„Pflanzen mit Migrationshintergrund“: Wo Erbsen, Kirschen und Spinat wirklich herkommen

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Erstaunlich viele unserer „heimischen“ Obst- und Gemüsesorten kommen eigentlich ganz wo anders her. Ohne solche pflanzlichen Migranten fehlte unseren Märkten nicht nur die Vielfalt – auch unsere Zivilisation hätte sich wahrscheinlich anders entwickelt.

Viele heimische Getreidesorten stammen ursprünglich aus Kleinasien

Getriede machte die Bauern unabhängig von der Jagd.
Getriede machte die Bauern unabhängig von der Jagd.
(Foto: CC0/pixabay/FotoshopTofs)

In der Entwicklung des Menschen von Jäger und Sammler hin zum sesshaften Ackerbauern spielten Nutzpflanzen eine entscheidende Rolle. Sie ermöglichten den Menschen, sich unabhängig von der Jagd zu machen und Vorräte anzulegen – nur so konnten Städte und unsere moderne Zivilisation entstehen. 

Einer Doku des SWR zufolge sehen Archäologen heute die Wiege der Zivilisation im sogenannten „fruchtbaren Halbmond“: Dieser erstreckte sich als fruchtbare Ebene vom heutigen Iran über den Irak bis zur Mittelmeerküste von Israel, Palästina und Syrien. Hier erfanden die Menschen den Ackerbau und entwickelten erste Hochkulturen.

Archäologen sind der Meinung, dass die Ackerbauern der Jungsteinzeit von Vorderasien bis nach Europa wanderten. Sie stützen ihre Theorie auf Funden aus antiken Abfallgruben. Die Bauern zogen entlang der Donau über Ungarn in jene Gegenden, wo heute Deutschland und Österreich liegen.

Im Gepäck dieser Bauern waren GetreideLinsen und Erbsen sowie Lein (auch Flachs genannt) für die Herstellung von Öl. In den dichten Wäldern Europas fanden sie jedoch bald neue Pflanzen, mit denen sie ihren Speiseplan ergänzten:

  • Waldbeeren
  • Wildkräuter wie Brennnessel oder Wegericharten
  • Pilze
  • wilde Möhren und Pastinaken

Die Römer brachten Melonen, Gemüse und Gewürze nach Europa

Die Römer brachten das Obst nach Europa.
Die Römer brachten das Obst nach Europa.
(Foto: CC0/pixabay/domeckopol)

Mit der Eroberungen der Römer wanderten die nächsten Pflanzen nach Europa ein. Laut der SWR-Sendung integrierten Römer die Nutzpflanzen aus eroberten Gebieten in ihre Küche. Auch Soldaten und Beamte in fernen Besatzungen wurden mit den Lebensmitteln versorgt, sie sollten nicht auf ihren gewohnten Lebensstandard verzichten müssen. So verbreiteten sich die Pflanzen schnell in den Kolonien.

Die Römer benutzen die neuen Gemüsesorten in vielen Rezepten  und verwendeten auch Gewürzpflanzen.

  • Aus ihren Eroberungen in Nordafrika brachten sie Gemüse wie Kürbis, Mangold, Spinat oder Melonen nach Europa.
  • Im Mittelmeerraum entdeckten sie heimische Gewürzpflanzen wie Dill, Koriander, Petersilie oder Oliven.

Obst, Pfeffer und Co. kamen über die Seidenstraße

Die Römer pflegten einen intensiven Handel entlang der Seidenstraße, die das Mittelmeer mit Indien und China verband. Der SWR hebt die Bedeutung dieser Handelsrouten hervor, denn über sie kamen nicht nur Waren sondern auch Obst und Gewürze ins Römische Reich – und somit in die europäischen Gebiete.

  • Pflaumen, Äpfel, Birnen, Kirschen, Pfirsiche und Feigen stammen ursprünglich aus Fernost – sie wuchsen einst vermutlich im Grenzgebiet zwischen China, der Mongolei und Russland, am Rande der antiken Karawanenstraßen.
  • Aus Indien kamen Gewürze wie Pfeffer – aber auch Gurken wuchsen ursprünglich an den Hängen des Himalayas.

Tomaten und Mais aus der „Neuen Welt“

Mais und Tomaten kamen erst Ende des 15. Jahrhundert nach Europa.
Mais und Tomaten kamen erst Ende des 15. Jahrhundert nach Europa.
(Foto: CC0/pixabay/Uki_71)

Auch nach dem Zerfall des Römischen Reichs blühte der Warenhandel über die Seidenstraße weiterhin in Europa. Vor allem Pfeffer galt als Statussymbol: Die Gewürzhändler der Seidenstraße konnten ihn zeitweise mit Gold aufwiegen, was ihnen enorme Gewinne bescherte.

Die Aussicht auf die unvorstellbaren Reichtümer durch den Gewürzhandel war mit ein Grund für Entdeckungsreisen, wie der von Christoph Kolumbus im 15. Jahrhundert. Die Handelshäuser in Europa wollten direkten Handel mit Indien betreiben. Um die Karawanenhändler zu umgehen, mussten sie den direkten Seeweg nach Asien finden.

Der SWR stellt dar, wie jene Seefahrer aus der „Neuen Welt“ für einen erneuten Austausch von Pflanzen sorgten:

  • Aus Südamerika und Mexiko brachten sie Kartoffeln, Tomaten, PaprikaKürbisse und Mais mit.
  • Die ersten Siedler aus Europa transportierten später wiederum Getreide nach Amerika und Australien.

Der Mais war ursprünglich nicht für das kältere Klima in Europa geeignet – die Türken schafften es als Erste, das Gemüse aus Amerika erfolgreich anpflanzen. Erst Züchtungen machten es möglich, Mais auch in unseren Regionen anzubauen.

Kartoffeln und Soja unterstützen die moderne Wirtschaft

Die amerikanische Kartoffel sättige die Fabrikarbeiter im 19.Jahrhundert.
Die amerikanische Kartoffel sättige die Fabrikarbeiter im 19.Jahrhundert.
(Foto: CC0/pixabay/Pavlofox)

Die Kartoffel bewirkte in Europa nicht nur kulinarisch eine Veränderung: Einem Artikel der Wirtschaftswoche  zufolge war sie Ende des 19. Jahrhunderts der Wegbereiter der Industriellen Revolution. 

Die Kartoffel sättigte Arbeiter, die in Massen vom Land in die Städte zogen – sie wollten in den Fabriken Arbeit finden. Das Gemüse bewährte sich schnell als günstige, stärke- und nährstoffreiche Mahlzeit und war einfach in großen Mengen anzubauen.

Der SWR berichtet auch über die Einwanderung der Sojabohne in Europa: Sie hat ihren Ursprung in den Bergregionen in Nordchina – heute wächst sie in Baden sowie in geschützten Lagen Bayerns. Die hiesigen Pflanzen sind nicht genmanipuliert und werden häufig zu veganen Lebensmitteln verarbeitet.

Schwierigkeiten der modernen Soja-Industrie

Der VEBU berichtet, dass der Sojaanbau in Nord- und Südamerika hauptsächlich als Futtermittel für die industrielle Viehzucht dient. Europa importiert große Mengen des vielfach genmanipulierten Sojas. Das Fleisch der Tiere, die mit solchen Pflanzen gefüttert wurden, muss in Europa derzeit noch nicht gekennzeichnet werden – obwohl keine Langzeitstudien über den Konsum von genmanipulierten Pflanzen vorliegen. 

Der VEBU rechnet weiter vor, dass ein Liter Sojamilch zwar die gleiche Menge an Sojabohnen benötigt, wie ein Liter Kuhmilch. Das Soja für das Tierfutter hat vielfach lange Transportwege über den Atlantik hinter sich, bevor es eine Kuh in Europa frisst und dann Milch gibt. Der VEBU spricht daher vom Landimport nach Europa und Verschwendung von Ackerfläche. Denn auf bestehenden Ackerflächen in Südamerika wächst nun Export-Soja und keine Lebensmittel für die heimische Bevölkerung. Für neue Anbauflächen für Soja muss Regenwald weichen.

Besser, man kauft europäisches Soja – es wird lokal produziert, ist nicht genmanipuliert und liefert viel Eiweiß. Mehr dazu: Vegan regional: Soja und Seitan gibt’s auch aus Deutschland

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