Europäische Kommission könnte Käfigtierhaltung beenden – aber erst 2027

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Eine europäische Bürgerinitiative hat es geschafft und genügend Unterschriften gegen die Käfighaltung gesammelt. Dennoch will die EU-Kommission frühestens ab 2027 die Käfighaltung von Nutztieren wie Hühnern und Kälbern beenden, und mögliche Übergangsphasen könnten das auch noch verschleppen.

Hühner, Schweine und Kälber werden bis heute unter teilweise erschreckenden Bedingungen gehalten. Dabei macht man die Käfighaltung längst nicht nur für Tierleid, sondern auch für viele Krankheiten verantwortlich.

Immer mehr Menschen setzen sich daher dafür ein, die Käfigtierhaltung zu beenden. Bürgerinitiativen sind ein Weg, mit dem sich Menschen für das Wohl der Tiere einsetzen und gegen das Leid vorgehen können. Lies dazu auch: Bürgerinitiative: Definition, Ziele und wie du dich beteiligen kannst.

Bürgerinitiative: Beendet das Käfigzeitalter!

Eine europäische Bürgerinitiative hat mit der Kampagne „End the Cage Age“ (Beendet das Käfigzeitalter) bis Oktober 2020 rund 1,5 Millionen Unterschriften für ein Ende der Käfigtierhaltung gesammelt. Mit diesen Unterschriften hat die Bürgerinitiative bei der EU-Kommission erreicht, dass sich die Behörde endlich mit dem Anliegen befasst. Damit ist es die erste erfolgreiche Initiative für landwirtschaftlich genutzte Tiere.

„Die Menschen in Europa nehmen Tierleid nicht mehr einfach hin.“

Mahi Klosterhalfen

„Die Menschen in Europa nehmen Tierleid nicht mehr einfach hin. Sie haben ihre Forderung nach einem Wandel in der Tierhaltung laut und deutlich formuliert und die EU-Kommission hat das als Handlungsauftrag angenommen,“ erklärt Mahi Klosterhalfen, Präsident der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt und Mitinitiator der EBI zu der Entscheidung der Europäischen Kommission (Quelle).

„Europa hat jetzt DIE Chance, mehr als 300 Millionen Sauen, Kälber, Hennen, Kaninchen und andere Tiere aus dieser grausamsten aller Haltungsformen zu befreien und das Käfigzeitalter endlich zu beenden!“, so Klosterhalfen weiter. Als eine von vielen NGOs wolle man genau beobachten, was nun passiert, damit bestimmte Agrarlobbys das Vorhaben nicht wieder kippen.

Zu den betroffenen Tierarten, die mit Käfighaltung in Verbindung gebracht werden, gehören Legehennen, Sauen und Kälber, aber auch Kaninchen, Junghennen, Masthähnchen, Legetiere, Wachteln, Enten und Gänse.

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Symbolbild für Beenden von Käfigtierhaltung Huhn in Freiheit laeuft ueber eine gruene Wiese
Eine artgerechte Haltung von Nutztieren wird durch das Verbot von Käfigtierhaltung vorangetrieben. Foto: CC0 Public Domain / Unsplash – James Wainscoat (Foto: CC0 Public Domain / Unsplash - James Wainscoat)

Käfigtierhaltung beenden: Ist eine Umsetzung bis 2027 möglich?

In Brüssel hat man es indes nicht eilig. Immerhin will man sich jetzt bis Ende 2022 mit einer Abschätzung des Anliegens befassen. Des weiteren plant die EU-Kommission einen entsprechenden Gesetzesvorschlag bis zum Jahr 2023.

Laut EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides, könnte das Verbot „ab 2027“ in Kraft treten (Quelle). Dabei will man „insbesondere prüfen, ob ein Inkrafttreten der vorgeschlagenen Rechtsvorschriften im Jahr 2027 realistisch ist“, erklärte die Behörde. Unklar ist aber dabei jedoch, wie lang mögliche Übergangsphasen dauern sollen.

Die Europäische Bürgerinitiative (EBI) gibt es seit April 2012. Um die Europäische Kommission zu einer Vorlage von Vorschlägen in einzelnen Bereichen zu können, sind mindestens eine Million Stimmen von Menschen aus mindestens sieben EU-Mitgliedsstaaten nötig.

EU-Verzögerungstaktik?

Utopia meint: Die europäische Bürgerinitiative ist ein großer Erfolg – und ein wichtiger Schritt in Richtung von Tierwohl und einem verantwortungsvollen Umgang mit den Nutztieren in der Landwirtschaft. Ob die schrittweise Beendigung der Käfigtierhaltung „bis 2027“ nicht eher Verzögerungstaktik ist, muss sich erst mal zeigen.

In jedem Fall kommt das Ende der Käfigtierhaltung viel zu spät. Die Zustände in der Tierhaltung müssen dringend und deutlich verbessert werden, um den Nutztieren in der Landwirtschaft ein artgerechteres Leben in Freilandhaltung oder Offenstallhaltung zu ermöglichen.

Eines beweist der Erfolg der europäischen Bürgerinitiative End the Cage aber schon jetzt: Die Verbraucher:innen wollen das und werden sich nicht aufhalten lassen.

Was du selbst schon heute tun kannst:

1. Beachte beim Kauf von Produkten, dass sie aus Bio-Landwirtschaft und/oder artgerechter Tierhaltung stammen. Indem du auf Produkte verzichtest, die nicht aus ökologischer oder artgerechter Haltung stammen, zeigst du damit Herstellern und Erzeugern, was dir wichtig ist und worauf es ankommt. Nämlich auf artgerechte Tierhaltung, zum Wohle der Tiere, der Umwelt und am Ende auch der Menschen.

2. Achte auf Tierwohllabel – aber lass dich nicht blenden. Es ist gut, dass selbst Discounter hier erste Schritte gehen und aktuell werben sie auch damit. Aber teilweise gehen sie kaum über das Minimum hinaus und selten erreichen Sie Bio-Niveau. Details im Beitrag Tierwohl-Labels und -Siegel der Supermärkte.

3. Hilfreich ist auch, weniger Fleischprodukte zu essen und allgemein etwas vegetarischer oder veganer zu leben. Das ist ganz offensichtlich besser für die Tiere – aber auch fürs Klima. Und das muss gar nicht schwierig sein: Hier 10 Tipps, um ein bisschen veganer zu werden. Oder hör die unseren Utopia-Podcast an: Weniger Fleisch essen: So klappt es ganz einfach.

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