UN-Chef an Student:innen: „Arbeitet nicht für Klima-Zerstörer“

António Guterres an Student:innen: "Ihr habt die Fäden in der Hand. Arbeitet nicht für Klima-Zerstörer"
Foto: Wei Xuechao / XinHua / dpa

Jungen Menschen kommt eine wichtige Rolle im Kampf gegen die Klimakrise zu. Der UN-Generalsekretär António Guterres betonte dies in einer Rede. Darin appellierte er an Student:innen, nicht für klimaschädliche Unternehmen zu arbeiten.

Junge Menschen sollten die Klimakrise auch in ihrer Berufswahl berücksichtigen. Das war die Botschaft des UN-Generalsekretärs António Guterres in einer Rede anlässlich einer Abschlussfeier an der Seton Hall University in New Jersey, USA.

Wie die britische Tageszeitung The Guardian berichtet, wandte sich Guterres mit einem unverblümten Karriereratschlag an die Absolvent:innen: „Arbeiten Sie nicht für Klimakiller, sondern nutzen Sie Ihre Talente, um uns in eine erneuerbare Zukunft zu führen“. 

Junge Menschen haben es in der Hand: Absage an klimaschädliche Unternehmen

Als Klimakiller bezeichnete Guterres Unternehmen, die den Abbau fossiler Brennstoffe vorantreiben. Diese würden weiterhin „Berge von Geldern für Kohle und fossile Brennstoffe, die unseren Planeten zerstören“, ausgeben. Und dies trotz der erdrückenden Beweislast für eine sich abzeichnende Klimakatastrophe und unseres Wissens, dass „Investitionen in fossile Brennstoffe eine Sackgasse sind – wirtschaftlich und ökologisch“. Daran könne auch nicht das weitverbreitete Greenwashing in dieser Branche etwas ändern. 

Der UN-Generalsekretär appellierte daher an die Hochschulabsolvent:innen: „Ihr müsst die Generation sein, der es gelingt, den planetarischen Notfall des Klimawandels anzugehen“. Die jungen Menschen hätten nun die Karten in der Hand und könnten eine Botschaft an die klimaschädlichen Unternehmen senden, indem sie sich nicht von diesen einstellen ließen. 

Guterres zufolge gehören zu diesen Unternehmen „einige der größten Namen im Finanzwesen“. Das bestätigt die französische Non-Governmental-Organization Reclaim Finance, laut derer weniger als die Hälfte der 150 weltweit tätigen Großbanken und Finanzinstitute ihre Geschäfte mit dem Öl- und Gassektor auf das Maß beschränkt haben, das zur Begrenzung der globalen Erwärmung bis 2050 erforderlich ist. 

Auch Finanzkonzerne in Deutschland sind an Investitionen in fossile Brennstoffe beteiligt. Beispielsweise finanziert die Deutsche Bank klimaschädliche Großprojekte mit Milliarden. Wenn du verhindern möchtest, dass wiederum deine Geldanlagen diese Investitionen mitfinanzieren, solltest du deine Bank wechseln und auf eine Ökobank umsteigen sowie nachhaltig investieren

Eine „Litanei gebrochener Klimaversprechen“

"Moralischer und wirtschaftlicher Wahnsinn": So bezeichnete UN-Chef Guterres die Investitionen in fossile Brennstoffe.
„Moralischer und wirtschaftlicher Wahnsinn“: So bezeichnete UN-Chef Guterres die Investitionen in fossile Brennstoffe.
(Foto: CC0 / Pixabay / stevepb)

Guterres hatte sich im Verlauf der vergangenen Monaten immer deutlicher zur Klimakrise und vor allem zu ihren Antreibern geäußert. Bereits im April nahm Guterres Regierungen und Unternehmen ins Visier, denen er eine „Litanei gebrochener Klimaversprechen“ vorwarf. 

Der UN-Chef zeigte sich mit Klima-Aktivist:innen solidarisch, indem er verdeutlichte, dass „die wirklich gefährlichen Radikalen die Länder sind, die die Produktion von fossilen Brennstoffen steigern. Investitionen in neue Infrastrukturen für fossile Brennstoffe sind moralischer und wirtschaftlicher Wahnsinn.“ 

Anlass für Guterres‘ eindringliche Botschaft war ein neuer Bericht des Weltklimarats (IPCC) zum Klimawandel, aus dem hervorgeht, dass die schädlichen Kohlenstoffemissionen zwischen 2010 und 2019 so hoch wie nie zuvor in der Geschichte der Menschheit seien. Dies sei ein Beweis dafür, dass sich die Welt auf einer „Überholspur“ in die Katastrophe befindet, wie Guterres warnte. 

Utopia meint: Guterres‘ Appell an die jungen Hochschulabsolvent:innen, mit ihrer Berufswahl dieser rapiden Entwicklung entgegenzutreten, könnte auf fruchtbaren Boden fallen. Schließlich ist das Klimabewusstsein der jüngeren Generationen in vielen Bereichen ausgeprägter als das der Baby-Boomer-Generation, deren Vertreter:innen oft in den Führungsetagen der Klimakiller-Unternehmen sitzen. Mehr dazu, wie sich die Generationen hinsichtlich ihrer Einstellungen zum Klima unterscheiden, kannst du hier nachlesen: Generationen XYZ und das Klima

Doch gleichzeitig lässt sich in der Botschaft Guterres‘ die problematische Tendenz erkennen, die Verantwortung für die Abwendung der Klimakatastrophe auf junge Menschen abzuwälzen. Auch wenn sich Hochschulabsolvent:innen gegen einen Job bei Klimakillern entscheiden, würden viele davon doch ihre Operationen wie bisher weiterlaufen lassen können. Die Regierungen und die klimaschädlichen Unternehmen sollten stattdessen noch viel mehr zur Rechenschaft gezogen werden und strengere Auflagen zum Klimaschutz verabschieden und umsetzen müssen.

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