Stiftung Warentest: Leitungswasser ist besser als Mineralwasser

Leitungswasser gesünder MIneralwasser
Bild: Facebook / Test

Gekauftes Mineralwasser in Flaschen ist nicht besser als Leitungswasser – zu diesem Ergebnis kommt die Stiftung Warentest in ihrem neuesten Test. Demnach enthält Leitungswasser oft mehr Mineralstoffe und weniger ungesunde Rückstände.

„Mineralstoffe im Mineralwasser sind ein Mythos“ – viel deutlicher hätte die Stiftung Warentest ihr Testergebnis nicht formulieren können. Auch, was das Ergebnis für uns Konsumenten bedeutet, ist relativ klar: Wasserflaschen schleppen ist fast überall in Deutschland unnötig, wir können getrost Leitungswasser trinken.

Für den Test wurden 28 Trinkwasserproben aus 13 deutschen Bundesländern sowie 30 stille Mineralwässer analysiert.

Leitungswasser ist unbedenklich

Alle 28 Leitungswasser-Proben entsprachen den Vorgaben der strengen deutschen Trinkwasserverordnung. Keine der Proben überschritt die gesetzlichen Grenzwerte. Entgegen der Vermutungen vieler Verbraucher wurden weder Rückstände von Hormonen aus der Anti-Baby-Pille gefunden noch vom Pestizid Glyphosat.

Die Analyse konnte zwar geringe Spuren von Chemikalien feststellen (zum Beispiel Nitrat, Süßstoffe, Medikamente), die Konzentrationen sind aber meist sehr gering (oft unter 0,1 Mikrogramm pro Liter) – und somit laut Stiftung Warentest und Umweltbundesamt gesundheitlich unbedenklich. „Leitungswasser ist so gesund wie Flaschenware, unschlagbar günstig und umweltschonend obendrein“, sagte der Vorstand der Stiftung Warentest, Hubertus Primus, bei der Vorstellung der Ergebnisse in Berlin.

Im Heft test 08/2016 schreibt die Stiftung Warentest:

„Wasserversorger müssen ihr Wasser regelmäßig untersuchen. Im Hinblick auf Keime gilt das für große Betriebe mehrmals täglich. Somit ist es das am strengsten kontrollierte Lebensmittel in Deutschland. […] Für Wasser aus der Leitung gelten deutlich mehr Vorschriften als für Mineralwasser: etwa Grenzwerte für Pestizide und Uran.“

Wenig Mineralstoffe im Mineralwasser

Menschen, die gerne Mineralwasser trinken, begründen dies oft mit dem angeblich hohen Mineralstoffgehalt. Dieses Argument widerlegt der neue Test: Jedes zweite der untersuchten stillen Mineralwässer enthält nur wenig Mineralstoffe. Nur 8 der 30 Wässer konnten mehr Mineralstoffe ausweisen als das mineralstoffreichste Leitungswasser im Test.

Experten sagen zudem, dass wir unseren Mineralstoffbedarf eigentlich bereits über unsere Nahrung abdecken und nicht auf die Mineralstoffe aus dem Wasser angewiesen sind (siehe zum Beispiel diese Studie der Universität Paderborn). Mit anderen Worten: Wem die Versorgung mit Mineralstoffen besonders wichtig ist, braucht deshalb noch lange kein Mineralwasser im Supermarkt zu kaufen. Es macht Sinn, zunächst das eigene Trinkwasser testen zu lassen – vielleicht hat es ja auch schon die Stiftung Warentest geprüft. (zum Test)

Keime und Rückstände im Flaschenwasser

In sechs der stillen Mineralwässer fanden die Tester so viele Keime, dass sie für Menschen mit schwachem Immunsystem riskant sein können. Für Gesunde allerdings sind sie laut Stiftung Warentest nicht kritisch. In fünf der 30 Mineralwässer konnten zudem chemische Rückstände nachgewiesen werden: oberirdische Verunreinigungen von Pflanzenschutzmitteln, einem Süßstoff und einem Abbauprodukt, das entweder vom umstrittenen Pestizid Glyphosat oder aus Wasch- und Reinigungsmitteln stammt. Zwar sind die Rückstände laut Stiftung Warentest gesundheitlich unbedenklich – sie weisen jedoch darauf hin, dass die Quellen, aus denen das Mineralwasser stammt, nicht ausreichend geschützt sind.

Zusammengefasst muss das Fazit des Tests lauten: Zu 100 Prozent rein ist weder Flaschen- noch Leitungswasser, wobei Leitungswasser strenger kontrolliert wird. Warum sollten wir also Geld ausgeben für Mineralwasser in Flaschen – und damit außerdem Müll verursachen?

Kann ich mein Leitungswasser trinken?

Prinzipiell kann man fast überall in Deutschland Leitungswasser bedenkenlos trinken. Natürlich kann aber der Wasserversorger die Qualität nur bis zu den Hausleitungen garantieren. Wenn du dir also unsicher bist, ob in deinem Haus alte Leitungen verlegt sind, die Rückstände hinterlassen könnten, lass einfach eine Probe aus deinem Wasserhahn bei einem örtlichen Labor analysieren. Die Kosten lohnen sich: Wer Leitungswasser trinkt spart richtig viel Geld. Das teuerste abgefüllte Mineralwasser im Test der Stiftung Warentest kostete 70 Cent pro Liter – ein Liter Leitungswasser kostet weniger als einen halben Cent.

Den ganzen Test der Stiftung Warentest findest du unter www.test.de/wassercheck.

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(1) Kommentar

  1. Ist ein guter Artikel!! Wenn doch mehr Leute die Mineralwasser-Kauferei meiden würden, würde insgesamt auch viel weniger Energie verpulvert: Leitungswasser ist nachhaltig!!
    So eine Laboranalyse in Häusern, wo man die Leitungen nicht kennt, oder sie alt sind, fördert dann evtl. die Baubranchen, aber ist wichtig, kann man ja dann vergleichen mit dem Wasserwert des örtlichen Anbieters. Was können die Wasserwerke für Schadstoffe im Endbereich der Leitungen?? Gar nichts. Mein ehemaliger Vermieter hat beim Haussanieren Edelstahlleitungen ins Haus verlegt, ist natürlich Luxus …. Wens interessiert mit den Materialien der Wasserleitungen, diese Seite gibt gute Einblicke, wobei ich sie zufällig gefunden habe:
    http://www.meisinger-ingenieurleistungen.de/index.php/bauberatung/79-trinkwasserinstallation-rohrleitungsmaterialien-im-vergleich

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