So unterscheidest du Echtpelz von Kunstpelz

Foto: CC0 Public Domain / Unsplash.com

Pelzkragen an Winterjacken und Bommel an Mützen sind in. Weil kaum jemand echten Pelz will, setzen die Hersteller auf Kunstpelz – angeblich. Immer wieder zeigen Tests: Den Kunden wird Echtpelz untergejubelt. Ein Video-Tutorial der Stiftung Warentest zeigt, wie man das vermeiden kann.

Es ist ein wenig paradox: Pelz liegt wieder voll im Trend, doch Echtpelz wollen die Verbraucher nicht tragen. Denn kaum jemand möchte es noch einfach hinnehmen, dass dafür Tiere leiden und sterben. Auf den ersten Blick ist dieser Widerspruch kein Problem für die Modebranche: Die Hersteller verzieren Jacken und Mützen mit Kunstpelz, der aus Synthetik-Fasern gefertigt ist. Zumindest will man uns das glauben machen.

Sowohl die Stifung Warentest als auch die SWR-Sendung Marktcheck sind aber bei Einkaufs-Stichproben auf Echtpelz gestoßen, welches als Kunstpelz verkauft wurde.

Die Stiftung Warentest hat 2016 fünf Textilien mit angeblichem Kunstpelz untersucht – und dabei fünfmal echtes Fell gefunden. Marktcheck ließ im Januar 2017 vier Kleidungsstücke mit verdächtig echt aussenden Pelzverzierungen testen. Das Ergebnis: viermal Echtpelz.

Der Grund: Fell von Marderhunden aus China ist inzwischen oft günstiger zu haben als Kunstpelz. „Dort gibt es kein Tierschutzgesetz, die Löhne sind niedrig und auf Umweltschutz wird auch nicht geachtet“, sagt Frank Schmidt von der Tierschutzorganisation PETA im Interview mit Marktcheck.

Zwar sind die Hersteller laut einer EU-Verordnung verpflichtet, bei echtem Fell das Kleidungsstück mit dem Hinweis „enthält nichttextile Teile tierischen Ursprungs“ zu versehen. Doch eine falsche Deklarierung zieht bisher keine ernsten Konsequenzen nach sich, daher sind falsche Kennzeichnungen häufig.

Stiftung Warentest fragte bei vielen Modemarken nach, ob sie Echtfell verwenden – und bekam kaum Antworten. Auch von den Herstellern der untersuchten Textilien kamen kaum Reaktionen.

Auf Nachfrage des Marktcheck-Teams vom SWR zeigte sich, dass die Händler sich oft gar nicht bewusst sind, dass sie Echtpelz verkaufen – obwohl sie falsch gekennzeichnete Ware eigentlich nicht verkaufen dürften. Allerdings: Kontrollen finden kaum statt.

Die Marktcheck-Sendung im Video:

Echtpelz von Kunstpelz unterscheiden: 3 einfache Tricks

1. Auseinanderziehen

Wenn du die Haare auseinanderziehst und eine Art Scheitel bildest, kommt am Ansatz der Untergrund zum Vorschein. Bei Kunstpelz zeigt sich hier textiles Gewebe, bei Echtpelz Leder.

2. Hineinpusten

Puste leicht in in die Haare hinein: Kunstpelz ist eher steif und unbeweglich, Echtpelz bewegt sich schon bei einer leichten Brise. Außerdem sind Kunstpelz-Haare in der Regel gleich lang, während echtes Fell aus längeren Haaren und kürzeren, feineren Haaren besteht.

3. Anzünden

Kann man natürlich nur bei bereits gekaufter Ware machen: Zupfe einige Haare aus dem Fell und zünde sie an. Kunstpelz riecht nach verbranntem Plastik und schmilzt zu einem Kügelchen. Echtes Fell dagegen riecht nach verbranntem Haar.

Utopia meint: Auch wenn der Pelz-Trend an sich fragwürdig ist: Wenn man ihn unbedingt mitmachen will, richtet man mit Kunstpelz weniger Schaden an als mit Echtpelz. Da man sich offenbar weder auf die Aussagen der Hersteller und Händler noch auf die Kennzeichungen der Kleidungsstücke verlassen kann, sollte man sich beim Kauf von „Pelz“-Produkten unbedingt selbst vergewissern, ob es sich auch wirklich um Kunstpelz handelt.

Weiterlesen auf Utopia.de:

** Links zu Bezugsquellen sind teilweise Affiliate-Links: Wenn ihr hier kauft, unterstützt ihr aktiv Utopia.de, denn wir erhalten dann einen kleinen Teil vom Verkaufserlös.

Gefällt dir dieser Beitrag?

Vielen Dank für deine Stimme!

Schlagwörter:

(14) Kommentare

  1. Pelz polarisiert – vor allem, weil Pelz mit Bildern von leidenden Tieren verknüpft wird! Es ist schon gut, dass auf diese Pelzverbrämungen hingewiesen wird.
    Wenn Sie aber davon schreiben, dass „Kunstpelz besser sei, als echter Pelz“ ist das schlichtweg falsch!
    Da sind schon ein paar Faktoren mehr zu berücksichtigen:
    -) Mehrfachnutzen: stammt das Fell aus der Fleischproduktion? War das Fell ein Abfallprodukt, das durch die Gerbung vor der Vernichtung bewahrt wurde?
    -) Herkunft des Pelzes: kontrollierte, „biologische“ Tierhaltung?
    -) Herkunftsland: welche Haltungsbedingungen wurden eingehalten?
    -) Gerbverfahren: Chromgerbung, Pflanzengerbung?
    -) Zurichtung und Weiterverarbeitung?
    -) Verarbeitungsland
    etc.
    Wenn Sie alle diese Punkte bei der Bewertung berücksichtigen würden, käme ein anderes Ergebnis heraus. Felle aus kbT (kontrolliert biologischer Tierhaltung), die als Abfall bei der Schlachtung anfallen würden (z.B. Rinderfell, Schafffell), in (heimischen, europäischen) Ländern gegerbt und weiterverarbeitet wurden, sind ökologisch WENIGER bedenklich, als Bekleidung aus Kunstfasern. Ob ökologisch produzierte Pelze nicht sogar ökologisch sinnvoller sind, als so manche Oberbekleidung aus „Naturfasern“ ist durchaus überlegenswert und wäre fundiert zu untersuchen! Denn immerhin haben Pelze, genauso wie Leder, eine extrem lange Lebensdauer. Außerdem kann ein Pelz – im Gegensatz zu Leder – jederzeit ausgebessert werden. Die Lebensdauer wird so um ein Vielfaches verlängert. Gute Pelze können viele Jahrzehnte (!) intensiv (als einziges Kleidungsstück) getragen werden.
    Also bitte: geben wir acht bei generellen negativen Kritiken! Danke!

  2. Liebe Frau Gruber,
    Danke für Ihr konstruktives Feedback! Sie haben natürlich vollkommen recht: pauschale Aussagen sind hier schwer zu treffen. Meine Empfehlung im Artikel hat sich an der Situation orientiert, in der Stiftung Warentest die Produkte gekauft hat und die wohl auf die meisten potenziellen Kunden zutrifft: Kauf in herkömmlichen Geschäften, teils relativ billige (Neu-)Produkte ohne Zertifizierungen. Und in diesem Fall halte ich den Kauf von Echtfell für hochproblematisch. Bei Fellen als Abfallprodukten aus zertifiziert biologischer Tierhaltung mit pflanzlicher Gerbung usw. mag die Bilanz ganz anders aussehen, leider ist das aber ja eher die Ausnahme als der Regelfall.

  3. Dinge wie Fell oder Leder können im Grunde nur schlecht als Abfallprodukt aus der Fleischindustriebezeichnet werden, wenn sie einen bestimmten Marktwert haben. Schlachthäuser, wie auch Fleischproduzenten verdienen durch den Verkauf von Leder und Fell genauso wie bei dem Verkauf von Fleisch, dass dies nur einen kleinen Teil des Ertrags ausmacht spielt dabei keine Rolle.
    Die Nutzung von Leder ist lediglich eine effizientere Nutzung des Rohstoffes Tier, egal kbA oder nicht. Knochen und andere Bestandteile werden ja auch weiterverkauft und verarbeitet, bspw. als Dünger, Gelantine etc. und nicht einfach weggeschmissen.

  4. Susanne Gruber, ich empfinde Ihren Kommentar als absolut zynisch, denn sie schreiben von Abfallprodukt, wohl wissend, dass es sich dabei um Lebewesen handelte.
    Menschen Ihres Schlags sind mitverantwortlich für die desaströsen Zustände in der Tierhaltung und Ermordung dieser mißhandeleten Lebewesen. Der Grund: Sie versuchen hier Tierleid zu verharmlosen, indem Sie uns glauben machen wollen, den Tieren aus der „Bio Tierhaltung KbT ginge es besser als ihren geschundenen Mitgeschöpfen. Dass das eine Lüge ist, wissen Sie vermutlich sogar selbst. Der gesunde Menschenverstand sagt uns, dass die Nachfrage an KbT auf schonende Art gar nicht mehr zu deckeln ist. Lassen Sie also ihre zynische Relativierungen und machen Sie nicht noch Werbung für die Felle und Häute unserer Mitlebewesen. Vielleicht sind Sie ja in Ihrem nächsten Leben als Hund in China unterwegs 😉 Ich sage nur KARMA!!! GO VEGAN!!!

  5. Der Begriff „Abfallprodukt“ war von Susanne Gruber sicher sehr unglücklich gewählt. Vielleicht wäre „Nebenprodukt“ treffender.
    Dennoch hat sie eine Reihe von sachlichen Argumenten und bedenkenswerten Ansätzen eingebracht, die die Diskussion konstruktiv bereichern. Und das ganz im Gegenteil zu deinem Kommentar! Dieser besteht lediglich aus einer Anhäufung von unverschämten Unterstellungen und unbelegten Behauptungen. Und dann vom „gesunden Menschenverstand“ zu reden, halte ich schon für reichlich gewagt.
    Angesichts deiner anmaßenden und selbstgerechten Schimpftirade würde ich dir auch dringend empfehlen, mal über dein eigenes „KARMA!!!“ nachzudenken.

  6. Liebe Frau Rieger!
    Da haben Sie vollkommen recht! Pelzverzierungen, Bommel aus Pelz, und Ähnliches sind absolut abzulehnen. Und ganz besonders dann, wenn diese Teile auf Kleidung aus Kunstfasern oder gar Billigkleidung ist, die nach ein paar Wochen Tragezeit wieder weggeworfen wird. Wozu ist dann das Tier gestorben?

    Lange Zeit wurde gegen die Pelzindustrie gearbeitet und langsam ein Umdenken bei den Konsumenten erreicht. Nun kommt die Pelzindustrie wieder über die Hintertüre herein, weil an einer großen Zahl an Oberbekleidung solche Pelzanhänge zu finden sind.

    Wenn ein Mehrfachnutzen aus der Tierhaltung gezogen wird, ist die Bilanz eine andere. …und eigentlich vielleicht sogar sinnvoller! Nur soweit ich darüber informiert bin, gibt es noch keine fundierte Studie darüber.

  7. Pelz erkennen:
    Gut gemachte Pelzersatzstoffe sind sehr schwierig zu erkennen. Die Faserindustrie kann heute Kunstfasern so herstellen, dass sie optisch selbst von Fachleuten kaum von Naturfasern zu unterscheiden ist, und sogar ähnliche Eigenschaften wie Naturfasern haben.
    Die vorgestellte Testmethode (Wind) funktioniert nur bei Billigprodukten. Die Brennprobe ist besser geeignet.

  8. Ihr habt den wichtigsten Faktor vergessen. Der Geruch. Die drei Checks können versagen, da eben die Textilindustrie heute tauschend „echte“ Pelz- und Lederstoffe herstellt. Aber am Geruch erkennt man definitiv den Unterschied. Echter Pelz und Leder haben einen ganz eigenen Geruch. Schwer zu beschreiben, müsste jeder selbst mal schnuppern. Ich persönlich empfinde ihn als angenehm.
    Wärend künstliche Textilien eher nach Plastik riechen, chemisch, muffig, sehr unangenehm.
    Ich finde es wichtig sich vorher zu informieren und auf Nachhaltigkeit bei der Kleidung zu achten, es wird aber zunehmend schwerer, durch mangelnde oder fehlende Labels, Misinformation, Vertuschung seitens der Hersteller, und und und……

  9. Wer Kunstpelz trägt, macht Werbung für Pelz.

    Tiere auf Pelzfarmen verbringen ihr kurzes Leben in winzigen, verdreckten Drahtkäfigen. Nerze und Füchse leiden hinter Gittern unter eitrigen Infektionen, Selbstverstümmelung und Verhaltensstörungen. Tiere in Freiheit werden in heimtückisch angebrachten Fallen schwer verletzt und verstümmelt, bevor ein Pelzjäger ihr Leben durch einen Tritt oder Schuss ins Herz beendet.

  10. „Wer Kunstpelz trägt, macht Werbung für Pelz.“
    Ich stimme zu, gewagte These. Sind dann demzufolge die Umsätze von bekannten Pelzproduzenten gestiegen? Das wäre schlimm. Oder sind es die Kunstpelze, die häufiger gekauft werden? Frage eins sollte dringend von Anonietta beantwortet werden. Frage zwei erübrigt sich, da Kunstpelz mit der Absicht des guten Gewissens eingekauft wird und hier massiv die Aufklärung am Kunden fehlt, ja der Verbraucherschutz alamiert sein sollte. Deine Anwort hört sich nach unterschwelliger Beschuldigung an: wer Kunstpelz kaufen würde, würde sich mit den unwürdigen Lebensbedingungen der Nerze etc. zufrieden geben. Das ist anmaßend und weise ich zurück!
    Ich werde nun in meinem Umfeld Aufklärungsarbeit leisten, was ich allen ans Herz lege.

  11. „Frage eins sollte dringend von Anonietta beantwortet werden.“
    Vorausgesetzt, es handelt sich immer um dieselbe Person, die hier in letzter Zeit als „Antonietta“ postet, fürchte ich allerdings, dass da nichts kommen wird. Da wird immer nur ein Kommentar, oft von woanders kopiert oder bereits mehrfach anderswo gepostet, hingeklatscht und das war’s dann. Auf Einwände wird nicht eingegangen.