Hybridgate? Studie misst extreme Abweichungen bei CO2-Werten von Hybridautos

Foto: Pixabay/ CC0/ goranh

Plug-in-Hybride sollen für weniger Emissionen beim Autofahren sorgen. Aber tun sie das auch? Eine neue Studie hat gängige Hybrid-Modelle untersucht und festgestellt: Sie halten die angegebenen CO2-Werte nicht annähernd ein.

Hybridautos haben sowohl einen elektrischen Antrieb als auch einen Verbrennungsmotor – doch ihr Nutzen ist umstritten. Im Rahmen einer neuen Studie wurden die CO2-Werte der drei meist verkauften Plug-in-Hybridautos genauer untersucht; mit ernüchterndem Ergebnis: Selbst im voll-aufgeladenen Zustand sollen die Modelle zwischen 28 und 89 Prozent mehr CO2 ausstoßen als offiziell angegeben.

Studie: Getestete Autos halten CO2-Werte nicht annähernd ein

Die Plug-in-Hybride BMW X5, Volvo XC60 und Mitsubishi Outlander haben der Studie zufolge alle mehr CO2 ausgestoßen als offiziell angegeben. Das stellten die Tester:innen von Emission Analytics fest, die die neue Studie im Auftrag der NGO Transport & Environment durchführten.

  • Mit voll aufgeladener Batterie stießen die Autos zwischen 28 und 89 Prozent mehr CO2 aus.
  • Mit leerer Batterie kamen die Modelle auf das drei- bis achtfache der offiziellen Werte.
  • Die Autos wurden auch im Lademodus getestet – hier stießen die Plug-in-Hybride die drei- bis zwölffache Menge CO2 aus.

Die Auftraggeber der Studie, Transport & Environment, sprachen sich auf Twitter für ein Ende der Subventionen und Steuervergünstigungen für Plug-in-Hybride aus und warnten vor einem neuen Emissionsskandal.

Hybridgate? Wieso Plug-in-Hybride die CO2-Werte übersteigen

Laut der NGO Transport & Environment müssen Plus-In-Hybride öfter geladen werden als Elektroautos. Nutzt man beim Fahren den Verbrennungsmotor, würde das Fahrzeug die offiziellen CO2-Emissionswerte pro Kilometer schon nach circa elf bis 23 Kilometern überschreiten, so die NGO.

Das Problem: Teilweise schalten die Fahrzeuge von selbst auf den Verbrennungsmotor zurück. Laut Bedienungsanleitung des Mitsubishi „Outlander“-Modells kann das beispielsweise passieren, wenn der oder die Fahrer:in zu schnell beschleunigt, die Klimaanlage läuft oder das Plug-in-System zu heiß oder kalt wird. Von den getesteten Fahrzeugen hatte außerdem nur das „Outlander“-Modell eine Schnelllade-Funktion.

„Autohersteller geben den Fahrer:innen die Schuld für die hohen Emissionen“, erklärte Julia Poliscanova, Senior Director im Bereich „Saubere Fahrzeuge“ bei Transport & Environment, in einer Pressemitteilung. „In Wahrheit sind viele Plug-in-Hybride aber einfach nicht gut gebaut. Sie haben schwache Elektromotoren, große, umweltverschmutzende Motoren und können in der Regel nicht schnell laden.“

Für eine trockene Nase gibt es viele Ursachen, z.B. die Reizung durch Abgase
Manche Plug-in-Hybride schalten von selbst auf den Verbrennungsmotor um. (Foto: CC0 / Pixabay / Paulina101)

So reagiert die Autoindustrie auf die Studie

Der Verband der europäischen Autohersteller stellte die Methode der Studie in Frage. Dem Portal Euronews gegenüber erklärte die Organisation, dass nur Fahrzeuge während langer Fahrten untersucht worden seien, und das sei nicht repräsentativ. Der Verband verwies auch darauf, dass in Europa zugelassene Neuwagen ab 2021 unter anderem Abgaswerte an die EU-Kommission übermitteln. Dieses würde ein wirklichkeitsnäheres Bild liefern.

Die Studie von Transport & Environment ist aber nicht die erste, die die CO2-Ausstoß-Werte von Plug-in-Hybriden wiederlegt. Im September 2020 erschien zum Beispiel eine Studie des Fraunhofer-Instituts für System und Innovationsforschung (ISI) und des International Council on Clean Transportation (ICCT). Sie kam zu dem Ergebnis, dass der reale Kraftstoffverbrauch und die CO2-Emissionen von Plug-in-Hybridfahrzeugen bei Privatfahrzeugen in Deutschland mehr als doppelt so hoch ausfallen wie im offiziellen Testzyklus. Bei Dienstwagen seien sie sogar viermal so hoch.

Mehr Infos zum Thema: Plug-in-Hybrid: Elektroauto mit Benzintank – das Beste zweier Welten?

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(1) Kommentar

  1. Wer hat gedacht, dass zeitweiliges Elektrofahren etwas schont oder spart?
    Selbst wenn man ein paar Cents beim Bremsen in den Akku „blasen“ kann, weiß man doch, dass das Rückgewinnen einen schlechten Wirkungsgrad hat.
    Die Kraftkopplung von E-Antrieb oder Verbrenner ist aufwendig und verursacht zusätzlich Gewicht. Andererseits wird der E-Motor und der Akku zusätzlich vom Verbrenner transportiert. Hinzu kommt die Störanfälligkeit der komplizierten Technik.
    Aber der Kat, der Auspuff, der Turbo, die Kupplung…. wollen noch verkauft werden.