Ökologischer Rucksack: Berechne deinen Rohstoff-Verbrauch

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Im ökologischen Rucksack stecken all die Umweltschäden aus unserem Konsum. Das Gewicht sagt, dir wie schwer dein Lebensstil für die Umwelt wiegt – aber du kannst Ballast abwerfen.

Der ökologische Rucksack wiegt den Konsum in Rohstoffen auf

Das Smartphone hat einen riesigen ökologischen Rucksack.
Das Smartphone hat einen riesigen ökologischen Rucksack.
(Foto: CC0/pixabay/Yong_)

Zu einer symbolischen Gewichtseinheit umgerechnet, gibt der ökologische Rucksack das Gewicht der verwendeten Rohstoffe an. Der ökologische Rucksack enthält alle Ressourcen, um die Konsumgüter herzustellen, sie zu gebrauchen und auch am Ende zu entsorgen.

Die Verbraucherzentrale rechnet das für ein Smartphone vor. Die kleinen Geräte kommen tatsächlich mit schwerem Gepäck daher.

  • In einem Smartphone sind etwa zehn Gramm Kupfer verbaut. Um das Kupfer aus Erz zu gewinnen sind noch andere Rohstoffe notwendig. Dadurch bringen die zehn Gramm Kupfer ein Gewicht von 3,5 Kilo für den ökologischen Rucksack mit.
  • Dazu kommen noch das Gewicht der restlichen Materialien im Smartphone, für die Verpackung sowie der Rohstoffverbrauch für den Transport.
  • Der ökologische Rucksack des Smartphones wiegt dann stolze 75 Kilo.

So berechnest du den ökologischen Rucksack

Der ökologische Rucksack gewichtet den Konsum neu.
Der ökologische Rucksack gewichtet den Konsum neu.
(Foto: CC0/pixabay/stevepb)

Aus deinem Lebensstil, welche Produkte du verwendest und wie oft du neue kaufst, errechnet sich dein ökologischer Rucksack. Maßgeblich entwickelt hat das Konzept Friedrich Schmidt-Bleek am Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie.

Das Institut stellt einen Rechner im Internet zur Verfügung, mit dem du dir das Gewicht deines ökologischen Rucksacks ausrechnen kannst.

Aus Fragen zu sechs Kategorien sagt dir der Rechner, das Gewicht deines Konsumverhaltens.

  1. Wohnen
  2. Konsum
  3. Ernährung
  4. Freizeit
  5. Mobilität
  6. Urlaub

Dabei gibst du zum Beispiel die Höhe deines Stromverbrauchs an oder wie viel Energie du verbrauchst, um die Wohnung zu heizen. Fährst du mit dem Auto, gibt es Fragen zum Verbrauch und wie viele Kilometer du in der Woche fährst – auch Mitfahren zählt dazu.

Für jede Kategorie erhälst du ein Zwischenergebnis in Tonnen. So siehst du wie sich nach jeder Kategorie der Rucksack füllt, welcher Bereich bei dir besonders schwergewichtig ist oder wo dein Rucksack kaum gefüllt wird.

Dein Ergebnis gibt der Rechner als pdf-Datei aus. Du kannst dich mit dem Durchschnittswert aller Nutzer vergleichen oder dich an dem nachhaltigen Zielwert für 2030 von 17 Tonnen messen.

Die Berechnung des ökologischen Rucksack enthält die verbrauchten Rohstoffe, wie Metallerze, Erdöl, Kohle, Holz oder Lebensmittel. Hier kannst du das Gewicht beeinflussen, indem du zum Beispiel Ökostrom verwendest anstatt herkömmlichen Strom aus Kohle.

Die Berechnung berücksichtigt auch den Verbrauch von Boden durch den Straßenbau oder durch den Kohlebergbau. Diese Komponente kannst du kaum beeinflussen, da du in Deutschland in einem Land lebst, dass ein enges Straßennetz hat.

Dagegen ist Wasser um Rohstoffe weiter zu verarbeiten im Rechner nicht enthalten.

So verliert der ökologische Rucksack an Gewicht

Radfaher kommen mit kleinerem ökologischem Rucksack aus.
Radfaher kommen mit kleinerem ökologischem Rucksack aus.
(Foto: CC0/pixabay/Simon)

Wie kannst du das Gewicht deines ökologischen Rucksacks verringern und das Ziel für 2030 erreichen?

Im Anschluss an deine Auswertung kannst du im Rechner ausprobieren, was du an deinen Lebensstil ändern solltest. Du siehst die Auswirkung auf das Gewicht für jede der sechs Kategorien.

Das kannst du tun, um das Gewicht deines Rucksacks zu reduzieren:

1) Wohnen:

  • Die Größe der Wohnfläche je Bewohner hat Einfluss auf die Ressourcen, die du verbrauchst. Das ist zum Beispiel die Bodenfläche oder Heizenergie.
  • Ökostrom schont fünf mal mehr die Ressourcen, als der herkömmlicher Strom. Der Rechner empfiehlt auch auf die Siegel für Ökostrom zu achten, wie „ok-Power-Label“ oder „Grüner Strom Label„.

2) Konsum:

  • Verwende alle Produkte möglichst lange, das schont die Umwelt am meisten.
  • Mit einem minimalistischen Lebensstil erleichterst du den Rucksack, aber du kannst auch unbeschwert vom Konsum-Ballast leben.
  • Repariere deine Sachen und wirf nicht alle gleich weg.
  • Kaufe Second Hand oder tausche und leihe dir Dinge, die du nicht häufig benötigst.
  • Achte auf gute Qualität, die lange hält. Ein vermeintliches Billigprodukt, dass du schnell ersetzten musst, kann am Ende teurer sein als das qualitativ hochwertigere.

3) Ernährung:

  • Ernähre dich vegetarisch oder vegan.
  • Meide Billigfleisch aus Massentierhaltung, kauf dafür lieber ab und zu Öko-Fleisch.
  • Verwende saisonale Lebensmittel aus der Region.
  • Verzichte auf Wasser in Flaschen. Das Leitungswasser in Deutschland ist oft besser als Mineralwasser.

4) Freizeit:

  • Bei deinen Freizeitaktivitäten kannst du Ressourcen schonen. Der Rechner packt Golfspielern oder Skifahrer extra Gewicht in den Rucksack.

5) Mobilität:

  • Verwende nach Möglichkeit das Fahrrad oder lauf auch mal zu Fuß.
  • Kleinwagen sind nicht nur deutlich günstiger, sie sparen auch Sprit und Ressourcen bei ihrer Produktion, oder wechsel zu einem Elektroauto.

6) Freizeit:

  • Urlaub im eigenen Land in kleinen Familienhotels kann auch entspannend sein. Oder geh auf Entdeckungsreise mit dem Fahrrad.

Der ökologische Rucksack – als Maßstab zur Produktentwicklung

Bergbau führt zu schweren Gewichten im ökologischen Rucksack.
Bergbau führt zu schweren Gewichten im ökologischen Rucksack.
(Foto: CC0/pixabay/Mhy)

Das Konzept, das hinter dem ökologischen Rucksack steckt, heißt MIPS, die Abkürzung steht für „Material Input pro Einheit Service“. Das ist eine Maßeinheit, aus der du ablesen kannst, wie intensiv ein Produkt oder eine Dienstleistung Rohstoffe verbraucht. 

Dabei ist immer auch der gesamten Lebensweg eines Produkts Teil der Berechnung. Ein Produkt verbraucht nicht nur zu Beginn Rohstoffe, sondern auch während du es verwendest, zum Beispiel  Strom, und am Ende, wenn es recycelt oder entsorgt wird.

Das Konzept soll Produktdesignern einen Anhaltspunkt geben, möglichst nachhaltige Produkte zu gestalten. Ein wesentlicher Faktor, um den ökologischen Rucksack zu erleichtern sind langlebige Produkte, die wieder verwertbar sind.

Der Initiator des ökologischen Rucksacks Friedrich Schmidt-Bleek fordert Industrienationen auf, ihren Materialverbrauch für Konsum um den Faktor 10 zu reduzieren. Nur dann hätten auch die restliche Welt eine Möglichkeit ein nachhaltiges Leben zu führen.

Ökologischer Rucksack – Konzepte im Vergleich

Der ökologische Rucksack misst die Umweltbelastung von Konsumgütern in Tonnen und stellen den Verbrauch der Rohstoff in den Vordergrund. Das Gewicht des ökologischen Rucksacks sagt aus, wie effektiv Produkte die vorhandenen Rohstoffe nutzen.

Der CO2-Fußabdruck berechnet die Menge der Treibhaus-Emissionen, die durch den Konsum entstehen. Damit drückt der CO2-Fussabdruck die Klimabelastung aus und weniger die Ausbeutung der Rohstoffe.

Im Ansatz sind beide Berechnungen ähnlich und fragen die gleichen Themen ab. Der Unterschied kommt durch eine andere Gewichtung in der Berechnung.

  • Bei dem CO2-Fussabdruck zum Beispiele spielt es weniger eine Rolle, ob du ein Gebrauchtwagen fährst oder ein neues Auto gekauft hast, solange sie wenig Sprit verbrauchen.
  • Dagegen wertet der ökologische Rucksack den Gebrauchtwagen besser oder leichter als den Neuwagen, weil weniger Rohstoffe verbraucht wurden.

Der Earth Overshoot Day ist im Ansatz wiederum ähnlich zum ökologischen Rucksack, da er die verbrauchten Ressourcen misst.

  • Der Earth Overshoot Day gibt jedoch den Tag an, ab dem die Menschen statistisch schon die Ressourcen des nächsten Jahres verbrauchen.

Am Schluss sind sich alle Konzepte einig: Je bewusster du konsumierst, desto besser für die Umwelt.

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