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Was ist nachhaltiger: Kleidung aus Wolle, Baumwolle oder Synthetik?

Welche Stoffe sind nachhaltig? Von Wolle und Baumwolle bis Synthetik
Fotos: kolesnikovserg, Sviatoslav Kovtun / stock.adobe.com; CC0 Public Domain / Pexels - pixabay

Synthetische Fasern verursachen Mikroplastik, Wolle Tierleid und pflanzliche Fasern wie Baumwolle brauchen zu viel Wasser. Welche Stoffe sind also nachhaltig? Woraus kann man Kleidung verantwortungsbewusst kaufen?

Wer Kleidung aus nachhaltigen Stoffen einkaufen will, steht vor einem Problem: So ziemlich alle Fasern haben bekannte Vor- und Nachteile. Wir haben recherchiert und Expertinnen befragt – anbei unsere Ergebnisse im Überblick:

Synthetische Stoffe sind oft wenig nachhaltig

Fasern wie Polyester, Polyacryl, Nylon, Elasthan oder Acetat (Kunstseide) sind günstig und deshalb bei Kleidung sehr verbreitet. Sie kommen sowohl füri Alltagskleidung als auch für Sport- und Outdoortextilien sowie bei Bademode zum Einsatz – teils auch als Mix mit einer Naturfaser wie Baumwolle oder Wolle. Dazu sind sie vielseitig: Es gibt kühlende, wärmende und elastische Kunstfasern, die sich alle leicht reinigen lassen und formstabil sind.

Das klingt erst einmal ganz gut, doch sind synthetische Stoffe oft wenig nachhaltig: So basieren die Fasern in der Regel auf der endlichen Ressource Erdöl, für deren Förderung Natur zerstört sowie Tiere und Menschen vertrieben werden.

Dazu verursachen Kunstfasern beim Waschen Mikroplastik. Die genaue Menge ist unbekannt, Schätzungen reichen von 3.000 bis 700.000 Fasern pro Waschgang. In Wasserorganismen können sie unter anderem innere Schäden verursachen. Weitere Auswirkungen von Mikroplastik, auch auf den Menschen, sind immer noch unzureichend erforscht.

Die Vorteile und Nachteile von Wolle

Achte darauf, dass die Wolle aus Betrieben stammt, die Schafen artgerechte Bedingungen schaffen.
Wolle ist eine Naturfaser – aber ist der Stoff daraus deshalb nachhaltiger als Synthetik? (Foto: CC0 Public Domain/ Pixabay – Uschi_Du)

Deshalb greifen viele gerne zu Naturfasern wie Wolle. Diese besteht aus einem natürlichen Rohstoff, ist teils selbstreinigend und wasserabweisend und kann Träger:innen wärmen oder kühl halten – je nach Außentemperatur. Das macht sie zu einem sehr beliebten Material: Jährlich produzieren mehr als eine Milliarde Schafe weltweit mehr als eine Million Kilogramm Wolle. Außerdem werden auch Haare von anderen Tieren zu Wolle verarbeitet zum Beispiel Kamel, Yak, Alpaka und Kaschmirziegen.

Allerdings ist das Material teurer und dadurch viel weniger verbreitet wie Kunstfasern: 2018 handelte es sich bei 70 Prozent der hergestellten Fasern um Kunststofffasern, Wolle machte weniger als zwei Prozent aus. Außerdem steht auch Wolle immer wieder in der Kritik: Verdeckte Videos von Tierschutzorganisationen zeigen teils brutale Schurpraktiken und Verstümmelung durch Mulesing. Wolle stammt zudem oft aus Australien und Neuseeland, muss also über weite Strecken zu uns transportiert werden.

Als Produkt tierischen Ursprungs geht Wolle außerdem mit Methan-Emissionen einher, was sich auf die Klimabilanz auswirkt. Der CO2-Fußabdruck soll laut Forscher:innen vom Massachusetts Insitute of Technology doppelt so hoch wie der von Kunstfasern sein. Dazu werden Wolle und Woll-Stoffe häufig mit wenig nachhaltigen Chemikalien behandelt, um mit den Materialeigenschaften von Synthetik mithalten zu können. Das geschieht als „Sheep Dipping“ sogar an lebenden Schafen.

Dann lieber Baumwolle? Auch Pflanzenfasern sind nicht immer nachhaltig

In der Textilindustrie ist die pflanzliche Faser Baumwolle besonders verbreitet: In der Saison 2021/22 wurden schätzungsweise 120,96 Millionen Baumwollballen weltweit geerntet. Dass die Faser so intensiv für Kleidung genutzt wird, ist kein Wunder: Sie ist pflegeleicht, widerstandsfähig und fühlt sich weich auf der Haut an. Die weltweit größten Produzenten sind Indien, China, die USA, Brasilien und Pakistan. Baumwolle braucht allerdings viel Wasser, um zu wachsen – und wird dabei vor allem in Regionen angebaut, welche unter Wasserknappheit leiden. Um den Stoff für ein T-Shirt anzubauen, braucht es zum Beispiel zwischen 2000 Liter (bei Tröpfchenbewässerung) und 20.000 Liter. Dazu ist Baumwolle in Monokulturen besonders anfällig für Schädlinge und wird deshalb pro Saison bis zu 30 Mal mit Pestiziden behandelt.

Baumwolle braucht viel Wasser, um zu wachsen. Stoffe aus Bio-Baumwolle sind etwas nachhaltiger.
Baumwolle braucht viel Wasser, um zu wachsen. Stoffe aus Bio-Baumwolle sind etwas nachhaltiger. (Foto: CC0 Public Domain – Pixabay/ bobbycrim)

Dann doch lieber auf hemische Fasern wie Hanf, Leinen und Nessel ausweichen? Diese Fasern gelten als robust, genügsam und an unser Klima angepasst; wir können sie also direkt in Deutschland anbauen. Doch verbreitet sind die Fasern im Vergleich zu anderen Optionen eher wenig. Auch sind sie nicht frei von Kritik.

Ein Beispiel: Die stets viel gelobte „Wunderpflanze“ Hanf soll relativ anspruchslos sein und ist nicht anfällig für Schädlinge, Pilzerkrankungen, und Unkraut. Die Fasern sind sehr widerstandsfähig und vielseitig nutzbar: Neben Textilien kann man sie auch zu Seilen, Papier oder Dämmmaterial verarbeiten. Allerdings kostet es viel Arbeit und Energie, Hanfgarn herzustellen. Sehr feine Garne sollen besonders aufwändig herzustellen sein und außerdem eine kurze Lebensdauer haben. Viele Marken produzieren Kleidung aus konventionellem Hanf (oft aus China), Hanf aus kontrolliert biologischem Anbau ist noch nicht sehr verbreitet.

Genau so vielseitig wie Naturfasern sollen halbsynthetische Fasern auf der Basis von Zellulose sein – zudem sollen sie schneller biologisch abbaubar sein. Doch die Geschwindigkeit kann stark variieren und die Fasern müssen unter Einsatz von Chemie hergestellt werden.

Was ist also nachhaltiger – Stoffe und Kleidung aus Wolle, Pflanzenfasern oder Synthetik? Was sollte man kaufen?

Was kaufen: Wolle, Baumwolle oder Synthetik?

Wie so oft lässt sich diese Frage nicht pauschal beantworten, denn: Neben dem Material selbst beeinflussen viele weitere Faktoren die Ökobilanz eines Kleidungsstückes, zum Beispiel:

  1. Woher stammt das Material und wie wurde es gewonnen? Wird in dem Ursprungsland zum Beispiel auf Arbeitsschutz geachtet?
  2. Wie weit wurden die Materialien transportiert? Basieren die Fasern zum Beispiel auf Bambus aus China oder auf Buche aus Deutschland?
  3. Wie wurde die Faser behandelt? Laut Greenpeace kommt ein Textil während des Herstellungsprozesses mit bis zu 3.000 verschiedenen Chemikalien in Berührung.
  4. Wurde die Faser aus Abfallprodukten gewonnen? Besteht sie zum Beispiel aus Ozeanplastik oder Reißwolle?
  5. Wie lange kann ich das Kleidungsstück tragen? Und lässt es sich leicht entsorgen?
  6. Ist das Produkt neu oder gebraucht? Stammt es zum Beispiel von einem Flohmarkt, einer Kleidertauschparty oder einem Online-Shop für Gebrauchtes?

Ob ein Stoff nachhaltig ist, hängt also von verschiedenen Faktoren ab. Trotzdem gibt es ein paar Tendenzen, an denen du dich orientieren kannst.

Stoffe aus Naturfasern sind meist nachhaltiger

Gebraucht Kleidung Second Hand Verkauf nachhaltige Stoffe
Besonders nachhaltig: Second-Hand-Mode kaufen. (Foto: CC0 / Pixabay / StockSnap)

Bei allen Fasern gibt es große Unterschiede in der Ökobilanz. Das heißt aber nicht, dass es keinen Unterschied macht, was du kaufst. Viola Wohlgemuth, Textilexpertin bei Greenpeace, rät prinzipiell zu Naturfasern, da diese keinen Mikroplastikabrieb verursachen. Wir von Utopia schließen uns dieser Empfehlung an.  

Doch deshalb sind Textilien aus Naturfasern wie Wolle, Baumwolle oder Leinen nicht bedingungslos empfehlenswert: „Nur weil eine Faser aus einem Naturprodukt hergestellt wird, heißt das nicht, dass sie biologisch abbaubar ist“, mahnt Wohlgemuth im Gespräch mit Utopia.

Reine Wolle zersetzt sich zum Beispiel in der Natur, nicht aber Gewebe, in denen zum Beispiel Wollfasern mit Synthetik gemischt wurden. Auch über langlebige Chemikalien, die über die Textilien in die Umwelt gelangen, sagt die Faser an sich nichts aus. Und hinter der Bezeichnung „Baumwollgemisch“ verbirgt sich in der Regel ein Anteil von höchstens 50 Prozent Baumwollfasern, der Rest besteht aus synthetischen Fasern. So ein Stoff ist unter anderem deshalb weniger nachhaltig, weil er schlechter recycelt werden kann.

Wie nachhaltig sind halbsynthetische Stoffe?

Natürliche Fasern sind Kunstfasern vorzuziehen.
Natürliche Fasern sind Kunstfasern vorzuziehen. (Foto: CC0 Public Domain – Pixabay/ maky_orel)

Synthetische Stoffe wie Polyester und synthetische Fasergemische sind in der Regel nicht biologisch abbaubar. Besser sollen halbsynthetische Stoffe wie Viskose, Modal oder Lyocell (Tencel) sein. Diese basieren nicht auf fossilen Rohstoffen, sondern auf Zellulose von Pflanzen. Sie werden zwar ebenfalls unter Einsatz von Chemikalien verarbeitet, sollen aber leichter und schneller biologisch abbaubar sein.

Doch auch hier muss man aufpassen: Wohlgemuth empfiehlt idealerweise halbsynthetische Stoffe, die als „kompostierbar“ ausgewiesen sind. Beim Erkennen hilft zum Beispiel das Zertifikat Cradle-to-Cradle. Der Begriff ist nämlich strenger definiert als „biologisch abbaubar“: Unter anderem müssen sich die Stoffe in einem bestimmten Zeitraum selbst zersetzen.

Welches Kleidungsstück ist das beste?

Jedes noch so grüne neue Kleidungsstück verbraucht viele Ressourcen in der Herstellung. Deshalb ist das nachhaltigste Kleidungsstück immer das, das nicht neu hergestellt werden muss – das betont auch Textilexpertin Viola Wohlgemuth.

Genau so wichtig ist, dass du die Kleidungsstücke lange nutzt. Wenn du zum Beispiel ein tier- und umweltfreundlich produziertes Wollshirt nicht trägst und nach einem halben Jahr wieder aussortierst, weil es dir zu kratzig oder warm ist, wäre ein kühleres, veganes Shirt aus einer kompostierbaren Faser in diesem Fall die klügere Entscheidung gewesen.

Wie du nachhaltige Textilien erkennst

Bei pflanzlichen Fasern wie Baumwolle, Leinen und Co:

  • Bio: Laut Baumwollexpertin Sabine Ferenschild von der Clean Clothes Campaign ist Bio grundsätzlich besser. Das gilt besonders für Bio-Baumwolle, deren Herstellung zum Beispiel viel weniger Energie benötigt. Auch das Treibhauspotential von Biobaumwolle soll insgesamt 46 Prozent niedriger sein als das von konventioneller Baumwolle. „Noch besser könnte allerdings dennoch recycelte Bio-Baumwolle sein“, meint die Expertin.
  • Kunststofffrei: Achte darauf, dass die Fasern keinen Kunststoffanteil haben – das erschwert das Recycling.

Verbraucher:innen können sich beim Kauf an verschiedenen Siegeln und Standards orientieren:

  • Neben dem bereits erwähnten kontrolliert biologischen Anbau (kbA), welcher den Anbau zertifiziert,
  • gibt es auch Siegel für die Verarbeitung der Garne. Hier empfiehlt Sabine Ferenschild vor allem GOTS und IVN Best.
  • Was den Schutz von Arbeiter:innen angeht, kann man sich zum Beispiel nach dem Fairtrade Cotton Standard richten. Aber Ferenschild empfiehlt ihn nur unter bestimmten Bedingungen – nämlich wenn die Baumwolle von Kooperativen kommt, die nach dem Small Producer Organisation Standard von Fairtrade zertifiziert sind. „Denn nur dort sind über die ILO-Kernarbeitsnormen hinausgehende Arbeitsstandards für Feldarbeiter:innen enthalten.“
  • Fast Fashion wird serienmäßig hergestellt (Konfektionierung). Für diesen Schritt weist Ferenschild auf den „Fair Wear Foundation Leader Status“ hin.

Ist eine pflanzliche Faser besser als die andere? Das verneint die Expertin: „Alle Pflanzenfasern haben ihre Berechtigung und auch besondere Eigenschaften für Nutzer:innen.“ Zwar seien für andere Pflanzenfasern nicht solche Missstände bekannt wie im Baumwollanbau, aber das liege auch daran, dass Baumwolle die relevanteste Pflanzenfaser im Weltfasermarkt ist. Sie ließe sich nicht einfach durch andere Naturfasern ersetzen. „Es gilt, den Anbau jeder Pflanzenfaser so ökologisch und so sozial wie möglich zu gestalten.“

Mehr Informationen gibt es in den Artikeln zu Hanf, Leinen/ Flachs, (Bio-)Baumwolle, Jute

Kriterien für nachhaltige Woll-Stoffe und -Kleidung:

Für Wolle müssen oft Tiere leiden. Worauf du achten kannst.
Für Wolle müssen oft Tiere leiden. Hier erfährst du, worauf du achten kannst. (Foto: CC0 Public Domain – Pixabay/ pexels)
  • Reine Wollfasern: Wir raten unbedingt zu Kleidung aus reinen, unbehandelten Wollfasern, nicht zu Mischprodukten mit Kunstfasern.
  • Recycling: Manche Labels arbeiten mit nachhaltiger Secondhand-Wolle (z.B. Reißwolle), was die Emissionen des Stoffes reduziert.
  • Tierwohl: Wollprodukte aus kontrolliert biologischer Tierhaltung (kbT), GOTS– oder IVNZertifizierung stammen zumindest großteils von Tieren, die gemäß den Richtlinien für ökologischen Landbau gehalten wurden und unter anderem Zugang zu Weideflächen hatten. Das Siegel Responsible Wool Standard (RWS) verbietet Mulesing und andere tierquälerische Praktiken. Laut der Tierschutzorganisation Vier Pfoten schließt GOTS Mulesing nur dann aus, wenn das Produkt nicht aus Australien kommt.
  • Richtig pflegen: Beachte die Waschhinweise deiner Wollkleidung! Wolle lässt sich oft nur per Handwäsche waschen.

Mehr Informationen: Nachhaltige Wolle: Das musst du wissen

Beachte bei Kunstfaser:

  • Meiden oder genau hinschauen: Synthetik geht mit vielen Umweltschäden einher. Kaufe deshalb nur kompostierbare, halbsynthetische Stoffe.
  • Auch andere Siegel beachten: Neben den oben erwähnten Siegeln zum Schutz von Arbeiter:innen (u.a. Fair Wear Foundation Leader Status) solltest du prüfen, ob der Stoff oder das Kleidungsstück nachhaltige Siegel für Kleidung ohne Gift trägt, zum Beispiel IVN BestGOTS, Made in Green von Oeko-Tex.
  • Richtig waschen: Wenn du Kleidung aus synthetischen Fasern besitzt, kannst du diese in einem speziellen Waschbeutel waschen. Dieser verhindert, dass der Mikroplastikabrieb aus deiner Wäsche ins Abwasser gelangt.

Mehr Informationen findest du in unseren Artikeln zu Polyester, Polyacryl, Polyamid, Elasthan, Acetat, Viskose, Modal und Tencel.

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