Öko-Test: Nur 10 Stromanbieter sind „sehr gut“

Grafik @ Utopia

Ökologische Stromanbieter liegen im Trend – und das ist gut so. Schlecht ist nur, dass nicht jeder grüne Strom wirklich etwas zur Energiewende beiträgt. Öko-Test hat sich in der aktuellen Ausgabe Stromanbieter vorgeknöpft und nennt solche, bei denen das der Fall ist.

Um Umwelt und Klima zu schützen, wollen immer mehr Kund:innen Strom, der ohne Kohle- und Atomkraft entsteht. Und deswegen bieten immer mehr Produzent:innen ihn auch an: Der Marktanteil von Ökostrom stieg laut UBA von 4,5 Prozent im Jahr 2008 auf gut 26 Prozent im Jahr 2018.

Der Markt für sauberen Strom wächst also solide. Und das hat Folgen: Zum einen werden die Angebote vielfältiger, der Strom klimafreundlicher. Das ist gut. Zum anderen treten nun eben Anbieter auf, die nur vom Trend profitieren wollen – aber nicht wirklich an der Energiewende interessiert sind. Und das ist dann nicht so gut.

Öko-Test: ökologische Stromtarife näher betrachtet

Denn „Energiewende“ bedeutet: Wir arbeiten weiterhin daran, in unserem Land auf stabile Weise vor allem Strom aus erneuerbaren Energien zu erzeugen. Einfach nur „irgendeinen eingekauften Ökostrom verkaufen“ reicht da nicht.

Öko-Test stellte deshalb 2020 vor allem die Frage: Trägt ein Öko-Stromprodukt zum zusätzlichen Ausbau der erneuerbaren Energien bei? Für die Antwort hat sich das Verbrauchermagazin 69 Tarife angesehen und mit Hilfe der jeweiligen Webseiten der Anbieter versucht, herauszufinden, welchen Beitrag die Stromanbieter hier zur Energiewende leisten.

Öko-Test interessierte sich dabei vor allem für Tarife, die über das EEG hinaus ausdrücklich zum Ausbau der erneuerbaren Energien beitragen und dies auch transparent durch Ökostromlabel oder anders belegen.

Utopia-Liste: Die besten Ökostromanbieter

Öko-Test-Urteil: Beitrag zum Ausbau der Energiewende zählt

Das Ergebnis:

  • Öko-Test nennt zehn sehr gute Stromanbieter. „Sehr gut“ sind für Öko-Test solche Stromprodukte, die einen Preisaufschlag (entweder pro kWh, oder auf den monatlichen Grundpreis) transparent ausweisen und die ebenso transparent darstellen, wie die Aufschläge für den Ausbau der erneuerbaren Energien verwendet werden.
  • Die von Utopia ausdrücklich empfohlenen Ökostromanbieter EWS Schönau, Greenpeace Energy, Naturstrom und Polarstern schneiden auch in diesem Ökostrom-Test mit je einem „sehr gut“ ab.
  • Die von uns ebenfalls empfohlenen Anbieter Bürgerwerke, Mann Strom und Prokon kamen bei Öko-Test leider gar nicht vor, hier hätte uns die Einschätzung des Verbrauchermagazins sehr interessiert.

Öko-Test als PDF kaufen: Ökostrom-Test

Außerdem in der aktuellen Ausgabe: Ein Beitrag von Eva Hauser, Forschungskoordinatorin am Institut für ZukunftsEnergie- und Stoffstromsysteme (IZES) der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Saarbrücken. Sie hat sich vor allem mit dem Energiemarkt und dem Gelingen der Energiewende beschäftigt und offenbar auch die Kriterien für den Test entwickelt.

Im Beitrag „Ökostrom ist nicht gleich Ökostrom“ legt sie lesenswert und mit Blick auf 2021 dar, welche Rolle das Erneuerbare-Energien-Gesetz und darüber hinaus gehende Bemühungen von Ökostromanbietern spielen. Ihr Fazit: Wer über die EEG-Umlage hinaus die Energiewende fördern möchte, könne sich für ein empfehlenswertes Ökostromprodukt entscheiden.

Öko-Test-Backgrounder zu Ökostrom als PDF kaufen

Eine Ausgabe, die sich lohnt: Öko-Test 1/2021 mit Ökostromanbieter-Test und der kompletten Liste mit allen Testergebnissen – ab 28. Dezember am Kiosk. Mehr Infos: www.oekotest.de

Utopia meint: Dass viele scheinbar grüne Unternehmen noch zu einem großen Teil mit Kohle- oder Atomstrom-Unternehmen verbunden sind, spielte für Öko-Test anders als früher leider keine Rolle mehr. Das ist zum Teil nachvollziehbar: Auf den realen Beitrag eines Anbieters zur Energiewende hat dies sachlich betrachtet keinen direkten Einfluss, weil diese vor allem vom EEG getrieben wird.

Den Lobbyismus gegen die Energiewende muss man bei dieser Betrachtung allerdings mental ausklammern (siehe Lobbypedia zu EnBW, EON, RWE, Vattenfall) oder, dass die Atomindustrie den strahlenden Atommüll, der bei der Erzeugung von angeblich billigem Atomstrom anfiel, nun auf Steuerzahlerkosten entsorgen wird und der Ökostromeinkauf beim Graustromkonzern diese Praktik dann auch noch belohnen wird.

Daher legen bewusste Konsument:innen weiterhin Wert darauf, das „ihr“ Anbieter auch indirekt möglichst wenig bis nichts mit Kohle- oder Atomstrom zu tun hat.

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(3) Kommentare

  1. Zitat: »Die von uns ebenfalls empfohlenen Anbieter Bürgerwerke, Mann Strom und Prokon kamen bei Öko-Test leider gar nicht vor, hier hätte uns die Einschätzung des Verbrauchermagazins sehr interessiert.«

    Hmm… diese Aussage hat aber einen faden Beigeschmack. Gibt es etwa keine fundierten Grundlagen für eure Empfehlungen?

  2. Habe einen Mix aus Tag+Nacht. Bei einer Gegenüberstellung meines Gesamtverbrauches und die addierten Kosten beider Tarife zum Ökostrom habe ich eine Differenz von fast 300! Euro.
    Wir würden gern nur Ökostrom verbrauchen – das ist jedoch zu viel „Beitrag“.
    Wenn wir z.B. Mittags einen geringeren Verbrauchspreis berechnet bekämen…
    Da würden wir die Rechnung noch einmal machen.

  3. Wir (Prokon) haben bei Ökotest nachgefragt, da wir bisher bei deren Tests auch immer mit „Sehr gut“ bewertet wurden. Antwort: Wir haben das Testverfahren geändert. Basis der Internetrecherche waren Daten von der Get AG, die jedoch auf 69 Anbieter zusammengekürzt wurden. Die Redaktion konnte jedoch nicht näher erklären, weshalb Bürgerwerke, Mann Strom und Prokon nicht unter die Lupe genommen wurden.

    Es soll aber weitere Tests geben.