Bio-Deo: 24 Stunden kein Gift auf der Haut

Bio-Deo
Foto: © Bengelsdorf / photocase.de

Der vermeintlich gepflegte Mensch nässt nicht unter den Achseln und dünstet auch nicht aus. Dafür ist er bereit, sich eine Menge anzutun. Utopia erklärt warum herkömmliche Deos schädlich sind und warum der Umstieg auf ein Bio-Deo ein wenig Zeit braucht.

„Body Odour“ oder Körpergeruch zählt unter anderem zu den größten persönlichen Ängsten der Amerikaner. In keinem Land der Welt werden so viele Deodorants, Duschgele und Überdufter angeboten wie im Geburtsland der Auto-Duftbäumchen.

In Japan ist es sogar weit verbreitet, die Schweißdrüsen operieren zu lassen, um gar nicht mehr zu schwitzen. Ein vielleicht nicht ganz so gesunder Eingriff in den natürlichen Kühlungsmechanismus des Körpers.

Andere legen sich eine Art Deo-Binde, kleine Stoffpads, unter die Achseln um Schwitzflecken auf der Kleidung zu vermeiden. Wieder andere verlassen im Sommer das Haus nie ohne drei Liter selbstgesiedeten Salbeitee im Rucksack zu haben. Zum natürlichen Schwitzen haben die meisten Menschen heute kein natürliches Verhältnis mehr. Nirgendwo sonst ist die Trockenlegung der Feuchtgebiete so erwünscht wie unter den Armen.

Warum Bio-Deo und natürliches Deo?

Fast alle Menschen benutzen einen Deo-Stick, Deo-Roller, Kristall-, Pump- oder Aerosol-Sprayer. Und kaum ein Mensch weiß, was er sich da unter die Achseln schmiert.

Konventionelle Deos enthalten oft ein ganzes Paket von „Sowas-sollte-mir-nicht-an-meinen-heiligen-Astralleib-kommen“-Inhaltsstoffen! Unter anderem Konservierungsmittel, die die Haut für Schadstoffe durchlässiger machen. In Amerika und England, aber auch in Frankreich – Stichwort „Paraben-Panik“ – gibt es seit Jahren viele Diskussionen um schädliche Bestandteile in Deos, die unter anderem mit Effekten für Alzheimer Erkrankungen und Brustkrebs in Verbindung gebracht wurden.

Wie zu fast allen Studien gibt es auch Gegenstudien und das Bundesamt für Risikobewertung gibt hier Entwarnung. Doch über den persönlichen Umgang mit solchen Verdachtsmomenten, kann zum Glück jeder beim Kauf seines Deos selbst entscheiden.

Wenn Nachbars Nasenflügel beben: der Umstieg auf Bio-Deo

Es gibt also gute Gründe für Bio-Deos. Wer aber den Umstieg auf ein Bio-Deodorant in Angriff nimmt, sollte sich auf ein Projekt einstellen, das vor allem in der Übergangs- und Testphase ein olfaktorisch tolerantes Umfeld erfordert.

Denn Tatsache ist: Der Körper braucht bei der Umstellung von Chemiecocktail auf Natur eine Zeit bis er wieder „normal“ transpiriert und das Deodorant entsprechend wirkt. Das kann schon mal zwei Wochen dauern.

Falsche Erwartungen sorgen für die größten Enttäuschungen. Die Ursache dafür ist häufig eine Art Produkt-Täuschung. Denn wo heute Deo drauf steht, ist meistens ein Antitranspirant drin. Oft erkennbar an der klein gedrucktem Aufschrift „Mit 24 Stunden Wirkung“ auf dem Roller oder in der Liste der Inhaltsstoffe an dem Wörtchen Aluminium.

Für Umsteiger bedeutet das,  er wechselt nicht innerhalb einer Klasse, also von Deo zu Deo, sondern zu einer anderen Kategorie: von einem Antitranspirant zu einem natürlichen Deodorant. Da ein Deo jedoch anders wirkt, ist die „Produkt-Enttäuschung“ sozusagen vorprogrammiert.

Denn: Ein Antitranspirant verengt die Schweißdrüsen, meist mittels Aluminiumbestandteilen, und bremst so die Geruchsbildung. Ein Deodorant überdeckt den Geruch und enthält oft antibakteriell wirkende Stoffe, die verhindern, dass der Schweiß zum gefürchteten „Müffel-Geruch“ zersetzt wird.

Ebenfalls gewöhnungsbedürftig: Was bei dem einen wirkt, kann bei einem anderen wirkungslos sein. Eine kurze „Stinky“-Phase während der Suche bleibt einem normalerweise leider nicht erspart. Doch zumindest lassen sich ein paar Euros sparen, wenn immer zur kleinsten verfügbaren Größe gegriffen wird.

Die meisten Bio-Deodorants werden übrigens in umweltfreundlichen Glasflaschen angeboten, einige Hersteller bieten auch Nachfüll-Sets an.

Bio-Deodorants enthalten keine Parabene

Parabene sind synthetische Konservierungsstoffe, die wegen ihrer antibakteriellen Wirkung als Konservierungsstoffe eingesetzt werden.

Seit britische Wissenschaftler im Jahr 2003 in Brustkrebstumoren Rückstände des Konservierungsmittels nachgewiesen haben, sind Parabene in Verruf geraten. Damals rief das Institut für Krebsforschung der Uni Wien dazu auf, diese Stoffe nicht mehr für Achselsprays und andere Kosmetika zu verwenden. Und auch die Deutsche Krebsgesellschaft schloss sich dieser Forderung an.

Doch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) befand, es gäbe keinen wissenschaftlichen Beweis für einen Zusammenhang zwischen Parabenen und der Entstehung von Brustkrebs.

Bio-Deos enthalten keine Petrochemikalien

Petrochemikalien sind etwa die Emulgatoren PEG (Polyethylenglykole) und PEG Derivate. Diese Emulgatoren machen die Haut durchlässiger, so werden Schadstoffe schneller in den Körper eingeschleust. Zudem können sie Spuren krebserregender Stoffe enthalten.

Bio-Deos enthalten keine Aluminiumverbindungen

Aluminiumverbindungen wie Aluminiumchlorid (Aluminiumchlorohydrate) ziehen die Haut zusammen und verstopfen die Schweißdrüsen, so dass kein Schweiß fließt.

Bio-Deos enthalten keine synthetischen Duftstoffe

Weil wir alle gerne gut riechen, enthalten viele Bodylotions, Duschgels, Deodorants usw. synthetische Duftstoffe. Diese werden in der Regel ganz harmlos deklariert, z.B. als „Parfum“ oder „Fragrance“.

Potenziell gefährlich sind dabei vor allem nitro- und polyzyklische Moschusverbindungen: Diese können nicht nur Allergien auslösen, sondern wirkten in Tierversuchen zudem krebserregend und erbgutverändernd.

Bio-Deos enthalten keine antibakteriellen Stoffe

Antibakterielle Stoffe wie Triclosan (noch in manchen Deos im Ausland enthalten). Triclosan wirkt antimikrobiell und wird als Konservierungsstoff eingesetzt.

Laut Bundesinstitut für Risikobewertung kann die Substanz Bakterien antibiotikaresistent machen und so deren Verbreitung begünstigen. Triclosan kann außerdem mit krebserregenden Dioxinen verunreinigt sein, die sich im Körper, in der Muttermilch, aber auch in Seen, Gewässern und Fischen anreichern.

In unserer Bestenliste findet ihr natürliche Bio-Deos ohne Aluminium

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(130) Kommentare

  1. Ich hatte vor einigen Jahren eben mit dieser Umstellungsproblematik zu dämpfen, ähhhh kämpfen… Komischerweise hat dann auch eine längst überflüssige Umstellung meiner Ernährung zu einem rasanten Ergebnis geführt. Heute: weniger Körpergeruch, weniger Deo. Eine WinWin Situation für Nase und Mund…

  2. Ohne es genau begründen zu können, habe ich schon vor vielen Jahren den konventionellen Deos abgesagt und bin dem Beispiel meiner Mama gefolgt, einen Deokristall zu nutzen.

    Vor 2 Jahren oder so hab ich zufällig mal flüssiges Deokristallspray gefunden, und bin suuuper zufrieden damit. Gut, Männer sind da vielleicht anspruchsloser als Frauen – es ist halt „nur“ geruchsneutral und der Schweißgeruch ist nahezu gen Null, ein Parfüm o.ä. muss dann halt zusätzlich genutzt werden.

    Gerade habe ich entdeckt, das es nun auch schon Alternativen zu Murnauers gibt…: http://goo.gl/577352

    Viel Spaß beim ausprobieren (wer es noch nicht kennt).

  3. @2beemedia Wie hast du deine Ernährung denn umgestellt? Also welche Nahrungsmittel haben sich auf dein Schwitzen ausgewirkt?

    Ich bin auch vor kurzem auf ein natürliches Deo umgestiegen (und das war gar nicht so leicht zu finden, da auch in einigen Bio-Deos ungute Stoffe enthalten sind).
    Für mich ist es schon eine Umstellung plötzlich wieder zu schwitzen. Das kenne ich so gar nicht mehr. Und immer wieder habe ich selbst das Gefühl ich würde riechen. Kann Einbildung sein, ich weiß es nicht genau.

  4. Vermutlich die Klassiker: Verzicht auf Schweinefleischprodukte, also auch Schinken und Salami. Viel Obst über den Tag verteilt, mehr Kräuter und Gewürze auf natürlicher Basis, weniger Salz. Keine Industriezucker, nur gute Öle, viel und gerne Salat. Dennoch verzichte ich nicht auf Kuchen und Kekse, aber ich kombiniere gerne z.B. Zum Kaffee zwei drei Dinkeldoppelkekse, dazu gerne en paar Weintrauben. Ansonsten meide ich Weißmehle, also leere Auszugsmehle Typ 405. Geil an der Sache ist, ich habe in 1,5 Jahren ganz nebenbei 20 kg abgenommen, fühle mich mit fast 40 so sportlich wie mit 20 und habe eine Superreichen und glatte Haut. Meine Frau freut sich wie ein Kindergeburtstag über das Topfschlagen 🙂

    Also, auf nichts (fast) verzichten, Deowechsel geht dann schleichend etwas leichter. Übrigens gibt es eine kurze Übergangszeit in der der Körper zu eigenartigen Protestreaktionen neigt. Aber das normalisiert sich und der Suchtschweinehund kommt auch immer seltener…

  5. Das sind je schöne Aussichten 🙂 Danke.
    Ich mache es eh schon ähnlich wie du. Keine Fertigprodukte mehr, keine Aromen, weniger Zucker. Nur mit dem Schweinefleisch und dem Weizen, das fällt mir noch schwer, aber ich arbeite dran 🙂
    Durchhalten ist da wohl erstmal die Devise, aber ich gehe davon aus, dass das belohnt wird.

  6. Noch ein Hinweis zur besseren Disziplin: ich habe mir einen Sport daraus gemacht, generell nur Dinkel und Roggenprodukte zu kaufen und diese auch gezielt beim Bäcker nachzufragen. Darüber hinaus backen wir fast alle Brote daheim selbst. Kleiner Filmtipp dazu wäre „How to cook your life“. Bei Fleisch isses einfach so, das ich nur Lamm und Biogeflügel kaufe. Gerne auch etwas teurer, dann ergibt sich das mit der bewussten Fleischreduktion ganz von alleine. Und sollte man es schaffen, 4 Wochen komplett auf Schwein jeder Art zu verzichten, schmeckt es einem hinterher eh eher wie Hintern. Im Film „We Feed the World“ kann man übrigens ganz prima eine neue Haltung zu Massentierhaltung und Schlachtung finden. Ohne gleich Veganer werden zu müssen.

  7. Ob Veganer oder Vegetarier, das bleibt jedem selbst überlassen, aber liebe Fleischesser, laßt doch wenigstens die kleinen Tiergeschöpfe am Leben! Deshalb bitte kein Kalb- oder Lammfleisch essen 🙂

    Es gibt ein sehr gutes Buch von Barbara Rütting, das die Ernährungsumstellung mit leckeren Rezepten sehr leicht macht:
    „Essen wir uns gesund“
    http://www.booklooker.de/B%C3%BCcher/Angebote/autor=r%FCtting&titel=essen+wir+uns+gesund

    Dann wird das auch was mit dem Deo und dem Schwitzen, versprochen.
    grüne Grüße

  8. wie sind denn die Erfahrungen mit dem Natron-Deo mit einem Frischebonus statt Gesichtswasser z.B. durch zusätzliche Spritzer von Zitronensaft, rosenextrakt (machen wir selber ^^)? Wie haltbar ist das dann?

    oder Aloe Vera?

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