„Der erste Grand Prix unter Wasser“ – Vettel protestiert gegen Klimakrise

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Foto: CC0 / Pixabay / distelAPPArath; randomwinner

Vettel macht beim ersten Grand Prix in Miami auf die Klimakrise aufmerksam – mit besonderem Helm-Design und aussagekräftigem T-Shirt: Machen wir weiter wie bisher, findet der Grand Prix 2060 in Miami wohl unter Wasser statt.

Der vierfache Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel setzte vergangenen Donnerstag beim Grand Prix in Miami ein Zeichen gegen den Klimawandel. Das fünfte Rennen der Formel-1-Weltmeisterschaft 2022 fand am 8. Mai erstmals in der am Atlantik gelegenen US-Metropole statt. Eine Stadt, die regelmäßig von Hochwassern betroffen ist. Um Aufmerksamkeit auf die Klimakrise zu lenken, tauchte Vettel mit besonderem Helm und T-Shirt im Fahrerlager auf.

Im Interview mit der Sendergruppe Sky Sport erklärte Vettel: „Ich wundere mich. Wir kommen hier her und das Thema ist nicht so präsent. Es ist ja eine Tatsache, dass mit der Klimakrise die Temperaturen steigen, der Druck auf die Pole wächst und das Eis schmilzt, und damit der Meeresspiegel steigt.“

Gerade in Miami sollte das Thema auf mehr Sensibilität stoßen, da die Großstadt bereits jetzt mit den Folgen der Erderwärmung zu kämpfen hat. So ist die Zahl und Intensität der Überflutungen und Hurrikane in den letzten Jahrzehnten bereits gestiegen, wie das Florida Climate Center angibt. Das Ansteigen des Meeresspiegels wird dramatische Auswirkungen auf die Küstenstadt haben, erklärt Vettel weiter und betont die Dringlichkeit, jetzt zu handeln:

„Es ist wichtig, dass man versteht, dass es wirklich ernst ist, dass viele Leute hier ihr Zuhause verlieren werden, und Südflorida in Zukunft ganz, ganz anders aussieht. Die Everglades werden verschwinden, Miami Beach wird verschwinden. Die Leute, die eben in Miami wohnen und arbeiten, sind die, die als erstes betroffen sein werden.“

Mit T-Shirt und Designer-Helm gegen den Klimawandel

Die Dringlichkeit der Klimakrise scheint jedoch in der US-Metropole noch nicht überall angekommen zu sein. Vettel merkt an: „[…] das ist dann schon überraschend, wenn man sieht, dass neu gebaut wird und es irgendwie nicht so ankommt in den Köpfen der Leute. Und das war die Idee, mit einem einfachen Zeichen zu zeigen, dass es in Zukunft hier anders aussehen wird.“

Auf dem weißen T-Shirt des Rennfahrers ist der Aufdruck „Miami 2060 – 1st Grand Prix under Water. Act now or swim later“ zu lesen. Den Helm ziert ein aufgedruckter Schnorchel. So will Vettel verhindern, dass die drängende Klimakrise auch angesichts anderer Krisen wie dem Ukraine-Krieg oder der Coronapandemie in den Hintergrund rückt.

Der Formel-1-Star hat sich bereits in der Vergangenheit mehrfach für mehr Klimaschutz eingesetzt. So unterstützte er etwa die Fridays for Future-Bewegung, engagierte sich für den Schutz der Bienen und setzte öffentliche Statements zum Thema Klimawandel. Auf seiner Website ist dem Thema Nachhaltigkeit zudem eine eigene Seite gewidmet.

Obwohl er als Formel-1-Fahrer nicht unbedingt sofort mit großem Klimabewusstsein assoziiert wird, zieht Vettel aus seiner Bekanntheit dennoch eine Verantwortung. Denn wer eine Stimme hat, die von vielen gehört wird, sollte diese auch nutzen, so Vettel.

Formel 1: Top-Klimasünder in der Sportwelt

Die Formel-1 ist der Klimasünder unter den Sportarten – Vettel tut nichtsdestotrotz seinen Teil.
Die Formel-1 ist der Klimasünder unter den Sportarten – Vettel tut nichtsdestotrotz seinen Teil.
(Foto: CC0 / Pixabay / Papafox)

Dass das Rennfahren zu den wohl klimaschädlichsten Sportarten überhaupt zählt, dürfte kaum überraschen. Mit 300 Kilometern pro Stunde verbrauchen die Rennautos bei Wettkämpfen und Trainings große Mengen an Sprit. Hinzu kommen die klimaschädlichen CO2-Emissionen der Fahrzeuge.

Nach Hochrechnungen von Quarks kommen Formel-1-Fahrzeuge so auf einen Spritverbrauch von durchschnittlich 48 Litern pro 100 Kilometern. Zum Vergleich: Der durchschnittliche Benziner brachte es 2017 in Deutschland auf 7,8 Liter pro 100 Kilometern. Laut Quarks werden bei 20 Fahrern in der Formel 1 so an einem einzigen Renntag rund 3000 Liter Kraftstoff verbraucht, Trainingsfahrten noch nicht eingerechnet. Zusätzlich tragen die Rennen durch Reifen- und Straßenabrieb zur Feinstaubbelastung bei und die Reifen müssen aufgrund der starken Abnutzung regelmäßig ausgetauscht werden.

Nicht zu vergessen sind außerdem die CO2-intensiven Flugreisen zu den Wettkämpfen, wie in diesem Fall zur US-Metropole Miami. Hier werden neben der gesamten Ausstattung auch die Fahrzeuge transportiert, was hohe CO2-Emissionen verursacht. 2022 finden über die Hälfte der 23 Grand Prix außerhalb von Europa statt. Zudem sind die Termine nicht immer aufeinander abgestimmt, sodass beispielsweise für die drei Termine in Nordamerika drei separate Anreisen nötig sind.

Obwohl es seitens des Dachverbands der Formel 1, der Fédération Internationale de l’Automobile (FIA) Bestrebungen gibt, den Motorsport klimafreundlicher zu gestalten, bleibt die Formel 1 im Vergleich zu anderen Sportarten trotz allem klimaschädlich. Positiv zu bewerten ist allerdings, dass sich Vettel dennoch für das Thema Nachhaltigkeit engagiert und seine Reichweite nutzt – auch wenn der Motorsport aus ökologischer Sicht wohl noch lange nicht vertretbar sein wird.

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