10 Fakten: Was du über (Bio-)Baumwolle wissen solltest

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Pestizide, Düngung, Gentechnik, enormer Wasserverbrauch, Ausbeutung: alles Probleme im Anbau von Baumwolle. Hier sind 10 Fakten rund um Baumwolle, die zeigen, warum du bei Kleidung auf Bio-Baumwolle achten solltest.

Baumwollfasern sind einer der wichtigsten Rohstoffe für Textilien aller Art. Als Naturfasern sind sie im Prinzip ökologischer als synthetische Fasern, denn Baumwolle ist ein nachwachsender Rohstoff und biologisch abbaubar. Doch Baumwollproduktion und -verarbeitung sind oft gefährlich für die Umwelt und die am Produktionsprozess beteiligten Menschen.

Bio-Baumwolle ist in vielerlei Hinsicht besser als konventionelle, nicht nur beim Wasserverbrauch. Hier sind 10 Fakten über (Bio)-Baumwolle, die jeder kennen sollte.

1. Die Textilindustrie hat großen Einfluss auf die Umwelt

Die Textilindustrie hat einen riesigen Einfluss auf Umwelt und Klima: Einer Studie zufolge war sie 2016 für 5 bis 10 Prozent der globalen Umweltverschmutzung verantwortlich – und rund 8 Prozent der weltweiten Klimaauswirkungen.

Die Zahlen gelten für die Textilindustrie als Ganzes – die Baumwollindustrie ist nur ein Teil davon. Doch die Zahlen zeigen: Eine Umstellung auf nachhaltigere Produktionsweisen und Materialien würde Umwelt und Klima massiv entlasten.

Ob diese Umstellung für die Textilhersteller attraktiv wird, liegt auch an deinen Konsumentscheidungen – zum Beispiel für Bio-Textilien. Lies auch: Dein Geldbeutel entscheidet.

2. Baumwolle steckt in der Hälfte aller Textilien

Laut WWF besteht etwa die Hälfte aller Textilien weltweit aus Baumwolle. In der EU macht diese Naturfaser 43 Prozent aller Textilfasern für Kleidung aus (PDF).

Das bedeutet: Eine Umstellung auf die ökologischeren Methoden der Produktion von Bio-Baumwolle kann angesichts der schieren Menge der weltweit produzierten und verarbeiteten Naturfasern enorm viel bewirken.

3. Baumwolle wächst in Entwicklungsländern

Weltweit wird Baumwolle derzeit in rund 80 Ländern angebaut – nur in 18 Ländern Biobaumwolle (Stand 2017). Die weltweit größten Produzenten sind Indien, China, die USA, Brasilien und die Länder Subsahara-Afrikas, schreibt das Bundesministerium für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (BMZ) (PDF).

In vielen Entwicklungsländern ist Baumwolle die wichtigste Deviseneinnahme. Millionen von Menschen sind direkt oder indirekt von der Baumwollindustrie abhängig. Wie nachhaltig die Pflanze angebaut wird, ob vorzugsweise Bio-Baumwolle produziert wird, welche Preise und Löhne in der Branche gezahlt werden – all das hat unmittelbare Auswirkungen auf das Leben vieler Menschen in den Anbauländern, im Positiven wie im Negativen.

Bio-Baumwolle, zum Beispiel in Bio-Jeans
Bio-Baumwolle, zum Beispiel in Bio-Jeans (Foto: Utopia.de/AW)

4. Baumwoll-Pflanzen sind oft genmanipuliert – Bio-Baumwolle nicht

Der Anbau von genmanipulierten (GM) Baumwollpflanzen ist enorm weit verbreitet. Genmanipulierte Baumwollpflanzen sind resistent gegen bestimmte Schädlinge, Pestizide und/oder widerstandsfähiger gegen bestimmte Umweltbedingungen.

Laut der Datenbank TransGen wachsen derzeit auf insgesamt etwa zwei Dritteln der weltweiten Baumwoll-Anbaufläche genveränderte Sorten. Allein in Indien waren im Jahr 2017 demnach 93 Prozent der angebauten Baumwolle gentechnisch verändert.

Ob die Verwendung genmanipulierter Baumwolle die Erträge tatsächlich steigert oder nicht, ist umstritten – klar ist jedoch, dass die Nutzung genetisch veränderter Pflanzen immer mit Risiken einher geht: Vom Verlust der genetischen Vielfalt über die unkontrollierbare Ausbreitung und die Bildung von Resistenzen bis zu Abhängigkeiten der Farmer von den Saatgut- und Pestizidherstellern. Im Bio-Anbau sind gentechnisch veränderte Pflanzen verboten.

Im Gegensatz zu konventioneller GM-Baumwolle produziert Bio-Baumwolle Samen, aus denen neue Pflanzen wachsen können. Das erspart den Bauern enorme Kosten für neues Saatgut. Allerdings ist es für Bauern in vielen Ländern inzwischen sehr schwierig, an herkömmliches, nicht-genmanipuliertes Saatgut zu kommen. Dieser Mangel an Bio-Saatgut gilt als einer der größten Hindernisse beim Ausbau des Bio-Baumwollanbaus.

5. Bio-Baumwolle braucht weniger Wasser

Baumwolle herzustellen hat einen enorm hohen Wasserverbrauch. Die Zahlen variieren je nach Quelle und betrachteten Ländern (die unterschiedlich viel Wasser verbrauchen) von 1214 Liter (ICAC) bis 10.000 (BCI), der WWF nimmt zum Beispiel 7.000 bis 29.000 Liter Wasser an (PDF), die nötig sind, um ein einziges Kilogramm Baumwolle zu produzieren. Ein Kilo Baumwolle entspricht dabei in etwa einer Jeans und einem T-Shirt.

Auch der Anbau von Bio-Baumwolle benötigt viel Wasser – allerdings ist der Wasserverbrauch niedriger als bei konventionellen Pflanzen. Denn erstens enthalten die Böden aufgrund der im Bio-Anbau üblichen Fruchtfolge (wechselnde Pflanzen) mehr organische Substanz und können mehr Wasser speichern. Und zweitens wird auf Bio-Feldern zur Bewässerung häufig Regenwasser aufgefangen und verwendet.

Eine Studie aus dem Jahr 2014 kam zum Schluss, das der Wasserverbrauch bei der Produktion von Bio-Baumwolle 91 Prozent geringer ist als bei konventioneller.

Der Wasserverbrauch von Baumwolle ist groß, Bio-Baumwolle ist hier besser
Der Wasserverbrauch von Baumwolle ist groß, im Extremfall kommt es zur Verwüstung (Foto: CC0 / Pixabay / bobbycrim)

6. Bio-Baumwolle braucht keine chemischen Pestizide

Baumwolle gehört zu den Pflanzen, die am stärksten mit Pflanzenschutzmitteln aller Art behandelt werden. „Pro Saison wird Baumwolle durchschnittlich 20 Mal mit Ackergiften aller Art besprüht“, schreibt das Umweltinstitut München. Der Baumwollanbau ist für 10 bis 20 Prozent des weltweiten Pestizideinsatzes verantwortlich (die Zahlen variieren je nach Quelle) – und das, obwohl der Anbau nur etwa 2,5 Prozent der weltweit genutzten Agrarflächen ausmacht.

In Afrika gehen laut Nabu 80 Prozent aller eingesetzten Pestizide in die Baumwollproduktion. Der enorm hohe Pestizideinsatz gefährdet die Biodiversität und vergiftet die Böden – und auch in den fertigen Textilien kann man die Pestizide noch finden.

Dass im konventionellen Anbau so viele Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden, liegt zumindest teilweise an den dort üblichen Monokulturen, welche die Ausbreitung von Schädlingen begünstigen. Der konventionelle Landbau muss zudem zur Düngung viel chemischen Kunstdünger einsetzen.

Im Bio-Anbau sind chemisch-synthetische Dünge- und Pflanzenschutzmittel verboten. Die Bauern bekämpfen Schädlinge mit traditionellen Methoden und schützen so die Umwelt und die eigene Gesundheit.In der Bio-Landwirtschaft werden auf den Feldern zum einen wechselnde Kulturpflanzen angebaut (Wechselwirtschaft), was die Zahl der Schädlinge gering hält. Zum anderen werden zwischen und neben die Baumwollpflanzen andere Pflanzen gesetzt, welche für Schädlinge noch attraktiver sind. Zudem sorgt der Verzicht auf synthetische Pestizide dafür, dass auch die natürlichen Feinde der Baumwollschädlinge überleben und bei der Schädlingsbekämpfung helfen.

Übrigens sind Pestizide nicht das einzige Gift-Problem der Baumwolle: Zum Bleichen, Färben, Gerben und Veredeln von Naturfasern wie der Baumwolle werden weltweit fast 8000 verschiedene, zum Teil sehr gesundheits- und umweltschädliche Chemikalien verwendet (EPIZ).

7. (Bio-)Baumwolle kommt oft von Kleinbauern

Etwa 75 Prozent der Baumwoll-Produzenten sind Kleinbauern, die wenige Hektar bewirtschaften. „Ihre Erträge reichen zumeist nicht aus, um sich und ihre Familien zu ernähren“, schreibt das BMZ.

Im Bio-Baumwollanbau kommen die Bauern nicht nur mit weniger giftigen Mitteln in Berührung, sie bekommen in der Regel auch etwas bessere Preise und Löhne; das garantieren anerkannte Labels (s. unten). So unterstützt der Anbau von Bio-Baumwolle auch kleinbäuerliche Strukturen – und die Unabhängigkeit der Bauern von den großen Saatgut- und Pestizidkonzernen.

Baumwollerntemaschine
Baumwollerntemaschine (Foto: David Nance (PD))

8. Der Anteil von Bio-Baumwolle steigt

Obwohl die globale Bio-Baumwollproduktion 2018 um rund 10 Prozent stieg, liegt der Anteil von Bio-Baumwolle an der weltweiten Baumwollproduktion noch immer bei unter einem Prozent. Rund 50 Prozent dieser Bio-Baumwolle kommt aus Indien, etwa 20 Prozent aus China und jeweils um die 7 Prozent aus der Türkei und Kirgisistan (PDF).

Hier gibt es also noch riesiges Potenzial. Auch unser Kaufverhalten entscheidet darüber, ob der Anteil an Bio-Baumwolle weiter steigt – indem wir nachhaltige Kleidung kaufen.

9. Es gibt verlässliche Siegel für Bio-Baumwolle

Ein aussagekräftiges Siegel für Bio-Baumwolle ist das global verbreitete und anerkannte GOTS-Siegel, das Textilien aus Naturfasern zertifiziert. Noch etwas strenger ist das deutsche IVN-Siegel. Aber auch, wenn Produkte mit „kbA“ (=kontrolliert biologischer Anbau) gekennzeichnet sind, kann man sich in der Regel darauf verlassen, dass die Baumwollpflanzen aus Bio-Anbau stammen.

Nachhaltige Kleidung Siegel
Es gibt verlässliche Siegel für nachhaltig produzierte Kleidung. (Foto: CC0 / Unsplash; Logos: GOTS, TransFair e.V., Fair Wear Foundation, IVN - Internationaler Verband der Naturtextilwirtschaft e.V.)

10. Es gibt verlässliche Siegel zum Schutz der Arbeiter

Die Kennzeichnung von Bio-Baumwolle ist vorrangig eine Aussage über den ökologischen Anbau. Allerdings garantieren GOTS und IVN auch soziale Mindeststandards für den Anbau. Auch der Verzicht auf Pestizide im Bio-Anbau schützt die Arbeiter. Als verlässliche Aussage (auch zu den Arbeitsbedingungen in der Weiterverarbeitung der Baumwollpflanzen) dienen zusätzliche Zertifizierungen wie die Siegel „Fairtrade Cotton“ oder „Fairtrade Textile Production“ und die Mitgliedschaft des Unternehmens in der Fair Wear Foundation.

Fazit: Bio-Baumwolle ist nachhaltiger

Beim Anbau von Bio-Baumwolle kommt nur traditionelles Saatgut zum Einsatz, Gentechnik ist verboten. Beim Bio-Anbau ist der Wasserverbrauch deutlich geringer. Die Bauern verwenden zur Düngung und zum Pflanzenschutz nur natürliche Methoden anstatt chemisch-synthetischer Mittel und schützen so die Böden, die Artenvielfalt und die Gesundheit der Arbeiter. Und letztendlich ist Bio-Baumwolle auch schonender für die Haut des Konsumenten, der die verarbeitete Baumwolle als Kleidungsstück am Körper trägt.

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(9) Kommentare

  1. Baumwolle wächst nicht auf Bäumen, und deshalb ist Bio besser?
    Es gibt vielleicht zu wenig Bio-Baumwolle, und deshalb ist Bio besser?
    Das sind keine 12 Gründe, warum man Bio-Baumwolle kaufen sollte. Das sind 12 Fakten aus einer Doku, die u.a. auch Gründe für Bio-Baumwolle beinhalten, aber auch allgemeine Fakten zu Baumwolle.

  2. Um die Missstände in der Textilindustrie zu verringern sollte die Baumwolle zusätzlich aus Fairem Handel stammen. Außerdem wurde vor kurzem eine Initiative der WFTO ins Leben gerufen, die nicht nur auf eine faire Entlohnung der Baumwollbauern, sondern auch der Textilarbeiter abzielt. Ein Schritt in die richtige Richtung.

  3. Baumwolle wird mit rund 8.000 unterschiedlichen Pestiziden behandelt? wo habt Ihr das denn her? von den „drei Kategorien“ hab ich auch noch nie etwas gehört. Außerdem wird Baumwolle überwiegend von Kleinbauern angebaut, egal ob bio oder nicht, das ist mittlerweile Allgemeinwissen. finde diese 12 Punkte Liste nicht sehr hilfreich.

  4. Wo die Zahl von 8000 unterschiedl. Pestiziden her kommt, weiß ich auch nicht.
    Fakt ist, daß Baumwolle die Pflanze ist, für die am meisten Pflanzenschutzmittel verbraucht werden.
    Ich kenne die Zahlen, daß Baumwolle 5% der Flächen verbraucht, aber dafür 20% aller Pflanzenschutzmittel.

    Wenn Du sagst, es sei Allgemeinwissen, daß Baumwolle überwiegend von Kleinbauern angebaut wird, dann sage ich, die Grenze zwischen Allgemeinwissen und Märchen ist fließend.

    Fakt ist, daß sehr viel Landgrabbing passiert, um Flächen für BW zu bekommen.
    Und das sind sicher keine Kleinbauern, die im großen Stil Land zusammen kaufen.
    Die vorherigen Kleinbauern werden dann gezwungen zu schlimmen Bedingungen auf den Feldern zu arbeiten.

    Die 12 Punkte sind evt. nicht hilfreich im Sinne von dem, daß sie erschöpfend Auskunft geben zum Thema. Ich verstehe sie eher als Zusammenfassung, mit der man sich immer wieder vor Augen führen kann, wo es brennt.

    Wer sich tiefer gehend interessiert, braucht ja nur mit den Stichworten weiter suchen.

  5. „von den „drei Kategorien“ hab ich auch noch nie etwas gehört“
    Na, dann wurde es ja Zeit.
    „finde diese 12 Punkte Liste nicht sehr hilfreich“
    Kein Wunder. Wenn man Sätze wie „hab ich auch noch nie etwas gehört“ als Argument einsetzt, ist einem auch nicht mehr recht zu helfen. Vielleicht solltest Du Dich hin und wieder einfach mal mit Sachen beschäftigen, von denen Du „noch nie etwas gehört“ hast. Man munkelt, das erweitert den Horizont ungemein.

  6. Und wenn man so ganz locker mal ein „wo habt Ihr das denn her?“ herausrotzt, kann man sicher auch erklären, wo man das mit den „Kleinbauern“ her hat. Wer den Schnabel so weit aufreißt, kann sicher auch Belege liefern, also her damit.

  7. Lieber Peter,

    wir arbeiten unsere Inhalte regelmäßig, damit unsere LeserInnen einen möglichst aktuellen Informationsstand bei uns finden. Das neue Datum korrespondiert mit einer Überarbeitung, bei der einige Inhalte aktualisiert wurden.

    Bester Gruß,
    Lino (Utopia-Redaktion)

  8. Ich möchte gerne Dinge des täglichen Gebrauchs selbst häkeln 🧶 oder stricken. Wo bekomme ich alternativ, fair produziertes Biobaumwollgarn her, kann jemand helfen?
    Danke im Voraus
    Mara