Regionalfenster: Was der Herkunftsnachweis auf Obst und Gemüse bringt

Foto: Sven Christian Schulz / Utopia

Regionalfenster findest du auf immer mehr Obst und Gemüse aus Deutschland. Die Händler zeigen damit, wo genau die Ware herkommt. Doch Naturschutzverbände kritisieren die Regionalfenster.

Viele Supermärkte werben mit Obst und Gemüse aus der Region. Doch was genau „aus der Region“ bedeutet, ist nicht gesetzlich festgelegt. Für Verbraucher ist es deshalb schwierig herauszufinden, woher das Obst und Gemüse wirklich kommen. Regionalfenster sollen das ändern und den Kunden zeigen, wo das Produkt angebaut und verarbeitet wurde. Allerdings lässt das freiwillige Siegel den Händlern viel Spielraum.

Regionalfenster für Obst und Gemüse

Regionalfenster auf Salat aus NRW.
Regionalfenster auf Salat aus NRW. (Foto: Sven Christian Schulz / Utopia)

Wer im Supermarkt Obst und Gemüse kaufen will, sieht oft nur die (gesetzlich vorgeschriebene) Angabe „Aus Deutschland“ oder einem anderen Land. Doch um Transportwege möglichst kurz zu halten und damit CO2-Emissionen zu verringern, fehlt oft die Angabe der Anbauregion. Das Regionalfenster ermöglicht Händlern mehr Transparenz:

  • Wo wurde das Produkt angebaut?
  • Wo wurde das Produkt verarbeitet/abgepackt?

Das Regionalfenster gibt es nicht nur für Obst und Gemüse, sondern auch für verarbeitete Lebensmittel. Dort steht zusätzlich im Fenster, wie hoch der regionale Anteil der verarbeiteten Hauptzutat ist. Mindestens 51 Prozent der Zutaten müssen aus der Region stammen.

Die Händler können selbst entscheiden, welchen Radius sie als Region angeben. Dies kann zum Beispiel eine Stadt, ein Landkreis, aber auch ein ganzes Bundesland sein. Insgesamt tragen schon über 4.000 Produkte ein Regionalfenster. Neben Obst und Gemüse sind dies zum Beispiel auch viele Milchprodukte, Apfelmus, Gewürzgurken und Kartoffelknödel.  Verbraucher können so leichter regionale Produkte erkennen.

Regionalfenster in der Kritik

Regionalfenster "aus Nordrhein-Westfahlen" auf Salat
Regionalfenster „aus Nordrhein-Westfahlen“ auf Salat (Foto: Sven Christian Schulz / Utopia)

Die Verbraucherzentralen finden das Regionalfenster grundsätzlich gut, sehen aber Verbesserungsbedarf. Sie kritisieren, dass Tiere nicht von Geburt an in der Region gehalten werden müssen, sondern erst in der Mastphase. Auch das Futter für die Tiere muss nicht aus der Region stammen.

In einer Studie hat die Verbraucherzentrale Thüringen die Regionalität der Produkte mit Regionalfenster überprüft. Unter anderem sind dort Kirschen aufgefallen, die 475 Kilometer entfernt angebaut wurden. Trotzdem ist das Regionalfenster zulässig, denn es ist „nicht zwangsläufig ein Garant dafür, dass die Lebensmittel aus der „eigenen“ Region stammen„, erklärt die Verbraucherzentrale.

Der Naturschutzbund NABU findet das Siegel „zu wenig ambitioniert“. Er kritisiert, dass Regionalität nicht eindeutig definiert ist. So ist als Angabe auch „Bayern“ oder „NRW zulässig, sodass Produkte bis über 350 Kilometer zurücklegen könnten. Außerdem kritisiert der Nabu, es „werden überhaupt keine Aussagen über die Erzeugung gemacht (bio, fair, gentechnikfrei, tiergerecht o. ä.)“.

Wir sehen noch einen weiteren Kritikpunkt: Der Regionalfenster-Aufkleber lässt sich nur auf Plastikverpackungen aufbringen. Wer also bei Obst und Gemüse auf Plastik verzichten will, muss auch auf Produkte mit Regionalfenster verzichten.

Alternativen zum Regionalfenster

Das Regionalfenster ist grundsätzlich eine prima Sache und empfehlenswert, da es das einzige Siegel ist, dass die Regionalität der Produkte transparent macht. Über den Anbau sagt das Siegel aber nichts aus und Verbraucher müssen genau hinsehen. Denn nur weil ein Regionalfenster auf Obst, Gemüse oder anderen Lebensmitteln klebt, bedeutet das noch nicht, dass die Produkte aus der eigenen Region stammen.

Wer Wert auf regionale Lebensmittel legt, findet in Hofläden und auf Wochenmärkten Produkte mit den wohl kürzesten Transportwegen und ohne Plastikverpackung. Hier ist – genau wie bei Lebensmitteln aus dem Supermarkt – wichtig, dass sie ein Bio-Siegel tragen. Besonders streng sind die Anbauverbände Demeter und Bioland.

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