Die Smartphone Diät: Wie sie funktioniert und was sie bringt

Foto: © Stocksnap / Kaique Rocha

Alle paar Minuten greift man heute zu seinem Handy, deshalb machen immer mehr Menschen eine Smartphone Diät. Doch bringt die digitale Diät langfristig was? Unsere Autorin hat die Handy-Diät an sich selbst getestet …

Ein iPhone wird laut Statistik pro Tag 80 Mal entsperrt. Ich denke, das kommt auch bei mir manchmal hin. Mein Smartphone ist zum ständigen Begleiter geworden – selbst zum Einkaufen kommt es mit. Es ist das erste am Morgen und das letzte am Abend. Auf diese Entwicklung bin ich nicht gerade stolz, aber sie ist eben einfach so passiert und mittlerweile leider auch irgendwie schon ziemlich normal. Jeder von uns verbringt zusammengerechnet mehrere Stunden am Tag an dem Mini-Computer.

Nun könnt man sich fragen: Was kann man denn so oft und so lange an seinem Handy machen? Man checkt seine Nachrichten, das Wetter, Facebook, Whats App, Instagram, seine Mails und wenn man mit all dem fertig ist, kann man ohne Probleme wieder von vorne anfangen – und ich glaube, genau hier liegt der Grund, warum Smartphones süchtig machen können. Irgendwas ist garantiert wieder passiert. Irgendwas ist immer neu. Irgendwas hast du bestimmt noch nicht gesehen.

Smartphone Diät: Nur wann?

Und so bewegen wir uns in einem ständigen Informationskreislauf, aus dem es wahnsinnig schwierig ist, auszubrechen. Als sich bei mir in diesem Sommer ein Urlaub auf Kreta ankündigte – ohne Internet, ohne Handyempfang, ohne Steckdosen, stand für mich fest: Jetzt oder nie. Das ist die Chance, sich einmal ganz ohne Smartphone zu versuchen.

Am einfachsten ist es natürlich, wenn man wegfahren kann, zumindest einen Ausflug macht – und das Handy dabei einfach zu Hause bleibt. Für kleinere Smartphone Diäten braucht es allerdings nicht gleich einen Urlaub. In vielen Fällen reicht schon ein Wochenende.

Manchen fällt es schon schwer, erst einmal einen ganzen Tag auf das Handy zu verzichten. Durchhalten lohnt sich, kann ich nur sagen. Hier einmal ein paar Argumente, die für die Diät sprechen.

Eine Woche leben ohne Smartphone?

Das spricht für eine digitale Diät und den Verzicht aufs Handy:

  • Ich habe plötzlich so viel Zeit – wenn zwei bis drei Stunden (ja, so viel Zeit verbringen wir im Schnitt tatsächlich pro Tag mit unserem Smartphone!) plötzlich übrig bleiben, ist da eine ganze Menge übriger Zeit. Ich dachte immer, ich habe wegen der Arbeit keine Zeit mehr zu lesen, jetzt merke ich, das Handy ist Schuld – und verschlinge dank Handy-Diät plötzlich wieder Zeitschriften und Bücher.
  • Ich bin konzentrierter – wenn nicht ständig mein Handy neben mir liegt, kann ich mich wesentlich besser konzentrieren. Ich glaube, alleine die Möglichkeit, dass etwas auf dem Smartphone passieren könnte, macht schon unruhig. Wenn zudem alle paar Minuten eine Push-Nachricht, eine Benachrichtung oder eine SMS reinkommt, macht es das natürlich nicht besser. Die digitale Diät hilft mir, mich zu fokussieren.
  • Es geht mir besser – ohne soziale Medien, ohne Instagram, ohne Vergleichen. Da jeder nur die Schokoladenseiten seines Lebens postet, denkt man, bei allen Anderen passieren nur gute Sache – wenn auch nur unterbewusst. Studien belegen, dass das auf Dauer unzufrieden macht. Schon wenigen Tagen Leben ohne Smartphone bin ich komplett in mein eigenes Sein zurückkehrt und befinde mich nicht im Leben irgendwelcher Leuten, die ich gar nicht oder nur wenig kenne.
Handy Diät: digital Detox bedeutet, mal ohne Smartphone zu leben

Leben ohne Smartphone, 1. Phase: Langeweile

Wie sehr man daran gewöhnt ist, merkt man tatsächlich erst, wenn es dank Smartphone-Diät nicht mehr da ist. Schon am ersten Morgen in meinem Urlaub, den ich ja für gewöhnlich immer noch lange mit meinem Handy im Bett verbringe, fehlt etwas. Weil ich aber nicht unbedingt gleich aufstehen möchte, fange ich stattdessen an zu lesen. Das klappt anfangs noch nicht ganz so gut – da ist tatsächlich diese leichte Unruhe in mir, die aus dem Gefühl heraus entsteht, ich könnte gerade etwas im großen, weiten Internet verpassen. Total blöd, das weiß ich, aber sie ist da.

Auch mein erster Kaffee auf der Terrasse – digitale Diät pur: ohne Handy, ohne Laptop, ohne Internet – ist irgendwie anders. Ich gucke aufs Meer und auf die Berge und bin so richtig da. Nichts lenkt mich ab und alles, worauf ich achte, sind die Geräusche der Schafe, der Geruch des Kaffees und die Wärme der Sonnenstrahlen. Das machen Smartphones mit uns: dass wir permanent abgelenkt sind. Von unserer Umwelt, von unserem Leben, von uns selbst.

Leben ohne Smartphone, 2. Phase: Entspannung

Nach ein paar Tagen digitaler Diät ist der morgendliche Griff zum Buch schon normal geworden. Mein Handy liegt vernachlässigt in der Ecke. Ich benutze es nur noch, um die Uhrzeit zu checken und Fotos zu machen. Ich merke: Umso weniger ich mein Smartphone in der Hand habe, desto weniger brauche ich es auch. Es ist eine Spirale, aus der ich langsam aber sicher herauskomme. Und ich schaltete es sogar oft ganz aus, was ich zuhause wirklich lange nicht getan habe.

Stattdessen wird in unserem Urlaub viel geredet, nachgedacht, geguckt. Wichtig ist nur: Es wird immer eine Sache getan. Denn Smartphones haben uns auch zu Multitasking-Profis gemacht, was gar nicht mal so gut ist wie es klingt. Ich weiß ja nicht, wie es anderen Menschen geht, aber mich stresst es unheimlich, wenn ich mehrere Dinge zugleich mache. Abends spielen wir dann Karten. Jeder ist da, bei keinem leuchtet ein Bildschirm unter dem Tisch. Und es ist schön. Ich weiß nicht, wann wir sowas das letzte Mal hatten. Denn einer ist – und wenn nur aus Langweile – immer mal am Handy.

Zudem schwindet in einer Smartphone-Diät auch der Drang, alles per Kamera festzuhalten zu müssen. Wir sind tiefentspannt und holen nicht einmal unsere Handys, als man in der letzten Nacht die Milchstraße ganz klar am Himmel erkennen kann. Wir gucken und können es nicht fassen, wie schön es ist. Aber fotografiert wird gar nichts mehr.

Leben ohne Smartphone, 3. Phase: Angst

Zurück am Flughafen bei der Rückreise gibt es dann plötzlich wieder WLAN. Und mit ihm ein Zögern. Wenn man jetzt online geht, nach einer Woche digitale Diät, wird die Benachrichtungs-Flut nur so auf einen einprasseln. Und tatsächlich – der Moment, in dem man wieder Internet hat, ist aufregend und angsteinflößend zugleich. Absolute Reizüberflutung, bei all den Push-Mitteilungen, kleinen roten Einsen und lauten Tönen.

Nach nur kurzer Zeit sind wir alle wieder drin, die erste halbe Stunde wird erst einmal nicht geredet, jeder starrt auf seinen Bildschirm, beantwortet Nachrichten, checkt Benachrichtigungen. Schade, denke ich, wirklich gefehlt hat es mir nicht. Nach nur einer Woche habe ich mich schon richtig dran gewöhnt – an mein smartphone-freies Leben. Und es hat mich unheimlich entspannt.

Smartphone Diät: beim digital Detox geht das Leben ohne Handy

Tipps: So geht’s nach der Smartphone-Diät weiter

Genauso schnell, wie ich draußen war, bin ich auch wieder drin – in meinem Leben mit Smartphone. Dank Handy-Diät habe ich aber für mich ein paar Dinge herausgefunden, damit der Alltag nicht mehr ganz so stark von meinem Smartphone gesteuert wird:

  • Push-Mitteilungen ausschalten: Auch nach dem Urlaub bleiben die Push-Mitteilungen für E-Mails, Facebook, Instagram & Co. aus. Sozusagen digitale Ernährungsumstellung statt Handy-Diät. So schaue ich nur dann in die Apps rein, wenn es mir passt – und nicht jedes Mal, wenn etwas passiert. Zudem habe ich gemerkt, dass mich die vielen kleinen Benachrichtigungen und roten Zahlen ziemlich stressen. Ständig hatte ich das Gefühl, noch hier antworten und das erledigen zu müssen.
  • Das Smartphone auch mal daheim lassen: Alles eine Frage der Gewöhnung – zum Einkaufen und zum kurzen Kaffee mit der Freundin muss das Handy vielleicht nicht immer mit. Versuche einfach, es auch ab und zu mal daheim zu lassen. Ab und zu mal ein digitaler Diät-Tag ist nur ein kleiner Schritt, aber er wirkt Wunder.
  • Kein Handy im Bett: Ich habe einen Wecker zum Geburtstag bekommen, seitdem habe ich auch mein Smartphone nicht mehr neben oder auf dem Bett liegen. Dass das Bett zur internetlosen Zone wird, entspannt mich unheimlich. Ab 22 Uhr bin ich zudem nicht mehr erreichbar und schalte mein Handy nun jeden Abend in den Flugmodus. So bleibt noch genug Zeit zum Lesen und nichts tun.

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(10) Kommentare

  1. Als Azubi mit Auto und langem Anfahrtsweg mache ich eine (am Anfang) unfreiwillige Handy-Diät. Mittlerweile seit Mai, da ich es mir nicht leisten kann, mein Handydisplay reparieren zu lassen.

    Läuft gut und ich vermisse es auch nicht! Wenn ich jemanden anrufen muss, dann frage ich Freunde oder rufe von meiner Arbeit aus an. Alternativ wenn Verabredungen nicht kommen oder ich mich andersweitig sorge, benutze ich eben Telefonzellen oder frage Unbekannte. Heutzutage hat doch fast jeder eine Flat und ist auch gerne bereit mir weiterzuhelfen.

    Ansonsten stellt mir meine Freundin ihr handy zur Verfügung. (Unterwegs googlen, Whatsapp o. Ä.)

    Klar, meinen Eltern gefällts nicht, aber mittlerweile haben die sich auch dran gewöhnt. 🙂

    Wer einmal aus dem dauer-online Status raus ist, dessen leben ist eindeutig entspannter.

  2. Würden wir mit dem Mega-Geschnatter Speck ansetzen,
    wäre die Obergrenze unserer Wahnsinnsmobilität längst erreicht,
    weil sich niemand mehr bewegen könnte.

    Eine nicht nur supereinfache,
    sondern supernützliche „Smartschnatter-Diät“ ist möglich,
    wenn man das „FERNZIEL“ beachtet,
    sich bewusst macht,
    von welchem „MOTOR“ alles angetrieben wird
    und mit welchem „VEHIKEL“ überaus erfolgreiche Lebewesen
    auch ganz ohne Kommunikationstechnik ihre Etappenziele erreichen,
    also alles, was an „Erreichungsbedürfnis“ auf der Strecke liegt.
    Diese Mühsamkeit wird ohne diese „3 WESENTLICHKEITEN“
    gerne zum Ziel, oder besser zum „Ziellos“ (auch Schicksal),
    wenn Stärkere bestimmen, wer schiebt,
    wer lenkt, und wo’s lang geht,
    und die Schwächeren sich dann mit Hinterhermeckern,
    Jammern, Wehklagen zufriedengeben müssen …

  3. Die letzte Woche hatte ich auch ungewollt „Smartphon-frei“. Am ersten Tag im Urlaub wollte es einfach nicht mehr. Ständig hatte ich das Gefühl etwas zu verpassen, habe es aber auch genossen, nicht erreichbar zu sein. Es war Urlaub von allem! Und wie Natascha schreibt, man findet immer jemand, der einen kurz telefonieren läßt. Ich habe viel mehr gelesen, oder einfach nur auf den See geschaut und somit von meiner Umgebung viel mehr mitbekommen. Das einzig „Schlimme“ war das fehlende Regenradar, da ich draußen unterwegs war und nicht wußte, ob es regnen wird und wie ich meine Tour plane. Hat aber funktioniert, früher ging es ja auch ohne. Für mich war es eine tolle neue Erfahrung.

  4. Was in früheren Zeiten ging, geht auch jetzt noch. Ich schalte mein Handy nur ein, wenn ich telefonieren muss; wenn ich angerufen werden soll, wird das vorher vereinbart.
    Ständige Verfügbarkeit? Nein! nur nach Dienern kann (konnte) man klingeln.

  5. Ja, auch ich besitze ein Smartphone (ich bekam das ehemalige Smartphone meines Mannes). Aber es wird nur selten benutzt. Mein Mann und ich führen einen gemeinsamen Terminkalender darüber, das ist tatsächlich sehr praktisch für Verabredungen, wenn der andere gerade nicht greifbar ist, aber ansonsten benutze ich das Teil so gut wie nie. Soziale Netzwerke wie Facebook oder Twitter finden ohne mich statt (fressen nur Zeit), auf WhatsApp kann ich gut verzichten und ich will auch nicht ständig erreichbar sein, weshalb nur ein extrem kleiner Kreis die Nummer hat und diese Personen wissen, dass ich über das Festnetz eigentlich besser zu erreichen bin. Mein Smartphone gibt nämlich keinen Mucks von sich, wenn ich zuhause bin. Schließlich habe ich hier ein „normales“ Telefon, das viel besser in der Hand liegt als diese platten, breiten Teile und habe ich gerade keine Lust auf ein Telefonat, dann geht eben ein AB ran oder man kann mir auch eine e-Mail schreiben. Ich weiß, dass ich damit eine Exotin bin, aber warum sich mehr Stress machen als nötig? Und oh Wunder – meine Umgebung hatte sich sehr schnell daran gewöhnt, dass ich mich aus dem Erreichbarkeitsstress ausgeklinkt habe. Ich habe schließlich ein Recht auf Nichterreichbarkeit und so gut wie nichts ist so dringend, dass ich wirklich sofort zur Verfügung stehen muss. Es lebt sich sehr gut mit dieser Art der Entschleunigung. 🙂

  6. Es ist schon immer bekannt, dass eine dumme Bevölkerung einfach zu Händeln ist. Das fängt mit täglicher volksverarschung durch die Medien an, gefolgt von 5 Fernsehern in jedem Zimmer, über freiwilliges „nackischmachen“ über Facebook und letztendlich über Beschäftigung mit den Smartphones. 80 Prozent sind mittlerweile voll dabei und wundern sich, dass während ihrer geistigen Abhängigkeit alles miese passiert und Politiker und Großkapital ihre Pfründe immer mehr sichern. Toll, dass diese gewollte und geplante verarschung immer noch funktioniert. Aber mit einer blöden Schafherde ist das leider machbar.

  7. Das Problem ist, dass nur die eher schon kritischeren diesen Artikel lesen. Die anderen Sitzen am Iphone und haben ein Foto von sich und ihrem Müsli auf Facebook gepostet und schon allen erzählt wie sie geschlafen haben und schon mindestens ein Kätzchenfoto geliked. Ob sich Smombies wirklich besser regieren lassen, wird sich noch zeigen.

  8. Meine Kinder mir auch ein abgelegtes Smartphon verehrt. Leider bin auch ich ein Verweigerer der Immer Erreichbarkeit. Facebook und so weiter interessiert mich überhaupt nicht. Und ich verstehe auch nicht warum man ständig dieses Gerät in der Hand haben muß??? Mein Gerät ist nur in meiner Handtasche wenn ich unterwegs bin, damit ich im Notfall anrufen kann ansonsten ist es meistens nicht geladen oder noch in der Tasche. Zum Telefonieren mit Freunden nutze ich nur mein Festnetztelefon. Für das Handy habe ich auch nur Prepaidguthaben und komme 1Jahr damit aus. Und siehe da ich überlebe jeden Tag auch sehr gut ohne Handy.

  9. Ich habe meine mobilen Daten seit November gekündigt und bin nur noch zu Hause über WLAN mit dem Handy im Internet. Es ist viel entspannter unterwegs, weil ich weiß, dass ich eh keine Nachrichten bekommen kann. So schaut man erst gar nicht drauf. Und Push-Nachrichten habe ich auch so gut wie alle deaktiviert, so dass es auch daheim stressfrei ist. Ich vermisse nichts und bin froh, dass ich das Teil kaum in der Hand habe.

  10. Ich plane gerade eine Smartphone-Diät, sobald mein Arbeitsvertrag umgestellt wird. Nicht, weil ich dann gezwungenermaße keine Zeit mehr hätte, sondern weil ich mir mit der Gehaltserhöhung die Reperatur gönne. Dazu muss ich mein iPhone einschicken, das ist dann mindestens ne Woche weg. Und ich sehe dem ganzen wirklich sehr gemischt entgegen, mit Vorfreude aber auch wirklich ein wenig mit Angst. Obwohl ich weiß, dass diese absolut unbegründet ist

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