Cargill vermeiden: Das kannst du gegen „das schlimmste Unternehmen der Welt“ tun

Illustration: Utopia / Miro Poferl, Foto: New Africa / stock.adobe.com

Kinder- und Sklavenarbeit, Gewalt gegen indigene Völker und extreme Umweltverschmutzung: Laut dem Bericht einer britischen NGO ist der Agrarkonzern Cargill „das schlimmste Unternehmen der Welt“. Produkte von Cargill zu vermeiden ist schwierig – aber du kannst es versuchen.

Vergangene Woche hat ein Bericht der britischen NGO „Mighty Earth“ für Schlagzeilen gesorgt: In dem Bericht analysiert die NGO auf über 50 Seiten, warum der amerikanische Agrarkonzern Cargill den Titel „schlimmstes Unternehmen der Welt“ verdient hat. Die Liste an Vergehen ist lang: Land Grabbing in Kolumbien, Sklaven- und Kinderarbeit in der Elfenbeinküste oder vergiftete Flüsse in den USA – und das sind nur einige Beispiele. (Mehr zum Bericht hier.)

Wer so ein Unternehmen nicht mit seinem Geld unterstützen will, kann versuchen, Cargill zu boykottieren – das ist allerdings gar nicht so einfach. Der Agrarkonzern produziert und handelt unter anderem mit Getreide, Ölsaaten, Kakao, Tierfutter, Süßungsmitteln, Stärken und anderen Inhaltsstoffen für verarbeitete Lebensmittel. „Cargill-Rohstoffe“ stecken in extrem vielen Marken und Produkten – der Name Cargill ist aber nicht auf der Verpackung zu finden. Wir wollten wissen, was man trotzdem tun kann, um den Konzern zu meiden – und haben bei Mighty Earth, Bio-Verbänden und dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft nachgefragt. Das Ergebnis:

  1. Konzerne und Marken meiden, von denen bekannt ist, dass sie mit Cargill zusammenarbeiten.
  2. Bei Unternehmen einkaufen, die keine oder möglichst wenig Cargill-Rohstoffe verwenden.
  3. Aktiv gegen Cargill werden.

1. Cargill-Kunden boykottieren

Der Bericht von Mighty Earth listet einige große Kunden von Cargill auf. Wenn du den Agrarkonzern nicht unterstützen willst, solltest du Produkte dieser Marken und Firmen meiden:

  • McDonalds: Laut Mighty Earth bezieht die Fastfood-Kette ihr Rind- und Hühnerfleisch von Cargill. Außerdem stellt Cargill die Burger-Patties und Chicken McNuggets für McDonalds her und friert sie ein.
  • Burger King
  • Nestlé (Nestlé-Marken: Diese Produkte gehören zum Unternehmen)
  • Unilever (Unilever-Marken: Diese Produkte gehören zum Unternehmen)
  • Aldi und Edeka: Die beiden deutschen Supermärkte verkaufen Mighty Earth zufolge Fleisch von Cargill.
  • Danone
  • Kellogg’s
  • Mars
  • Walmart
  • Dunkin Brands (dazu gehört unter anderem die Donut-Kette Dunkin‘ Donuts)
  • Sainsbury‘s

Hinzu kommen einige Konzerne, die in Deutschland weniger bekannt sind, aber wegen ihrer Größe eine Erwähnung wert sind:

  • Ahold Delhaize (Niederlande): der weltweit größte Betreiber von Supermarktketten
  • Sysco (USA): einer der größten Lieferanten für Lebensmittel – er beliefert unter anderem Restaurants, Krankenhäuser, Schulen und Hotelketten.
  • Tesco: Großbritanniens größte Handelskette

2. Bessere Produkte und Unternehmen unterstützen

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Kaufe lieber bei den Bio-Anbauverbänden ein. (Foto: Sven Christian Schulz / Utopia)

Es ist nicht möglich eine vollständige Liste von Konzernen und Marken zu erstellen, die mit Cargill zusammenarbeiten: Es sind einfach zu viele Firmen, außerdem lässt sich oft gar herausfinden, welche von ihnen Cargill-Rohstoffe verarbeiten.

Die Empfehlung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft: „Der Einkauf regionaler Lebensmittel gibt dem Verbraucher gute Möglichkeiten der Rückverfolgbarkeit, da Produktionswege nachvollziehbar sind.“ Allerdings können auch regionale Produkte Zutaten von Cargill enthalten: In Deutschland hat der Agrarkonzern zwölf Werke und stellt dort unter anderem Alkohol, Getreide, Schokolade, Öle, Fette, Stärken und Tiernahrung her.

So kannst du trotzdem versuchen, Cargill zu meiden:

  • Verzichte auf verarbeitete Produkte

Cargill stellt verschiedene Inhaltsstoffe her, die in Fertiglebensmitteln und anderen verarbeiteten Produkten stecken – beispielsweise Stärke, Süßungsmittel, Öle, Geliermittel und Verdickungsmittel. Je mehr Fertigprodukte du kaufst, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass du Cargill unterstützt.

  • Kaufe bio – am besten von Bio-Anbauverbänden

Welche Rolle Cargill bei Bioprodukten spielt, lässt sich nicht eindeutig sagen. Fest steht, dass Cargill mit Bio-Sojaprotein handelt. Das heißt, Kühe oder andere Nutztiere aus ökologischer Landwirtschaft könnten Cargill-Tierfutter bekommen. Das Sojaprotein kann aber auch in Bio-Lebensmitteln stecken.

Laut der amerikanischen Unternehmenswebseite produziert Cargill außerdem Bio-Sonnenblumenöl, -Rapsöl und Sojaöl. Unklar ist, ob der Agrarkonzern auch in Deutschland Bio-Öle verkauft. Beim Unternehmen selbst konnten wir dazu niemanden erreichen. Verarbeitete Bio-Lebensmittel können aber die Bio-Öle aus den USA enthalten. Bekannt ist außerdem, dass Cargill Bio-Zusatzsstoffe herstellt – unter anderem Zitronensäure und das Verdickungs- und Geliermittel  Xanthan.

Bei Bio-Lebensmitteln ist die Wahrscheinlichkeit trotzdem geringer, dass Cargill-Rohsstoffe verarbeitet wurden. Ganz ausschließen kann man es jedoch nicht.

Bio-Siegel: Was haben Tiere von Bio-Tierhaltung?
Besser als Cargill: Die Produkte von Bio-Anbauverbänden. (Foto: © scpictures / Fotolia.de; Logos: © Bioland e.V., Naturland e.V., EU, Demeter e.V.)

Die Bio-Anbauverbände Demeter, Naturland und Bioland haben strengere Kriterien als das EU-Biosiegel. Zwar können auch sie auf Anfrage von Utopia nicht garantieren, dass ihre Produkte komplett „Cargill-frei“ sind. Aber der Anteil an Cargill-Rohstoffen ist – wenn überhaupt welche verarbeitet werden – deutlich geringer.

Demeter beispielsweise erlaubt bei Tierfutter den Einsatz von Futtermitteln in EU-Bioqualität, wenn nicht ausreichend Demeter- oder andere Verbandsware auf dem Markt verfügbar ist. Das bedeutet: Landwirte dürfen ihrem Tierfutter zum Beispiel EU-biozertifizierten „Sonnenblumenöl-Presskuchen“ beimischen – bei diesem kann Demeter nicht ausschließen, dass in der Herstellung oder im Handel ein Betrieb involviert war, der indirekt mit Cargill verbunden ist.

Auch Bioland erklärt auf Anfrage: „Nun ist es leider so, dass die Cargill-Struktur sehr komplex ist und die wirtschaftlichen Verflechtungen im Agrar- und Rohstoffbereich über Beteiligungsgesellschaften und Tochterunternehmungen schwer nachzuvollziehen sind.“ Bioland kann nicht garantieren, dass gar keine Cargill-Erzeugnisse eingesetzt werden – gleichzeitig seien aber keine Verbindungen zu Cargill bekannt.

Wenn du bei den Bio-Anbauverbänden einkaufst, hast du zumindest weniger Cargill auf dem Teller – oder auch gar nichts davon. Zugleich unterstützt du eine Produktionsweise, die mit Menschen und der Umwelt besser umgeht als Cargill es tut. Insofern ist es auf jeden Fall besser, Bio-Ware zu kaufen.

3. Aktiv gegen Cargill werden

Utopia hat bei der NGO Mighty Earth nachgefragt, was der Einzelne tun kann, um Cargill nicht weiter zu unterstützten. Dank ihrer Recherchen für den Bericht kennt sich die Organisation bestens mit dem Agrarkonzern aus. Die Antwort von Mighty Earth: „Da Cargill hauptsächlich Rohstoffe für andere Marken anbietet und keine Marken selbst herstellt, ist es schwierig für Konsumenten, Cargill zu vermeiden. Es ist eigentlich fast zu viel verlangt.“

Mighty Earth sieht die Verantwortung bei den Konzernen, Unternehmen und Supermärkten, die mit Cargill zusammenarbeiten. Sie sollten die Kunden vor illegalen und unethischen Produkten schützen. „Wir fordern von den Menschen nicht, nicht mehr in Supermärkten einzukaufen. Wir bitten sie aber, diese Supermärkte dazu aufzufordern, keine Produkte mehr von Cargill zu verkaufen.“

Was du also tun kannst: Kontaktiere die Supermärkte und Geschäfte, in denen du regelmäßig einkaufst. Verweise auf die Kritik an Cargill oder schicke ihnen den Bericht von Mighty Earth zu. Je mehr Menschen mitmachen, desto größer wird der Druck auf die Unternehmen – und auf Cargill selbst.

Und: immer mehr Initiativen und  Projekte nehmen die Lebensmittelproduktion wieder selbst in die Hand: Solidarische Landwirtschaft, Essbare Städte oder Eigenanbau –  es gibt viele Wege zu besseren Lebensmitteln.  Mach mit!
Mehr Informationen: 

Weiterlesen auf Utopia.de: 

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(5) Kommentare

  1. Das Problem besteht doch vor allem in den „verabeiteten“ Lebensmitteln, also Fertigessen von Müsliriegel bis Tiefkühlpizza. Dort finden sich regelmäßig Zutaten von Großkonzernen, die sich wenig um soziale, Umwelt- oder Klima-Folgen ihrer Produktion kümmern. Dabei halte ich es für relativ unerheblich, ob der Konzern jetzt der „schlimmste“ ist oder nicht. Auch der „zweit-“ und „dritt-„schlimmste holzt im Zweifel den Regenwald ab, ob für Lebens- oder Waschmittel oder er zahlt prekäre Löhne. Diese Art der Skandalisierung hilft uns wenig weiter. Was hilft, ist selbermachen. Aus Zutaten, von denen wir wissen, woher sie kommen. Beim Essen sollte das kein Problem sein. Kochbücher gibt es wie Sand am Meer. Und wir werden festestellen, dass wir beim Selbermachen wesentlich weniger Zutaten (vor allem nicht all diese vielen „Hilfsmittel“ wie Konservierungsstoffe, Emulgatoren etc.) brauchen als die Industrie.

    Das wirksame „Umdenken“ beginnt bei den Konsument/innen. Und das nicht damit, einen einzigen Konzern zu verteufeln und zu meiden, sondern damit, sich zu fragen, wieviel unsere Bequemlichkeit zu all dem beiträgt. Wofür brauchen wir Müsliriegel, Coffee-to-go, Fertigessen, Strohhalme (egal, ob aus Plastik oder Bambus), PET-Flaschen, Staubsaugerdeo, „Spezial“-Reiniger jedweder Couleur im Haushalt, Einwegwindeln, all die oft überflüssigen Produkte im Bad etc.? Letztlich gehen all diese bequemen „Convenience“-Produkte zu Lasten der Umwelt.

    Weniger ist mehr und hält eben diese Konzerne davon ab, Milliarden an uns zu verdienen, egal, wie sie heißen.

  2. Ja mich erschreckt es immer mehr je mehr ich erfahre . Gestern habe ich über die schlechten Bedingungen bei der Tee Herstellung gelesen. Mittlerweile kaufe ich so viel Bio wie möglich über Ernährung , Putzmittel, Waschmittel und Körperpflege. Kleidung und Schuhe kaufen wir nachhaltig oder Second Hand. Im Urlaub fahren wir mit der Bahn und unser Auto bleibt oft stehen. Und wie hier schon gesagt selber machen schmeckt auch besser. Es macht auch Spaß. Wir müssen alle Umdenken und nicht mehr den Kopf in den Sand stecken.

  3. Ich kaufe seit 35 Jahren nur in Naturkostläden bzw. bei Biobauern ein; was mich erschreckt ist, dass ich mir scheinbar nichtmal hier sicher sein kann, keine Zusatzstoffe von diesem – sorry – Verbrecherkonzern in meinen Produkten zu haben, das ist echt gruselig. Ich bin froh, dass Utopia diesen Konzern jetzt auf dem Schirm hat, kennt keine/r meiner Bekannten und war mir bis vor einem Bericht in einem deutschen Magazin auch nicht bekannt.
    Was hier allerdings hilfreich wäre: ein bereits fertiges Schreiben anzubieten, was an Edeka und Co. zwecks Protest gehen kann. Ich schreibe Edeka persönlich an (obwohl ich da max. 1 x / Monat einkaufe), aber manch einer schreibt eher, wenn er etwas Fertiges vor sich hat…