Nicht Nestlé oder Monsanto: Das ist das schlimmste Unternehmen der Welt

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Kinderarbeit, Abholzung, Wasser- und Luftverschmutzung: Die großen Konzerne richten weltweit viel Schaden an. Eine amerikanische NGO hat sich eine Firma genauer angesehen – und bezeichnet sie als das schlimmste Unternehmen der Welt.

Egal ob Lebensmittelkonzerne, Pharma- und Energieriesen oder Tabakkonzerne: Es gibt viele Unternehmen, die wegen Produkten oder Produktionsbedingungen immer wieder in der Kritik stehen. Eine Firma ist dabei noch schlimmer als Nestlé, Monsanto, Shell und Co: der amerikanische Agrarkonzern „Cargill“. Zu diesem Schluss kommt die NGO „Mighty Earth“.

In einem aktuellen Bericht analysiert die NGO auf über 50 Seiten, warum ausgerechnet Cargill den Titel „schlimmstes Unternehmen der Welt“ verdient hat. „Wir wissen, dass das eine gewagte These ist“, heißt es in dem Bericht. „Es gibt leider viele Unternehmen, die um diese zweifelhafte Ehre konkurrieren.“

Cargill hat prominente Kunden: Nestlé, Coca-Cola, Aldi, Edeka

Die Tricks der Discounter: Sendung über Aldi, Lidl & Co.
Aldi gehört zu den Kunden von Cargill. (Foto: CC0 / Pixabay / Pinacol)

Cargill ist das größte privat geführte Unternehmen der USA. Das selbsterklärte Ziel von Cargill ist, der „vertrauenswürdigste Partner in Landwirtschaft, Nahrungsmitteln und Ernährung zu sein.“ Der Konzern baut Getreide, Ölsaaten und Baumwolle an und handelt damit. Außerdem produziert Cargill Tierfutter, Biodiesel, zahlreiche Lebensmittel und Inhaltsstoffe für verarbeitete Nahrungsmittel, etwa Stärken und Süßungsmittel. Auch im Finanzsektor ist Cargill tätig.

Zu den größten Kunden von Cargill zählen unter anderen Nestlé, McDonalds, Burger King, Walmart, Kellogg’s, Unilever und Danone, sowie deutsche Unternehmen wie Aldi und Edeka. Mighty Earth schreibt in Bezug auf Cargill: „Heute hat ein privat geführtes Unternehmen vielleicht mehr Macht, das Klima, das Wasser, die Ernährungssicherheit, die öffentliche Gesundheit und die Menschenrechte der Welt zu zerstören oder zu schützen als jedes andere Unternehmen in der Geschichte.“

Schwere Vorwürfe gegen Cargill

Aber was wirft Mighty Earth dem Agrarkonzern konkret vor? Die Liste an Verfehlungen ist lang und lässt sich nur schwer zusammenfassen. Die Vorwürfe basieren auf Dokumenten von Gerichten und Behörden, anderen Organisationen und eigenen Recherchen von Mighty Earth. Hier einige Beispiele:

  • Sklaven- und Kinderarbeit auf Plantagen: Mighty Earth nennt Beispiele aus Kuala Lumpur, Indonesien, Usbekistan und der Elfenbeinküste. In letzterem Fall sollen Kinder aus Mali in die Elfenbeinküste verschleppt worden sein, um dort auf einer Kakaoplantage zu arbeiten. Die Plantagenbetreiber sollen die Kinder gezwungen haben, bis zu 14 Stunden täglich zu arbeiten – ohne Bezahlung mit wenig Essen und Schlägen. Wenn Kinder versuchten zu fliehen, wurden ihnen die Füße aufgeschnitten und sie wurden gezwungen, ihren eigenen Urin zu trinken. Die Kakaobohnen wurden für Cargill produziert. Aktuell wird deshalb ein Gerichtsverfahren gegen Cargill (und Nestlé) vorbereitet.
  • Land Grabbing: Cargill wird beschuldigt, sich Land in Kolumbien und Kuala Lumpur angeeignet zu haben – in Kolumbien durch einen Trick: Dort gelten eigentlich Gesetze gegen die Konzentration von Landbesitz. Cargill soll 36 Tochterunternehmen gegründet haben, um diese zu umgehen. Insgesamt mehr als 52.000 Hektar Land konnte der Konzern so kaufen.
  • Umweltverschmutzung: 2004 hat eine Fabrik von Cargill 65 Millionen Gallonen (246 Millionen Liter) säurehaltiges Abwasser in einen Fluss geleitet. Das ist in verschiedenen Regionen in den USA immer wieder passiert. In San Francisco beispielsweise gelangte toxische Salzlage in ein Naturschutzgebiet und tötete dort Fische und Pflanzen. Auch wegen Luftverschmutzung wurde Cargill bereits angeklagt.
  • Gewalt gegen indigene Völker: Um Platz für Soja-Plantagen zu schaffen, vertreiben Soja-Produzenten oder Viehzüchter immer wieder ansässige Gemeinschaften von Ureinwohnern aus ihren Wäldern. Mighty Earth hat eine solche Gemeinschaft von Ureinwohnern in Paraguay besucht. Die Menschen berichteten von Gewalt, Einschüchterungen durch Plantagenbetreiber, Flugzeugen, die Pestizide über ihnen versprühten und Kinder, die an verunreinigtem Wasser starben.

Kritischer Konsum ist wichtig

Der Bericht zeigt einmal mehr, warum es als Konsument so wichtig ist, sich zu informieren – und mit einem kritischen Blick einkaufen zu gehen. Produkte von Cargill zu vermeiden, ist allerdings noch schwerer als bei Nestlé, Unilever und Co.: Viele von Cargills Erzeugnissen stehen ganz am Anfang der Verarbeitungskette: Man kann nicht nachvollziehen, ob das Getreide im Brot oder das Süßungsmittel im Getränk ursprünglich von dem Agrarkonzern stammt.

Was du aber tun kannst: Hersteller unterstützen, die sich für eine nachhaltigere Lebensmittelherstellung einsetzen:

  • Kaufe bio – am besten von den Anbauverbänden Demeter, Naturland und Bioland. Die Anbauverbände haben noch strengere Richtlinien als das EU-Bio-Siegel.
  • Vermeide verarbeitete Lebensmittel und koche und backe lieber frisch – mit regionalen Zutaten in Bio-Qualität.
  • Kaufe bei Hofläden und Wochenmärkten ein: Dort kannst du nachfragen, woher deine Lebensmittel stammen.
  • Trinke Leitungswasser und mache Limonaden oder Säfte selbst.

Hier geht’s zum vollständigen Bericht von Mighty Earth.

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(4) Kommentare

  1. Ich empfehle dazu den immer noch sehr lehrreichen Film „Septemberweizen“ von Peter Krieg und darin die Abhandlung über den Kassaweizen. Schon damals Ende der 70er Jahre war Cargill das größte Getreidehandelsunternehmen der Welt. Und warum das so war, lehrt dieser Film.

  2. Ich bin froh und dankbar, daß mich mein Weg schon vor über 35 Jahren weg von solchen Verbrechern hin geführt hat zur sog. Ökobranche, so lange kaufe ich bereits NUR in Naturkostläden und bei Kleidung, Kosmetik u.ä. bei zertifizierten Firmen. Es ist nicht so, dass ich im Geld schwimme, bei einem vernünftigen Kaufverhalten und guter Planung geht diese Art von Leben auch mit kleinem Geldbeutel.
    Der Verbraucher hat schon die Macht, Dinge zu ändern, zumal jetzt in Zeiten des Internets, viele Informationen erreichen aber diese Verbraucher, die etwas ändern müssten, nicht. Daran müssen wir alle arbeiten, ohne Zwang sondern durch Vorleben und Appetit machen.

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