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5 Tipps, was du gegen das Insektensterben tun kannst

Insektensterben verhindern: Schmetterling, Blumenwiese
Foto: CC0 Public Domain / Pexels / James Wheeler

Weltweit sterben die Insekten – schuld daran sind der Mensch und die Landwirtschaft. Dabei brauchen wir die kleinen Tiere, um zu ĂŒberleben. Wir zeigen, was jede:r von uns gegen das Insektensterben tun kann.

Hast du auch das GefĂŒhl, vor zehn oder 20 Jahren flogen beim Picknick viel mehr Wespen und Fliegen um dich herum? Dass nach einer Autofahrt viel mehr Insekten an der Frontscheibe klebten als heute? Du könntest recht haben: Wissenschaftler:innen bestĂ€tigen immer wieder, dass die InsektenbestĂ€nde zurĂŒck gehen. Das Insektensterben hat gravierende Auswirkungen auf uns alle.

Das Insektensterben betrifft uns alle

Die Insekten stellen mit weit mehr als einer Million Arten die artenreichste Tierklasse der Welt dar. Laut NABU leben in Deutschland rund 30.000 Insektenarten. Doch deren Population ist stark bedroht, denn das Insektensterben schreitet flÀchendeckend voran. Die Studienlage der letzten Jahre:

Anfang 2016 kam eine Studie des WeltbiodiversitÀtsrats IPBES zu dem Schluss, dass das Insektensterben ein weltweites PhÀnomen ist: Demnach nehmen gleichzeitig BestÀnde und Artenvielfalt von Insekten ab, bis zu 40 Prozent der BestÀuber seien vom Aussterben bedroht.

Auch in Deutschland beobachten Wissenschaftler:innen den RĂŒckgang: Laut WDR zĂ€hlten sie beispielsweise in einem Naturschutzgebiet nahe Krefeld bis zu 80 Prozent weniger Insekten als noch vor 30 Jahren. In der NĂ€he von Regensburg seien in den vergangenen 200 Jahren etwa 60 Prozent der Schmetterlingsarten verschwunden.

Studie: Insektensterben drastischer als vermutet

Eine Studie der Technischen UniverstitĂ€t MĂŒnchen (TUM) vom Oktober 2019 beobachtete Insekten zwischen 2008 und 2017 an 150 Gras- und 140 Wald-Standorten und kam zum Ergebnis, dass in jĂ€hrlich untersuchten Graslandschaften sowohl Biomasse als auch Populationsdichte und Artenzahl drastisch zurĂŒckgingen.

Den grĂ¶ĂŸten Schwund stellten die Forscher:innen auf GrĂŒnlandflĂ€chen fest, die in besonderem Maße von Ackerland umgeben sind. Dort litten vor allem die Arten, die nicht in der Lage sind, große Distanzen zu ĂŒberwinden.

„Dass solch ein RĂŒckgang ĂŒber nur ein Jahrzehnt festgestellt werden kann, haben wir nicht erwartet – das ist erschreckend, passt aber in das Bild, das immer mehr Studien zeichnen.“

Wolfgang Weisser, Professor fĂŒr Terrestrische Ökologie an der TUM

Der NABU spricht von einem „massiven RĂŒckgang der Insekten“, der sowohl die Anzahl der Insektenarten, die HĂ€ufigkeit und die Biomasse betrifft. Die Naturschutzorganisation nennt erschreckende Zahlen: Bei den Wildbienen sind ĂŒber die HĂ€lfte der Arten in ihrem Bestand gefĂ€hrdet. Ebenfalls bestandsgefĂ€hrdet oder sogar bereits ausgestorben: 17 Prozent der Schmetterlinge, 29 Prozent der Schwebfliegen, 37 Prozent der LaufkĂ€fer und ganze 87 Prozent (!) der WasserkĂ€fer.

Insektensterben: die Ursachen

GefĂ€hrdet werden Insekten weltweit durch mehrere Faktoren, die fast alle mit uns Menschen zu tun haben. Zu den Ursachen fĂŒr das Insektensterben gehören die schwindende Vielfalt auf den Feldern durch Monokulturen ebenso wie die Umweltverschmutzung, aber auch schrumpfende LebensrĂ€ume und der Pestizideinsatz in der industriellen Landwirtschaft. Der FlĂ€chenfraß durch Industrie und Wohnsiedlungen verkleinert die LebensrĂ€ume von Insekten weiter. Da viele Insekten nachtaktiv sind, stört die Lichtverschmutzung ihren Tag-Nacht-Rhythmus sowie ihr Jagd- und Fortpflanzungsverhalten.

Insektensterben - Bienensterben
Insektensterben: Besonders Bienen leiden unter dem Pestizideinsatz in der Landwirtschaft. (Foto: bellaluna / photocase.de)

Insbesondere die sogenannten Neonicotinoide, eine Gruppe von Insektiziden, scheinen den Insekten zu schaffen zu machen. Experimente zeigten, dass Bienen, die mit dem Insektizid in Kontakt kamen, danach Probleme mit der Orientierung hatten; nur etwa die HĂ€lfte fand den Weg zurĂŒck in den Bienenstock.

Dass sogar in Naturschutzgebieten und im Wald die Insekten verschwinden, weist darauf hin, dass diese Gebiete nicht ausreichen: Oft sind sie zerstĂŒckelt oder die einzelnen Schutzgebiete liegen fĂŒr die Insekten zu weit auseinander.

Die Folgen: Was passiert, wenn die Insekten aussterben?

Auch wenn es fĂŒr die Gartenparty erstmal angenehm ist, wenn weniger Insekten herumflattern und -krabbeln: Die Natur, das Klima und auch wir Menschen brauchen Insekten. Etwa 80 Prozent aller Wildpflanzen werden von Insekten bestĂ€ubt und etwa ein Drittel unserer Nahrungsmittel.

Insekten sind die Hauptnahrungsquelle fĂŒr viele Vögel und Wildtiere. Die VögelbestĂ€nde gehen deshalb bereits zurĂŒck: Gemessen an der Gesamtartenzahl weisen Vogelarten, die wĂ€hrend der Brutzeit auf die ErnĂ€hrung von Insekten angewiesen sind, im 25-Jahre-Trend einen starken BestandsrĂŒckgang von rund 20 Prozent auf, so der NABU. Außerdem sorgen Insekten dafĂŒr, dass organische AbfĂ€lle, Aas und Mist schnell verschwinden.

„Wenn uns die Fluginsekten fehlen, gerĂ€t die gesamte Nahrungskette in Gefahr: Blumen und BĂ€ume werden nicht mehr bestĂ€ubt und Mauerseglern und Schwalben fehlt die Nahrungsgrundlage“, warnte Josef Tumbrinck, Landesvorsitzender des NABU Nordrhein-Westfalen, im Januar 2016.

Sollte sich das Insektensterben fortsetzen, könnte also eines Tages frisches Obst und GemĂŒse zu seltenen und teuren LuxusgĂŒtern werden. Weil ihnen die Nahrung fehlt, wĂŒrden erst Vögel, Frösche und andere kleinere Wildtiere und in der Folge grĂ¶ĂŸere Tiere aussterben. Herumliegendes, vermoderndes Aas könnte Krankheiten verbreiten. Von Kuhmist wĂŒrde deutlich mehr klimaschĂ€dliches Lachgas ausgestoßen, wenn er lĂ€nger auf der Wiese liegt.

Insektensterben verhindern: 5 Tipps

Weil die Politik nur zögernd eingreift und viele Landwirt:innen noch nicht auf ökologische Landwirtschaft umstellen, hier ein paar Tipps, was wir selbst tun können. Bereits jede:r einzelne von uns kann das Insektensterben aufhalten.

Schmetterling
Schmetterlinge werden immer seltener. (Foto: © Colourbox.de)

1. Bio kaufen und Insektensterben verhindern

Bio-Lebensmittel werden auf dem Acker nicht mit gefĂ€hrlichen synthetischen Pestiziden und DĂŒngern behandelt. Im Gegensatz zur konventionellen Landwirtschaft – insbesondere im industriellen Maßstab – schadet die Bio-Landwirtschaft damit den Insekten nicht mit giftigen Spritzmitteln.

Zudem bieten viele, vor allem kleinere Bio-Höfe durch Fruchtwechsel und BrachflĂ€chen einen vielfĂ€ltigeren Lebensraum fĂŒr Insekten als große konventionelle Betriebe.

2. NatĂŒrlichen Pflanzenschutz verwenden

Was fĂŒr landwirtschaftliche Betriebe gilt, gilt natĂŒrlich auch fĂŒr den eigenen Garten: KĂŒnstliche Pflanzenschutzmittel und DĂŒnger sind keine gute Idee. Um die Pflanzen in deinem Garten dennoch vor SchĂ€dlingsbefall zu schĂŒtzen, gibt es viele natĂŒrliche Methoden zur SchĂ€dlingsbekĂ€mpfung – vom Einsatz von NĂŒtzlingen ĂŒber pflanzenbasierte Unkrautvernichter und DĂŒnger bis hin zu mechanischen Methoden.

3. Insektenhotels aufstellen

Weil es fĂŒr Insekten zunehmend schwieriger wird, natĂŒrliche Unterschlupf- und Nistmöglichkeiten zu finden, sind „Insektenhotels“ im Garten, im Hinterhof oder sogar auf dem Balkon eine gute Idee.

Insektenhotel
Hilfe fĂŒr KĂ€fer, Hummeln & Co: Insektenhotels. (Foto: © Colourbox.de)

Die kleinen „HĂ€uschen“ bestehen aus natĂŒrlichen Materialien wie Holz, Baumrinde, Bambus, Schilfrohr, Steine und Zapfen und bieten eine naturnahe Unterkunft fĂŒr Insekten wie Hummeln, Wildbienen, MarienkĂ€fer, Florfliegen, OhrwĂŒrmer oder Schmetterlinge. Die Insekten können die Hotels sowohl als Nist- als auch als Überwinterungshilfe nutzen.

Wichtig: Nicht jedes Insektenhotel ist wirklich hilfreich; um Insekten wirklich zu unterstĂŒtzen sollte man auf einige Dinge achten. Tipps gibt es zum Beispiel hier. Wer speziell fĂŒr Wildbienen Nisthilfen aufstellen möchte, findet beim NABU hilfreiche Tipps.

Insektenhotels kaufen:

4. Gegen Insektensterben: Blumige Unordnung zulassen

GĂ€rten mit sauber gemĂ€htem Rasen, akkurat gestutzten Buchshecken und Geranien in KĂŒbeln bieten Insekten kaum Lebensraum oder Nahrung – solche GĂ€rten tragen zum Insektensterben bei.

Insekten brauchen Vielfalt: SĂ€e Wildblumenwiesen, pflanze heimische Stauden, StrĂ€ucher und Hecken und belasse deinen Garten ruhig ein bisschen wild und unordentlich, dann finden Insekten und Vögel Nahrung und Lebensraum. Wildblumenmischungen** kannst du ĂŒbrigens auch im Balkonkasten wachsen lassen. Achte dabei unbedingt darauf, dass es sich um regionale Arten handelt.

Wildblumen helfen gegen das Insektensterben
Ein bisschen Wildnis im Garten tut den Insekten gut. (Foto: © Ingo Bartussek - Fotolia.com )

5. Auf giftige MĂŒckensprays verzichten

Um lĂ€stige Insekten aus deiner Wohnung oder von der Terrasse zu vertreiben, brauchst du keine giftigen Sprays; diese sind oft tödlich fĂŒr Insekten und auch nicht gut fĂŒr die menschliche Gesundheit.

MĂŒcken, Wespen & Co. kannst du mit natĂŒrlichen Mitteln fernhalten, die den Tieren keinen Schaden zufĂŒgen – zum Beispiel mit bestimmten Pflanzen und KrĂ€utern, Ă€therischen Ölen oder Kaffee. Mehr Infos hier:

Unbedenkliche Alternativen zu Autan & Co. gibt es z. B. bei** Memolife.de oder Bergfreunde.de zu kaufen.

5 Tipps, was du gegen das Insektensterben tun kannst
Pin it! (Foto: Getty Images / Pasiphae)

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