Grünes Gas Label: Das Biogas-Siegel der Umweltverbände

Label/Siegel: Grünes Gas für Ökogas und Biogas
Siegel © Grüner Strom Label e.V.

Auch sein Gas kann man nachhaltiger einkaufen: Mit dem Label Grünes Gas geht das inzwischen sogar mit zertifizierter Nachhaltigkeit.

Das Grünes Gas Label ist das strengste Biogas-Siegel in Deutschland. Es wird von sieben gemeinnützigen Umweltverbänden für Gas aus nachwachsenden Rohstoffen herausgegeben und von unabhängigen Prüfern kontrolliert.

Im Gegensatz zu Ökogas besteht das zertifizierte Biogas nicht aus herkömmlichem Erdgas, sondern zu mindestens zehn Prozent aus Gas aus Biomasse. Es sind auch Tarife mit 100% Biogas möglich.

Viele Gasanbieter haben „Ökogas“- und „Klimagas“-Tarife im Angebot, die aber mit Biogas nichts zu tun haben. Denn bei solchen Ökogas-Tarifen gleicht der Gasanbieter die CO2-Emissionen einfach durch den Kauf von CO2-Zertifikaten aus. Experten sehen hier die Gefahr von Greenwashing.

Beim Siegel Grünes Gas ist das nicht erlaubt. Außerdem berücksichtigt das Siegel die gesamte Produktionskette – vom Rohstoff bis zum Kunden.

Wer vergibt das Siegel Grünes Gas?

Hinter dem Label Grünes Gas steckt der gemeinnützige Verein Grüner Strom Label e.V., der ausschließlich grüne Energieprodukte zertifiziert (darunter auch Ökostrom). Mehrere gemeinnützige Umwelt- und Verbraucherverbände haben den Verein vor etwa 20 Jahren gegründet. Heute ist der Verein in Trägerschaft von sieben Verbänden, darunter dem NABU und dem BUND. Die Verbände entwickeln das Label zusammen mit einem Fachbeirat stetig weiter und informieren Privat- und Geschäftskunden auf Fach- und Verbrauchermessen.

Die Vorgaben für die Biogas-Anbieter sind bei diesem Siegel besonders streng. Unter anderem dürfen keine Pflanzen aus Monokulturen verwendet werden, weil das dem Boden zu viele Nährstoffe entzieht. Auch Deponiegas, das vorwiegend bei der Müllverbrennung anfällt, ist nicht erlaubt.

  • Vergeben in: Deutschland
  • Vergeben von: Grüner Strom Label e. V.
  • Kategorie: Ökogas
  • Produkte: Ökogas-Tarife mit Biogas-Anteil
  • Verbreitung: gering
  • Utopia-Bewertung: sehr empfehlenswert bei Tarifen mit 100% Biogas
Vergabe des Gütesiegels Grünes Gas an NaturEnergiePlus Biogas
Vergabe des Gütesiegels Grünes Gas an NaturEnergiePlus Biogas (Foto: Grüner Strom Label e.V.)

Grünes Gas: Kriterien im Überblick

Damit ein Biogas-Tarif das Siegel Grünes Gas erhält, prüfen unabhängige Gutachter den Biogas-Anteil im Gasgemisch. Der Anteil muss mindestens zehn Prozent betragen und viele weitere Kriterien erfüllen. Der übrige Gasanteil wird nicht weiter geprüft. Einige Kriterien müssen zwingend erfüllt sein, für andere Kriterien gibt es Punkte und am Ende der Prüfung muss der Tarif eine Mindestpunktzahl erreichen.

Um das Biogas-Siegel Grünes Gas zu bekommen, …

  • muss der Biogas-Anteil bei mindestens 10 Prozent liegen.
  • darf beim Anbau der Biomasse kein Glyphosat verwendet werden.
  • dürfen keine Grünflächen zu Feldern für Biomasse gemacht werden.
  • darf keine Gülle aus gewerblicher Tierhaltung (ohne eigene Flächen für die Gülle) eingesetzt werden.
  • dürfen keine gentechnisch veränderten Organismen verwendet werden.
  • muss es in kleinen Anlagen hergestellt werden (max. 2.500 Nm³ Biogas/h).

Außerdem darf der Gasanbieter nicht an Atomkraftwerken beteiligt sein. Seit 2015 sind auch neue Beteiligungen an Kohlekraftwerken verboten.

Damit Kunden den Gas-Mix beurteilen und vergleichen können, muss der Anbieter den Biogas-Anteil transparent machen. Zudem sollen die Biogas-Anbieter Klimaschutzziele verfolgen und erneuerbare Energien ausbauen. Faire Vertragsbedingungen sowie Transparenz hinsichtlich der Nachhaltigkeit, Energieeinsparungen und Energieeffizienz sichert das Siegel den Kunden ebenfalls zu.

Grünes Gas: Kontrollen

Möchte ein Gasanbieter ein Biogas-Produkt zertifizieren lassen, muss es dem Verein Grüner Strom e.V. zusichern, alle Kriterien zu erfüllen. Der Verein prüft dann den Anbieter und erteilt ihm das Siegel. Die eigentlichen Kontrollen finden rückwirkend nach der laufenden Zertifizierungsperiode statt: Jedes Jahr muss der Biogas-Anbieter dem Prüfinstitut DVGW Cert GmbH Unterlagen einreichen, wonach die Kriterien erfüllt werden. Auf Basis des Prüfberichts entscheidet dann der Verein Grüner Strom e.V., ob er das Siegel Grünes Gas verlängert, entzieht oder nur unter Auflagen erneut erteilt.

Kritik am Grünes Gas Label

Das Siegel Grünes Gas gilt als besonders streng, sodass es kaum Kritik gibt.

Allerdings können auch Gasanbieter mit nur zehn Prozent Biogas in ihrem Gas-Mix das Siegel erhalten, kritisiert Label-Online. Und dies wird auch genutzt: NaturEnergiePlus und Naturstrom haben unter anderem Ökogas-Tarife mit zehn Prozent Biogas-Anteil im Angebot.

Dass es auch anders geht, zeigt ebenfalls Naturstrom: Der Energieanbieter hat auch einen Ökogas-Tarif mit reinem Biogas (100 Prozent) im Portfolio.

Allerdings sollte berücksichtigt werden, dass ein Biogas-Anbieter auch ohne Siegel nicht zwangsläufig schlecht ist. Denn gerade kleine Energieversorger verzichten aufgrund der Zertifizierungsgebühren auf ein Siegel. Lies dazu auch Gasanbieter: Diese 3 Biogas-Anbieter empfehlen wir oder verwende den Gasanbieter-Vergleich Ökogas-Biogas.

Alternativen zum Siegel Grünes Gas

Neben dem Siegel Grünes Gas gibt es in Deutschland noch die beiden Ökogas-Siegel vom TÜV Nord „Klimaneutrale Gasverbrennung“ und „Klimaneutrales Gasprodukt“.

  • Bei beiden Siegeln prüft der TÜV Nord die CO2-Bilanz des Ökogases. Das Siegel „Klimaneutrales Gasprodukt“ berücksichtigt die CO2-Bilanz der Rohstoffgewinnung und der Gas-Verbrennung. Beim Label „Klimaneutrale Gasverbrennung“ bezieht sich die CO2-Bilanz dagegen nur auf die Emissionen bei der Verbrennung.
  • Der TÜV Nord prüft für die Siegel-Vergabe, ob ausreichend CO2-Zertifikate aus Klimaschutzprojekten gekauft wurden, um die CO2-Bilanz auszugleichen.
  • Weitere Nachhaltigkeitskriterien oder einen Fokus auf Biogas gibt es nicht.

Verfügbarkeit des Siegels Grüner Strom: gering

Auffällig ist, dass es gerade einmal vier Tarife von zwei Gasanbietern mit dem Siegel Grünes Gas gibt. Dies dürfte vor allem an den strengen Kriterien liegen, schränkt Verbraucher aber bei der Wahl des Anbieters sehr sein.

Zum aktuellen Stand (10/2018) gibt es zwei zertifizierte Anbieter:

Allerdings lohnt es sich, auch bei kleinen Biogas-Anbietern ohne Siegel nachzuschauen, wie nachhaltig sie sind. Einige Regionalversorger bieten Tarife teilweise mit bis zu 100 Prozent Biogas-Anteil an, sind aber nicht zertifiziert (z.B. BayWa und ScharrWärme).

Utopia-Fazit zum Label Grünes Gas

Label/Siegel: Grünes Gas für Ökogas und Biogas
Grünes Gas Label (Siegel © Grüner Strom Label e.V.)

Das Siegel Grünes Gas ist das strengste Ökogas-Siegel in Deutschland und setzt hohe Standards für Biogas. Anderes Gas, etwa Erdgas mit CO2-Kompensation, wird nicht zertifiziert. Das Siegel verlangt von den Energieversorgern ein hohes Maß an Umweltschutz bei der Produktion von Biomasse und ihrer Verarbeitung zu Gas. Glyphosat, Gentechnik und Monokulturen sind verboten, ebenso Beteiligungen an Atomkraftwerken.

Wir betrachten das Label Grünes Gas als derzeit nicht perfekt, aber als sehr empfehlenswert. Verbraucher sollten aber darauf achten, wie hoch der Biogas-Anteil im Gas-Mix ist und einen Tarif mit viel Bio-Gas wählen – am besten 100 Prozent.

Wichtige Beiträge zu dem Thema auf Utopia.de:

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