Plastik, Pestizide, Ausbeutung: Ist Bio-Spargel der bessere Spargel?

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Foto: Pixabay/ CC0/ Jai79

Wir essen so viel Spargel wie nie – Importe aus Peru, beheizte Felder, Plastikfolien-Kulturen und billige Saisonarbeiter:innen sind die Folge. Doch ist Bio-Spargel wirklich besser?
Spargel wird bei uns von Jahr zu Jahr beliebter. Die letzten Daten stammen aus dem Jahr 2019 – bereits damals aß jede:r Deutsche im Schnitt 1,7 Kilogramm. Wir können uns dabei zwischen Spargel aus herkömmlichem Anbau und Bio-Spargel entscheiden. Nur: Ist Bio-Spargel der bessere Spargel?

Zum Glück geht der Trend zur regionalen Herkunft: Etwa 85 Prozent des weißen Spargels kommt aus heimischen Anbaugebieten wie Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Bayern. Die restlichen rund 15 Prozent des hier verkauften Spargels werden allerdings noch immer entweder mit dem Lastwagen aus Griechenland und Spanien importiert oder sogar aus Peru eingeflogen. Und: Nur rund sechs Prozent des grünen Spargels stammen aus deutschem Anbau. Die Zahlen beziehen sich auf Spargel allgemein, d.h. es wird nicht zwischen herkömmlichem und Bio-Spargel unterschieden.

Spargel aus Peru: Schlecht für Umwelt, Klima und Menschen

Was viele nicht wissen: Der südamerikanische Staat Peru ist in den vergangenen Jahren zum zweitgrößten Spargelerzeuger weltweit avanciert, nur China liegt noch davor. Peru ist ein gutes Anbaugebiet, da der Boden sandig und die Temperaturen in Äquatornähe konstant warm sind. Das macht es möglich, dass Spargel dort bis zu drei Mal im Jahr geerntet wird.

Laut SZ entsteht durch den Transport allerdings bei einem Kilogramm Peru-Spargel ca. 20-mal mehr CO2 als bei regional angebautem Spargel. Und neben den immensen CO2-Werten gibt es ein weiteres großes Problem: Der Anbau in den trockenen Regionen verbraucht sehr viel Wasser – und das fehlt den Einheimischen. Deshalb: Wer Umwelt, Klima und Menschen nicht schaden möchte, sollte Spargel aus fernen Ländern besser meiden.

Importierten Spargel – oft aus Griechenland, Spanien oder Italien – gibt es bereits im März. Doch Achtung: Inzwischen gibt es im März mitunter auch deutschen Spargel. Damit der so früh schon geerntet werden kann, wächst er aber auf beheizten Feldern – der Energieverbrauch ist verheered für die Klimabilanz (mehr dazu siehe unten).

Wartet man einfach ein paar Wochen länger, beginnt auch in Deutschland die „echte“ Spargelzeit. In der Regel kannst du ab Mitte April frischen regionalen Spargel kaufen – am besten Bio-Spargel.

Ist Bio-Spargel der bessere Spargel?

Bio-Spargel ist frei von Pestiziden
Nur wer Bio-Spargel kauft, kann sicher sein, dass der Spargel frei von Pestiziden ist. (CC0 / pexels / Aphiwat chuangchoem)

Spargel ist generell weniger mit Pestiziden belastet als andere Gemüsesorten, da der Pflanzenschutz erst nach der Ernte ausgetragen wird und bis zu zehn Monate vergehen, bis die neuen Sprossen kommen. Doch das ändert nichts daran, dass die Pestizide die Böden belasten. Gegen möglichen Pilzbefall spritzen manche konventionelle Bäuer:innen sogar vorsorglich Pflanzenschutzmittel. Wer also sicher gehen möchte, dass sein Spargel pestizidfrei ist, der sollte unbedingt auf Bio-Spargel zurückgreifen.

Auch, um synthetische Dünger zu vermeiden: Im konventionellen Anbau werden die Spargelstöcke manchmal mithilfe eines unterirdischen Leitungssystem mit Kunstdüngern versorgt.

Im Bio-Anbau wird Spargel dagegen vor allem mit Mist und Kompost gedüngt. Pilzbefälle bekämpfen Bio-Betriebe mit Kupferlösungen. Kupfer ist nicht unproblematisch, unter anderem weil es auf Mikroorganismen und Weichtiere schon in geringen Mengen toxisch wirken kann. Bei Demeter-zertifiziertem Spargel wird daher nicht einmal Kupfer im Spargelanbau verwendet: Zur Pflanzenstärkung werden hier „Kräutertees“ verwendet, etwa aus Ackerschachtelhalm. Wer sich genauer dafür interessiert, welche Pflanzenschutzmittel im Bio-Spargelanbau eingesetzt werden dürfen, erfährt mehr in der Verordnung des BVL.

Da die Nachfrage nach Spargel in Deutschland kontinuierlich steigt, werden im konventionellen Anbau immer mehr Pflänzchen auf engstem Raum angepflanzt. Viele Bio-Spargelbetriebe geben den Pflanzen dagegen mehr Platz, so haben sie mehr Luft und Licht, um natürlich zu wachsen. 

Außerdem wird beim biologischen Spargel-Anbau großen Wert auf die Standortauswahl gelegt, denn die Spargel-Kultur soll für zwölf Jahre bleiben. Gegen sogenannte Bodenmüdigkeit wird nach der Erntezeit von acht bis zwölf Jahren ein Jahr Pause eingelegt und etwas anderes angepflanzt, bevor auf dem Feld wieder Spargel wächst.

Umweltproblem beim Spargelanbau: Die Plastikfolie

Spargelanbau unter Folie – auch Bio-Spargel
Mithilfe der sogenannten Schwarz-Weiß-Folie lässt sich der Ernteverlauf steuern – allerdings ist diese aus Plastik. (Foto: CC0 Public Domain / Pixabay – distelAPPArath)

Schwarz-Weiß-Folie und Antitau-Folie kommen im Spargelanbau seit Jahren immer häufiger zum Einsatz. Mittlerweile kann man an kaum einem Spargelfeld vorbeifahren, ohne auf die schwarzen oder durchsichtigen Folien zu blicken. 2018 gaben in einer Umfrage unter Spargelbäuer:innen 75 Prozent an, die Folie auf allen ihren Anbauflächen zu benutzen. Auch für Bio-Spargel sind die Folienabdeckungen in der Regel erlaubt.

Frühere Ernte dank Plastikfolie

Anti-Taufolien schützen, wie der Name verrät, den Spargel vor Tau und Kälte – vor allem nachts, wenn die Temperaturen im Frühling noch stark fallen können. Wendefolien wirken wie eine Art Gewächshaus: Sie speichern Wärme, der Spargel wird dadurch früher reif. Der Name erklärt sich so: Auf der einen Seite sind sie meist schwarz, was Sonnenlicht anzieht, und auf der anderen weiß, was Hitze abhält und die Entwicklung des Spargels verlangsamen kann – so lässt sich der Ernteverlauf gut steuern.

Positiv an den Folien: Die Spargelpflanzen haben weniger Stress und wachsen besser. „Da es zu einer Ernte-Verfrühung um bis zu vier Wochen kommt, brauchen wir weniger Importe“, so Schumacher vom VSSE. Außerdem müssten so keine Herbizide eingesetzt werden, da der Spargel die Folie durchstößt, die Unkräuter dagegen nicht.

Der Einsatz von Folien hat vor allem folgenden Grund: Unsere Spargelsaison dauert etwa von Mitte April bis traditionell 24. Juni. Importierter Spargel aus Griechenland, Peru & Co. ist natürlich schon früher zu bekommen – und oft auch billiger. Die Verbraucher:innen möchten also Spargel immer früher essen, ihn aber am liebsten aus der Region bekommen. Die heimischen Betriebe geraten so unter Druck: Sie müssen nun früher liefern.

Plastikfolie ist nicht umweltfreundlich

Für den Spargelanbau werden riesige Mengen Abdeckfolien produziert – wie fast jeder Kunststoff basieren sie auf dem knappen Rohstoff Erdöl und sind schon deshalb nicht gerade umweltfreundlich. Wie sich die teils riesigen Folienlandschaften langfristig auf die Umwelt auswirken, ist noch nicht ganz geklärt.

Spargel wird oft unter schwarzen Plastikfolien angebaut.
Riesige Mengen Abdeckfolie kommt für den Spargelanbau zum Einsatz – auch für Bio-Spargel. (Foto: CC0 / Pixabay / PortalJardin)

Inwieweit Vögel, vor allem Bodenbrüter unter den Plastikabdeckungen leiden, wird diskutiert. Laut einem Gutachten der Staatlichen Vogelschutzwarte Brandenburg sind von 2003 bis 2013 mindestens 21 Brutvogelarten ausgestorben. Das untersuchte Gebiet lag zur Hälfte für den Spargelanbau unter Folie. Naturschützer:innen kritisieren: Auch Insekten, Kleinsäuger und Pflanzen leiden unter den Feldern, die kilometerweit mit Plastikfolien verdeckt sind.

Laut dem Verband Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer kann die Schwarz-Weiß-Folie immerhin bis zu zwölf Jahre wiederverwendet werden, wenn sie nicht beschädigt ist. Danach kann sie recycelt werden. Was in der Realität damit passiert, kommt allerdings ganz auf die einzelnen Betriebe an. Viele Landwirt:innen verwenden statt PVC-Folien inzwischen immerhin solche aus Polyethylen. Bei diesem Material ist das Risiko, dass es gefährliche Schadstoffe abgibt, geringer als bei PVC.

Miese Klimabilanz: Beheizte Felder

Spargel beginnt bei einer Bodentemperatur von etwa zwölf Grad zu wachsen. Damit die Sprossen schon viel früher sprießen, werden manche Felder beheizt. Der Aufwand, den die Landwirt:innen hier betreiben, ist enorm. Unter der Erde, wo die Spargelpflanzen wurzeln, wird ein Röhrensystem verbaut, durch das warmes Wasser fließt. Das Wasser wird beispielsweise durch Biogasanlagen oder Hackschnitzelheizungen erwärmt, die am Feldrand untergebracht sind. Schumacher vom VSSE ist sich aber sicher, dass nicht viele Betriebe zu dieser Methode greifen: „In unserem Verband sind ungefähr 480 Mitglieder-Höfe, von denen betrifft das gerade einmal eine Handvoll.“

Spargel pflanzen
Beheizte Felder sorgen für eine miese Klimabilanz. Bio-Spargel wächst in der Regel ohne Fußbodenheizung. (Foto: CC0 / Pixabay / Becker-Photography)

Spargel von beheizten heimischen Feldern kann in der Klimabilanz sogar schlechter abschneiden als importierter Spargel aus Griechenland, Spainen oder Italien. Das hieße, es wäre dann tatsächlich besser, griechische Stängel zu kaufen als heimischen Heiz-Spargel. Wir Verbraucher:innen können diesem Irrsinn entgegenwirken, indem wir Spargel nur dann kaufen, wenn die Zeit dafür reif ist – und zwar regional.

Saisonarbeitskräfte ernten konventionellen und Bio-Spargel

Zehntausende Saisonarbeiter:innen kommen während der Spargelzeit jedes Jahr vor allem aus Osteuropa nach Deutschland, um Spargel, Erdbeeren & Co. zu ernten. Die Saisonarbeit mit den Arbeitskräften, die überwiegend aus Rumänien und Polen kommen, ist ein zweischneidiges Schwert: Auf der einen Seite werden sie für einen sehr harten Job sehr schlecht bezahlt (seit der Mindestlohn-Bestimmung ist die Bezahlung etwas besser) und arbeiten oft unter prekären Bedingungen. Auf der anderen Seite scheint es für Spargelbetriebe fast unmöglich, deutsche Erntehelfer:innen zu finden – offenbar möchten Einheimische den Knochenjob nicht machen. Diesen Trend konnten auch die freiwilligen Erntehelfer:innen während der Corona-Pandemie 2020 nicht stoppen.

Kurzum: Würden die Saisonarbeiter:innen ausbleiben, würde die gesamte Spargelindustrie in Deutschland zusammenbrechen. Und das gilt für Bio-Spargel genauso wie für konventionellen Spargel. Dann müsste der gesamte Spargel importiert werden. Die Spargelbetriebe sind also auf die Arbeiter:innen angewiesen und die ausländischen Arbeitskräfte auf den kargen Lohn für ihre Saisonarbeit. Laut Mindestlohn-Bestimmung, die seit 2015 auch für Saisonkräfte gilt, müssen landwirtschaftliche Betriebe derzeit 9,82 Euro pro Arbeitsstunde bezahlen.

Spargel stechen
Beim Spargelstechen müssen die Arbeiter:innen sehr behutsam sein – sie schaffen oft trotzdem 80 bis 100 kg am Tag. (Foto: © stock.adobe.com – Lucky Dragon)

Vieles läuft allerdings immer noch in einem Graubereich ab: Manche Landwirt:innen zahlen für ihre Arbeiter:innen nicht in die Krankenkassen ein oder bezahlen pro geerntetem Kilo anstatt pro Stunde. Dabei ist die Arbeit sehr anstrengend. Die Erntehelfer:innen müssen ganz genau arbeiten: Eine reife Spargelstange befindet sich meist dort, wo die Erde schon rissig ist. Sie muss gestochen werden, bevor ihr Kopf ans Licht kommt und sich violett verfärbt. Beim Stechen dürfen die Arbeiter:innen keine heran­wachsenden Sprossen in der Nach­barschaft zerstören und wenn sie die Stangen zu nah an der Wurzel stechen, schme­cken sie später unangenehm bitter.

Fazit: Bio-Spargel ist besser für Umwelt und Gesundheit – wichtig bleibt das richtige Maß

Bio-Spargel ist für die eigene Gesundheit und für die Böden definitiv besser als konventioneller Spargel. Riesige Plastikfolien-Kulturen über ganze Felder sind allerdings auch im biologischen Anbau erlaubt. Höfe mit Bio-Spargel findest du z.B. unter spargeltreff.de oder unter bioverzeichnis.de. Am sinnvollsten ist es, wenn du dir die Spargelhöfe in deiner Nähe einmal genauer ansiehst.

Noch etwas weiter als die meisten Biobetriebe gehen Demeter-Betriebe: Für Demeter-Spargelhöfe sind Plastikfolien aus PVC verboten, Folien aus nachwachsenden Rohstoffen hingegen erlaubt und werden teilweise auch verwendet. Auf Demeter-Höfen werden auch keine Felder beheizt.

Antje Kölling von Demeter rät zum bewussten Spargelverzehr: 

Spargel ist köstlich, aber auch eine Kultur, die den Boden recht stark auslaugt und viel Handarbeit erfordert. Das heißt, wenn er konventionell oft sehr billig auf dem Markt ist, sollte man das hinterfragen. Spargel ist eben doch ein Gericht für besondere Maiensonntage und kein Grundnahrungsmittel.

Utopia meint: Grundsätzlich sollte man Spargel nur von regionalen Erzeuger:innen innerhalb der heimischen Saison kaufen – und dabei auf das Wetter achten: Wird in einem kalten, verregneten März schon Spargel angeboten, stammt dieser höchstwahrscheinlich von einem beheizten Feld.

Um die Arbeitsbedingungen für die Spargel-Erntehelfer:innen und Saisonarbeiter:innen zu verbessern oder zumindest konstant zu halten, ist es ratsam, etwas mehr Geld für Spargel auszugeben: Wenn Lebensmittel sehr billig sind, kann man nicht davon ausgehen, dass dass sie zu fairen Bedingungen hergestellt werden.

Plastik, Pestizide und Ausbeutung: Gibt es besseren Spargel?

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