In diesem Automaten gibt es gerettete Lebensmittel

Rett-O-Mat von Sirplus auf dem Euref-Campus
Fotos: Sirplus

Popcorn, Chips, Müsliriegel, Schokolade, Nüsse oder Softdrinks – an einem neuen Automaten in Berlin kann man sich seit Kurzem vor dem Müll bewahrte Snacks ziehen. Hinter der Aktion steckt eine größere Idee.

Wen unterwegs der Hunger packt, der holt sich manchmal an den zahlreichen öffentlich aufgestellten Automaten salzige und süße Snacks. Mit dem „Rett-O-Mat“ gibt es in Berlin nun einen Snack-Automaten, der ausschließlich „gerettete Lebensmittel“ verkauft: Süße und herzhafte Knabbereien wie Popcorn, Chips, Müsliriegel, Proteinbälle, Nüsse, alkoholfreie Getränke und Fertigmahlzeiten, die entweder kurz vor dem Mindesthaltbarkeitsdatum stehen oder bereits abgelaufen sind. Solche Lebensmittel werden üblicherweise im Handel aussortiert und oft weggeworfen.

Snacks im Automaten, statt in der Tonne

Hinter dem Reste-Automaten steckt das Team von Raphael Fellmer und seinem Food-Outlet Sirplus. „Der Sirplus Rettermarkt und der Online-Shop sind auf eine große, positive Resonanz gestoßen. Daher hat sich das Team dazu entschieden, in andere Lebensbereiche vorzudringen“, erklärt Fellmer. Seit Anfang März steht der Automat nun in Berlin-Schöneberg.

Raphael Fellmer vor dem Rett-o-Mat
Raphael Fellmer vor dem Rett-O-Mat (Foto: Sirplus)

Seit September 2017 gibt es mit SirPlus den ersten Berliner Laden, der für den herkömmlichen Handel ungeeignete Lebensmittel verkauft. Hier gibt es unförmiges Obst und Gemüse sowie abgelaufene Lebensmittel bis zu 90 Prozent günstiger.

Ganz so günstig wie im SirPlus-Laden sind die Snacks am Automaten nicht, schließlich fällt hier der extra Service mit Wartung und Befüllung des Automaten an. Die Preise bewegen sich zwischen 0,50 und 1,50 Euro – die Preisschilder informieren außerdem, wie viel Chips, Riegel und Popcorn ursprünglich gekostet haben.

Sensorisch prüfen: Wie riecht es, schmeckt es?

Eine Mitarbeiterin von SirPlus kümmert sich um die Befüllung und Säuberung des Automaten, außerdem schaut sie regelmäßig, ob die abgelaufenen Lebensmittel noch genießbar sind. „Wir prüfen jede Charge sensorisch, das heißt: Wie sieht das Produkt aus? Wie riecht es? Schmeckt es noch gut? Ist es noch genießbar?“, erklärt Fellmer auf unsere Nachfrage. Bestehen die Produkte den sensorischen Test, verkauft SirPlus sie weiter – oft noch mehrere Monate nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums (MHD).

Warum verkaufen nicht mehr Anbieter abgelaufene Lebensmittel günstiger? Rechtlich gesehen könne jeder in Deutschland Lebensmittel verkaufen, die das MHD überschritten haben. Doch wenn Müsli, Schokolade und Reis laut Etikett „nicht mehr gut sind“, haftet nicht mehr der Produzent – sondern in diesem Fall SirPlus als sogenannter „In-Verkehr-Bringer“, erläutert Fellmer. Deshalb auch die sorgsame sensorische Prüfung.

Ihm zufolge lohnt es sich für große Supermärkte nicht, einzelne betroffene Produkte zu kontrollieren und zu dokumentieren. Auch ein möglicher Grund für die zögerlichen Supermärkte: Angst vor Imageverlust, wenn gemeinhin als minderwertig angesehene Produkte verkauft werden.

Sinneswandel in der Gesellschaft bewirken

Was sagen Fellmer und sein Team zur Kritik, dass ihr Konzept Einrichtungen wie der Tafel Konkurrenz mache? „Wir kommen erst nach der Tafel zur Abholung, daher betrachten wir die Tafel als Partner und nicht als Konkurrenz. Zudem spenden wir 20 Prozent der geretteten Lebensmittel an gemeinnützige Vereine und Organisationen“, schreibt SirPlus auf Facebook.

Snacks im Rett-o-mat
Snacks im Rett-O-Mat (Foto: Sirplus)

Die „Essensretter“ verfolgen mit ihrem Food-Outlet und dem Automaten eine große Idee: „Wir wollen einen Sinneswandel in der Gesellschaft bewirken. Die Leute sollen auch zu Hause genau prüfen: Ist der Joghurt noch genießbar?“ Fellmer wünscht sich, dass es künftig abgelaufene Lebensmittel überall gibt: „Bio gab es früher auch hauptsächlich nur im Reformhaus.“

Mittlerweile kooperieren knapp 200 Unternehmen mit SirPlus; knapp 640.000 Produkte sind in den letzten sechs Monaten über die Ladentheke gewandert. Beschwerden, dass Essen nicht mehr genießbar war, gab es laut Fellmer bis jetzt selten.

Mit bis zu 600 Kunden täglich ist das Ladengeschäft in der Wilmersdorfer Straße 59 zu einer beliebten Einkaufsmöglichkeit geworden; seit Kurzem gibt es die Lebensmittel außerdem im dazugehörigen Online-Shop. Der Erfolg zwingt Fellmer und Co. zu einer räumlichen Veränderung: Aktuell sucht SirPlus eine größere Lädenfläche in Berlin.

Der Rett-O-Mat steht auf dem EUREF-Campus 1-25 in 10829 Berlin-Schöneberg. Den SirPlus-Laden findest du in der Wilmersdorfer Straße 59, 10627 Berlin. Die regulären Öffnungszeiten vom Laden sind: Mo-Sa von 9 Uhr bis 20:30 Uhr.

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