Wohlleben bei Lanz: „Wir haben keine Zeit, alles auf Null zu setzen“

Wohlleben bei Lanz: „Wir haben keine Zeit alles auf Null zu setzen“
Foto: Screenshot ZDF-Mediathek

Peter Wohlleben war am Dienstagabend bei Markus Lanz zu Besuch und spricht ganz klar darüber, dass wir in Deutschland Wald zum Leben brauchen werden. Und zwar für Deutschland ursprünglichen Wald: Laubwald.

Am Dienstagabend bei Markus Lanz im ZDF war unter anderem Peter Wohlleben, Förster und Wald-Schützer, zu Gast. Thema war hauptsächlich das Corona-Virus und die damit verbundenen Themen Testen und Impfen. Gegen Ende der Sendung gingen Markus Lanz und Peter Wohlleben noch einmal auf die Flutkatastrophe ein und wie Wälder uns in Zukunft vor Umweltkatastrophen schützen können.

Peter Wohlleben sagt zwar ganz klar, dass mehr Wasser runterkommt, aber: „Man hätte es, wenn man mit der Natur anders umgeht, deutlich abmildern können“. Die Frage ist: Wie?

Wald und gesunde Böden sind die Lösung gegen Hochwasser

Darauf hat Wohlleben eine klare Antwort: Der Wald. Zusätzlich spricht er über das Problem, das wir momentan mit unseren Böden haben, und berichtet von seiner Pferdeweide, die durch die Vorbesitzer mit Traktoren plattgedrückt wurde. Dort standen die Pferde unter Wasser. 300 Meter weiter, hinter seinem Haus, ist ein kleines Buchenreservoir mit 200 Jahre alten Buchen – dort gab es keinen Abrieb. Selbst das Laub lag noch auf dem Boden. Den Unterschied macht der Boden. Denn zwischen den Buchen ist das Wasser in die Erde gesickert.

Daraus schließt Wohlleben: „Das sind die Sünden der Vergangenheit. Zum Teil über mehrere Jahrhunderte, Landwirtschaft ist ja nichts Neues. Aber wir haben Boden verloren. (…) Und dann ist klar, Steine saugen kein Wasser auf.“

Der Boden wird durch Maschinen und Autos zusammengedrückt und kann dadurch kein Wasser mehr aufnehmen. Die Spurrillen begünstigen, laut Wohlleben, dann sogar noch ein Abfließen des Wassers ins Tal, statt in den Boden zu sickern.

Wälder seien ausgleichend. „Das Hauptthema im Wald wird Wasser werden. Wir werden weniger Wasser im Sommer haben über viele, viele Jahre und zwischendrin immer wieder so harte Ereignisse wie jetzt. Beides kann der Wald super gut ausgleichen, weil er beides nicht braucht.“

Den Wald in Ruhe lassen sei besser als Aufforstung

Die Aufforstung der Wälder durch Nadelbäume findet Peter Wohllaben absolut falsch. Denn in Deutschland sind Laubbäume, wie die Buche, heimisch. Er berichtete darüber, dass Nadelbäume auf Plantagen angebaut werden, kaputte Bäume sofort entsorgt und neue kleine Bäume gepflanzt werden – immer mit der Begründung, dass die Bäume durch Borkenkäfer angegriffen wurden.

Wohlleben hält nicht von der Aufforstung durch Nadelbaumplantagen. Er würde den Wald in Ruhe lassen.
Wohlleben hält nicht von der Aufforstung durch Nadelbaumplantagen. Er würde den Wald in Ruhe lassen. (Foto: Screenshot ZDF-Mediathek)

Wohlleben würde aber einfach nichts machen. Er schildert Forschungen und seine eigenen Beobachtungen, dass diese kaputten Bäume Nährboden für alle möglichen Waldbewohner bilden. Und dort, wo die kaputten Bäume stehen geblieben wurden, wachsen drum herum kleine Laubbäume. Und das, trotz der letzten trockenen Sommer und obwohl, oder gerade weil sich niemand um diese Fläche gekümmert hat.

Leider würde in Deutschland die Aufforstung der Nadelbäume subventioniert werden. Was dazu führt, dass immer wieder Plantagen angebaut werden, bei denen versucht wird, alles auf Null zu setzen und einen neuen Wald zu pflanzen. „Wir haben keine Zeit, alles auf Null zu setzen“, so Wohlleben. „Und man sieht es doch, wir haben doch die Erfahrung im Freilicht-Labor Bayerischer Wald, 50 Jahre die Natur einfach machen lassen und der wunderschönste Wald kommt dort von selber.“

Durch geringeren Fleischkonsum hätten wir mehr Platz für Wälder

50 Prozent des Waldes in Deutschland wird in den nächsten Jahren verschwinden, egal ob in fünf oder in zehn Jahren, es wird passieren, davon geht Wohlleben aus. Er sagt, wir müssen wieder mehr Wald pflanzen und spricht in dem Zusammenhang die Tierhaltung an. Denn laut ihm sind in Deutschland 100.000 Quadratkilometer Tierfutterflächen – fast so viel Fläche wie Wald. Wenn wir unseren Fleischkonsum reduzieren würden, bekämen wir wieder mehr Fläche für Wald. „Es würde kühler werden, wir bekommen mehr Feuchtigkeit und wir bekommen weniger Hochwasser“, so Wohlleben. Er spricht auch gar nicht davon, gar kein Fleisch mehr zu essen, sondern einfach weniger.

Utopia meint: Wenn man Peter Wohlleben zuhört, wird erschreckend deutlich, wie wenig Wald wir noch haben, obwohl der Wald für uns Menschen so wichtig ist. Daher ist es gut, dass Wohlleben bei Lanz auftritt oder Vorträge über den Wald hält. Über Subventionen können nur Politiker:innen entscheiden. Was du aber tun kannst, haben wir hier für dich zusammengefasst:

Wald in Deutschland geht kaputt – 6 Dinge, die du dagegen tun kannst

Die ganze Sendung kannst du dir in der ZDF-Mediathek anschauen.

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