Grünes Gas Label: Das Biogas-Siegel der Umweltverbände

© Grüner Strom Label e.V.

Auch sein Gas kann man nachhaltiger einkaufen: Mit dem Label „Grünes Gas“ geht das sogar mit zertifizierter Nachhaltigkeit.

Das Grünes Gas Label ist das strengste Biogas-Siegel in Deutschland. Es wird von gemeinnützigen Umweltverbänden vergeben und zertifiziert Gas aus biogenen Reststoffen (etwa Bioabfällen, Küchenresten oder Grünschnitt) oder nachwachsenden Rohstoffen. Die Einhaltung der Kriterien wird von unabhängigen Prüfern kontrolliert.

Im Gegensatz zu herkömmlichem Gas besteht das zertifizierte Gas nicht aus herkömmlichem Erdgas, sondern zu mindestens zehn Prozent aus Biogas (=Gas aus Biomasse). Es sind auch Tarife mit 100% Biogas möglich. Aus welchen Rohstoffen das Biogas gewonnen wird, ist dabei streng gregelt (s. unten).

Wie unterscheidet sich „Grünes Gas“ von anderen Ökogas-Tarifen?

Viele Gasanbieter haben „Ökogas“- und „Klimagas“-Tarife im Angebot, die aber mit Biogas wenig zu tun haben: Hier werden oft lediglich die CO2-Emissionen durch den Kauf von CO2-Zertifikaten oder Investitionen in Klimaschutzprojekte ausgeglichen (CO2-Kompensation). Expert:innen sehen hier die Gefahr von Greenwashing.

„Wer echtes Biogas beziehen will muss darauf achten, keiner Mogelpackung aufzusitzen“, erläutert Marcus Bollmann, Vorstandsmitglied des Grüner Strom Label e.V.. Denn der Begriff Biogas ist gesetzlich nicht geschützt. „Damit Verbraucherinnen und Verbraucher nicht getäuscht werden, braucht es eine unabhängige Kontrollinstanz für umweltverträgliches Biogas.“

Beim Siegel Grünes Gas ist solche Täuschung nicht erlaubt – wo Grünes Gas drauf steht muss Biogas drin sein. Außerdem berücksichtigt das Siegel die gesamte Produktionskette – vom Rohstoff bis zu den Kund:innen.

Wer vergibt das Siegel Grünes Gas?

Gastarife vergleichen: Ökogas, Klimagas, Biogas
Das Label „Grünes Gas“ steht für klimafreundliches Gas mit mindestens zehn Prozent Biogas-Anteil. (Foto: CC0 Public Domain / Pixabay – PublicDomainPictures)

Hinter dem Label Grünes Gas steckt der Verein Grüner Strom Label e.V., der ausschließlich grüne Energieprodukte zertifiziert (darunter auch Ökostrom: „Grüner Strom“-Label). Mehrere gemeinnützige Umwelt- und Verbraucherverbände haben den Verein vor etwa 20 Jahren gegründet. Heute ist der Verein in Trägerschaft von sieben Verbänden, darunter Eurosolar, NABU und BUND. Die Verbände entwickeln das Label zusammen mit einem Fachbeirat stetig weiter und informieren Privat- und Geschäftskund:innen auf Fach- und Verbrauchermessen.

Die Vorgaben für die Biogas-Anbieter sind bei diesem Siegel besonders streng. Unter anderem darf keine Gülle aus Massentierhaltung verwendet werden. Auch Deponiegas, das auf Mülldeponien entsteht, ist nicht erlaubt. Das Biogas aller aktuell zertifizierten Tarife stammt aus biogenen Reststoffen.

  • Vergeben in: Deutschland
  • Vergeben von: Grüner Strom Label e. V.
  • Kategorie: Ökogas
  • Produkte: Ökogas-Tarife mit Biogas-Anteil
  • Verbreitung: gering
  • Utopia-Bewertung: sehr empfehlenswert bei Tarifen mit 100% Biogas

Grünes Gas: Kriterien im Überblick

Damit ein Biogas-Tarif das Siegel Grünes Gas erhält, prüfen unabhängige Gutachter:innen den Biogas-Anteil im Gasgemisch. Der Anteil muss mindestens zehn Prozent betragen und viele weitere Kriterien erfüllen. Der übrige Gasanteil wird nicht weiter geprüft. Einige Kriterien müssen zwingend erfüllt sein, für andere Kriterien gibt es Punkte und am Ende der Prüfung muss der Tarif eine Mindestpunktzahl erreichen.

Um das Biogas-Siegel Grünes Gas zu bekommen:

  • muss der Biogas-Anteil bei mindestens 10 Prozent liegen.
  • darf beim Anbau der Biomasse kein Glyphosat verwendet werden.
  • dürfen keine Grünflächen zu Feldern für Biomasse umgewandelt werden.
  • darf keine Gülle aus gewerblicher Tierhaltung (ohne eigene Flächen) eingesetzt werden.
  • dürfen keine gentechnisch veränderten Organismen verwendet werden.

Außerdem darf der Gasanbieter nicht an Atomkraftwerken beteiligt sein. Seit 2015 sind auch neue Beteiligungen an Kohlekraftwerken verboten. Kurze Lieferwege der Rohstoffe zur Biogas-Anlage und der Einsatz von Ökostrom werden positiv bewertet.

Biogas-Anbieter – Biogasanlage
Biogas, das mit dem Label Grünes Gas ausgezeichnet wird, stammt in der Regel aus Reststoffen aus der Region. (Foto: CC0 / Pixabay / geraldK)

Damit Kund:innen den Gas-Mix beurteilen und vergleichen können, muss der Anbieter den Biogas-Anteil transparent machen. Zudem sollen die Biogas-Anbieter Klimaschutzziele verfolgen und sich für den Ausbau erneuerbarer Energien einsetzen. Faire Vertragsbedingungen sowie Transparenz hinsichtlich der Nachhaltigkeit, Energieeinsparungen und Energieeffizienz sichert das Siegel den Kund:innen ebenfalls zu.

Grünes Gas: Kontrollen

Möchte ein Gasanbieter ein Biogas-Produkt zertifizieren lassen, muss es dem Verein Grüner Strom e.V. zusichern, alle Kriterien zu erfüllen. Der Verein prüft dann den Anbieter und erteilt ihm gegebenenfalls das Siegel. Die eigentlichen Kontrollen finden rückwirkend nach der laufenden Zertifizierungsperiode statt: Jedes Jahr muss der Biogas-Anbieter dem Prüfinstitut DVGW Cert GmbH Unterlagen einreichen, welche die Einhaltung der Kriterien belegen. Auf Basis des Prüfberichts entscheidet dann der Verein Grüner Strom e.V., ob er das Siegel verlängert, entzieht oder nur unter Auflagen erneut erteilt.

Kritik am Grünes Gas Label

Das Siegel Grünes Gas gilt als besonders streng, sodass es nur wenig Kritik gibt.

Allerdings können auch Gasanbieter mit nur zehn Prozent Biogas in ihrem Gas-Mix das Siegel erhalten. Und dies wird auch genutzt: Mehrere zertifizierte Anbieter – darunter Naturstrom, Greenpeace Energy und Enspire bieten unter anderem Ökogas-Tarife mit nur zehn Prozent Biogas-Anteil. Dass es auch anders geht, zeigen Naturstrom und die Stadtwerke Nürtingen („Bienenwärme“): Sie haben auch Ökogas-Tarife mit reinem Biogas (100 Prozent) im Portfolio.

Allerdings sollte berücksichtigt werden, dass ein Biogas-Anbieter auch ohne Siegel nicht zwangsläufig schlecht ist. Denn gerade kleine Energieversorger verzichten aufgrund der Zertifizierungsgebühren manchmal auf ein Siegel.

Alternativen zum Siegel Grünes Gas

Neben dem Siegel Grünes Gas gibt es in Deutschland noch die beiden Ökogas-Siegel vom TÜV Nord „Klimaneutrale Gasverbrennung“ und „Klimaneutrales Gasprodukt“.

  • Bei beiden Siegeln prüft der TÜV Nord die CO2-Bilanz des Ökogases. Das Siegel „Klimaneutrales Gasprodukt“ berücksichtigt die CO2-Bilanz der Rohstoffgewinnung und der Gas-Verbrennung. Beim Label „Klimaneutrale Gasverbrennung“ bezieht sich die CO2-Bilanz dagegen nur auf die Emissionen bei der Verbrennung.
  • Der TÜV Nord prüft für die Siegel-Vergabe, ob ausreichend CO2-Zertifikate aus Klimaschutzprojekten gekauft wurden, um die CO2-Bilanz auszugleichen.
  • Weitere Nachhaltigkeitskriterien oder einen Fokus auf Biogas gibt es nicht.

Verfügbarkeit des Siegels: mittel

Für Endkund:innen gibt es derzeit zwölf Tarife von fünf Gasanbietern mit dem Siegel Grünes Gas. Dass es (noch) nicht mehr sind, dürfte vor allem an den strengen Kriterien liegen, schränkt Verbraucher:innen aber bei der Wahl des Anbieters sein.

Zum aktuellen Stand (12/2020) gibt es fünf zertifizierte Anbieter:

Trotz noch geringer Verbreitung bewegt das Siegel bereits viel: 2019 wurden nach Angaben des Siegelgebers insgesamt über 380 Millionen Kilowattstunden Gas mit dem Grünes Gas-Label zertifiziert. Der Biomethan-Anteil betrug insgesamt 16,9 Prozent, somit wurden rund 65 Millionen Kilowattstunden Biogas nach strengen Umweltkriterien produziert. Die insgesamt abgesetzte Gasmenge wuchs um 12 Prozent gegenüber 2018. Über 28.000 Kund:innen vertrauen mittlerweile auf Gas mit dem Biogas-Label der Umweltverbände.

Utopia-Fazit zum Label Grünes Gas

Label/Siegel: Grünes Gas für Ökogas und Biogas
Grünes Gas Label (Siegel © Grüner Strom Label e.V.)

Das Siegel Grünes Gas ist das strengste Ökogas-Siegel in Deutschland und setzt hohe Standards für Biogas. Anderes Gas, etwa Erdgas mit CO2-Kompensation, wird nicht zertifiziert. Das Siegel verlangt von den Energieversorgern ein hohes Maß an Umweltschutz bei der Produktion von Biomasse und ihrer Verarbeitung zu Gas. Gülle aus Massentierhaltung, Glyphosat, Gentechnik und Monokulturen sind verboten, ebenso Beteiligungen an Atomkraftwerken.

Wir betrachten das Label Grünes Gas als derzeit sehr empfehlenswert. Verbraucher:innen sollten aber darauf achten, wie hoch der Biogas-Anteil im Gas-Mix ist und einen Tarif mit viel Bio-Gas wählen – am besten 100 Prozent.

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