Wir haben es satt: 6 Dinge, die beim Essen falsch laufen

Wir haben es satt, Zusatzstoffe, E-Nummern, Billig-Milch, Billig-Fleisch
Foto: © bestvc - Fotolia.com; Colourbox.de, Utopia, Thomas Parth (Facebook)

Am 20. Januar demonstrieren bei „Wir haben es satt“ wieder Tausende für ein Umsteuern in der Landwirtschaftspolitik. Wir haben das zum Anlass genommen, uns anzuschauen, welche Dinge im Lebensmittelbereich uns besonders aufregen.

Unter dem Motto „Wir haben es satt!“ demonstrieren diesen Samstag in Berlin wieder Tausende für eine ökologischere Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion in Deutschland und weltweit. Vorab forderte „Wir haben es satt!“-Sprecher Jochen Fritz von der künftigen Regierung unter anderem verbindliche Zeitpläne für den Glyphosat-Ausstieg und einen Personalwechsel: „Mit leeren Versprechungen kommen wir nicht weiter, daher muss die nächste Regierung das Ministeramt neu besetzen.“

Diese sechs Dinge im Lebensmittelbereich haben wir satt.

Billiges Fleisch aus Massentierhaltung

„Junge Pute“ für nur 2,99 Euro das Kilo – ein wütender Facebook-User zeigte vor Kurzem mit der Werbeanzeige eines Supermarktes, wie absurd günstig Fleisch aus Massentierhaltung ist. Zum Vergleich: Die daneben abgebildete Packung Ferrero-Schokolade kostete 14,84 Euro das Kilo.

Damit das Geflügel so günstig sein kann, muss eine maximale Menge an Fleisch so schnell und billig wie möglich produziert werden. Das geht nur mit industrieller Massentierhaltung – für die Tiere eine Quälerei, für die Umwelt eine Belastung. Die billigen Fleischpreise sorgen wiederum dafür, dass noch mehr Menschen mehr Fleisch kaufen – ein Teufelskreis.

Wir haben es satt: Wer die Praktiken der Massentierhaltung nicht unterstützen will, sollte weniger Fleisch essen – und nur solches in Bio-Qualität.

Essen retten ist eine Straftat

Jedes Jahr werden in Deutschland bis zu 20 Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen – vieles davon wäre eigentlich noch genießbar. Vor allem Supermärkte schmeißen viel Essen weg, etwa weil das Mindesthaltbarkeitsdatum erreicht ist oder weil Obst und Gemüse Schönheitsfehler haben.

Die vielen Nahrungsmittel könnte man eigentlich noch verwerten – das finden auch die sogenannten „Mülltaucher“: Sie stöbern in den Containern von Supermärkten und retten die noch essbaren Lebensmittel. Manche der Mülltaucher machen das aus Protest gegen Lebensmittelverschwendung, andere wiederum aus Bedürftigkeit. Doch sie alle begehen dabei rechtlich gesehen eine Straftat.

Anfang Januar 2018 erreicht eine Petition für eine Gesetzesänderung die benötigten 50.000 Unterschriften leider nicht. Jeder kann jedoch selbst aktiv werden – denn nicht nur Supermärkte werfen jede Menge Essen weg, sondern auch Privathaushalte.

Als verantwortungsvolle Konsumenten sollten wir das satt haben – und etwas gegen diese Lebensmittelverschwendung tun: 10 Tipps für weniger Essen im Müll.

Containern wir haben es satt
Aussortierte Lebensmittel „containern“: rechtlich gesehen eine Straftat (Foto: © Friedberg - Fotolia.com)

Wir haben es satt: Zusatzstoffe

E-Nummern, also Lebensmittelzusatzstoffe, gibt es, um Lebensmittel länger haltbar zu machen, die Konsistenz zu verbessern, technologische Prozesse zu vereinfachen oder den Genusswert zu steigern.

Leider haben Lebensmittelzusatzstoffe nicht nur gute Eigenschaften: Viele stehen im Verdacht, Allergien auszulösen und Krankheiten wie Asthma, Neurodermitis, Alzheimer oder sogar Krebs zu begünstigen. Aber: Nicht alle E-Nummern sind schlecht: Etwa die Hälfte der Lebensmittelzusatzstoffe gelten als unbedenklich.

In den letzten Jahren sind die Kunden kritischer geworden. Und die Lebensmittelhersteller haben tatsächlich reagiert: Im Supermarkt ist kaum noch eine E-Nummer auf den Verpackungen zu entdecken. Wie kann das sein? Weil die Hersteller anstelle von E-Nummern nun gerne den Namen des Zusatzstoffes verwenden: Citronensäure klingt deutlich harmloser als E330.

Deshalb bedeutet eine Zutatenliste, auf der keine E-Nummern zu sehen sind, nicht, dass der Inhalt auch tatsächlich frei von Zusatzstoffen ist. Ein kritischer Blick auf die Zutatenliste lohnt sich sich also immer. Denn: Viele E-Nummern gelten als gesundheitsgefährdend und die Verbraucherzentralen raten vom Verzehr ab.

Wir haben fragwürdige E-Nummern satt! So kannst du ganz einfach E-Nummern vermeiden:

  • Inhaltsstoffangaben auf der Packung checken
  • nutze die E-Nummern-App des Bundeszentrums für Ernährung; sie zeigt dir ob eine E-Nummer bedenklich ist
  • Produkte mit EU-Bio-Siegel kaufen: in Bio-Lebensmitteln sind deutlich weniger Inhaltsstoffe und E-Nummern enthalten
  • unverarbeitete Lebensmittel essen
  • selber kochen: lieber eine frische selbstgemachte Suppe als Dosenfutter und Tütensuppen

Glyphosat: wir haben es satt

Ende November 2017 hat die EU das umstrittene Unkrautgift Glyphosat für weitere fünf Jahre zugelassen, dabei wird das Unkrautvernichtungsmittel seit Jahren kontrovers diskutiert. Viele Wissenschaftler und Verbände sind davon überzeugt, dass der Stoff gefährlich ist – unter anderem steht Glyphosat im Verdacht, Krebs auszulösen.

Glyphosat ist das am häufigsten eingesetzte Pestizid weltweit. Das Breitbandherbizid vernichtet jede Pflanze – es sei denn, sie wurde gentechnisch so verändert, dass sie gegen das Herbizid resistent ist.

Ende Dezember 2017 forderten Umwelt- und Agrarminister aus sechs EU-Staaten von der EU-Kommission in einem Schreiben das Ende von Glyphosat, berichtete Deutschlandfunk. Die Kommission solle einen Ausstiegsplan entwickeln und neue Studien zu Risiken und Alternativen anregen.

Glyphosat, EU, Zulassung, Unkrautvernichtungsmittel, Monsanto, Roundup
Auftragen von Pestiziden: Ende 2017 beschloss die EU, Glyphosat für weitere fünf Jahre zuzulassen. (Foto: CC0 Public Domain / Pixabay)

Fakt ist: Glyphosat bleibt vorerst weiterhin zugelassen, doch trotzdem kann jeder etwas unternehmen: 5 Dinge, die du jetzt gegen Glyphosat tun kannst. Denn wir haben es satt, nichts zu tun und uns nur zu beschweren.

Unfaire Billig-Milch

Wir trinken durchschnittlich 50 Liter Milch pro Jahr, 75.000 Milchbauern produzieren sie, 2014 wurden Milchprodukte für über 6 Milliarden Euro ins Ausland transportiert. Kurz: Milch ist wichtig, der Milchpreis erst recht. Sehr günstige Milch bedeutet: billigeres Futter, mehr Turbo-Kühe, weniger Tierwohlbemühungen, geringere Hygiene, sinkende Gehälter.

Das neue Jahr hat gerade erst begonnen und die Milchpreise sinken: Die Molkereigenossenschaft FrieslandCampina senkt den Garantiepreis im Januar um fast 10 Prozent, berichtet der Branchendienst Agrarheute.

Vieles lässt sich nicht einfach ändern. Als Verbraucher kannst du dich aber für einen besseren Milchpreis einsetzen – und zum Beispiel Bio-Milch und faire Milch kaufen. An sogenannten Milchtankstellen bekommst du frische regionale Milch. Zudem gibt es zahlreiche pflanzliche Milchalternativen. Auch bei anderen Milchprodukten hast du die Wahl: So braucht man für ein Kilo Butter etwa 20 Liter Milch – auch hier entscheidet man sich also besser nicht für das Billigpreis-Produkt.

Welche Milch kaufen?

Etikettenschwindel: wir haben es satt

Hersteller verkaufen uns Süßigkeiten mit Gesundheitsversprechen. Sie setzen Lebensmitteln fragwürdige Stoffe zu, um ihnen eine besondere Wirkung zuzusprechen. Und sie umgarnen uns gerne mit wunderschönen Geschichten, während die Herstellungsbedingungen ihrer Produkte oft miserabel sind.

Manchmal wissen wir Kunden es tatsächlich nicht besser und kaufen diese Dinge – oft wollen wir es vielleicht einfach nicht wahrhaben. Die gute Nachricht: Es gibt Alternativen. Hier sind 10 Produkte, die viel versprechen – und ehrliche Alternativen, darunter nicht nur Nahrungsmittel.

Hinter der seit 2011 jährlich stattfindenden Demonstration steht ein Bündnis von über 50 Organisationen; parallel zur Demo treffen sich am 20. Januar Landwirtschaftsminister zur Agrarministerkonferenz aus der ganzen Welt in Berlin. Im Rahmen der Demo findet vor dem Tagungsort der Agrarministerkonferenz ein „Kochtopf-Konzert“ statt: Lautstark wollen die Demonstranten mit Kochtopf und Kochlöffel bewaffnet auf ihren Protest aufmerksam machen.

Wir haben es satt“ startet am 20. Januar 2018, 11 Uhr auf dem Washingtonplatz am Hauptbahnhof Berlin. Erwartet werden mehr als 10.000 Teilnehmer, letztes Jahr demonstrierten laut Veranstalter 18.000 Teilnehmer.

Was habt ihr satt? Sagt es uns in den Kommentaren!

Weiterlesen auf Utopia.de:

Schlagwörter:

(1) Kommentar

  1. Ich habe es satt:
    ZUCKER!!!! Ob offen, oder versteckt, oder unter anderem Namen, in soooooooo vielen Produkten! Mein Geld bekommen die nicht mehr!!!!

** Links zu Bezugsquellen sind teilweise Affiliate-Links: Wenn ihr hier kauft, unterstützt ihr aktiv Utopia.de, denn wir erhalten dann einen kleinen Teil vom Verkaufserlös.