Angeblich ungeeignete Versuchstiere getötet: Ärzte gegen Tierversuche stellen Anzeige

Tiere ohne Grund getötet: Ärzte gegen Tierversuche stellt 14 Strafanzeigen
Foto: Cc0 Public Domain / Pixabay - Mimzy

Tierversuche sind in der Medizin legal, das Töten der Tiere ohne vernünftigen Grund allerdings nicht. Dennoch werden Mäuse und Co umgebracht, weil sie den Anforderungen für Versuche nicht gerecht werden. Ärzte gegen Tierversuche hat deswegen Strafanzeigen gegen Institute und Labore gestellt.

Labormäuse im Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) leben manchmal nur wenige Tage, manchmal aber auch zwei Jahre. Aktuell beheimatet das DKFZ in Heidelberg etwa 44.300 Mäuse, wie Tierärztin Annalena Riedasch berichtete. Sie kümmert sich mit ihren Kolleg:innen um das Wohlergehen der Tiere, an denen die Wissenschaftler:innen ihre Forschung betreiben. In ganz Deutschland wurden 2020 knapp 1,9 Millionen Wirbeltiere und Kopffüßer – etwa Kraken – in Versuchen eingesetzt, wie das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) mitteilte. Im Jahr 2017 waren es noch 2,8 Millionen.

Doch nicht alle Tiere, die für Versuche gezüchtet werden, befinden sich am Ende tatsächlich in Laboren. Laut NOZ schätzt das Bundeslandwirtschaftsministerium, dass 2017 rund vier Millionen Tiere in Deutschland nicht für Experimente genutzt und deshalb als Überschuss getötet wurden.

Tiere ohne Grund getötet

Das falsche Geschlecht, unerwünschte Gene und andere Eigenschaften sorgen dafür, dass Tiere von Forscher:innen für Versuche ungeeignet bewertet werden. Ärzte gegen Tierversuche und die Deutsche Juristische Gesellschaft für Tierschutzrecht haben 14 Strafanzeigen gestellt gegen Labore und Institute, die Tiere töten sollen, weil diese nicht gebraucht werden. Das Töten von Tieren ohne vernünftigen Grund widerspricht dem Tierschutzgesetz. Angezeigt sind laut Pressemitteilung des Verbands unter anderem die Universität in Frankfurt, mehrere Max-Planck-Institute und das Paul-Ehrich-Institut.

Noch ist nicht bekannt, wie Gerichte und Staatsanwaltschaften urteilen werden, allerdings entstehe in der Wissenschaftscommunity Unruhe, wie Andreas Lengling in der Zeit zitiert wird. Er ist Beauftragter für Tierversuche in der Grundlagenforschung und sagte: „Der Vorwurf, sie hätten Tiere ohne Grund getötet, greift Forscherinnen und Forscher auch in ihrer Ehre an.“

Präsidentin der Gesellschaft für Versuchstierkunde an der Universität Heidelberg befürchte laut Medienbericht, dass die biomedizinische Forschung in Deutschland über Nacht zum Erliegen komme, dürften diese Tiere nicht getötet werden. Außerdem stehe die Frage der Alternative im Raum. Sollen die Tiere so lange leben, bis sie am natürlichen Tod sterben? Dafür müsse aber die Tierstallkapazität erhöht werden.

Forscher:innen argumentieren pro Tierversuche

Wissenschaftler:innen argumentieren immer wieder, dass Experimente an Tieren notwendig seien. So auch das Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ). Die Einrichtung warb bereits in der Vergangenheit um ein Verständnis für Tierversuche. DKFZ-Wissenschaftler:innen sind der Überzeugung, dass sich nur so wirksame Mittel gegen Tumore entwickeln lassen können. Ganz anderer Meinung hingegen sind natürlich die Gegner. Veterinärin Gaby Neumann von Ärzte gegen Tierversuche sagte auf Anfrage der dpa: „95 Prozent der Krebsmedikamente, die im Tierversuch wirksam und gut verträglich sind, scheitern in den anschließenden Studien am Menschen. Vor allem, weil sie nicht wirken oder hochgradige Nebenwirkungen verursachen.“

Einige Forschungseinrichtungen versuchen ihre Tierversuchspraxis dahingehend zu verändern, dass weniger überzählige Tiere anfallen. Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) sagte auf Anfrage der dpa in Stuttgart: „Forschende weisen auf die Bedeutung von Tierversuchen hin, arbeiten aber auch aktiv an neuen Möglichkeiten und weisen besonders dem Tierschutz und der Tierhaltung eine zentrale Rolle zu.“ Tierversuche werden nach Einschätzung des Ministeriums auf absehbare Zeit wesentlich für die biomedizinische Forschung bleiben. Auch in der Grundlagenforschung.

Nach Angaben von Tierversuchsgegnerin Neumann fließen jedoch über 99 Prozent der öffentlichen Gelder in tierexperimentelle Forschung – und nur unter 1 Prozent in tierversuchsfreie Technologien. „Dies gilt es zu ändern, denn moderne Medizin braucht moderne Forschungsmodelle – und die sind humanbasiert und tierversuchsfrei.“

mit Material der dpa

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