Wie (un)gesund ist Kokosöl wirklich?

Foto: CCO Public Domain / Pixabay

Kokosöl sei giftig und so gefährlich wie Schweineschmalz – mit diesen Statements sorgt eine Professorin und Medizinerin aktuell für Aufregung. Aber was ist dran an den Aussagen? Ist Kokosöl wirklich schädlich? Wir haben bei Experten nachgefragt.

Viele sind nach dem Vortrag von Prof. Dr. Dr. Karin Michels verunsichert: Kokosöl sei gefährlicher als Schweineschmalz, sagt die Medizinerin und Uni-Professorin. „Das Kokosöl ist eines der schlimmsten Nahrungsmittel, die Sie überhaupt zu sich nehmen können.“

Der Grund: Kokosöl enthalte hauptsächlich gesättigte Fettsäuren, die das Risiko für einen Herzinfarkt erhöhen sollen. Außerdem würden lediglich Spuren von Vitaminen, Mineralien und Pflanzenstoffen in dem Öl stecken – so wenig, dass sie kaum einen positiven Effekt auf die Gesundheit haben. Aber stimmt das wirklich?

(Hier der Vortrag von Karin Michels auf YouTube:)

Die gesättigten Fettsäuren im Kokosöl

Dass Kokosöl einen hohen Anteil an gesättigten Fettsäuren hat, ist unbestritten. Kokosfett etwa besteht laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) zu etwa 87 Prozent aus gesättigten Fettsäuren. Nur acht Prozent machen ungesättigten Fettsäuren aus, 5,8 Prozent davon sind einfach ungesättigt und 1,8  Prozent mehrfach ungesättigt. Die Zusammensetzung von Kokosöl ist entsprechend ähnlich. Das Bio-Kokosöl von Alnatura etwa hat 92 Prozent Fett, davon ebenfalls 87 Prozent gesättigte Fettsäuren.

Diese großen Mengen an gesättigten Fettsäuren beeinflussen die Blutwerte negativ, erklärt Diplom-Ökotrophologin Antje Gahl von der DGE. Das schlechte Cholesterin werde erhöht, das Risiko von Arterienverkalkungen steige. Ab welcher Menge Kokosöl bedenklich wird, lasse sich pauschal nicht sagen. Der Standpunkt der DGE lautet aber: „Kokosöl ist nicht das Öl, das wir empfehlen würden – wegen dem hohen Anteil an gesättigten Fettsäuren“, sagt Gahl Utopia.

Ähnlich auch die Aussage des Bundeszentrums für Ernährung: „Natives Kokosöl ist ernährungsphysiologisch hochwertiger als das zum Braten/Frittieren gedachte Plattenfett. Aber auch Kokosöl enthält über 80 Prozent gesättigte Fettsäuren, also just jene Fettsäuren, die es nach offiziellen Ernährungsempfehlungen zu meiden gilt.“

Die mittelkettigen Fettsäuren

Kokosöl
Kokosöl gilt seit Jahren als beliebtes Superfood. (Foto: CC0 Public Domain / Pixabay - mcstewartt)

Es gibt aber auch Studien, die einen positiven Effekt von Kokosfett auf den Fettsoffwechsel zeigen – darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Ernährung ebenfalls hin. Der positive Effekt werde dabei durch die sogenannten mittelkettigen Fettsäuren verursacht.

Knapp 14 Prozent der gesättigten Fettsäuren im Kokosfett bestehen laut DGE aus mittelkettigen Fettsäuren. Das Bundeszentrum für Ernährung spricht sogar von einem Anteil von bis zu 50 Prozent, den größten Teil mache dabei Laurinsäure aus.

Die mittelkettigen Fettsäuren werden vom Körper schneller als langkettige Fettsäuren gespalten oder gleich ungespalten aufgenommen, lassen sich also leichter verdauen. Es wird außerdem vermutet, dass speziell Laurinsäure die Konzentration des „guten“, gefäßschützenden HDL-Cholesterins im Blut erhöhen. Ob die Säure aber wirklich nur das erwünschte HDL-Cholesterin erhöht, oder auch das weniger günstige LDL-Cholesterin, ist noch unklar.

Kokosöl ist weder per se giftig noch gesund

Generell werde die Debatte um das Kokosöl falsch geführt, findet Diplom-Ökotrophologe Harald Seitz vom Bundeszentrum für Ernährung. Es werde auf viel zu emotionaler Ebene diskutiert. „Wie ‚gesund‘ ein einzelnes Lebensmittel sein kann, wird man wissenschaftlich nie erfahren. Dafür bräuchte man randomisierte Studien an Menschen über einen langen Zeitraum. Blöderweise gibt es keine Freiwilligen, die beispielsweise ein Jahr nur Kokosöl essen.“ Aber auch die Aussage der Universitätsprofessorin, Kokosöl sei „giftig“, sei wenig sinnvoll.

Bei Kokosöl kommt es auf die Menge an

Haarkur mit Olivenöl
Bessere Alternativen zu Kokosöl: Olivenöl oder Rapsöl (Foto: CC0/Pixabay/stevepv)

Kokosöl hat einen hohen Anteil an gesättigten Fettsäuren, die man eher vermeiden sollte. Womöglich haben die enthaltenen mittelkettigen Fettsäuren einen positiven Effekt auf den Körper,  wissenschaftlich gesichert ist das jedoch nicht. Ohnehin ist der Anteil der mittelkettigen Fettsäuren im Kokosöl vergleichsweise niedrig.

Der große Hype um Kokosöl als gesundes Wundermittel ist also tatsächlich etwas weit hergeholt. Es spricht aber nichts dagegen, Kokosöl gelegentlich und in geringen Mengen zu sich zu nehmen, sagt Antje Gahl von der DGE. Kokosöl sollte jedoch auf keinen Fall das universelle Fett in der Küche werden, das alle anderen Fette ersetzt.

Besser als Kokosöl seien pflanzliche Öle wie Rapsöl, Olivenöl oder Walnussöl – sie haben einen hohen Anteil an einfach und mehrfach ungesättigten Fettsäuren. Aus Perspektive der Nachhaltigkeit sind Kokosprodukte aufgrund der langen Transportwege und schwierigen Anbaubedingungen ohnehin nicht besonders empfehlenswert.

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(8) Kommentare

  1. Frau Gahl von der DGE ist anscheinend auch nicht fähig, neuere wissenschaftliche Erkenntnis aufzunehmen. Es gibt definitiv keinen Zusammenhang zwischen gesättigten Fettsäuren und Herz- oder Gefäßerkrankungen. Auch wenn’s den korrekt wäre, hieße es „wegen DES hohen Anteils…“. Einen gesundheitlichen Vorteil bieten die Gesättigten vielleicht nicht, sie richten aber nicht so viel Schaden an wie die zweifach Ungesättigten, die in den meisten Pflanzenölen enthalten sind. Ansonsten ist dieser Beitrag einigermaßen erträglich….

  2. Das ist hier wie bei fast allem wirklich gesunden Lebensmitteln, von „offiziellen Seiten“ wird ein bisschen schwammig drumherum herum geredet. Gesunde Menschen sind nicht erwünscht, halbgesunde dagegen um so mehr.
    Gerade zum Erhitzen sind gesättigte Fettsäuren wichtig, da ungesättigte sogar giftige und höchst ungesunde Stoffe entwickeln.
    Leider sind Gesundheitsthemen bei Utopia sehr schlecht aufgehoben, die solltet ihr weg lassen oder viel besser recherchieren.

  3. Frau Michels empfiehlt z.B. Rapsöl. Da würden jetzt diverse Naturheilkundler laut aufschreien. Rapsöl mag super Laborwerte haben, doch der Körper kann es nicht verstoffwechseln. Raps war früher giftig. Durch die Arbeit der Züchter wurde er genießbar gemacht, doch lange nicht verdaubar.
    Kokosöl wird vor allem zum Braten und Fritieren empfohlen. Da sind die gesätigten Fettsäuren wichtig, denn diese haben einen hoheren Rauchpunkt. Für hohe Temperaturen sollte natives Olivenöl nicht mehr verwendet werden (hitzestabil bis 180 Grad) und schon gar nicht Walnussöl (nur kalt verwenden), denn dann entstehen gesundheitsschädliche und zum Teil krebserregende Zersetzungsprodukte.
    Also alles nicht so einfach. Wahrscheinlich machts die Mischung.

  4. Man kann ja das Kind mit dem Bade ausschütten. Wieso fragt ihr nicht wirklich kompetente Wissenschaftler, statt Mitglieder von „industrienahen“ Institutionen? Hätte ich nicht nicht von utopia.de erwartet! Mal Bruce Fife lesen oder Michael Nehls, beide Mediziner. Oder zumindest den Kommentar gestern bei euch mit dem link zu Rüdiger Dahlke. Da hat er ausführlich Stellung genommen! Oder werde ich hier auch schon von Industrie nahen Seite „gelinkt“?

  5. Es geht schon an die Schmerzgrenze wie hier Manche argumentieren. Es geht um Fakten und deren Interpretation. Fakten bekommt man nur durch wissenschaftliches Arbeiten: Eine klare Fragestellung, eine dazu geeignete Versuchsanordnung und von jedem anderen Wissenschaftler gleicher Fachrichtung reproduzierbar. Ich gebe zu, das ist in der Physik einfacher als in der Medizin. Aber bei guter wissenschaftlicher Praxis sollte es keine Rolle spielen, ob ein Wissenschaftler der Industrie nahe steht oder ein Außenseiter ist, so lange ALLES veröffentlich wird, inkl. der Erwartungshaltung vor der Testreihe, die Zahl der Stichproben und auch Ergebnisse, die einem nicht gefallen. Im übrigen: der Esoterik-Markt hat inzwischen seine eigene Industrie und seine eigenen Konzerne. Und in dieser Szene wird sich oft nicht gescheut, wissenschaftliche Standards zu verachten und interessengeleitete abenteuerliche Argumentationen aufzufahren. Es geht um viel Geld. Und leider darf jeder Promovierte auch völlig fachfremd in der Werbung als Doktor (im Sinne von Mediziner) auftreten. Das nenne ich Missbrauch der Wissenschaft!

    Dass Rapsöl früher giftig gewesen sein soll, ist übertrieben. Es galt in früheren Zeiten aufgrund seiner Schleimstoffe und Bitterstoffe als minderwertig bis ungeniesbar. Es war möglicherweise auch nicht besonders bekömmlich, denn Raps ist ja mit Kohl verwandt, und den verträgt ja auch nicht jeder. Ich vertraue der aktuell allgemein akzeptierten Meinung, dass Rapsöl dank der Züchtungen mittlerweile ein hochwertiges Öl ist. Die Behauptung, dass es nicht verstoffwechselt werden könne, halte ich für weit hergeholt. Ich konsumiere es reichlich und ich habe keine Anzeichen feststellen können, dass es unverdaut wieder ausgeschieden wird. Wäre die Behauptung wahr, dann wäre Rapsöl das ideale Mittel zum Abnehmen, indem man andere Öle und Fette durch Rapsöl ersetzt. Funktioniert leider nicht, zumindest nicht bei mir. Schade eigentlich.

    Ob bestimmte Fettsäuren nun schlecht oder gut sind, hängt zum Einen von der Verwendung und zum Anderen von der Menge ab. Es macht z. B. überhaupt keinen Sinn, extra teures natives bzw. kaltgepresstes Öl zu kaufen, und dieses dann in der Pfanne oder Friteuse zu erhitzen. Auch traue ich dem Ölivenöl in keiner Weise. Damit will ich nicht sagen, dass Ölivenöl per se kein hervorragendes Öl sein könne. Aber es ist einfach viel mehr extra vergine Öl aus Italien auf dem Markt, als produziert wird. Ich glaube hier wird gemogelt, was das Zeug hält.

  6. Es ist schon richtig, dass alte Rapssorten unverträglich waren auf Grund ihres Gehaltes an Erucasäure ((Z)-13-Docosensäure), die pathologische Veränderung des Herzmuskels, Herzverfettung und Wachstumsverzögerungen verursachen soll. Erst Züchtungen, die den Gehalt unter 5% brachten, können für die Ernährung eingesetzt werden (LEAR oder 00-Raps). Andererseits hat Erucasäure als Bestandteil von „Lorenzos Öl“ Berühmtheit erlangt. Es gibt heute eine weitere Züchtung, die „high Oleic“ ist, d.h., sie hat kaum Erucasäure und auch wenig Linolsäure, sondern stattdessen Ölsäure wie Olivenöl.

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