Fairphone 2: neue, bessere Kamera im Test

Fairphone 2 neue bessere Kamera Fotokamera Selfie-Kamera
Foto: Fairphone

Im Vergleich zu modernen Spitzen-Smartphones leistet sich das Fairphone 2 nur wenige Schwächen. Eine davon (altes Android) hatte das Unternehmen schon beseitigt – und seit September 2017 gibt es nun auch eine neue, bessere Kamera, die wir im Oktober getestet haben.

Das niederländische Unternehmen Fairphone führt mit seinem Smartphone beispielhaft vor, dass und wie man Elektronik nachhaltiger bauen kann und wurde unter anderem mit dem Blauen Engel und dem Deutschen Umweltpreis 2016 ausgezeichnet.

Der Langlebigkeit dienen schon die bereits vorhandenen Updates, erstens das „Slim Case“ und zweitens Android 6.0 (statt 5.x). Mit den neuen 12-MP-Kameramodulen spendieren die Niederländer ihrem ethischeren Smartphone ein drittes Update.

Fairphone 2: Kamera-Update 2017

Zu den wenigen Schwächen des Fairphone 2 gehörte die Kamera: Sie war mit 8 Megapixel Auflösung nur auf dem Papier gut – in der Praxis schwächelte der mickrige 1/3,2-Zoll-Sensor mit einer Lichtstärke von f2.2 spätestens im Halbdunkel. Nur bei Schönwetterfotos störte das nicht, doch auch die waren nicht gerade Glanzstücke.

Die Kamera-Situation hat sich nun aber zum Besseren verändert:

Fairphone 2: neue Selfie-Kamera mit 5 MP (links, 30€), bessere Frontkamera mit 12 MP (rechts, 45€)
Fairphone 2: neues Top-Modul (Näherungssensor/Kopfhörerbuchse, Front-Kamera; links, 30€), neue Foto-Kamera mit 12 MP (rechts, 45€) (Foto: Fairphone)

Neue Fairphones werden mit einem neuen Kameramodul ausgeliefert. Vorhandene Fairphone können aber nachträglich aufgerüstet werden. Sinnvoll ist das natürlich nur, wenn du wirklich viel mit dem Smartphone fotografierst. Es gibt zwei neue Module:

Neue, bessere Fairphone 2 Foto-Kamera

Die Foto-Kamera auf der Rückseite läßt sich durch ein neues Modul ersetzen, das 12 Megapixel statt 8 MP aufnimmt. Der verwendete Kamerachip Omnivision OV12870 ist ein 1/2,8-Zoll-Sensor, also etwas größer als der vorherige 1/3,2-Zoll-Sensor. Die Pixelgröße liegt bei 1,25μm mal 1,25μm, die Blende bleibt bei f2.2. Darüber hinaus wurde das Blitzlicht erweitert (Dual-Flash).

Den Austausch des neuen Kameramoduls haben wir in der Bildstrecke Fairphone-Kamera & andere Module austauschen für dich beschrieben:

Sind die Fairphone-Bilder jetzt wirklich besser?
Wir finden, ja: Man sieht den Unterschied sofort. Die Bilder haben eine höhere Auflösung, zugleich nimmt die Kamera jetzt etwas weitwinkliger auf (es passt sozusagen „mehr Motiv aufs Bild“). Die Farben wirken natürlicher, man sieht mehr Details und Farbabstufungen.

Fairphone 2 – neues Kameramodul: links ein Foto der alten Kamera, rechts ein Bild mit der neuen Kamera (etwa 15 Minuten später).
Fairphone 2 – neues Kameramodul: links ein Foto der alten Kamera, rechts ein Bild mit der neuen Kamera (etwa 15 Minuten später). (Foto: Utopia.de/aw)

Weil dieses Bild nur eine verkleinerte Version zeigen kann und seinerseits durch unsere Bearbeitung sowie das Internet zwangsläufig verändert wird, findest du hier einige Vergleichsbilder im Original zum Download.

Preis: 45 € im Ersatzteil-Shop
(Im Bundle mit neuer Frontkamera 70€)

Neues Top-Modul

Auch die vordere „Selfie-Kamera“ (bisher 2 MPixel) die zum Beispiel bei Videoanrufen zum Einsatz kommt, läßt sich ersetzen. Sie verfügt nun über einen 5-Megapixel-Sensor (Omnivision OV5670) mit 1/5-Zoll Sensorfläche und 1.12μm x 1.12μm Pixelgröße bei Blende f2.4.

Dieses Modul enthält auch die Empfängereinheit, die Klinkenbuchse für Kopfhörer und den Näherungssensor, der zum Beispiel dafür sorgt, dass das Fairphone den Screen abdunkelt, wenn man das Gerät ans Ohr hält. Wer also mit einer dieser Funktionen Probleme hat und ein Ersatzteil braucht, rüstet damit auch seine Frontkamera auf.

Preis: 30 Euro
(Im Bundle mit neuer Foto-Kamera 70€)

Utopia meint: Es mag im Sinne der Nachhaltigkeit nur begrenzt sinnvoll sein, wenn jetzt der Run auf das neue Kameramodul losgeht, nur um „das Neue zu haben“. Auf der anderen Seite war die alte Kamera eine fatale Schwäche der Fairphone 2 – die hiermit Vergangenheit ist: die neue Kamera ist wirklich deutlich besser und lohnt ihren Mehrpreis. Die letzte Schwäche des FP2 ist damit nur noch der schwache Akku.

Den Austausch des neuen Kameramoduls haben wir in der Bildstrecke Fairphone-Kamera & andere Module austauschen für dich beschrieben:

 

Android 6.0 für Fairphone 2

Seit April gibt es Android 6.0 Marshmallow als Update – noch dazu als kostenloses. Dieses große Update des Fairphone-Betriebssystem sorgt für mehr Sicherheit, längere Akkulaufzeit, erhöhte Funktionalität und besseren Umgang mit dem Speicher.

Fairphone 2 jetzt mit Android 6.0
Fairphone 2 jetzt mit Android 6.0 (© Fairphone)

Für viele Smartphone-Nutzer ist veraltete Software ein Grund, sich ein neues Smartphone zu kaufen und das alte wegzuwerfen. Das Update auf Android 6.0 ist daher aus Sicht des niederländischen Unternehmens auch ein Wegstein hin zu einem möglichst langlebigen Gerät.

Was Android 6.0 bringt:

  1. Akkulaufzeit: Android 6.0 kann besser unterscheiden, wann das Smartphone wirklich in Benutzung ist und wann nicht – und kann dann entsprechend Prozessor- und Netzwerk-Aktivitäten reduzieren, um Energie zu sparen (Doze-Modus). Das allein ist schon ein Grund für das Upgrade.
  2. Sicherheit: Android 6.0 verfügt über eingebaute Funktionen, mit denen sich die Zugriffsrechte von Apps besser einschränken lassen. Das ist jetzt außerdem auch im Nachhinein möglich. Das System ist zudem per Voreinstellung verschlüsselt, was beim Geräteverlust dafür sorgt, dass private Daten nicht in die Hände Dritter fallen.
  3. Funktionen: Dazu gehören bei Android 6.0 Kleinigkeiten wie, dass man die Lautstärke von Alarmen, Anrufen, Benachrichtigungen anpassen kann. Auch das Multitasking soll verbessert worden sein. Google-Apps synchronisieren ihre Daten besser mit Google, was für ein Backup in der Cloud sorgt.
  4. Speicher: Theoretisch kann man auf Android 6.0 den Speicherplatz der eingelegten SD-Karte wie internen Speicher nutzen. In der Praxis haben nicht alle Hersteller das auch umgesetzt.

Das Update auf Android 6.0 installierst du ganz einfach über den Updater. Klappte bei unserem Fairphone 2 ohne Probleme und ohne Löschen/Neuinstallation von Apps. Dennoch sollte man wichtige Dokumente und Fotos vorher sicherheitshalber auf den PC kopieren.

Wie bisher schon für Android 5.0 so will Fairphone auch für Android 6.0 monatliche Fairphone/Android-Updates bereitstellen. Fairphone arbeitet hier mustergültig, selbst im Vergleich zu weniger nachhaltigen Branchenriesen.

Zwar ist derzeit theoretisch auch schon Android 7 verfügbar, doch Android 6 hat mit knapp 25 Prozent laut Google den derzeit größten Anteil innerhalb der Android-Versionen und ist daher eine vernünftige Wahl. Ob je ein Android 7.0 kommen wird ist derzeit allerdings offen.

Fairphone 2: neue, bessere Kamera mit 12 MPixel
Fairphone 2: neue, bessere Kamera mit 12 MPixel (Foto © Fairphone unter CC BY-SA )

Ubuntu Touch, Uhuru Mobile

Einige Kritik erntete das Fairphone 2 für Android, weil das kein „freies“ Betriebssystem sei. Stimmt zwar, aber:

  1. Es geht auch ohne Google Android: Fairphone arbeitet an einem Android-Betriebssystem ohne Google-Anwendungen und es steht jedem Anwender frei, das zu nutzen.
    Siehe: code.fairphone.com
  2. Ubuntu Touch: Seit der MWC in Barcelona gibt es das offene Betriebssystem Ubuntu für Fairphone 2, Ubuntu Touch. Die Portierung übernahm das UBports Project, das Ubuntu Touch auf so viele Geräte wie möglich bringen möchte.
    Siehe: https://devices.ubports.com/#/FP2
  3. Uhuru Mobile: Als Android-Ersatz ist auch eine Kooperation mit Uhuru Mobile im Gespräch, die ein speziell gesichertes Android entwickeln, das auf diesem Gebiet auch Unternehmenswünsche adressieren kann – Unternehmen könnten zum Beispiel über interne CSR-Vorgaben beim Einkauf das Fairphone 2 als Mitarbeitersmartphone vorsehen und so unterstützen.

Warum überhaupt Fairphone 2?

Die Probleme in der Elektronikindustrie sind groß: unmenschliche Arbeitsbedingungen in asiatischen Fabriken, blutige Konflikte in Afrika um seltene Rohstoffe. Das gilt zur Zeit leider für die Elektronikprodukte aller namhaften Hersteller, nicht nur für Smartphones.

Das Fairphone 2 versucht, es besser zu machen, ist reparierbar, bezieht Gold, Wolfram, Zinn und Tantal fairer. Es ist bei alledem noch längst nicht perfekt. Doch die Initiative versucht am Beispiel dieses Smartphones, die weltweite Elektronikproduktion nachhaltiger zu gestalten – und das halten wir für absolut unterstützenswert.

Wer das auch findet:


Weiterlesen auf Utopia.de:

Schlagwörter:

(8) Kommentare

  1. Bin absolut zufriedener Besitzer des FP2, und freue mich das es in der Zukunft möglich sein wird den modularen baukasten auch aufrüsten zu können! Daran sollten sich viele Elektronikentwickler mal ein Beispiel nehmen!

  2. Mit dieser Ankündigung schafft es Fairphone die Besitzer des Fairphone 1 endgültig zu vergraulen. Für September wurde ein Betriebssystemupdate versprochen, von dem bis heute nichts mehr zu hören ist. Keine Infos von Fair phone dazu, auch nicht auf Nachfrage. Man hat vermutet sie hätten Probleme gehabt und es würde einfach etwas länger dauern. Jetzt ist klar: Man hat sich lieber des FP 2 angenommen. Da fühlt man sich jetzt endgültig verarscht. Das hat sehr viel mit Nachhaltigkeit zu tun, wenn die 1. Version den Softwaretod stirbt, obwohl man es hätte verhindern können.
    Dazu hätte ich gerne auch mal einen Bericht. Als FP 1 Besitzer, der Fair phone erst den Erfolg ermöglicht hat eine 2. Version zu entwickeln, fühlt man sich absolut im Stich gelassen.
    Denn jetzt zeigt sich, dass fairphone auch nicht besser ist als die anderen in der Branche. Es wird immer nur die aktuellste Version unterstützt. So lässt sich schließlich mehr Gewinn generieren. Schade, wenn man dachte, man investiert in ein Konzept, dass etwas zu verändern und zu bewirken vermag.
    Aber dann wissen die FP2 User auch was auf sie zukommt, wenn es mal eine 3. Version gibt.

  3. Hallo FP1user,
    Dein Kommentar hat viele Ecken und Kanten. Darf ich dir etwas behilflich sein?
    Das FP2 wurde entwickelt weil man beim FP1 an Grenzen gekommen ist und einen neuen Schritt wagen musste. FP selbst versucht das FP1 am Leben zu halten, was Softwaretechnisch gemacht wird (siehe Forum!), Hardwaretechnisch sich als äusserst schwierig gestaltet, da niemand auf so geringen Stückzahlen bauen möchte.
    Und was den „Mehrgewinn“ beim FP2 betrifft…pro verkauftem Gerät aus dem FP-Shop „gewinnt“ FP 8€, via Zweitanbieter sogar noch etwas weniger.

  4. Tja, die Weiterentwicklung des FP1 wurde wohl tatsächlich vernachlässigt, allerdings wird auf der heutigen Veröffentlichung ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die Entwickler das Upgrade des FP1 nicht an den Nagel gehängt haben, sondern gerade jetzt wo Android 6.0 fürs FP2 durch ist, auch wieder Zeit dafür haben werden.

    „We can’t yet give you a timeline for when Android 4.4.4 will be available, but we want you to know that we’re still pursuing it.“
    Quelle: https://www.fairphone.com/en/android-6-coming-to-fairphone-2/

  5. Das Android-Betriebsystem ist ziemlich unsicher, daher werden mit den Android-Updates auch immer Sicherheitslücken geschlossen. Geräte, die nicht auf dem neusten Stand der Software sind, haben somit bekannte Sicherheitslücke und sind ein Risiko. Android 6.0 ist die etablierte Version? Schlechte Einstellung von Seiten der Produzenten zulasten ihrer Kunden.

  6. @Tobi das ist so nicht ganz korrekt. Ja, Android ist relativ unsicher und es werden viele Sicherheitslücken geschlossen. Aber diese Sicherheitsupdates haben nichts mit den „großen“ feauture updates,a slo 6.0 und 7.0 etc zutun. selbst Android 4.4 bekommt noch Sicherheitsupdates, nur die meisten hersteller verteilen diese nicht mehr. Also selbst wenn das FP2 auf Android 6 bleiben würde kann es noch jahrelang auf den neuesten sicherheitsstand gebracht werden (wie aktuell das gerät ist sieht man übrigens bei einstellungen -> über das gerät -> android security patch level. das aktuellste ist august 2015) selbst geräte mit android 7.0 haben teilweise völlig veraltete sicherheitslevel, dies hat also nichts miteinander zutun.

  7. Ubuntu Touch wird leider nicht mehr weiterentwickelt, der Mark Shuttleworth, CEO von Cannonical (Firma Hinter Ubuntu für PCs und Ubuntu Touch) hat gesagt das Projekt werde nicht mehr weiterverfolgt. Echt schade 🙁

** Links zu Bezugsquellen sind teilweise Affiliate-Links: Wenn ihr hier kauft, unterstützt ihr aktiv Utopia.de, denn wir erhalten dann einen kleinen Teil vom Verkaufserlös.