Carbon Accounting: Was es ist und Trends für 2022

Carbon Accounting
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Um Carbon Accounting kommen große Unternehmen bald kaum noch herum. Was sich dahinter verbirgt und wie die Methode zur Klimarettung beiträgt, liest du hier.

Carbon Accounting ist wie Buchführung – nur, dass es dabei um Treibhausgasemissionen geht. Übersetzt bedeutet der Begriff dementsprechend auch „Kohlenstoff-Buchführung“. Mit dieser Methode lassen sich die Emissionen einzelner Organisationen oder auch Kommunen messen und bewerten. Carbon Accounting macht somit deutlich, wo es in Sachen Klimaschutz noch nicht so rund läuft.

Damit unterstützt das Prinzip das gemeinsame Vorgehen der Staatengemeinschaft, durch Klimaneutralität dem Klimawandel zu begegnen. Das Ziel ist es, auf diesem Weg die Erderwärmung auf einen Anstieg von nicht mehr als 1,5 Grad Celsius einzugrenzen. Das Europaparlament sieht vor, dass bis spätestens 2050 die Gesellschaft klimaneutral funktionieren muss. Deutschland muss sich übrigens an der Zielsetzung messen lassen, schon bis 2045 Klimaneutralität erreicht zu haben.

Aufgrund der Klimaziele rücken jetzt Treibhausgase oder vielmehr ihre Vermeidung unmittelbar ins Blickfeld von Unternehmenslenkern. Carbon Accounting kann die Grundlagen für ein wirksames Klimamanagement schaffen. Es dient unter anderem als Basis zum Erstellen eines Klimareportings oder einer Ökobilanz. Die Berichte zeigen, wo die Emissionsquellen in den Organisationen liegen. Das kann zum Beispiel die Fertigung sein, die besonders viel fossile Energie benötigt, oder auch die Geschäftsfahrzeuge. Das Bayrische Landesamt für Umwelt spricht davon, dass Carbon Accounting auf diese Weise Treibhausgas-Hotspots aufdeckt.

Carbon Accounting bringt Klimaschutz in den Geschäftsbericht

Carbon Accounting ist eine Methode, um dem Klimawandel zu begegnen.
Carbon Accounting ist eine Methode, um dem Klimawandel zu begegnen.
(Foto: CC0/pixabay/geralt)

Im ersten Schritt erfasst Carbon Accounting, wo und welche Mengen an Treibhausgasen entstehen. Eine Veröffentlichung der Technischen Universität Dresden erklärt, dass es Methoden gibt, die Mengen mit einem Geldwert zu beziffern. Daraus ergeben sich dann Kennzahlen für die CO2-Effizienz des Unternehmens.

Ab 2022 können solche Effizienz-Kennzahlen neben anderen Faktoren verpflichtend zum Geschäftsbericht vieler Unternehmen gehören. Die Europäische Kommission plant, dass die bestehenden Nachhaltigkeitsberichte auch nachprüfbare Kennzahlen enthalten sollen. Die Regelung soll für börsennotierte Unternehmen ab einer Größe von 500 Mitarbeitern gelten.

Bei der Erstellung der Kennzahlen wird Carbon Accounting eine zunehmend wichtigere Rolle spielen. Laut dem Fachportal für Rechnungslegung Haufe entwickelt sich die Methode zu einem Zulieferer für das Umweltmanagement im Unternehmen. Nachhaltigkeit und CO2-Effizienz kommt dann eine Rolle zu, die auch zum Erfolg oder Verlust der Unternehmen beiträgt. Vor allem als Kennzahl im Rahmen der Finanzierung gewinnt Nachhaltigkeit an Gewicht. Das äußert sich beispielsweise in den folgenden Bereichen:

  • Zugang zu EU-Fördermitteln für den nachhaltigen Wandel – Nach den Plänen der EU ist Nachhaltigkeit künftig ein Kriterium, damit ein Unternehmen oder ein Kommune Gelder aus dem Green Deal erhalten kann. Der Green Deal umfasst unter anderem ein riesiges Aufbaupaket von rund 1,8 Billion Euro. Diese Gelder sollen den Weg zur Klimaneutralität bis 2050 finanzieren.
  • Zugang zum nachhaltigen FinanzmarktNachhaltige Fonds investieren nur in Wertpapiere von Unternehmen, die bestimmten ökologischen und ethischen Prinzipien entsprechen. Dafür benötigt das Fondsmanagement laufende Informationen. Bislang wurden dazu beispielsweise Daten aus dem Carbon Disclosure Projekt genutzt. Auf dieser Plattform hinterlegen Unternehmen oder auch Kommunen bereits freiwillig ihre CO2-Kennzahlen – oftmals durch Carbon Accounting ermittelt. Solche Kennzahlen verwenden zum Beispiel Kampagnen für das Divestment. Durch den Entzug von Geldmitteln über den Finanzmarkt lassen sich so Unternehmen zur Abkehr von treibhausgasintensiven Energien bewegen. Unternehmen, die Kohlekraftwerke betreiben oder bauen, hätten so beispielsweise Schwierigkeiten, Gelder für ihre Projekte zu mobilisieren. Planen sie dagegen ein Projekt mit erneuerbaren Energien, fließen die benötigten Geldmittel problemlos. 
  • Klimaneutralität als Wettbewerbsvorteil – Immer mehr Unternehmen lassen sich oder einzelne Produkte als klimaneutral zertifizieren. Den Nachweis erbringen sie oftmals durch Carbon Accounting. Mit der Klimaneutralität sprechen sie umweltbewusste Käufer:innen an. Das Onlinemagazin Springwise nennt unter anderem Carbon Accountability als einen der Trends 2022, den Unternehmen im Auge behalten sollten. Dieser Ausdruck steht dafür, dass sich die Unternehmen ihrer Verpflichtung zum Klimaschutz bewusst sind. Indem sie ihre Klimaneutralität nachweisen, gelten sie als modern, rücksichtsvoll und klimabewusst.

Carbon Accounting: Eine Methode mit vielen Standards

Carbon Accounting kann die ganze Wertschöpfungskette berücksichtigen.
Carbon Accounting kann die ganze Wertschöpfungskette berücksichtigen.
(Foto: CC0/pixabay/dendoktoor)

Die Methode des Carbon Accountings geht auf das Greenhouse Gas Protocol (GHG) zurück. Nach eigenen Angaben entstand das Protokoll 1998. Entwickelt wurden diese Standards vom World Ressource Insitut (WRI) und einem Zusammenschluss nachhaltiger Unternehmen, dem World Business Counsil for Sustainable Development (wbcsd). Sie schufen eine Grundlage, mit der sich entstehende Treibhausgase vergleichen lassen.

Das GHG gibt unterschiedliche Standards je nach Nutzer vor. Beispielsweise haben Unternehmen und Städte unterschiedliche Emissionsquellen zu erfassen.

  • Bei Städten stehen unter anderem auch Emissionen auf der Liste, die durch den Straßenverkehr, den öffentlichen Transport oder Flughäfen entstehen.
  • Bei Unternehmen zählen zunächst einmal die Treibhausgase, die durch ihren Geschäftsbetrieb entstehen. Hauptsächlich durch den Energieverbrauch bei der Herstellung, den Betrieb der Geschäftsgebäude sowie ihre Fahrzeuge. Anhand eines weiteren Standards, dem Scope3, können dann Unternehmen die Treibhausgasemissionen aller beteiligten Partner in der Wertschöpfungskette feststellen und berechnen. 

Die Standards sind in erster Line ein Werkzeug, um sich ein Bild zu machen, wo überall klimaschädliche Emissionen entstehen und in welchen Mengen. Wie auch bei einer Unternehmensbilanz zeigen sich Veränderungen dann erst in der Entwicklung über die Jahre. Ein spezieller Absenkungsstandard erlaubt es jedoch, die möglichen Einsparungen schon zu berechnen. 

Die GHG-Standards schaffen so jeweils Vergleichbarkeit zwischen verschiedenen Städten und verschiedenen Unternehmen. Laut der Website des GHG nutzen rund 92 Prozent der internationalen Konzerne, die auf der Fortune 500 Liste auftauchen, das GHG Protokoll.

Um die Klimaneutralität von Produkten zu ermitteln, zählt alles – vom Rohstoff bis zur Entsorgung. Der relative neue GHG Standard oder Scope3 von 2014, umfasst diese Stationen in der Wertschöpfungskette von Produkten. Einen ähnlichen Ansatz stellt auch die ISO DIN Norm 14040:2006 zur Verfügung. Die Norm ist ebenfalls ein Rahmenwerk, das den gesamten Lebenszyklus abbildet.

Carbon Accounting und die EU-Taxonomie

Carbon Accounting trägt zum Wandel hin zu einer nachhaltigen Gesellschaft bei.
Carbon Accounting trägt zum Wandel hin zu einer nachhaltigen Gesellschaft bei.
(Foto: CC0/pixabay/blazejosh)

Carbon Accounting errechnet, wie CO2-effizient ein Produkt, ein Unternehmen oder eine Kommune ist. Ob diese mit den erreichten Werten schon als nachhaltig gelten, darüber sagt die Berechnung aber erst einmal nichts aus.

Um auch die Fördergelder aus dem Green Deal nach einheitlichen Regeln vergeben zu können, stellte die Europäische Kommission die EU-Taxonomie auf. Sie klassifiziert damit förderungswürdige Aktivitäten. Nach Aussagen der Europäischen Kommission soll das Werk Investoren Sicherheit bieten und Unternehmen beim Wandel hin zur Klimaneutralität die Richtung weisen.

Einen Entwurf des Regelwerks stellte die Kommission 2022 vor. Doch es hagelte Kritik – nicht nur von Seiten von Umweltorganisationen. Denn der Entwurf schlägt vor, dass Atomkraft und fossiles Erdgas als nachhaltige Energien gelten sollen.

  • Ein Bündnis aus NABU, BUND, Greenpeace und andere Umweltorganisationen fordern die Bundesregierung auf, dieses Vorhaben zu stoppen. Sie sehen die Glaubwürdigkeit des Werkes in Gefahr. Statt den Ausbau erneuerbarer Energien zu finanzieren, könnten die Förderungen aus dem Green Deal so in den Bau neuer Atomkraftwerke fließen. 
  • Der Bundesminister Robert Habeck erklärte, dass er es für falsch halte, ausgerechnet die Hochrisikotechnologie Atomkraft als nachhaltig auszuweisen. Ähnlich kritisch äußerte er sich zu den Plänen zu Erdgas. Der fossile Brennstoff gilt nur als Übergang, bis ihn grüner Wasserstoff ablösen kann.

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