Klauen an den Händen 😉 Muss ich immer an Bären (v.a. Braunbären) denken, wie wir sind sie omnivor. Einige Populationen ernähren sich überwiegend von Fleisch, andere Populationen überwiegend von Pflanzen (und Bären haben nun wirklich etwas größere Zähne und Klauen als wir). Aber wie gesagt, ein Bär muss eben auch wirklich was tun um an sein Fleisch zu kommen, außer es ist grad wieder Lachs-Saison.

  2. Als Flexitarier ist man dann ja wohl allen anderen gegenüber am tolerantesten. Selber habe ich seit frühester Kindheit wenig Fleisch gegessen, das konnte man mitte 30 sogar am Blutbild ablesen. Seither esse ich etwas mehr, aber auch mal vegetarisch oder vegan.

    Jeder soll doch essen was er mag, aber eine Ernährung die auf Ergänzungsmittel aus der Industrie angewiesen ist kann so natürlich und nachhaltig auch nicht sein.

    Bei Flexitariern könnte man unter „Ernährungsform für“ noch den Opportunisten aufführen. Mich hat das sehr amüsiert…, aber scheinbar führt Verzicht zu Humorlosigkeit.

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