Erbsenmilch – veganer Milchersatz oder teures Superfood?

Foto: Pixabay/ CC0/ Daria Yakovleva, Vijayanarasimha

Ein Vegan-Trend: „Erbsenmilch“ aus den USA. Der vegane Milchersatz ist glutenfrei, laktosefrei und verbraucht weniger Wasser in der Produktion. Aber wie nachhaltig ist die Alternative wirklich?

Milchersatz für Menschen mit Lebensmittel-Allergien oder veganem Lebensstil wird aus vielerlei Pflanzen hergestellt: Soja, Mandeln, Hanf, Reis, Hafer und einigen anderen Getreide- und Nuss-Sorten. Doch seit einigen Jahren hat eine weitere Alternative den Markt erobert: Erbsenmilch.

Ripple Foods, ein findiges Start-Up mit Sitz in Silicon Valley, hat den veganen Milchersatz aus gelben Erbsen Anfang Mai 2016 auf den US-amerikanischen Markt gebracht. Auch der Hersteller Bolthouse Farms vertreibt den Milch-Ersatz aus Erbsen in den Vereinigten Staaten im großen Stil – und nun hat auch ein deutscher Hersteller mit der Produktion begonnen. Doch welche Vorteile hat Erbsenmilch wirklich?

„Erbsenmilch“ – was ist das eigentlich?

Erbsenmilch ist keineswegs ein grüner, zähflüssiger Brei. Der Milchersatz wird aus einer Mischung aus pürierten gelben Erbsen, Bio-Sonnenblumenöl, Rohrzucker in Bio-Qualität, Algenöl, Vitaminen und Mineralien hergestellt. Hinzu kommen noch Guakernmehl, Gellan (ein wasserlöslicher Mehrfachzucker) und Geschmacksstoffe für die Sorten Vanille und Schokolade.

Die Milch-Alternative ist also ein hoch verarbeitetes Produkt aus vielen, wenn auch biologisch erzeugten, Zutaten. Pure Erbsenmilch (Original oder Original ohne Zucker) ist eine cremige, weiße Flüssigkeit, die sehr ähnlich aussieht und schmeckt wie Kuhmilch. Und dank der Erbsen auch ohne den Zuckerzusatz relativ süß ist.

Übrigens: Streng genommen darf laut EU-Gesetzgebung gar nicht von „Erbsenmilch“ die Rede sein, ist die Bezeichnung „Milch“ doch für tierische Milch von Kuh, Schaf, Ziege oder Pferd reserviert. Im deutschen Handel wird der Milchersatz daher als Erbendrink oder Erbsengetränk bezeichnet. In diesem Artikel verwenden wir den Begriff „Erbsenmilch“ so, wie ihn der normale Konsument benutzt.

Der vegane Milchersatz aus Erbsen ist laktose-, gluten-, soja-, nuss- und gentechnikfrei, enthält keinerlei Milcheiweiß oder und kann laut Ripple dabei helfen, durch nachhaltige Produktion den ökologischen Fußabdruck zu reduzieren.

Erbsenmilch als Milchersatz: die Nährwerte

Bei den Nährwerten trumpft die Erbsenmilch nicht zuletzt dank der vielen zugesetzten Stoffe eindeutig auf. Mit 11 Prozent enthält der vegane Milchersatz fast genauso viel Proteine wie Kuhmilch, in der ungezuckerten Variante aber nur 70 kcal pro Glas, fettreduzierte Milch hat etwa 86 kcal.

Die gezuckerte Variante hat allerdings bereits 100 kcal, Vanille 130 (ungesüßt 80) und Schokolade 150 kcal. Das ist im Vergleich zu anderen Milch-Alternativen relativ viel, dafür enthalten diese um ein Vielfaches weniger Proteine und Kalzium (eineinhalb Mal so viel wie Kuhmilch).

In der Erbsenmilch stecken außerdem Omega-3-Fettsäuren aus dem Algenöl, Eisen (15 Prozent), Vitamin D (30 Prozent) und Vitamin A (10 Prozent). Was die Nährwerte betrifft, ist das neue In-Getränk tatsächlich die bessere Alternative zur Kuhmilch.

Milchersatz: Ripple Foods will Erbsenmilch aus gelben Erbsen machen
Ripple Foods will Erbsenmilch aus gelben Erbsen machen (Screenshot: ripplefoods.com)

Wo Erbsenmilch kaufen?

Lange war Erbsenmilch in Europa nicht erhältlich. Es gab sie lediglich in den USA (Ripple Milk) bei Whole Foods und Target, sowie in vereinzelten Läden in Kanada. Doch nun hat ein der Rosenheimer Getränkespezialist DrinkStar ebenfalls eine Erbsenmilch entwickelt: Princess and the Pea gibt es im Online-Shop, sowie im LEH in Österreich und ab April 2019 auch in Deutschland.

Erbsenmilch und Nachhaltigkeit

Ripple Foods sagt über seine Erbsenmilch, mit ihr könne man dem Planeten helfen. Die Erbsen würden in ohnehin regenreichen Gegenden wachsen. Außerdem würde die Erzeugung von Mandelmilch 200 mal mehr Wasser verbrauchen, als die von Erbsenmilch. Für Kuhmilch würde immerhin 25 mal mehr Wasser gebraucht. Also eigentlich sehr umweltfreundlich.

Woher das Unternehmen die Erbsen bezieht, erwähnt es auf der Website nicht. Dabei deckte u.a.  der Guardian 2016 auf, dass die Erbsen für die Milch aus Frankreich stammten, ihre Öko-Bilanz wurde durch den Transport ins Silicon Valley etwas getrübt. Das deutsche Pendant „Princess and the Pea“ bezieht seine Erbsen immerhin aus Europa. Zudem ist Erbsenmilch ein hoch verarbeitetes Produkt mit vielen Bestandteilen, deren Öko-Bilanz derzeit nicht bekannt ist. Und die Verarbeitung an sich verbraucht ebenfalls noch Ressourcen.

Habt ihr schon erste Erfahrungen mit der Erbsenmilch gemacht? Schreibt uns in den Kommentaren!

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(5) Kommentare

  1. Da das Algenöl wegen Omega-3-Fettsäuren genommen wird, könne man ja sicher auch Leinöl verwenden.
    Allerdings wird die Omega-3-Fettsäuren aus dem Leinöl besser aufgeschlossen, wenn es in Kombination, z.B. mit Quark genossen wird.
    Keine Ahnung, ob das bei Algenöl anders ist.

    Da es im ganzen Netz noch kein Rezept gibt (nach meiner Recherche aus Neugierde), wirst Du Dich da wohl als Pionier bestätigen müssen. 😉

  2. Es gibt einen wesentlichen Unterschied zwischen Algen- und Leinöl: Zwar enthalten beide Omega 3-Fettsäuren, das Leinöl enthält jedoch (wie alle terrestrischen Pflanzen) nur die kurzkettige Alpha-Linolensäure (ALA), während Algenöl die langkettigen Omega-3-Fette Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) enthalten – aus diesen Algen beziehen (ggf. via Nahrungskette) auch Fische diese Fette, und dann werden sie als „Fischöl“ verkauft…

    Zwar kann der menschliche Körper ALA zu EPA und DHA „verlängern“, aber es ist noch Gegenstand der Forschung, zu welchem Anteil das gelingt. Worst Case: Nur zu 2%. Und dann auch nur, wenn nicht zu viele Omega 6-Fette aufgenommen werden, denn die konkurrieren im Stoffwechsel mit den kurzkettigen Omega 3-Fetten um das selbe Enzym, werden von diesem aber vorgezogen. Dieser Worst Case hiesse: man bräuchte täglich eine ganze Flasche Leinöl, um den Bedarf an EPA und DHA zu decken.

    Eine Quelle für langkettige Omega 3-Fettsäuren ist also keine schlechte Idee. Algenöl ist eine perfekte Quelle, weil man damit die Schwermetallbelastung umgeht. Und die Überfischung. Die Algen wachsen sauber im Tank…

    Nebenher: Wenn man gleich langkettige Omega 3-Fettsäuren zu sich nimmt, muss man sich um ein günstiges Verhältnis von Omega 3 zu Omega 6 in der Nahrung keine Gedanken mehr machen, denn die „Konkurrenz“ entsteht ja nur beim Verketten.

    Bleibt die Frage: Woher nehmen? Ich habe es bis dato auch nur als Zutat für den Kosmetiktopf gefunden, oder als Präparat zum einnehmen in Gel-Kapseln. Übrigens verdirbt es als mehrfach ungesättigtes Fett ebenso schnell wie Leinöl.

  3. Hmm….darüber wird trefflich gestritten. 😉
    Andere Quellen sagen, daß es zwar zutrifft, daß bei Leinöl der Körper erst die Omega 3-Fettsäuren noch in langkettige Öle umsetzen muß, daß aber genau der Vorgang den eigentlich wertvollen Effekt hätte.
    So las ich es jedenfalls schon bei Vergleichen von Leinöl / Fischöl.

    Da müßte man sich jetzt vermutlich durch jede hier genannte Studie lesen:
    (Eine andere Quelle habe ich gerade nicht gefunden)
    http://www.tricutis.de/?v=122-Dreimal-besser

    Solange Zweifel besteht, würde ich einfach abwechselnd beides zu mir nehmen (Algen + Leinöl).
    Ich persönlich verwende vorwiegend Leinöl, weil es auch regional bei uns in Bio-Qualität produziert wird und esse hin und wieder auch Meeresfisch.

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