Öko-Test: Bio-Supermärkte okay, Rucola und Tees machen Probleme

Foto: Utopia/aw/vs, Alnatura, Joehawkins unter CC BY 4.0

Bio-Supermärkte sind im Trend: In den großen Städten macht ständig ein neuer Basic, Denn’s oder Alnatura auf. Öko-Test hat sich das mal näher angesehen.

Gegen Bio-Supermärkte ist auf den ersten Blick nichts zu sagen: An ihnen wird sichtbar, dass Bio im Massenmarkt angekommen ist. Für einige Marktteilnehmer hört sich das zwar nach dem Ausverkauf von Idealen an. Doch für andere bedeutet es, nicht mehr länger als Nischen-Öko belächelt zu werden.

Für uns Konsumenten hat es den Vorteil, dass wir es leichter haben, an eine immer größere Vielfalt von Bio-Produkten zu gelangen. Und Bio-Supermärkte machen indirekt Druck auf die normalen Supermärkte: Wenn eine wachsende Zahl von Kunden wegen ausgesuchter Produkte in Bio-Supermärkte geht, wird sie dort früher oder später auch andere Dinge kaufen, ergo dem konventionellen Markt als Kunde fehlen. Ergo rüsten auch sie ihr Bio-Sortiment auf. Und das dient am Ende der guten Sache: einer ökologischeren, wenn auch noch lange nicht perfekten Lebensmittelproduktion.

Produkt-Unfug und Druck auf kleine Bioläden

Bio-Supermärkte erzeugen aber auch einen Druck, den man nicht unbedingt gut finden muss. Sie bedrängen zum Beispiel den ursprünglichen Bio-Handel, der lange Zeit von Idealismus getrieben war und der sich vor allem als dezentrale Bewegung mit vielen, bewusst kleinen Akteuren verstand. Der „Bio-Laden um die Ecke“ wird auch heute oft nachhaltiger betrieben als etwa die Bio-Discounter.

Alnatura Bio-Supermarkt
Frischetheke im Biosupermarkt (Foto © Alnatura / Siegfried Schenk)

Denn die Bio-Supermärkte folgen natürlich in ihren Denkstrukturen den normalen Supermärkten: günstige Preise, maximaler Profit. Letzteres zeigt sich daran, dass in Bio-Supermärkten ein wachsendes Angebot an Unsinnsprodukten zu finden ist, genau wie in normalen Supermärkten. Ja, Kokoswasser, Obstbrei im Quetschbeutel und Quinoa-Nudeln sind dort Bio – doch mit „Nachhaltigkeit“ haben diese Produkte immer weniger zu tun und der Plastikwahnsinn ist auch dort unübersehbar.

Schuld daran sind natürlich nur zum Teil die Bio-Supermärkte: Die Hersteller produzieren es und die Kunden kaufen es, weil ihnen „Bio“ oft reicht – und für „Nachhaltigkeit als Ganzes“ gibt es eben noch kein Siegel.

Öko-Test über Bio-Supermärkte

Öko-Test 9/2016 u.a. über Bio-Supermärkte
Öko-Test 9/2016 (Cover: Öko-Test)

Dennoch sind Bio-Supermärkte im Vergleich zu konventionellen die bessere Wahl. Das Verbrauchermagazin Öko-Test 9/2016 wollte wissen, wie es um die Qualität von Lebensmitteln in Bio-Supermärkten steht. Dazu hat es Alnatura, Basic, Bio Company und Denn’s Biomarkt näher angesehen, die du auch in unserer Bestenliste Bio-Supermärkte mit Nutzerbewertungen finden kannst.

In diesen vier Märkten hat Öko-Test je acht verschiedene Produktgruppen eingekauft und zur Untersuchung ins Labor gegeben: Kaffee aus ganzen Bohnen, Kräutertee, Tofu, Apfelsaft, Honig und Rapsöl waren in allen vier Läden als Eigenmarken erhältlich, Rucola und Weintrauben nur zum Teil.

Öko-Test wollte nach eigenen Angaben herausfinden, ob sich die Bio-Supermärkte in ihrem Qualitätsanspruch unterscheiden oder ob es egal ist, wo man einkauft.

Das Ergebnis

Letzteres ist der Fall: Alle haben hier und da Schwächen, aber insgesamt ist das Bild nach Ansicht des Verbrauchermagazins zufriedenstellend. Die wichtigsten Fakten aus dem Öko-Test:

  • Apfelsaft und Tofu schnitten durchweg mit „sehr gut“ ab, auch bei Rapsöl und Weintrauben gab es kaum Probleme.
  • Rucola gilt als Pflanze, die ungesund viel Nitrat ansammelt. Das gilt offenbar auch für Bio: Bei drei Märkten (Alnatura, Basic/Demeter, Bio Company) fand Öko-Test erhöhte Werte, so daß es nur zu befriedigend oder schlechter reichte. Auch die Werte von Nitrit und Chlorat waren teils erhöht, bei Bio-Company sogar über dem Grenzwert.
  • Kräutertees gelten oft als belastet (siehe Kräutertees im Test) und als besser, wenn sie Bio sind. Doch auch in zwei Bio-Kräutertees fand Öko-Test Pestizide, wenn auch deutlich weniger als Grenzwerte erlauben. Im Alnatura Kräuter Tee lose (mangelhaft) fand Öko-Test Pyrrolizidinalkaloide, das sind Pflanzengifte, die durch das Miternten von Beikräutern in den Tee gelangen. Kein Tee schaffte ein gut oder sehr gut.
  • Bei Honig empfehlen wir ja stets Bio, aber völlig ohne Rückstände geht es offenbar auch dort nicht, weil einfach zu viel konventionelle Landwirtschaft existiert. So fand Öko-Test Thiacloprid-Insektizide in den Honigen von Alnatura (befriedigend) und Denn’s Biomarkt (befriedigend). Die Honig-Eigenmarken von Basic und Bio-Company holten ein „sehr gut“.
  • Fünf von zwölf Weintrauben-Problem wiesen Phosphonsäure in Mengen von deutlich mehr als 0,1 mg/kg auf. Dieses chemisch-synthetische Pilzbekämpfungsmittel ist im Bio-Anbau eigentlich verboten. Doch Boden und Pflanzen speichern es lange, so dass es auch nach einer Umstellung auf Bio noch nachweisbar ist. Öko-Test kritisiert, dass solche Rückstände, auch wenn sie begründbar sind, nicht der Erwartung des Konsumenten an Bio entsprechen.
  • Bei Kaffee hatten allein die Bio-Supermärkte Alnatura und Basic Bio-Kaffee als Eigenmarke, der zugleich Fair-Trade-zertifiziert war – das ist ausdrücklich zu loben und sollte Schule machen.

Fazit

Große Unterschiede zwischen den vier Bio-Supermärkten Alnatura, Basic, Bio Company und Denn’s Biomarkt gab es aus Sicht von Öko-Test nicht, zu beanstanden gab es erstaunlich wenig und eigentlich nur die üblichen Verdächtigen (Tee, Rucola). Details in Öko-Test 9/2016.

Utopia empfiehlt Bio-Supermärkte anstelle konventioneller Supermärkte, wir raten aber dazu, sich nicht auf den Verpackungsfimmel einzulassen, der dort um sich greift, und auch nicht jedes Unsinnsprodukt zu kaufen, nur weil es Bio ist. Die bessere Alternative zum Bio-Supermarkt ist aus unserer Sicht immer noch der Bio-Laden um die Ecke und der Wochenmarkt, die oft auch regionaler beliefert werden.

Bleibt wichtig: Bioladen um die Ecke
Bleibt wichtig: Bioladen um die Ecke (Foto © Utopia/VS)

Marktübersicht Bio-Supermärkte

Ökotest hat auch eine kleine Markübersicht von Bio-Supermärkten zusammengestellt, die von Utopia findest du in der Bestenliste Bio-Supermärkte:

Denn’s Biomarkt

Größe gegründet 1996; Umsatz 820 Mio. Euro (Dennree Gruppe insgesamt); 207 Bio-Supermärkte, 2.400 Mitarbeiter
Sortiment Bio-Vollsortiment mit über 6.000 Artikel aus den Bereichen Nahrungsmittel, Naturkosmetik, Drogerieartikel und Naturkleidung
Schwerpunkte Obst und Gemüse, Frischeprodukte, Trockenwaren, Tiefkühlprodukte, Produkte für Allergiker und bei Unverträglichkeiten; zahlreiche Produkte aus der Region; in vielen Märkten: regionale Brot- und Backwaren, Käse- und Feinkosttheke

Denn's Biosupermarkt Supermarkt Bio

Alnatura

Größe gegründet 1984; Umsatz 760 Mio. Euro netto; 105 Bio-Supermärkte / 2.600 Mitarbeiter
Sortiment Bio-Vollsortiment mit 6.000 Produkten, Naturkosmetik, Textilien aus Bio-Baumwolle
Schwerpunkte Großer Teil des Obst- und Gemüsesortiments stammt laut Alnatura von Bio-Bauern aus der Region, vor allem in der Saison; Brot und Brötchen aus der Bedientheke seien nahezu vollständig von regionalen Bäckern; nachhaltige Ladengestaltung

Alnatura Biosupermarkt Supermarkt Bio

Bio Company

Größe gegründet 1999, Umsatz 134 Mio. Euro; 48 Bio-Supermärkte / 1.500 Mitarbeiter
Sortiment Bio-Vollsortiment mit bis zu 8.000 Produkten aus den Bereichen Obst und Gemüse, Molkerei- und Frischeprodukte, Trockenwaren, Getränke, Drogerie- und Spezialwaren
Schwerpunkte Großer Anteil von Obst und Gemüse kommt laut Bio Company aus der Region, vor allem in der Saison; Brot, Backwaren, Fleisch und Wurst seien ganzjährig zu 75 Prozent, Eier und Milch zu fast 100 Prozent regional; langjährige und persönliche Lieferantenkontakte; ökologischer Ladenbau

Bio Company Biosupermarkt Supermarkt Bio

Basic

Größe gegründet 1987; keine Angaben zum Umsatz; 32 Bio-Supermärkte (keine Angaben zur Mitarbeiterzahl)
Sortiment Vollsortiment mit über 12.000 Bio-Artikeln – von Bäckerei, Fleisch-, Wurst- und Käsetheke bis hin zur Drogerieabteilung
Schwerpunkte keine Angabe
Basic Biosupermarkt Supermarkt Bio

Bestenliste Bio-Supermärkte

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(8) Kommentare

  1. Da es sich im gesamten Artikel um Bio dreht, gehe ich davon aus, daß auch Bio-Produkte vom Wochenmarkt gemeint sind.
    So wird ein Schuh raus.
    Und so wie Bio nicht immer regional ist, ist Regional nicht immer nicht Bio.

  2. Ich habe jahrelang sehr viel im Reformhaus eingekauft, einfach, weil die Alternativen bei uns auf dem Land sehr gering sind.

    Ich muß aber sagen, daß der Einkauf dort immer weniger Spaß macht, weil das Sortiment fast nur noch auf vegan, glutenfrei, lactosefrei ect. ausgerichtet ist.
    Das Sortiment an „normalen“ Trocken-Grundnahrungsmitteln + Frischeprodukten wird dagegen immer überschaubarer.

    Das ist auf der anderen Seite auch OK.
    Die Reformbewegung war schon immer auch eine Diätbewegung für kranke Menschen und möchte Nischen bedienen.

    Mit dem riesigen Sortiment an Bio-Lebensmitteln eines Bio-Supermarktes kann und will sich ein Reformhaus nicht messen.
    Was auch nicht jeder weiß: Nicht jedes Lebensmittel im Reformhaus ist Bio.

    Deswegen finde ich es verständlich, daß Bio-Supermarktes+Reformhaus hier nicht mit verglichen werden.

  3. Ich finde die Überschrift zu diesem Artikel ziemlich daneben.
    Was will sie uns suggerieren? Warum machen denn Rucola und Tees Probleme? Haben die Supermärkte Nitrat in den Rucola gestreut? Haben die Hersteller der Tees Pestizide über ihre Pflänzchen gegossen?
    Nein, die Rückstände kommen aus der konventionellen Landschaft, wo gespritzt und überdüngt wird, was das Zeug hält.
    Es ist kontraproduktiv, über gefundene Rückstände in Bio-Lebensmitteln so zu schreiben, als ob die Hersteller sie verursacht hätten. Mit dieser Überschrift entsteht der Eindruck: Kauf Bio und Du wirst wissentlich betuppt.
    Ich kaufe Bio nicht in erster Linie, damit es mir gut geht, obwohl das natürlich ein schöner Nebeneffekt ist, sondern weil die Art der Herstellung für uns alle, die wir auf der Welt sind, und für die kommenden Generationen die beste ist.
    Wenn ich sage: „Oh, der Rucola ist belastet, dann kann ich ja auch den billigen im Supermarkt um die Ecke kaufen (natürlich mit Plastikschale usw.)“, dann wird sich nichts ändern. Geiz bleibt geil und die „Lebensmittel“-Industrie freut sich.
    Wenn ich Bio kaufe, gebe ich damit ein Votum ab, ich zahle den höheren Preis bereitwillig und gern, damit wir wieder zu natürlichen Prozessen zurückkehren können, damit wir uns auf Dinge besinnen, die Jahrtausende funktioniert haben.
    Jedes Bio ist besser als kein Bio. Natürlich gibt es auch hier graduelle Unterschiede und ich schaue auch auf Dinge wie z. B. die Verpackungen und kaufe am liebsten in Läden (egal ob groß oder klein), die nur Bio führen, weil ich ihnen echtes Engagement unterstelle und kein Trittbrettfahrertum, aber die Bio-Branche schlechtzureden für Dinge, auf die sie keinen Einfluss hat, ist für mich der falsche Ansatz.