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Erdbeeren, Tomaten, Käse, Fleisch: Die Klimabilanz von Lebensmitteln im Vergleich

Foto: CC0 / pixabay / Daria Shevtsova

Tomaten im Winter – was einige noch nicht wissen: Sie sind ein echter Klimakiller. Natürlich ist allgemein bekannt, dass auch der Anbau und Transport von Obst und Gemüse aufs Klima wirken aber kaum jemand kennt Details. Eine neue Studie bringt nun echte Fakten.

Frische Erdbeeren im Winter haben einen zehnmal höheren CO2-Fußabdruck als regionale Erdbeeren im Frühjahr. Bei Ananas ist der Unterschied noch gravierender: Der CO2-Fußabdruck von frischen Flugananas ist mehr als 25-mal höher als bei Ananas, die mit dem Schiff zu uns kommen.

Das Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (ifeu) untersuchte in diesem Jahr in einer Studie insgesamt 200 Lebensmittel und kam zu einem eindeutigen Ergebnis: Frische, saisonale und regionale Produkte sind klimafreundlicher.

Klimafreundliche Lebensmittel

Wenn du saisonales, frisches und regionales Obst und Gemüse kaufst, machst du bereits vieles richtig. Im Durchschnitt sind sie besser für die Umwelt als Ware mit einem langen Transportweg. 

Die klimafreundlichsten Obst- und Gemüsesorten

Obst

  • Äpfel am besten Bio-Äpfel: Bio-Äpfel haben pro Kilogramm einen durchschnittlichen CO2-Fußabdruck von 0,2. Dieser Wert wird in der Studie als CO2-Äquivalent pro Kilogramm Lebensmittel angegeben, das in Deutschland gekauft wurde.
  • Birnen: durchschnittlicher CO2-Fußabdruck von 0,3 kg CO2-Äquivalent
  • Erdbeeren vorausgesetzt, du kaufst sie nur im Frühjahr und aus regionalem Anbau: Dann liegt der durchschnittliche CO2-Fußabdruck bei 0,3 kg CO2-Äqu.
  • Pfirsiche: CO2-Fußabdruck im Durchschnitt bei 0,2. Deutlicher höher ist der CO2-Fußabdruck bei Dosenpfirsichen; er liegt durchschnittlich bei 1,6 kg CO2-Äqu..

Gemüse

  • Aubergine: CO2-Fußabdruck von 0,2 kg CO2-Äqu.
  • Blumenkohl (0,2 kg CO2-Äqu.) und Brokkoli (0,3 kg CO2-Äqu.) – wichtig dabei: Frisches Gemüse und keine Tiefkühlkost, sonst erhöht sich die Klimabelastung.
  • Fenchel, (Bio-)Kartoffeln, Kohlrabi, Kürbis, Lauch, Rettich, Zucchini, Zwiebeln (alle 0,2 kg CO2-Äqu.)
  • Karotten und Weißkohl sind die Spitzenreiter mit einem CO2-Fußabdruck von 0,1 kg CO2-Äqu..
Saisonales Obst und Gemüse verbessern deinen CO2-Fußabdruck.
Saisonales Obst und Gemüse verbessern deinen CO2-Fußabdruck. (Foto: CC0 / Pixabay / congerdesign)

Viele Gemüsesorten haben erfreulicherweise nur eine geringe Klimabelastung zur Folge. Wichtig ist, dass du Saisonware kaufst. Dabei hilft dir unser Saisonkalender.

Welche Lebensmittel dem Klima schaden

Auf diese Obst- und Gemüsesorten solltest du aus Klimaschutzgründen besser verzichten: 

  • Flugananas: Der CO2-Fußabdruck liegt bei 15,1 kg CO2-Äqu. Wurde Ananas mit dem Schiff in unsere Supermärkte transportiert, liegt der Wert nur noch bei 0,6. Ananas aus der Dose sind auch nicht wirklich zu empfehlen (1,8 kg CO2-Äqu.).
  • Champignons aus der Dose haben einen CO2-Fußabdruck von 2,4. Frische Champignons schneiden besser ab (1,3 kg CO2-Äqu.).
  • Getrocknete Erbsen: Der CO2-Fußabdruck liegt bei 2,3 kg CO2-Äqu.. Die bessere Wahl sind frische Erbsen in Schoten (0,4 kg CO2-Äqu.).
  • Tomaten im Winter: Auch wenn sie aus Deutschland stammen, belasten Tomaten im Winter das Klima stark, der CO2-Fußabdruck liegt dann bei 2,9 kg CO2-Äqu. Der Grund: Die Tomaten werden in der Regel in Treibhäusern gezüchtet, für die ein hoher Energieaufwand beim Beheizen nötig ist. Viel besser sind saisonale Tomaten aus Deutschland mit einem CO2-Fußabdruck von 0,3 kg CO2-Äqu..
    Auch Tomatenmark hat übrigens einen großen CO2-Fußabdruck von 4,3 kg CO2-Äqu..
  • “Winter-Erdbeeren”: Im Winter frische Erdbeeren zu kaufen, belastet das Klima mit einem CO2-Fußabdruck von 3,4 kg CO2-Äqu.. Gefrorene Erdbeeren sind im Winter besser (0,7 kg CO2-Äqu.). Noch besser: Du wartest auf saisonale Erdbeeren aus Deutschland (0,3 kg CO2-Äqu.).
Erdbeeren
Erdbeeren sind im Winter keine gute Idee, im Sommer und aus regionalem Anbau aber ein klimafreundliches Obst. (Foto: CC0 / Pixabay / Couleur)

Um es nochmal zu verdeutlichen: Ein Kilogramm Erdbeeren im Winter zu kaufen, belastet das Klima ebenso stark mit CO2 wie 17 Kilogramm Bio-Äpfel. Und für ein Kilo Flugananas kannst du schlappe 75,5 Kilo Pfirsiche essen.

Tierische Produkte und ihre Ökobilanz

Klimatisch schlagen vor allem Rindfleisch, Wild, (gefrorene) Garnelen, Butter (Bio-Butter sogar noch stärker!) sowie sämtliche Käsesorten zu Buche. Die Zahlen im Detail:

  • Rindfleisch: Durchschnittlicher CO2-Fußabdruck von 13,6 kg CO2-Äqu.
  • Wild, zum Beispiel Hirschfleisch: CO2-Fußabdruck von 11,5 kg CO2-Äqu.
  • Garnelen, gefroren: CO2-Fußabdruck von 12,5 kg CO2-Äqu.
  • Butter: CO2-Fußabdruck von 9,0, Bio-Butter liegt sogar bei 11,5 kg CO2-Äqu.
  • Käse: Feta (7,0 kg CO2-Äqu.), Hartkäse wie Emmentaler (6,0 kg CO2-Äqu.), Parmesan (6,3 kg CO2-Äqu.), Frischkäse (5,5 kg CO2-Äqu.)

Das Studienergebnis ist damit eindeutig: Weniger Fleisch- und Milchprodukte zu konsumieren, schützt unser Klima maßgeblich. 

Dr. Guido Reinhardt, Leiter der ifeu-Studie, erklärt, dass beispielsweise Rindfleisch für die Erzeugung sehr viel Dünger und Wasser benötigt. Das führt zu einer hohen Umweltbelastung. Ähnlich verhält es sich mit Reis, weiß der Experte.

Utopia rät: Fleisch lässt sich in vielen Gerichten einfach ersetzen. Rinder- oder Schweinehackfleisch kannst du zum Beispiel durch pflanzliche Alternativen tauschen. Sojagranulat gibt es beispielsweise auch aus Deutschland und schmeckt in einer leckeren Soja-Bolognese. Reis kannst du als Beilage mit Kartoffeln, Bulgur oder auch Nudeln ersetzen. Wenn du Reis durch Bulgur ersetzt, ist der CO2-Fußabdruck laut Studie um das Fünffache geringer.

Bio-Produkte sind besser für die Tiere – und auch für die Umwelt!?

Ein eher überraschendes Studienergebnis: Fleisch, Milch und Eier aus Bio-Landwirtschaft haben in einigen Fällen keine bessere Klimabilanz als Produkte aus konventioneller Landwirtschaft – manchmal schneiden sie sogar schlechter ab.

Der Grund ist jedoch schnell gefunden: Bio-Landwirte bewirtschaften eine größere Fläche, weil sie geringere Erträge einfahren. Und höhere Hektarzahlen können in der Studie zu höheren CO2-Emissionen führen.

Phosphate vermeiden mit biologischer Landwirtschaft.
Biologische Landwirtschaft benötigt meist größere Flächen, allerdings schont sie das Klima durch weniger Pestizide und eine nachhaltigere Bodenbewirtschaftung. (Foto: CC0 / Pixabay / silviarita)

Aber vorsicht: Klima ist nicht der einzige Einfluss auf die Umwelt, und hier verzerrt der reine Blick auf CO2 das Gesamtbild. „Hier zeigt sich, dass der alleinige Blick auf die CO2-Emissionen nicht die ganze ökologische Wahrheit sagt“, erklärt Dr. Guido Reinhardt. Denn Bio-Landwirtschaft bietet noch viele andere Vorteile für die Umwelt. 

Dr. Reinhardt erläutert: “Die etwas höheren Emissionen werden durch den deutlich geringeren Pestizideinsatz, nachhaltigere Bodenbewirtschaftung und Erhöhung der Artenvielfalt viel mehr als wieder wettgemacht. Gerade in der Landwirtschaft kann ein allein auf die CO2-Emissionen eingeengter Blick die ökologische Gesamtbewertung stark verfälschen”.

Verpackung der Lebensmittel ist entscheidend

Viele Konsument*innen stören sich an den vielen Verpackungen, die im Supermarkt auch bei Obst und Gemüse zu finden sind. Und tatsächlich hat laut Studie die Verpackung eines Lebensmittels oft einen größeren Einfluss auf die Ökobilanz als das Produkt selbst. 

Das schlägt sich beispielsweise bei Getränken wie Wein und Bier nieder. Bierglasflaschen schnitten in der Studie minimal besser ab als Bierdosen. Keinerlei ökologischen Fußabdruck hinterlässt Leitungswasser.

Lies zu Mineralwasser auch unseren Beitrag: Wir sollten endlich aufhören, Wasser in Plastikflaschen zu kaufen

Der Lebensmittelanbau spielt eine wichtige Rolle

Neben der Produktverpackung trägt auch die Anbaufläche eines Lebensmittels zur CO2-Bilanz bei. Die Klimabilanz verschlechtert sich deutlich, wenn tropische Regenwälder für den Anbau von Palmöl gerodet werden oder, zum Beispiel in Deutschland, Moorgebiete für die Landwirtschaft umgewandelt werden. Teilweise wird der CO2-Fußabdruck damit sogar verdoppelt. 

Das Institut Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (ifeu) veröffentlichte die Studie im Mai 2020. Die Verfasser sind Guido Reinhardt, Sven Gärtner und Tobias Wagner.

Du kannst dir die Studie hier ansehen (PDF).

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(1) Kommentar

  1. Was für einen Sinn hat es, getrockente Erbsen mit frischen Erbsen in Schoten zu vergleichen? Oder anders gefragt: Wie ist der CO2-Fußabdruck bei getrockenen Aprikosten und frischen Aprikosen. Es geht doch bei der Haltbarmachung von Lebensmitteln (getr. Erbsen) um etwas Sinnvolles, da hilft der CO2-Fußabdruckvergleich eigentlich nix.