Wir haben es satt: 6 Dinge, die beim Essen falsch laufen

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Am 19. Januar demonstrieren bei „Wir haben es satt“ in Berlin wieder Tausende für ein Umsteuern in der Landwirtschaftspolitik. Wir haben das zum Anlass genommen, uns anzuschauen, welche Dinge im Lebensmittelbereich uns besonders aufregen. Falls ihr könnt: geht hin! 

Unter dem Motto „Wir haben es satt!“ demonstrieren am Samstag in Berlin wieder Tausende für eine ökologischere Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion in Deutschland und weltweit. Vorab forderte „Wir haben es satt!“-Sprecherin Saskia Richartz von Agrarministerin Julia Klöckner unter anderem einen Stopp der fatalen Subventions­praxis, bei der Milliardenbeträge direkt an industrielle Großbetriebe weitergeleitet werden: „Wenn 2019 bei der EU-Agrarreform die Milliarden Agrarsubventionen neu verteilt werden, muss klar sein: keinen Cent mehr für die Agrarindustrie! Steuergeld muss bäuerliche Betriebe unterstützen, die Umwelt und Klima schützen und unsere Rinder, Schweine oder Hühner gut halten!“

Diese sechs Dinge im Lebensmittelbereich haben wir satt:

Ferkelkastration ohne Betäubung

In Deutschland werden Ferkeln wenige Tage nach der Geburt die Hoden entfernt – ohne Betäubung. Diese Praxis sollte zum Jahreswechsel eigentlich verboten werden. Entgegen der Proteste von Umwelt-, Tier- und Verbraucherschützern haben sich Union und SPD im November 2018 allerdings darauf geeinigt, das Verbot um zwei Jahre zu verschieben. Erst dann soll die Ferkelkastration ohne Narkose endgültig verboten werden.

Grund für die Verlängerung sind nach Ansicht der Großen Koalition und des Bauernverbands fehlende Alternativen und zu hohe Kosten. Um zwei bis fünf Euro pro Ferkel würden die Kosten steigen – zu viel aus Sicht der Landwirte. Die Schweinehalter fürchten billigere Konkurrenz aus dem Ausland, die sie ihre Existenz kosten könnte.

Ferkel Kastration Demo wir haben es satt

Wir haben es satt: Wer nicht will, dass Ferkel ohne Betäubung kastriert werden, sollte komplett auf Fleisch verzichten. Denn selbst bei Schweinefleisch mit dem EU-Bio-Siegel darf bislang ohne Betäubung kastriert werden. Zur Schmerzreduktion wird zusätzlich oder statt (!) der Betäubung vor der Kastration ein Schmerzmedikament verabreicht.

Ausnahmen bilden der Bio-Anbauverband Demeter, bei dem eine Betäubung verpflichtend ist. Bei Bioland ist das ebenfalls der Fall, hier gibt es aber wenige Ausnahmen. Beim Bio-Verband Naturland werden immerhin 90 Prozent der männlichen Ferkel bei der Kastration betäubt oder müssen dank Impfung gar nicht erst kastriert werden. Dass einzelne Betriebe noch ohne Betäubung kastrieren müssen, liegt zum Beispiel daran, dass sie es sich nicht leisten können, weil sie zu klein sind. Doch auch diese Betriebe will Naturland noch vor Ablauf der zwei Jahre umstellen – so dass kein Ferkel mehr ohne Betäubung kastriert werden muss.

Essen retten ist eine Straftat

Jedes Jahr werden in Deutschland bis zu 20 Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen – vieles davon wäre eigentlich noch genießbar. Vor allem Supermärkte schmeißen viel Essen weg, etwa weil das Mindesthaltbarkeitsdatum erreicht ist oder weil Obst und Gemüse Schönheitsfehler haben.

Die vielen Nahrungsmittel könnte man eigentlich noch verwerten – das finden auch die sogenannten „Mülltaucher“: Sie stöbern in den Containern von Supermärkten und retten die noch essbaren Lebensmittel. Manche der Mülltaucher machen das aus Protest gegen Lebensmittelverschwendung, andere wiederum aus Bedürftigkeit. Doch sie alle begehen dabei rechtlich gesehen eine Straftat.

Anfang Januar 2018 erreichte eine Petition für eine Gesetzesänderung die benötigten 50.000 Unterschriften leider nicht. Jeder kann jedoch selbst aktiv werden – denn nicht nur Supermärkte werfen jede Menge Essen weg, sondern auch Privathaushalte.

Als verantwortungsvolle Konsumenten sollten wir das satt haben – und etwas gegen diese Lebensmittelverschwendung tun: 10 Tipps für weniger Essen im Müll.

Containern wir haben es satt
Aussortierte Lebensmittel „containern“: rechtlich gesehen eine Straftat (Foto: © Friedberg - Fotolia.com)

Wir haben es satt: Zusatzstoffe

E-Nummern, also Lebensmittelzusatzstoffe, gibt es, um Lebensmittel länger haltbar zu machen, die Konsistenz zu verbessern, technologische Prozesse zu vereinfachen oder den Genusswert zu steigern.

Leider haben Lebensmittelzusatzstoffe nicht nur gute Eigenschaften: Viele stehen im Verdacht, Allergien auszulösen und Krankheiten wie Asthma, Neurodermitis, Alzheimer oder sogar Krebs zu begünstigen. Aber: Nicht alle E-Nummern sind schlecht. Etwa die Hälfte der Lebensmittelzusatzstoffe gilt als unbedenklich.

In den letzten Jahren sind die Kunden kritischer geworden. Und die Lebensmittelhersteller haben tatsächlich reagiert: Im Supermarkt ist kaum noch eine E-Nummer auf den Verpackungen zu entdecken. Wie kann das sein? Weil die Hersteller anstelle von E-Nummern nun gerne den Namen des Zusatzstoffes verwenden: Citronensäure klingt deutlich harmloser als E330.

Deshalb bedeutet eine Zutatenliste, auf der keine E-Nummern zu sehen sind, nicht, dass der Inhalt auch tatsächlich frei von Zusatzstoffen ist. Ein kritischer Blick auf die Zutatenliste lohnt sich also immer. Denn: Viele E-Nummern gelten als gesundheitsgefährdend, und die Verbraucherzentralen raten vom Verzehr ab.

Wir haben fragwürdige E-Nummern satt! So kannst du ganz einfach E-Nummern vermeiden:

  • Inhaltsstoffangaben auf der Packung checken.
  • Nutze die E-Nummern-App des Bundeszentrums für Ernährung; sie zeigt dir, ob eine E-Nummer bedenklich ist.
  • Produkte mit EU-Bio-Siegel kaufen: In Bio-Lebensmitteln sind deutlich weniger Inhaltsstoffe und E-Nummern enthalten.
  • Unverarbeitete Lebensmittel essen.
  • Selber kochen: lieber eine frische selbstgemachte Suppe als Dosenfutter und Tütensuppen.

Glyphosat: wir haben es satt

Ende November 2017 hat die EU das umstrittene Unkrautgift Glyphosat für weitere fünf Jahre zugelassen, dabei wird das Unkrautvernichtungsmittel seit Jahren kontrovers diskutiert. Viele Wissenschaftler und Verbände sind davon überzeugt, dass der Stoff gefährlich ist – unter anderem steht Glyphosat im Verdacht, Krebs auszulösen.

Glyphosat ist das am häufigsten eingesetzte Pestizid weltweit. Das Breitbandherbizid vernichtet jede Pflanze – es sei denn, sie wurde gentechnisch so verändert, dass sie gegen das Herbizid resistent ist.

In Deutschland will Bundesumweltministerin Svenja Schulze den Einsatz von Glyphosat bis 2023 verbieten. „Wir wollen den Ausstieg jetzt schrittweise vorantreiben, inklusive eines Enddatums“, sagte die Ministerin im November 2018. Bis dahin will das Ministerium den Einsatz von Glyphosat zumindest einschränken. Hierfür soll die sogenannte „Pflanzenschutz- und Anwendungsverordnung“ geändert werden. Warum der Ausstieg so lange dauert? Ein Verbot des Wirkstoffs wäre der einfachste Weg gewesen, erklärte Schulze. Allerdings wurde die Zulassung von Glyphosat im vergangenen Jahr von der EU erneut um fünf Jahre verlängert.

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Auftragen von Pestiziden: Ende 2017 beschloss die EU, Glyphosat für weitere fünf Jahre zuzulassen. (Foto: CC0 Public Domain / Pixabay)

Fakt ist: Glyphosat bleibt vorerst weiterhin zugelassen, doch trotzdem kann jeder etwas unternehmen: 5 Dinge, die du jetzt gegen Glyphosat tun kannst. Denn wir haben es satt, nichts zu tun und uns nur zu beschweren.

Unfaire Billig-Milch

Wir trinken durchschnittlich 50 Liter Milch pro Jahr, 75.000 Milchbauern produzieren sie, 2014 wurden Milchprodukte für über 6 Milliarden Euro ins Ausland transportiert. Kurz: Milch ist wichtig, der Milchpreis erst recht. Sehr günstige Milch bedeutet: billigeres Futter, mehr Turbo-Kühe, weniger Tierwohlbemühungen, geringere Hygiene, sinkende Gehälter.

Das neue Jahr hat gerade erst begonnen und die Milchpreise sinken: Die Molkereigenossenschaft FrieslandCampina senkt den Garantiepreis im Januar um fast 10 Prozent, berichtet der Branchendienst Agrarheute.

Vieles lässt sich nicht einfach ändern. Als Verbraucher kannst du dich aber für einen besseren Milchpreis einsetzen – und zum Beispiel Bio-Milch und faire Milch kaufen. An sogenannten Milchtankstellen bekommst du frische regionale Milch. Zudem gibt es zahlreiche pflanzliche Milchalternativen. Auch bei anderen Milchprodukten hast du die Wahl: So braucht man für ein Kilo Butter etwa 20 Liter Milch – auch hier entscheidet man sich also besser nicht für das Billigpreis-Produkt.

Welche Milch kaufen?

Etikettenschwindel: wir haben es satt

Hersteller verkaufen uns Süßigkeiten mit Gesundheitsversprechen. Sie setzen Lebensmitteln fragwürdige Stoffe zu, um ihnen eine besondere Wirkung zuzusprechen. Und sie umgarnen uns gerne mit wunderschönen Geschichten, während die Herstellungsbedingungen ihrer Produkte oft miserabel sind.

Manchmal wissen wir Kunden es tatsächlich nicht besser und kaufen diese Dinge – oft wollen wir es vielleicht einfach nicht wahrhaben. Die gute Nachricht: Es gibt Alternativen. Hier sind 10 Produkte, die viel versprechen – und ehrliche Alternativen, darunter nicht nur Nahrungsmittel.

Demo: Wir haben es satt in Berlin

Hinter der seit 2011 jährlich stattfindenden Demonstration steht ein Bündnis von über 50 Organisationen. „Wir haben es satt“  am 19.1.2019 beginnt um 12 Uhr am Brandenburger Tor und zieht zum Agrarministergipfel, wo die Teilnehmer mit einem „Kochtopf-Konzert“ eine gerechte EU-Agrarreform und mehr Mut für die Agrarwende fordern. Alle Menschen, die sich für gute Landwirtschaft und gesundes Essen einsetzen, sind herzlich willkommen teilzunehmen. Im Vorjahr waren es laut Veranstalter über 33.000 Teilnehmer.

Was habt ihr satt? Sagt es uns in den Kommentaren!

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(18) Kommentare

  1. Ich äußere jetzt besser nur einen Wunsch: Ich hätte gern, dass alle tierischen Erzeugnisse mindestens unter Demeter-/Bioland-/Naturland-Richtlininien erzeugt, verkauft und konsumiert werden. Ausnahmen sind kleine regionale Anbieter.

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