Filmtipp: Das System Milch – Die Wahrheit über die Milchindustrie

Filmtipp: Doku "Das System Milch"
Fotos: © EIKON FILMPRODUKTION und MIRAMONTE FILM, Martin Rattini / Tiberius Film

„Landwirtschaft ist das beste aller Geschäfte“ – dieses Zitat aus dem neuen Dokumentarfilm „Das System Milch“ macht klar: Milch ist meist kein natürliches Produkt vom idyllischen Bauernhof, sondern Big Business. Die beeindruckende Doku zeigt die Machenschaften der globalen Milchindustrie und ihre Folgen für Tiere, Umwelt und Menschen. 

Auf Milch und Joghurt prangt meist das Bild glücklicher Kühe und die Werbung erzählt uns, dass Milch unverzichtbar für unsere Gesundheit ist. Dass das nicht die ganze Wahrheit ist, kann man sich angesichts der Massen an billigen Milchprodukten eigentlich denken.

Das System Milch

Und trotzdem öffnet einem der neue Dokumentarfilm „Das System Milch“ die Augen. Denn er zeigt nicht nur, wie die meisten Milchkühe wirklich gehalten werden, sondern vor allem, wie mächtig, lukrativ und global vernetzt die Milchindustrie heute ist – und wie weit weg von unserer Vorstellung der grünen Kuhweide.

Filmtipp: Das System Milch
Milchproduktion wie am Fließband (Foto: © EIKON FILMPRODUKTION und MIRAMONTE FILM, Martin Rattini)

Die gut inszenierten und eindrucksvollen Bilder der industriellen Massenbetriebe erinnern eher an die Fließbänder der Autoindustrie als an Bauernhöfe.

Verstörende Bilder zur Milch-Maschinerie

Regisseur Andreas Pichler präsentiert uns Aufnahmen von Hochleistungskühen, die kaum noch gehen können, von gigantischen computergesteuerten Melkständen, die sich langsam im Kreis drehen, von sterilen Fabriken, die in vollautomatischen Prozessen tausende Liter Milch pro Tag in Kartons füllen, die teils verstörend wirken.

Doch die Doku „Das System Milch“ setzt nicht auf billige Schockeffekte, sondern will verstehen und aufklären: Woher kommt die Milch heute? Wer verdient daran? Wie leben die Milchkühe und geht das auch anders? Der Film lässt Akteure auf der ganzen Welt zu Wort kommen, vom Kleinbauern bis zum Großindustriellen, von Österreich bis China.

Filmtipp: Das System Milch
Hochleistungskühe werden auf absurde Proportionen gezüchtet, damit sie möglichst viel Milch geben. (Foto: © EIKON FILMPRODUKTION und MIRAMONTE FILM, Martin Rattini)

Die Filmaufnahmen und Aussagen stehen dabei teils in krassem Gegensatz zueinander: Hier der Konzernmanager im Anzug, der von Wachstum, Geschäftsmöglichkeiten und dem Wettbewerb auf dem Weltmarkt spricht, dort der bäuerliche Familienbetrieb, der versucht, wenigstens noch mit der Gülle der Kühe etwas Geld zu verdienen.

Man arbeitet nur noch für Konzerne, für die Kraftfutterindustrie und für die Lebensmittelindustrie. Und selber bleibt man auf der Strecke“,

so bringt es Martin Geiger, ein Milchbauer in einem Familienbetrieb in Süddeutschland, auf den Punkt.

Industrielle vs. kleinbäuerliche Landwirtschaft

Die Doku lässt Manager der mächtigen Molkereikonzerne, Wissenschaftler, Politiker, Experten und Züchter zu Wort kommen. Exemplarisch für die Landwirtschaft präsentiert der Film einen riesigen industriellen Milchbetrieb in Dänemark und einen Bio-Kleinbauern in Südtirol – zwei Konzepte von Milchwirtschaft, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten.

„Es ist einfach weit mehr als ein Arbeitsplatz, es ist ja ein Lebensmodell eigentlich“,

sagt der Bio-Milchbauer Alexander Agethle in Südtirol. Der dänische Unternehmer hingegen hat andere Prioritäten:

„Unsere gesamte Existenz beruht darauf, dass wir einen Liter Milch so günstig wie möglich produzieren.“

Die Aussagen der Interviewten machen teils nachdenklich, teils traurig und teils auch wütend – darf ein fühlendes Lebewesen wie Ware behandelt werden, damit wir Menschen Milch trinken können? Ist es moralisch vertretbar, ein tierisches Produkt am Weltmarkt zu handeln als wäre es Erdöl? Und: Kann die kleinbäuerliche Bio-Landwirtschaft die Lösung sein?

Filmtipp: Das System Milch
Kann die kleinbäuerliche Landwirtschaft die Lösung sein? (Foto: © EIKON FILMPRODUKTION und MIRAMONTE FILM, Falco Seliger)

Angesichts der Ausmaße, welche die Industrie inzwischen angenommen hat und der Qual, die sie für die Tiere in Kauf nimmt, ist die Frage nach der menschlichen Gesundheit fast schon nebensächlich.

Klar ist: Wir nehmen unnötig viele Milchprodukte zu uns und das tut uns nicht gut. Doch die wahren Probleme des Systems Milch liegen woanders: in Ausbeutung, Tierleid und rücksichtslosem Profitstreben.

Doku: Das System Milch
Das System Milch (© Tiberius Film)

Utopia meint: „Das System Milch“ zeigt facettenreich und glaubwürdig, was heute hinter dem Lebensmittel Milch steckt. Anders als viele andere Filme zum Thema Tierschutz präsentiert er viele Fakten und lässt unterschiedliche Sichtweisen zu, ohne den moralischen Zeigefinger zu bemühen. Welche Schlüsse man für sich selbst aus diesem Film zieht, bleibt jedem selbst überlassen, doch kalt lassen wird er sicher niemanden.

Der Film: „Das System Milch – Die Wahrheit über die Milchindustrie“ läuft seit 21. September 2017 in den Kinos. Seit 5. Oktober ist der Film auch auf DVD (z.B. bei** Buch7, bücher.de, Thalia.de, Amazon) und online verfügbar.

Kostenlos ansehen: „Das System Milch“ lief am 21. November 2017 um 20:15 Uhr auf Arte. Ab jetzt für einige Zeit online in der Mediathek verfügbar.

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(3) Kommentare

  1. Erwachsene Menschen beuten eine andere Spezies aus, um ihre Muttermilch trinken zu können, bauen sogar einen der größten Wirtschaftszweige darauf auf und mischen es überall in ihr Essen hinein… Aber erst, nachdem sie die Milch einige Male chemisch auf links gedreht und dadurch quasi komplett abgetötet haben.

    Sagt mir, gibt es etwas groteskeres als das…?

  2. Generell ist die Massentierhaltung ein Wahnsinn und ein Verbrechen an der Natur zu der wir Menschen auch gehören.
    Ich habe als Kind schon nie Milch getrunken, ich fand es einfach eklig.
    Aber ich esse gerne Käse, und ich achte darauf, daß er aus Biohöfen kommt, die auch die Tiere anständig halten am besten noch regional, also nicht dieser Bioirrsinn mit dem sich die Discounter ein grünes Mäntelchen umhängen wollen.

  3. Leider ist von diesen katastrophalen Umständen nicht nur die Milchproduktion betroffen sondern die gesamte Agrarwirtschaft. Nur wir Konsumenten können daran etwas ändern indem wir ausschließlich nachhaltig und für Tier und Erzeuger fair produzierte Produkte erwerben. Wenn jeder immer nur hauptsache billig kauft wird sich das nie ändern. Lieber fair und gut statt Geiz ist geil. Ich kann Menschen die bereit sind für das neuste Handy mehrere hundert Euro auzugeben aber für Nahrung nur wenige Cent nicht verstehen.

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