Der Amazonas ist bedroht: 10 Dinge, die du jetzt tun kannst

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Im Amazonasgebiet werden derzeit Bäume in Rekordgeschwindigkeit abgeholzt – größtenteils illegal. Grund ist auch das Coronavirus. Dabei gilt der größte Regenwald der Welt als „Lunge unseres Planeten“; wir brauchen ihn, um zu überleben. Was du jetzt tun kannst. 

Das Amazonasgebiet liefert 20 Prozent unseres Sauerstoffs und beherbergt zehn Prozent der Artenvielfalt unseres Planeten. Es gilt als die „Lunge unseres Planeten“ – und hilft, das globale Klima zu stabilisieren. Der Amazonasregenwald sichert unser Überleben.

Doch aktuell werden riesige Flächen Regenwald vernichtet. Im Mai veröffentlichte die Nachrichtenagentur Reuters erneut Zahlen zum Ausmaß der Katastrophe: Demnach wurden im April dieses Jahres 64 Prozent mehr Wald abgeholzt als im gleichen Monat 2019. Seit Januar sind damit 1.202 Quadratkilometer Amazonasregenwald verloren gegangen – das entspricht ungefähr der Fläche von Berlin und München zusammen.

Durch Rodungen geht kostbarer Regenwald verloren.
Durch zumeist illegale Rodungen geht Regenwald verloren. (Foto: CC0 / Pixabay / Picography)

Brasilien ist größter Rindfleisch-Exporteur der Welt

Doch woran liegt es, dass so große Teile des Regenwalds vernichtet werden? Mit illegalen Abholzungen wollen Bäuer*innen, Landspekulant*innen und Großgrundbesitzer*innen Platz schaffen – Platz für Weideflächen für Rinder und den Sojaanbau. Denn: Brasilien ist der größte Rindfleisch-Exporteur der Welt, in dem Land gibt es mehr Rinder als Menschen. Zweitwichtigster Treiber für die Abholzung des Regenwalds ist der Sojaanbau – und auch den will der amtierende Präsident Jair Bolsonaro vorantreiben. Einen empfehlenswerten Hintergrundbericht hat der Tagesspiegel.

Auch Corona-Krise als Grund für illegale Abholzungen

Aktuell trägt offenbar auch die Corona-Krise dazu bei, dass so viel Regenwald vernichtet wird: Aus Sicherheitsgründen werden laut Reuters derzeit weniger Kontrolleur*innen in gefährdete Gebiete geschickt, die normalerweise gegen illegale Abholzungen vorgehen.

Hinzukommt, dass die Angst vor Wirtschaftseinbrüchen und Armut durch Corona wachse. Dass könne mehr Menschen dazu antreiben, auf illegalem Weg Geld zu verdienen – etwa durch Waldrodungen. Noch sei es jedoch zu früh, diesen Zusammenhang bestätigen zu können, heißt es bei der NGO „Imazon“.  Mehr dazu: Im Schatten von Corona: Am Amazonas passiert gerade eine große Katastrophe

Weltweiter Anstieg der Waldvernichtung um etwa 150 Prozent

Doch nicht nur im brasilianischen Regenwald wird massiv abgeholzt: Aus einer Studie der Umweltstiftung WWF geht hervor, dass Rodungen weltweit um bis zu 150 Prozent zugenommen haben. Am meisten seien Gebiete in Indonesien, Brasilien und im Kongo betroffen. Mehr dazu bei tagesschau.de.

Während im Sommer die ganze Welt mitbekam, wie wochenlang hunderte Quadratkilometer Regenwald brannten, hört man von der derzeitigen Katastrophe nur wenig. Immerhin der Appell der indigenen Aktivistin und Schauspielerin Kay Sara, die eindringlich auf die verheerenden Zustände im brasilianischen Regenwald hinwies, erhielt einige Aufmerksamkeit.

Der Regenwald ist bedroht  – und uns stellt sich die Frage: Was können wir hier, tausende Kilometer entfernt, tun? Die Antwort: Einiges.

1. Kaufe kein Fleisch, keine Eier und keine Milch aus Massentierhaltung

Neben der Viehzucht ist der Sojaanbau der wichtigsten Treiber der Regenwaldabholzung in Brasilien. Soja aus dem Amazonasgebiet landet auch bei uns – und zwar als Futtermittel in der Massentierhaltung. (Mehr dazu im Soja-Report des Bund für Umwelt- und Naturschutz).

Kaufe deshalb Fleisch-, Eier- und Milcherzeugnisse nur in Bio-Qualität. Noch besser als das EU-Bio-Siegel sind die Siegel der Bio-Anbauverbände Demeter, Bioland oder Naturland. Mehr dazu: Bio-Siegel: Was haben die Tiere davon?

Bei tierischen Produkten gilt generell: Lieber weniger davon konsumieren. Hier sind 10 Tipps ein bisschen veganer zu werden.

2. Wenn Fleisch, dann nur regionales Bio-Fleisch

Im Jahr 2018 kamen laut der NGO Amazonwatch 41 Prozent der Rindfleischexporte der EU aus Brasilien. Etwa 43.000 Tonnen Fleisch (ohne Geflügel) wurden laut Statista in den deutschen Markt importiert. Wer Fleisch kauft, sollte darauf achten, dass es nicht nur aus nachhaltiger Bio-Tierhaltung, sondern auch aus der Region kommt. Mehr dazu: Bio-Fleisch: Qualität erkennen, richtig kaufen.

Generell gilt bei Fleisch immer: Weniger ist mehr.

Kaufe Fleisch aus der Region. (© grafikplusfoto - Fotolia.com)

3. Wechsle zu einer nachhaltigen Bank

Großbanken wie die Deutsche Bank, die Commerzbank oder die ING.Group investieren Millionenbeträge in die brasilianische Viehzucht und den Sojaanbau – und sorgen so dafür, dass der Regenwald weiter zerstört wird. (Die NGO Amazonwatch hat dazu ausführlich recherchiert: hier.)

Wechsle deshalb zu einer nachhaltigen Bank. Nachhaltige Banken investieren dein Geld weder in die Regenwaldabholzung, noch in Waffen- oder Atomgeschäfte. Wohin und wie du wechseln kannst, erfährst du hier: Jetzt einfach zu einer nachhaltigen Bank wechseln.

nachhaltige Geldanlage sparen
Nachhaltige Banken investieren dein Geld nicht in fragwürdige Geschäfte. (Foto: CC0 / Unsplash / Christian Dubovan)

4. Vermeide (konventionelles) Palmöl – auch dafür wird Regenwald gerodet

Im Amazonasgebiet spielt Palmöl zwar eine untergeordnete Rolle (das meiste stammt aus Indonesien und Malaysia). Doch Brasilien steht immerhin auf Rang zwölf der Palmöl-produzierenden Länder. Und: Regenwald ist Regenwald – und den rettest du auch, indem du auf Palmöl verzichtest, vor allem auf konventionelles.

Mehr dazu: Palmöl: Die tägliche Regenwald-Zerstörung beim Einkauf und 11 beliebte Produkte mit Palmöl und gute Alternativen

5. Spare Papier und verwende Recyclingpapier

Deutschland ist Europas größter Papier-Produzent. Das für die Papier-Produktion verwendete Holz stammt jedoch selten aus heimischen Wäldern, sondern meist aus Skandinavien, Indonesien – und Brasilien. Papier besteht aus Holz und für Holz wird Regenwald zerstört.

Aus Altpapier gewonnenes Recyclingpapier steht Frischfaserpapier qualitativ in nichts nach, auch wenn es für viele noch ein grau-verstaubtes Image hat. Worauf du dabei achten musst: Altpapier: Wie du Bäume rettest, wenn du deinen Müll richtig entsorgst

6. Unterstütze Aufforstungsprojekte

Nutze Ecosia statt Google. Die nachhaltige Suchmaschine pflanzt für jede Suche Bäume – auch im Amazonas-Regenwald. Auch die Tropenwald-Stiftung Oro Verde pflanzt Bäume, um den Regenwald zu retten. Genauso die Organisation Plant for the Planet.

Es stimmt, auch Aufforstungsprojekte sind umstritten. Wir haben uns deshalb Empfehlenswerte Organisationen angeschaut – und worauf du achten solltest.

Bäume pflanzen – empfehlenswerte Baumpflanzprojekte und Organisationen zum Waldschützen
Bäume pflanzen schützt Regenwälder – und das Klima. (Foto: hiroshiteshigawara / stock.adobe.com)

7. Kaufe keine Möbel aus Tropenholz

Das Holz für unsere Möbel und andere Produkte (wie Papier) kommt unter anderem aus dem Amazonasgebiet. Auch hier spielt Brasilien eine untergeordnete Rolle – Länder wie Malaysia, Papua-Neuguinea, Indonesien, Myanmar und Thailand exportieren weit mehr als das Land im Amazonasgebiet. Dennoch: In Südamerika liegt Brasilien vorn. Ein großer Teil des Tropenholzes wird illegal gerodet und gehandelt, schreibt die NGO Oro Verde.

Kaufe deshalb Möbel und andere Erzeugnisse aus nachhaltiger Produktion. Nachhaltige Möbel findest du etwa in unserer Bestenliste.

8. Vermeide Produkte aus Leder

Brasilien ist ein wichtiger Exporteur von Leder – 80 Prozent des brasilianischen Leders wird exportiert. Ob dein Leder aus Brasilien stammt, ist leider schwer zu erkennen. Am sinnvollsten ist es deshalb eigentlich, auf Leder zu verzichten. Wenn du trotzdem zu Leder greifst, kannst du aber ein paar Dinge beachten:

9. Vermeide Aluminium

Aluminium wird aus dem Erz Bauxit gewonnen. Ein Großteil davon kommt in Regenwaldländern vor. Für die Förderung werden Wälder gerodet – auch im Amazonasgebiet. Mehr dazu in unserem Artikel: Wie schädlich ist Aluminium für Umwelt und Gesundheit? Und 13 Tipps, wie du Aluminium vermeiden kannst.

10. Mach auf das Problem aufmerksam

Informiere dich bei NGOs wie Greenpeace, Amazonwatch, Oro Verde oder dem BUND. Unter den Hashtags #PrayforAmazonia oder #Amazonrainforest kannst du auf Facebook, Twitter oder Instagram Bilder, Artikel oder einfach deine Gedanken teilen. So sorgst du dafür, dass so viele Menschen wie möglich auf die Situation aufmerksam werden und das Thema im Gespräch bleibt. Denn: Der Schutz des Regenwalds ist essenziell für das Fortbestehen der Menschheit.

Je mehr Lärm gemacht wird, desto weniger können Politik, Konzerne und andere Entscheidungsträger*innen wegschauen. Wir freuen uns, wenn du auch diesen Artikel teilst und wir es so schaffen, dass viele Leute aktiv werden können. Für deine internationalen Freund*innen findest du eine englische Version des Texts hier. Er bezieht sich zwar auf die Feuer 2019, die Tipps sind aber gleichermaßen gültig: The Amazon is up in Flames – 9 Things You Can Do

Regenwaldbrände im Sommer 2019

In Brasilien wütenden im Sommer 2019 die schlimmsten Waldbrände seit Jahren. Der Online-Plattform Statista zufolge wurden allein im brasilianischen Regenwald im gesamten vergangenen Jahr 198.000 Brände erfasst – deutlich mehr als im Jahr zuvor: 2018 waren es laut dem brasilianischen Weltraumforschungsinstitut IPNE 39.759 Brände gewesen.

Dabei wurden natürliche Feuer ausgenutzt, die letztes Jahr aufgrund einer ungewöhnlich lang anhaltenden Trockenperiode entstandenen: Viehzüchter*innen, Groß- und Kleinbäuer*innen und Landspekulant*innen legten ihrerseits Feuer, um Platz zu schaffen. Das berichtete etwa der Journalist Philipp Lichterbeck im August 2019 der Tagesschau.

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(5) Kommentare

  1. Der Artikel über die Brände am Amazonas und wie man sie verhindern kann ist der einzige Weg!!! Nur wird auch hier Unterlass von den TABU zu reden dass 1/3 de Menschen auf der Erde überflüssig sind. Also ohne verantwortlich Geburten Kontrolle gibt es keinen Stop!! Die Erde hält keine 8 Billionen Menschen aus!! LG

  2. Sorry, Herr Simons,
    aber Sie meinten wohl 8 Milliarden Menschen, nicht 8 Billionen. Zurzeit liegt die Weltbevölkerung bei ca. 7,7 Milliarden. In der Sache selbst haben Sie sicher recht.
    Horst Köhler, Friedberg (26.8.2019)

  3. Die Erde hält sehr wohl 8 Milliarden Menschen aus, aber nicht mit unserem jetzigen Lebenstil. Dieser verändert die Tier- und Pflanzenwelt nachhaltig, vergiftet Gewässer, Luft und Böden und zerstört unsere Lebensgrundlagen, ist schließlich die Ursache für die Klimakrise.
    Also runter vom Konsum in der jetzigen Form, Umdenken und „Umhandeln“ hin zur Postwachstumökonomie.

  4. Das ist ja alles sehr lieb und nett gemeint,aber nützen wird es nicht viel, wenn ein großer Teil der Menschheit weiter Fleisch kauft, von Tieren, die mit Gensoja aus Brasilien gemästet wurden.
    Das macht vielleicht ein gutes Gewissen, wird aber einen Bolsonaro, der indirekt an dem Verbrechen beteiligt ist, indem er die Agrarlobby, die ihm mit zu seinem Wahlsieg verholfen hat ,hofiert, und die Gesetze zur Brandrodung und überhaupt alle Umweltgesetze inklusive dem Schutz der Indigenen, die im Amazonasurwald leben,
    gekippt hat. Wir sollten in Massen unsere Europa-Abgeordneten und unsere Regierungen bestürmen, und fordern, das Mercosur-Abkommen zurückzunehmen,
    zumindest in der jetzigen Form. Es ist das Wirtschaftssystem, das die Erde kaputt macht, indem es der Gier Tür und Tor öffnet! Leute, wacht auf, engagiert euch, empört euch, übt zivilen Ungehorsam…und natürlich, passt eure Konsumgewohnheiten den Gegebenheiten an.Fridays for Future muss wachsen, muss eine Sturmflut werden, die die Mächtigen das Fürchten um ihre Posten lehrt.