Jeans ohne Ausbeutung und Gift: 5 empfehlenswerte Marken

Foto: © DoubleMcK / photocase.com

Ob eine Jeans gut aussieht, sehen wir auf den ersten Blick. Wo und unter welchen Bedingungen sie hergestellt wurde, wissen wir meist nicht. Utopia stellt Jeans-Marken vor, die beides können: stylische Bio-Jeans und nachhaltige, transparente Produktion.

Ob hell oder dunkel, schick oder im Used-Look, Boyfriend oder Skinny, auf Hüfte oder Taille, billig oder Marke – Jeans gibt es in unzähligen Varianten. Manche Modeketten bieten sie schon für 20 Euro an, Markenjeans von Levi’s oder G-Star dagegen sind teure Statussymbole. Doch praktisch alle konventionellen Jeans belasten die Umwelt durch den Einsatz von giftigen Chemikalien in Baumwollanbau und Produktion.

Schadstoffe in der Jeans können die Gesundheit der Arbeiter und der Käufer gefährden. Zudem werden diese Kleidungsstücke oft unter ausbeuterischen Arbeitsverhältnissen hergestellt.

Dabei muss das alles nicht sein: Viele nachhaltige Jeans-Marken bieten inzwischen Bio-Jeans an, die genauso trendig sind wie Levi’s und Co. 

Bio-Baumwolle, weniger Chemie, faire Löhne: Warum Bio-Jeans besser sind

Bio-Jeans werden aus Bio-Baumwolle hergestellt, die ohne giftige Pestizide und Gentechnik angebaut wird, und die Hersteller achten auf eine sozialverträgliche Produktion. Auch im weiteren Verarbeitungsprozess der Baumwolle zu Stoffen und der Stoffe zur fertigen Kleidung machen Bio-Jeans-Marken vieles besser als herkömmliche Labels: Ein Großteil der konventionellen Jeans auf dem Markt wird in China unter hohem Chemikalieneinsatz hergestellt. Giftige Stoffe gefährden dort aufgrund mangelnder Umwelt- und Arbeitsschutzstandards die Natur und die Gesundheit der Arbeiter. Der beliebte Used-Look wird häufig durch Sandstrahlen erzeugt – wenn der dabei austretende Staub in die Lungen der ungeschützten Arbeiter gelangt, kann er zur tödlichen Silikose („Staublunge“) führen.

Jeans auf der Leine
Bio-Jeans sind besser als konventionelle Marken-Jeans – uns sehen genauso gut aus. (Foto: Pixabay, CCO Public Domain)

Die meisten Hersteller von Bio-Jeans gehen deshalb weiter, als „nur“ Bio-Baumwolle zu verwenden: Sie entwickeln zum Beispiel wasser- und energiesparende Produktionsmethoden, ersetzen giftige Chemikalien durch umwelt- und gesundheitsschonendere Substanzen, verzichten auf das Sandstrahlen der Jeans, etablieren effektive Arbeitsschutzmaßnahmen, zahlen den Arbeitern faire Löhne oder lassen innerhalb von Europa produzieren. Es lohnt sich darum in jedem Fall, Bio-Jeans und/oder Fair-Trade-Jeans nachhaltiger Marken zu kaufen zu kaufen.

Mehr lesen: Was kann eigentlich an Jeans bio, fair oder vegan sein?

Siegel für nachhaltige Kleidung: Wie man Bio-Jeans erkennt

Achtung: Für Kleidung ist der Begriff „Bio“ nicht geschützt. Wer sichergehen will, dass seine Jeans umwelt- und sozialverträglich hergestellt wurde, achtet am besten auf Zertifizierungen und Siegel oder darauf, dass die Herstellungsbedingungen glaubwürdig und transparent dargestellt sind.

Die wichtigsten Kennzeichnungen für nachhaltige Jeans sind das GOTS-Siegel und das IVN Best-Siegel. Außerdem sind das Label Fairtrade Cotton und die Mitgliedschaft des Herstellers in der Fair Wear Foundation aussagekräftig und vertrauenswürdig. Die beiden letztgenannten gewährleisten faire Produktions- und Arbeitsbedingungen, setzen allerdings nicht die Verwendung von Bio-Baumwolle voraus.

5 empfehlenswerte nachhaltige Jeans-Marken

Wir stellen dir Marken vor, die gute und schöne Bio-Jeans anbieten. Aufgrund der aufwändigeren Herstellungsbedingungen sind sie zwar teurer als bei H&M & Co. – aber mehr als herkömmliche Markenjeans kosten sie meist nicht.

Nudie Jeans: langlebige Bio-Jeans mit Charakter

Bio-Jeans von Nudie Jeans
Nudie Jeans: langlebig & lässig (Foto: © Nudie Jeans)

Die schwedische Jeans-Marke Nudie Jeans vertritt die Philosophie: „Unsere Jeans sind dazu gedacht, oft getragen zu werden.“ Und: „Dein Lifestyle und alles, was du während der letzten Monate getan hast, hinterlässt eine Spur auf deiner Jeans. Sie erzählt deine Geschichte.“

Nudie Jeans rät zum Beispiel dazu, nicht vorgewaschene neue Modelle etwa sechs Monate lang zu tragen, bevor man sie wäscht. In den eigenen Shops bietet die Marke „lebenslang“ kostenlose Reparaturen für die Hosen an, außerdem versendet das Label auf Wunsch kostenlose Repair Kits. Im Laden abgegebene ausgemusterte Jeans werden entweder als „Secondhand“ verkauft oder recycelt.

Die Bio-Jeans von Nudie Jeans bestehen aus GOTS-zertifizierter Biobaumwolle aus der Türkei und 1 bis 2 % Elastan-Anteil. Produziert werden sie in Italien und Tunesien. Das Label macht die gesamte Produktionskette vorbildlich transparent: Man findet auf der Website Kurzporträts jeder einzelnen beteiligten Fabrik und sogar deren Subunternehmer sind aufgelistet.

Nudie Jeans produziert unter fairen Bedingungen: Die Marke ist Mitglied in der Fair Wear Foundation und hat zusätzlich einen eigenen Code of Conduct, den alle Produzenten einhalten müssen.

Alle Nudie Jeans sind vegan: Ansatt aus Leder besteht das Marken-Patch aus Jacron-Papier.

Die Jeans-Marke bietet eine große Auswahl an verschiedenen Modellen, unterscheidet aber nicht zwischen Damen- und Herrenjeans: „Nudie Jeans is for everyone“, heißt es dazu auf der Website. Die drei Schnitte „Eng“, „Schmal“, „Regulär“ und „Locker“ gibt es jeweils in vielen verschiedenen Varianten, Farben und Waschungen.

Kaufen**: In vielen lokalen Fair-Fashion-Shops, online z.B. bei Avocadostore, Greenality, Glore, Amazon oder About You

Preis: ca. 100-300 Euro – im Sale auch oft für unter 100 Euro

Kuyichi: Bio-Pionier mit transparenter Produktion

Kuyichi Jeans
Bio-Jeans der Marke Kuyichi (Foto: © Kuyichi)

Die holländische Jeans-Marke Kuyichi ist ein Pionier im Bereich nachhaltige Jeans: Bereits seit 2001 produziert sie fair und umweltverträglich. Die Jeans werden überwiegend aus Bio-Baumwolle gefertigt, einige Modelle enthalten zudem recycelte Baumwolle und/oder einen geringen Elastan-Anteil. Die Baumwolle für die Jeans stammt aus der Türkei und Kirgisistan, der weitere Produktionsprozess findet in der Türkei, Italien und Pakistan statt. Dabei wird weitestgehend auf gefährliche Chemikalien verzichtet, Sandstrahlung ist ausgeschlossen und Kuyichi arbeitet nach eigenen Angaben an der weiteren Verbesserung des Wasser-, Energie- und Chemikalienmanagements.

Die Baumwolle ist größtenteils GOTS-zertifiziert. Kuyichi ist außerdem Mitglied in der Fair Wear Foundation und der niederländischen Initiative MADE-BY, die regelmäßig die Produktionsstandards der beteiligten Unternehmen transparent bewertet. Auf der Website gibt Kuyichi außerdem Einblicke in die Fabriken, in denen die Kleidung hergestellt wird, stellt Produktionsmitarbeiter vor und schlüsselt für fast jedes Produkt transparent auf, wo es genau gefertigt wurde. Kuyichi-Jeans sind vegan.

Es gibt eine relativ große Auswahl an unterschiedlichen Jeans-Modellen für Damen und Herren – von „Super Skinny“ bis „Straight“. Viele davon gibt es in verschiedenen Waschungen und Farben.

Kaufen**: In lokalen Fair-Fashion-Shops, online z.B. bei Avocadostore, Amazon, Greenality

Preis: ca. 100 bis 120 Euro.

Manomama: Jeans Made in Germany

Manomama Jeans
Bio-Jeans von Manomama: Made in Germany (Foto: © Manomama)

Das junge Augsburger Label Manomama hat etwas geschafft, was heute in der Modebranche extrem selten ist: Die komplette Produktion findet in Deutschland statt. Die Biobaumwolle für die nachhaltigen Jeans stammt aus Tansania – aber alle Weiterverarbeitungsschritte werden in Deutschland ausgeführt. Ein Teil der Fertigung findet rund um den Firmensitz in Augsburg statt, „Made in Germany“ sind sie auf jeden Fall.

Die meisten Jeans bestehen aus 100 Prozent Biobaumwolle, einige Modelle enthalten einen Anteil von 20 Prozent regional angebautem Hanf. Auf erdölbasierte Fasern (z.B. Elastan, Polyester) verzichtet Manomama vollständig und geht damit über die Vorgaben von zum Beispiel GOTS hinaus – obwohl das Augsburger Unternehmen keine Zertifizierung hat. Manomama wirtschaftet so ökologisch, sozialverträglich und transparent, dass wir die Produkte auch ohne Zertifizierung für empfehlenswert halten.

Im Sortiment sind verschiedene Jeans-Modelle für Damen und Herren. Die meisten sind eher dunkel, es gibt aber auch vorgewaschene Modelle. Fast alle sind vegan. Wer im Onlineshop bestellt, wird aufgefordert, sich die Größentabelle anzusehen, um Rücksendungen zu reduzieren – denn die Hosen werden erst nach der Bestellung gefertigt. Auf Anfrage macht Manomama auch Maßanfertigungen.

Kaufen**: In einigen Bio- oder Modegeschäften, beim Hersteller selbst, einige Stücke sind auch bei Ebay zu finden.

Preis: ca. 60-120 Euro

Armedangels-Jeans: bio, fair, vegan, trendig

Armedangels-Jeans
Armedangels-Jeans: bio, Fairtrade, vegan (Foto: © Armedangels)

Das Kölner Modelabel Armedangels ist eines der bekanntesten Öko-Mode-Labels Deutschlands – und seit 2015 auch eine beliebte Jeans-Marke.

Die Bio-Jeans bestehen aus 98 Prozent Biobaumwolle und 2 Prozent Elastan oder sogar 100 Prozent Biobaumwolle – je nach Modell. Die Baumwolle stammt aus Indien und ist sowohl GOTS– als auch Fairtrade-zertifiziert. Der weitere Fertigungsprozess findet bei GOTS-zertifizierten Produzenten in der Türkei statt. Zudem ist Armedangels seit Mitte 2015 auch Mitglied in der Fair Wear Foundation und verpflichtet sich damit zu strengen Sozialstandards in der Produktion.

Armedangels-Jeans gibt es für Männer und Frauen: vier verschiedene Damen-Jeans-Modelle im Sortiment – Skinny Fit (Mid Waist und High Waist), Straight Fit, Mom Fit, Boyfriend Fit – sowie einige Röcke und Shorts und drei Jeans-Modelle für Herren (Slim Fit, Straight Fit, Tapered Fit) plus Shorts. Die fairen Bio-Jeans gibt es jeweils in verschiedenen Waschungen. Alle Modelle sind vegan.

Kaufen**: In lokalen Fair Fashion-Shops, direkt im Armedangels-Onlinestore (Damen-Jeans oder Herren-Jeans), im Avocadostore (Damen-Jeans oder Herren-Jeans) oder bei Greenality

Preis: ca. 90-120 Euro

Bleed: lässige Bio-Jeans vom Vegan-Label

Bio-Jeans von Bleed
Bleed: vegane Bio-Jeans vom Streetwear-Label (Foto: © Bleed)

Bleed ist eine kleine, öko-faire Streetwear-Marke aus Franken. Auch das Jeans-Sortiment ist klein, aber fein: Die Damen-und Herrenjeans werden aus GOTS-zertifizierter Bio-Baumwolle gefertigt (Elastan-Anteil: 2%). Diese wird in Afrika und Indien angebaut und ohne Einsatz von Chemikalien in Portugal weiterverarbeitet. Produziert werden die Bio-Jeans in Polen – auch das unter Einhaltung der GOTS-Standards. Generell lässt Bleed rund 80 Prozent der Kleidung in Europa fertigen.

Was Bleed besonders macht: Das Label ist komplett vegan. Alle Kleidungsstücke und Accessoires sind frei von Produkten tierischen Ursprungs hergestellt. Für die Marken-„Patches“ hinten an den Bio-Jeans beispielswiese verwendet Bleed Kork – aus diesem Material hat das Label auch eine kleine Kollektion herausgebracht.

Derzeit bietet Bleed zwei Herren- und drei Damen-Jeans-Modelle in unterschiedlichen Farben und Waschungen an.

Kaufen**: Im Bleed-Laden in Berlin, bei Avocadostore (Damen-Jeans und Herren-Jeans), Greenality oder Grundstoff.

Preis: ca. 100 Euro

Noch mehr empfehlenswerte Bio-Jeans mit fairem Anspruch gibt es in unserer Bestenliste.

Weiterlesen auf Utopia.de: 

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(14) Kommentare

  1. Great that you guys inform the consumer concerning the sustainable jeans. It is a pity that you missed my brand kings of indigo or just K.O.I, we make sustainable jeans and tops since 4 years. As you might know i was MD for Kuyichi for 7 years untill I starter K.O.I, so in my opinion a player which is important for the development of quality , clean and fair jeans. Hope to be part of a next article on this. Have a nice day, tony tonnaer http://www.kingsofindigo.com

  2. Ihr schreibt:

    „Nudie Jeans bietet eine große Auswahl an verschiedenen Jeans-Modellen, unterscheidet aber nicht zwischen Damen- und Herrenjeans.:„Nudie Jeans is for everyone“, schreibt das Label dazu auf der Website. Die drei Schnitte „Tight“, „Slim“ und „Regular“ gibt es jeweils in vielen verschiedenen Varianten, Farben und Waschungen.“

    Kann es sein, dass ihr hier „Nudie Jeans“ mit „Cheap Monday“ verwechselt? Bei Nudie gibt es nämlich keine Modelle mit den Namen „Tight“, „Slim“ oder „Regular“, bei Cheap Monday hingegen schon.

  3. Ich habe mir 2x Kuyichi-Jeans gekauft, beide waren nach wenigen Monaten kaputt, wegen Webfehler bzw. wegen brüchigem Stoff. Ein drittes Mal werde ich es trotz bester ökologischer Überzeugung nicht probieren. Wenn ich da meine nicht-öko Jeans vom Markt an der tschechischen Grenze sehe, die ich seit mehreren Jahren trage, frage ich mich, welche langfristig gesehen wohl die bessere Ökobilanz hat…

  4. Ich habe mir vor 3 Jahren eine 100%Hanfjeans von Hempage bei hanfare.de gekauft und bin sehr zufrieden. Ebenso wie mit den Hanfhemden des gleichen Herstellers. Bio-Baumwolle hin oder her – gegen die Ökobilanz von Hanf kommt kein Material an.

  5. Wer legt denn hier die Richtlinien fest? Ohne Gift?
    Welche der genannten Firmen verwendet denn keine Chlorverbindungen? 2 von 5! Mittlerweile 3.
    Wie kommt ihr darauf noch dazu in dieser Reihenfolge diese Marken zu Empfehlen?
    Was ist mit Hempage, goodsociety&Co.?
    Ich möchte mich bei Euch über nachhaltige Produkte informieren und gleich der erste Bericht – wenn auch älter – passt gar nicht. Schade.

  6. Habe nudie, K.O.I. und Knowledge Cotton Apparel – alles gut, aber nur GOTS, da ist zB immer noch Elasthan drin und die Standards sind … m.E. eher mäßig.
    Ich meine daher, dass das einzig überzeugende Siegel das nach dem cradle-to-cradle Prinzip ist, das 5 sinnvolle Kriterien vereint:
    1.) Material Health = gesunde Materialien (Bio, kein Gift in Farben, Ausrüstung, Appretur etc.)
    2.) Reutilization = Kreislauffähigkeit (bei Klamotten am Ende zB vollständige Kompostierbarkeit ohne Giftstoffe in den Boden zu bringen (biologischer Kreislauf), also auch Farben, Nähfaden, Labels, Aufdrucke etc. giftfrei! oder für den technischen Kreislauf wie zB wolford oder Triumph-Wäsche)
    3.) Renewable Energy & Carbon Management
    4.) Water Stewardship: Die Verantwortung für Wasserverbrauch und Reinhaltung ist besonders in der Textilwirtschaft ein extrem wichtiges Kriterium!
    5.) Social Fairness: mandenke nur an die Produktionsländer und -Bedingungen!
    Es gibt da zB echt gute cradle-to-cradle Sachen bei C&A, die dafür extra eine Art Forschungslab gegründet haben und davon überzeugt sind, wenn es nur genügend Hersteller machen, es auch nicht wesentlich teurer sein muss!
    Und es gibt Firmen, wie zB MELA-Wear, die sich von c2c inspirieren lassen und die Standards auch ohne Siegel verfolgen und selbst kontrollieren!
    Wundere mich, dass cradle-to-cradle bei utopia nicht bekannt ist?!