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(Anti-)Diskriminierung? Technologie verändert Akzent von Call-Center-Mitarbeiter:innen

Foto: Pexels / Yan Krukov

Ein Start-up in den USA will Menschen, die aufgrund ihres Akzents diskriminiert werden, helfen. Dafür entwickelt es ein Programm, das die Stimme am Telefon verändert. Kritiker:innen werfen dem Unternehmen jedoch vor, Rassismus zu fördern.

Ein Start-up im Silicon Valley hat ein Programm entwickelt, das die Akzente von Menschen am Telefon verändert. Dadurch, so die Firma Sanas laut BBC, wolle man Rassismus und Diskriminierung entgegenwirken. Die Technologie verändere die Stimme in Echtzeit und werde bei Call-Center-Mitarbeiter:innen eingesetzt.

Kritiker:innen halten dem Unternehmen jedoch vor, dass damit das Gegenteil bewirkt werde. Das Nachrichtenportal SFGATE wirft Sanas vor, dass die Mitarbeiter:innen, die vor allem aus dem globalen Süden stammen, durch das Programm „weiß klingen“ sollen. Das Start-up selbst, das BBC zufolge seit Juni 2022 mit 32 Millionen US-Dollar finanziert wird, beschreibt seine Technologie als „accent translation tool“ – ein Übersetzungsprogramm für Akzente.

Unter dem Slogan „Hear the Magic“, findet sich auf der Website des Unternehmens eine Demoaufnahme. Darauf zu hören ist eine Person mit einem deutlichen südasiatischen Akzent, der durch das Programm amerikanisch klingen soll. SFGATE behauptet, Sanas wolle damit Call-Center-Mitarbeiter:innen „weiß und amerikanisch“ klingen lassen, „egal, aus welchem Land sie stammen“.

Das Start-up weist die Anschuldigungen von sich

Gegenüber der BBC weist der Co-Gründer Sharath Keshava Narayana die Anschludigungen von sich. Alle vier Gründer:innen seien Migrant:innen, gleiches gelte für 90 Prozent der Sanas-Angestellten. Die Idee für das Programm, so Narayana, sei durch die leidvolle Erfahrung eines Freundes aus Nicaragua entstanden.

Dieser sei nach drei Monaten in einem Call Center aufgrund seines Akzents und der damit verbundenen Diskriminierung gekündigt worden. Narayana, der selbst einst im Call Center gearbeitet hat, habe dies auch bei Kolleg:innen mitbekommen – sie seien aufgrund ihres Akzents, wie er sagt, misshandelt worden. Dies wolle man durch das Programm verhindern. Ashleigh Ainsley, Co-Gründer der Organisation Color in Tech, hält dagegen. Der BBC sagt er: “Sollen wir auch die Hautfarbe von Menschen verändern, weil es manche rassistischen Personen stört?“ Ainsley appelliert dafür, das eigentliche Problem zu bekämpfen – und das seien nicht die Call-Center-Mitarbeiter:innen.

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