Sonnenblumenöl knapp, nun Palmöl? Das bedeutet Indonesiens Export-Stopp

Statt Palmöl 1:1 zu ersetzen, könnten wir an einer Ernährung arbeiten, die ohne derartige Inhaltsstoffe auskommt.
Foto: CC0 / Pixabay / tristantan

Indonesien bereitet einen Export-Stopp für Palmöl vor. Als global größter Lieferant drohen Engpässe – ähnlich wie beim Sonnenblumenöl aufgrund des Kriegs in der Ukraine.

Mit einem Exportstopp für Palmöl will Indonesien als weltgrößter Produzent des pflanzlichen Rohstoffes Knappheit und steigende Preise im eigenen Land bekämpfen. Das Ausfuhrverbot solle am Donnerstag in Kraft treten, kündigte Präsident Joko Widodo vergangenen Freitag an. Wenn sich der Markt im Land stabilisiert habe und Speiseöl wieder zu erschwinglichen Preisen verfügbar sei, werde er die Entscheidung neu bewerten, ergänzte er.

Angesichts knapper Bestände war der Speiseölpreis in dem südostasiatischen Land in den vergangenen Monaten stark gestiegen. Dies löste Proteste aus, die drohten, die Regierung des rund 270 Millionen Einwohner:innen zählenden Inselstaates zu destabilisieren. Auch infolge des Kriegs in der Ukraine war der Preis für Palmöl unter Druck, nachdem die Ukraine – der wichtigste Lieferant für Sonnenblumenöl – von Russland angegriffen wurde und nach alternativen Speiseölen gesucht wurde. Mehr als die Hälfte der weltweiten Exporte von Sonnenblumenöl kommt aus dem osteuropäischen Land. Hinzu kommt das bevorstehende Zuckerfest, das das Ende des islamischen Fastenmonats Ramadan markiert und an dem traditionell viel gekocht und gefeiert wird. Indonesien ist das Land mit der größten muslimischen Bevölkerung weltweit.

„Zerbrechliche Lieferketten in der Landwirtschaft“

Wie der US-Nachrichtensender CNN berichtet, könnten Malaysia und Thailand – ebenfalls Schlüsselproduzenten – helfen, mögliche Palmöl-Engpässe auf dem internationalen Markt zu kompensieren. Analyst:innen der US-Bank JPMorgan bewerten in einem Report, dass der Export-Stopp sprichwörtlich „Öl ins Feuer gießt“. „Das ist wieder einmal eine Erinnerung daran, wie zerbrechlich Lieferketten in der Landwirtschaft sind“, zitiert CNN aus dem Bericht. Schließlich habe sich die Welt auf Palmöl aus Indonesien verlassen, das die Lücke durch Vorfälle wie etwa den Krieg in der Ukraine schließen soll. Doch nun „blockiert“ das Land „plötzlich“, heißt es weiter.

Palmöl: Regenwald-Zerstörung
Der konventionelle Palmöl-Anbau geht meist mit Umweltzerstörung einher. (Foto: © ThKatz / stock.adobe.com)

Auch der Ökonom Bhima Yudhistira, Direktor des in Jakarta ansässigen Zentrums für Wirtschafts- und Rechtsfragen, kritisierte am Samstag die Entscheidung der indonesischen Regierung und warnte vor Protesten der Importländer. Es gebe keine Notwendigkeit, den Export ganz zu stoppen. Vielmehr müsse die Regierung eine Regelung durchsetzen, wonach die Exporteure 20 Prozent ihrer Produktion auf dem heimischen Markt verkaufen müssen. Der Abgeordnete Deddy Sitorus von der Regierungspartei PDI-P warnte zudem, das Ausfuhrverbot könne die Zukunft von Kleinbäuer:innen und mittelständischen Palmölunternehmen im Land gefährden.

Palmöl steckt in vielen Lebensmitteln und steht in der Kritik

Das rot-bräunliche Palmöl wird aus dem Fruchtfleisch der Ölpalme gewonnen. Außerdem gibt es Palmkernöl aus dem Samen der Frucht. Palmöl wird vor allem in Asien zum Frittieren und Braten verwendet. Es findet sich aber auch in zahlreichen Nahrungsmitteln, zum Beispiel in Margarine, Schokolade, kakaohaltigen Brotaufstrichen, Eiscreme, Backwaren, Pizzen und anderen Fertigprodukten. Palmöl wird auch in Tierfutter gemischt und Waschmittel, Seifen, Kosmetika, Kerzen und Schmierstoffe haben einen hohen Palmöl-Anteil. Zudem wird der Rohstoff für Biosprit mitverwendet. Indonesien steht wegen der Zerstörung seines Regenwaldes und des damit zusammenhängenden Biodiversitätsverlusts für den Palmöl-Anbau in der Kritik.

mit Material der dpa

Utopia rät: Schätzungen zufolge enthält etwa jedes zweite Supermarktprodukt in Deutschland Palmöl. Nicht nur die Natur wird durch den Anbau der Tropenpflanzen zerstört – auch der Lebensraum für Tiere. Bilder vertriebener Orang-Utans sind längst keine Seltenheit mehr. Auch das Klima ist durch den Anbau von Palmöl betroffen: Um Platz für Ölplantagen zu schaffen, wird ursprünglicher Regenwald häufig per Brandrodung zerstört. Zudem werden Torfböden trockengelegt. Beides sind enorm wichtige Kohlenstoffspeicher und damit wesentliche Helfer im Kampf gegen den Klimawandel durch Treibhausgase. Von Menschenrechtsverletzungen auf Palmöl-Plantagen wurde in der Vergangenheit ebenfalls berichtet.

Daher ist es in erster Linie ratsam, ein Bewusstsein für palmölhaltige Produkte zu entwickeln – und, wenn möglich, sie zu vermeiden. Wie das geht, haben wir hier für euch zusammengefasst: Palmöl: Die tägliche Regenwald-Zerstörung beim Einkauf.

Als zweiten Schritt könnt ihr auf Fair-Trade-Produkte und Bio-zertifiziertes Palmöl achten. Allerdings ist Bio-Palmöl nur ein Teil der Lösung, wie wir euch in diesem Überblick erklären: Bio-Palmöl: zertifizierte Zerstörung oder echte Alternative?

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