Mediatheken-Tipp: Killer-Keime aus dem Stall

Foto: © ZDF/Axel Thiede

Reserveantibiotika kommen in der Medizin zum Einsatz, wenn andere Antibiotika nicht mehr wirken. Gleichzeitig verwendet die industrielle Tierhaltung diese Mittel in großen Mengen. Doch sie könnten ihre Wirkung verlieren – eine Gefahr auch für den Menschen. Eine ZDF-Doku zeigt, wie groß die Gefahr ist und wie es anders geht.

Im Kampf gegen multiresistente Keime müssen Mediziner immer öfter auf Reserveantibiotika zurückgreifen. Und schon jetzt erkranken allein in Deutschland jedes Jahr etwa eine halbe Million Menschen an multiresistenten Keimen. Was, wenn die Antibiotika nicht mehr helfen?

Tierhaltung ohne Antibiotika ist möglich

Der Druck auf Landwirte, möglichst günstig möglichst viel Fleisch zu erzeugen, ist hoch. Viele Bauern versuchen deshalb, schnell viele Tiere aufzuziehen – doch in der Massentierhaltung können sich Krankheiten leicht verbreiten. Deshalb werden oftmals schon vorsorglich Antibiotika gegeben. Doch ein hoher Einsatz von Antibiotika führt zur Bildung von resistenten Keimen; so setzen die Landwirte eigentlich für Notfälle vorbehaltene Reserveantibiotika ein. Zudem verdienen Veterinäre teils mehr Geld mit dem Verkauf von Medikamenten als durch ihre Diagnosen – ein fatales System.

Der ehemalige Tierarzt Rupert Ebner, der in der „planet e“-Reportage zu Wort kommt, kämpft seit Jahren gegen den Einsatz von Reserveantibiotika in der Tiermast. Er glaubt, es wäre möglich, in der Tiermast ohne die Notfallmittel auszukommen.

Wie das gehen kann, zeigt Dänemark schon heute: Nach mehreren Todesfällen durch Keime aus der Tiermast haben sich die dänischen Schweinemäster zusammen mit den Tierärzten verpflichtet, auf den Einsatz von Reserveantibiotika zu verzichten.

In Deutschland ist der Verbrauch von Antibiotika in der Tiermast insgesamt in den vergangenen Jahren zwar zurückgegangen, doch nicht der Einsatz der wichtigen Reserveantibiotika. Mit verheerenden Folgen: Resistente Keime können aus den Ställen in die Umwelt gelangen und für Menschen tödlich sein. Ein Großteil des Schweine- und Hähnchenfleischs ist bereits von solchen Keimen befallen. Doch die Bakterien breiten sich immer weiter aus und gelangen mit der Gülle auf die Felder und auch ins Gemüse.

Das ZDF zeigt in der Sendungsreihe „planet e“ mit der Reportage „Killer-Keime aus dem Stall“ den erschreckenden Ist-Zustand in Deutschland.

Die Doku ist in der ZDF-Mediathek online verfügbar.

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(1) Kommentar

  1. „Wie das gehen kann, zeigt Dänemark schon heute“
    Auch in der Bio-Tierhaltung dürfen Antibiotika nur sehr begrenzt und unter hohen Auflagen verabreicht werden.
    Zwar machen Ausnahmen immer wieder Schlagzeilen, aber wenn man auf die Zahl der Fälle blickt im vergleich mit konventioneller Haltung, dann sind die Unterschiede schon gravierend:
    https://www.greenpeace-magazin.de/nachrichten/so-gehen-bio-hoefe-mit-antibiotika-um

    Utopisten aus dem Raum östl. von München können übrigens Ruper Ebner live erleben:
    http://www.sueddeutsche.de/muenchen/erding/veranstaltung-der-gruenen-diskussionsabend-ueber-fleischproduktion-1.3655479

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