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Einweggeschirr: Wie nachhaltig sind die Alternativen zu Plastik?

Palmblatt Geschirr
Foto: nungning20 / stock.adobe.com

Seit Juli ist die Herstellung von Einweggeschirr aus Plastik verboten, schon bald dürfte es aus unserem Alltag verschwunden sein. Alternativprodukte – etwa aus Papier oder Palmblättern – versprechen, umweltfreundlicher zu sein. Doch wie nachhaltig sind diese Materialien wirklich?

Während Einweggeschirr aus Kunststoffen infolge des EU-weiten Einwegplastik-Verbots allmählich aus den Regalen verschwindet, machen sich dort zunehmend Alternativprodukte breit. Auch Essen zum Mitnehmen wird nun immer häufiger in Materialien verpackt, die das schlechte Wegwerfgewissen schmälern und unser Müllproblem verringern sollen.

Beides ist dringend notwendig: 2017 fielen zum Beispiel deutschlandweit rund 350.000 Tonnen Einweggeschirr und To-Go-Verpackungen an, Corona hat die Müllberge zusätzlich ansteigen lassen. Das muss sich ändern – doch sind Einwegprodukte aus Holz, Zuckerfasern, Blättern und Co. wirklich eine gute Alternative?

Hier im Beitrag sehen wir uns Alternativen aus folgenden Materialien an:

  • Bagasse (Zuckerrohr)
  • Pappe und Papier
  • Palmblätter
  • Holz und Bambus
  • Getreide und Zucker (essbar)

Einweggeschirr aus Bagasse: ein Abfallprodukt mit Tücken

Bei der Verarbeitung von Zuckerrohr bleiben je Tonne Zucker etwa eine Dritteltonne Restfasern übrig – die sogenannte Bagasse. Werden diese Restfasern gewaschen und mit Wasser zu einem Brei vermischt, können daraus unter Druck und bei hohen Temperaturen Schalen, Becher und Teller gepresst werden. Eigentlich genial, ein Abfallprodukt auf diese Art und Weise aufzuwerten – doch genau wie Papier und Pappe hat das Material einen Nachteil: Es ist weder fett- noch wasserabweisend.

Aus diesem Grund werden Behälter aus Bagasse in der Regel beschichtet. „Untersuchungen ergaben, dass das ausgewählte Bagasse-Einweggeschirr mit Fluorchemikalien behandelt wurde. Es wurde zudem als kompostierbar ausgelobt. Wenn diese nicht abbaubaren Chemikalien jedoch auf dem Kompost landen, gelangen sie in Gärten oder auf Felder und letztlich wieder in unserer Nahrungskette“, warnt Kerstin Effers von der Verbraucherzentrale NRW.

Auch aktuell warnt die Verbraucherzentrale vor vor Geschirr mit Bambus-, Reis- oder Weizenfasern. Denn dieses enthält oft Plastik und kann die Gesundheit gefährden.

Bagasse
Bagasse ist ein Abfallprodukt aus der Zuckerproduktion. Es kann aber zu Einweggeschirr verarbeitet werden. (Foto: CC0 / Pixabay / Schreib-Engel)

Hinzu kommen oft lange Transportwege für das Material, denn Zuckerrohr wird überwiegend in Brasilien und Südostasien angebaut. Hier wurden die Faserreste bisher vor allem als Dünger verwendet – sowohl in Sachen Umwelt- als auch Klimabilanz eine bessere Nutzung, als sie zu exportieren, mit hohem Energieaufwand zu Einweggeschirr zu pressen, mit giftigen Chemikalien zu beschichten und anschließend wegzuwerfen. Da es sich bei Bagasse jedoch immerhin um ein Abfallprodukt handelt, schneidet sie in Sachen Nachhaltigkeit etwas besser ab als Papier und Pappe.

Die Umweltbilanz von Papier und Pappe – fast so schlecht wie von Einwegplastik

Mit Papp- statt Plastiktellern bei der Gartenparty fühlen sich die meisten von uns umwelttechnisch auf der besseren Seite. Denn Papier und Pappe werden schließlich aus Holzfasern und damit aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt – und bestimmt ist auch der Recyclinganteil nicht ohne oder? Leider sind beides nur halbe Wahrheiten. Denn für die Papier- und Pappproduktion werden sehr große Mengen Energie, Chemikalien und Wasser benötigt.

„Die Produktion von einem einzigen Coffee-To-Go-Becher aus Pappe verbraucht bis zu 2 Liter Wasser. Zudem stammen 80 Prozent der Primärfasern für die gesamte deutsche Papierproduktion nicht etwa aus heimischen Wäldern, sondern werden importiert. Weltweit werden hierfür Wälder gerodet und Lebensräume zerstört. Es darf daher nicht unser Ziel sein, den Papierverbrauch infolge des Einwegplastik-Verbots noch weiter zu steigern. Schon heute hat Deutschland den höchsten pro-Kopf-Papierverbrauch aller Industriestaaten“, so Verpackungsexperte Christian Behrens von der Deutschen Umwelthilfe.

Ein weiterer Nachteil: Der Kontakt mit fettigen Lebensmitteln mindert die Recyclingfähigkeit des Materials. Laut Kerstin Effers wird fettabweisendes Einweggeschirr aus Papier und Pappe, genau wie Bagasse, oft mit Fluorchemikalien behandelt. „Sobald sich auf Papier, Pappe oder Bagasse beim Kontakt mit Öl ein Tropfen bildet, liegt der Verdacht nahe, dass imprägnierenden Chemikalien eingesetzt wurden, die potenziell gesundheitsschädlich und auf jeden Fall persistent sind“, warnt sie. Sogar Trinkhalme aus Papier enthalten Schadstoffe, etwa Chlorpropanole oder Mineralöle.

Schalen und Teller aus Palmblättern müssen nicht beschichtet werden

Bei Palmblättern handelt es sich, wie bei Bagasse, um ein Abfallprodukt, das sich zu Einweggeschirr weiterverarbeiten lässt. Doch laut Christian Behrens besteht auch hier das Problem mit den weiten Transportwegen: Die Betelnusspalmen, von denen die Blätter stammen, werden vor allem in Asien angebaut. „Neben den dort oft schwierigen Arbeitsbedingungen auf den Plantagen, die meist Monokulturen sind, besteht auch die Gefahr einer Pestizid-Belastung der Blätter. Und obwohl wir es hier mit einem Naturprodukt zu tun haben, dauert die Verrottung relativ lange, weshalb eine Entsorgung über den Bioabfall nicht zu empfehlen ist“, gibt er zu bedenken.

Palmblattteller: Einweggeschirr aus Palmblättern
Palmblattteller sind immer noch nachhaltiger als Pappteller, da bei deren Herstellung Abfallprodukte verwertet werden. (Foto: © Leef)

Im Vergleich zu Bagasse ist das Material jedoch von Natur aus wasserabweisend, weshalb es immerhin nicht zusätzlich beschichtet werden muss. Es schnitt auch im Schadstofftest des europäischen Verbraucherverbandes vergleichsweise gut ab. Geschirr aus Palmblättern gibt es zum Beispiel von der Firma Leef, erhältlich im Avocadostore**.

Einwegbesteck und Schalen aus Holz und Bambus

Für die Produktion von Einweggeschirr aus Holz werden weniger Energie, Wasser und Rohstoffe verwendet als für Papier oder Pappe. Zudem ist es – sofern unbeschichtet – kompostierbar. Laut Verbraucherzentrale ist die Herkunft des Holzes aber oft nicht erkennbar – illegaler Raubbau in fernen Ländern kann dann für die Rohstoffgewinnung nicht ausgeschlossen werden.

Wer Einweggeschirr aus Holz kaufen möchte, sollte daher Produkte meiden, deren Herkunft nicht klar deklariert ist. Das schnell nachwachsende Birkenholz für das Einweg-Besteck von Skojig** etwa stammt zwar aus Asien, ist jedoch immerhin FSC-zertifiziert. Noch schneller als Birke wächst Bambus, der streng genommen kein Gehölz ist, sondern zu den Gräsern zählt.

Daraus lassen sich mitunter auch Einweg-Strohhalme herstellen, wie die von Pandoo**. Doch Vorsicht: Bambusfasern werden häufig mit Kunststoffen und Harzen gemischt und die Produkte dann als langlebig und wiederverwendbar beworben. Bei Kontakt mit heißen Lebensmitteln können laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) potenziell krebserregendes Melamin und Formaldehyd freigesetzt werden.

Essbare Verpackungen: die wohl nachhaltigste Einweg-Alternative

Die Eiswaffel hat es einst vorgemacht, inzwischen gibt es auch für viele andere Lebensmittel essbare Verpackungen, die in der Regel auf Getreide basieren. Ihre Herstellung ist regional möglich, der Herstellungsaufwand vergleichsweise gering. Und da die Produkte als essbar deklariert sind, darf man hier auch auf Lebensmittelechtheit vertrauen.

Neben unbehandeltem Holz und Bambus dürfen auch essbare Verpackungen im Biomüll entsorgt werden – auch wenn das sicher nicht im Sinne der Erfinder:innen ist. „Weil sie ungefragt als Lebensmittel angeboten werden oder schlichtweg nicht schmecken, werden essbare Verpackungen oft nicht verzehrt“, so Christian Behrens.

Außerdem würden die Produkte aus Hygienegründen oft in Plastik verpackt. Bei essbaren Strohhalmen haben in einem Test von Stiftung Warentest kürzlich vor allem Halme aus Getreide gut abgeschnitten – sowohl geschmacklich als auch was die Schadstoffbelastung anging. Alternativen aus Zucker waren hingegen weder besonders stabil noch allzu gesund: Ein Röhrchen entspricht etwa zwei Stück Würfelzucker.

Papier, Palmblatt, Getreide & Co.: Welches Einweggeschirr nun am besten?

Einweggeschirr aus Plastik zu verbieten, war ein längst überfälliger Schritt, um gegen unsere Plastikmüllflut vorzugehen. Denn Jahr für Jahr landet Einweg-Plastik nicht nur in Recycling- und Verbrennungsanlagen sowie auf Deponien, sondern auch in unserer Umwelt, in Flüssen und in den Meeren.

Doch auch bei den Alternativen zu Plastik sind nicht alle komplett unbedenklich:

  • Bei den Alternativprodukten schneiden vor allem Papier und Pappe in Punkto Umweltbilanz sehr schlecht ab – ganz besonders, wenn sie mit Kunststoff beschichtet oder mit giftigen Substanzen imprägniert werden, wie es auch bei Bagasse häufig der Fall ist.
  • Palmblätter sind verglichen dazu die bessere Wahl, auch wenn diese lange Transportwege zurücklegen und teils Pestizid-Rückstände enthalten können.
  • Solange Holz und Bambus aus nachhaltiger Forstwirtschaft stammen, kann man hieraus gefertigtes Besteck mit einigermaßen gutem Gewissen verwenden.
  • Essbare Produkte schneiden gut ab, da sie regional aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt werden können. Wem es schmeckt, der:die sollte essbares Geschirr gleich mitverzehren.

Doch Verbraucherschützer:innen und Umweltschützer:innen, darunter auch die Expert:innen der DUH und der Verbraucherzentrale NRW, sind sich einig: Ganz egal aus welchem Material – Einwegprodukte sind und bleiben ein Problem. Denn, anders als Mehrwegsysteme, tragen sie nicht zur Abfallvermeidung bei.

Zudem werden viele Produkte fälschlicherweise als „biologisch abbaubar, „biobasiert“ oder „kompostierbar“ beworben und suggerieren damit, dass sie ohne schlechtes Gewissen in der Umwelt entsorgt werden könnten.

Utopia meint: Der beste Abfall ist und bleibt der, der gar nicht erst entsteht. Wenn es aber schon eine Einweglösung sein muss, dann wähle zumindest umweltverträglichere und nachhaltigere Alternativen zu Plastik. Was sich auch empfiehlt: Immer dein eigenes Reisebesteck oder einen wiederverwendbaren Becher dabeizuhaben, dann kannst du zumindest hier auf Einweg verzichten.

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